Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

13/14 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Humanmedizin (4000)

Gesamteindruck

Das Jahr in Berlin war wohl mein bestes Studienjahr bisher. Die vielen neuen Erfahrungen möchte ich auf keinen Fall missen. Stadt, Leute, Freizeit und die Zeit im Krankenhaus haben für mich perfekt zusammengepasst. Nur schade, dass wir die Prüfungen nicht in Berlin schreiben können und so das Jahr zweimal unterbrechen müssen. Abgesehen davon ein absolut tolles Jahr, dass sich in jeder Hinsicht gelohnt hat und ruhig hätte länger dauern dürfen!

Vorbereitung

Wie die meisten Erasmusstudenten in Berlin habe auch ich mich dazu entschieden, im Wintersemester Kurse zu belegen und während des Sommersemesters zu famulieren. Ich würde dies auch genauso weiterempfehlen, da ich so anfangs viel Zeit hatte für Stadt und Leute und im zweiten Teil dann mehr für die Medizin. 

Da sich der ganze Studiengang Medizin in Berlin gerade in einer Neustrukturierung befindet, werden die Kurse für zukünftige Erasmusstudenten in Berlin anders aufgebaut sein. Ich war im letzten Jahr, wo noch im Regelstudiengang studiert wird, konnte mir also die Kurse fürs Wintersemester aus (fast) allen Fachrichtungen aussuchen, wovon ich die meisten dann auch erhalten habe, sodass ich schlussendlich alle geforderten Kurse aus Zürich kompensieren konnte. Ab WiSe 14 werden alle Erasmusstudenten im Modellstudiengang studieren, dann wird wohl alles ein wenig anders aussehen.

Insgesamt war der Aufwand für die Vorbereitung nicht sehr gross, auch der Papierkram hielt sich in Grenzen. 

Ankunft

Ich bin fast drei Wochen vor Semesterbeginn angekommen und konnte so die Zeit gut nutzen, mich einzuleben und die nötigen Formalitäten zu erledigen (Anmeldung beim Bürgeramt, Immatrikulation, Termin beim Betriebsarzt, Konto eröffnen undund...) Da ich schon ein Zimmer hatte, haben die 3 Wochen gut gereicht, ansonsten sollte man wahrscheinlich früher kommen. Mit der Immatrikulation erhält man auch das Semesterticket, mit dem man in ganz Berlin (ABC) den ÖV benutzen kann, Fahrradmitnahme inklusive!

Ich habe auch mein Fahrrad von Zürich mitgenommen und die viele freie Zeit zu Beginn genutzt, um die Stadt kennenzulernen. Durch meine Wg und die anderen Erasmusstudenten kam ich dann auch relativ schnell mit Leuten in Kontakt.

Da Berlin in den letzten Jahren zu der Einwanderungsstadt schlechthin geworden ist, findet man wirklich  sehr leicht Anschluss. An der Charité gibt es auch eine extra für Erasmus-Studenten geschaffene Studentenverbindung, die Events organisiert und das Einleben in Berlin erleichtern möchte. So kommt man auch gut mit deutschen Studenten in Kontakt.  

Zimmersuche
Wohnen

Ich hatte das Glück, dass ich das Zimmer von einem vorherigen Erasmusstudenten übernehmen konnte. Wenn man sich aber früh genug (bei Semesterbeginn suchen halt alle!) um die Zimmersuche kümmert, ist es auch nach wie vor nicht so schwierig, etwas zu finden. Die Preise sind zwar in den letzten Jahren gestiegen, aber im Vergleich zu Zürich immer noch günstig. Über Wg-gesucht.de finden die meisten etwas, das Erasmusbüro hat sonst auch noch ein paar Kontakte.

Es lohnt sich, eher im Zentrum zu wohnen und nicht zu weit von S- und U-Bahn. Berlin ist riesig und die Fahrzeiten lang, auch mit der U-Bahn! Die Zentren der Charite, wo die Kurse stattfinden, befinden sich in Mitte, Wedding und Steglitz. (Die Fahrt zu letzterem ist aber auch vom Zentrum aus ca. 1 Stunde, danach sollte man sich nicht orientieren!). Für die Famulaturen, die man ja selbst organisiert, kann man sich dann bequem Krankenhäuser in der eigenen Umgebung aussuchen.

Universität

Im ersten Semester Kurse, besuchte  ich die klinischen Kurse, meist ca. 3-4 / Woche und immer nachmittags, sodass ich wirklich viel Zeit hatte, um die Museen, Cafés und Kinos zu entdecken und zu geniessen. Die Kurse sind ähnlich aufgebaut wie in Zürich, meistens geht man mit einem Arzt gemeinsam zu Patienten und macht Anamnese und Untersuchung. Die Ärzte lassen einen auch gerne mal alleine mit den Patienten, was vielen gefällt, ich jedoch mochte es meist lieber, wenn mir jemand ein Feedback gibt. Ich hatte Kurse in Neurologie, Psychiatrie, HNO, Augenheilkunde, Gyn/Geburtshilfe, Kinderheilkunde und Radiologie. Die grösste Herausforderung war wohl, herauszufinden wann und wo welcher Kurs stattfindet und diesen auch zu finden. Am besten sich den Mitstudenten anschliessen, das Kurssystem ist nicht ganz einfach zu durchschauen. Zu den Vorlesungen kann ich nicht viel sagen da ich kaum dort war, da wir ja die Prüfungen in Zürich schreiben müssen. Das ist nicht nur des Aufwandes wegen schade, sondern auch weil so ein Teil des Austausches irgendwie verloren geht. Die Neurologie-Vorlesungen besuchte ich allerdings, denn die sind Fall-orientiert aufgebaut und daher richtig gut.

Im zweiten Semester habe ich dann ausschliesslich famuliert, war also den ganzen Tag im Krankenhaus. Das ist anstrengend, da man meist zwischen 7 und 8 Uhr beginnt und bis ca 16-17 Uhr bleibt, aber auch sehr lehrreich, da man so den Spitalalltag kennenlernt, viel Patientenkontakt hat und auch praktische Fertigkeiten lernen kann wie Blut abnehmen, Ports anstechen, Nähen etc. Meine Famulaturen habe in den Fächern Geriatrie, Notfallmedizin, Onkologie und Pädiatrie gemacht und es hat mir jeweils richtig gut gefallen. Ich denke es lohnt sich, etwas längere Famulaturen und dafür weniger davon zu machen, so kann man sich auch richtig ins Team integrieren und viel selbständiger sein.

Leben/Freizeit

In diesem Bereich ist Berlin fast unschlagbar. Die Stadt, welche nicht nur durch ihren geschichtlichen Hintergrund so einiges zu bieten hat, übertrifft die Erwartungen aller Kulturinteressierten bei weitem. Theater, Kino, Oper (im Sommer auch alles unter freiem Himmel), verschiedenste Museen und Galerien begeistern, aber auch die vielen Cafés, guten Restaurants (grosse Auswahl an asiatischer Küche), international bekannte Clubs und Bars sind toll, für jeden Geschmack lässt sich etwas finden. In Berlin wird auch sehr gerne in den eigenen vier Wänden gefeirt oder im Sommer in einem der vielen Parks. Auch das Sportangebot der Uni lohnt sich. Man muss sich zwar bei Semsterbeginn für einen Kurs einschreiben und diesen auch bezahlen (im Gegensatz zum ASVZ), die Preise sind aber tief und die Kurse toll.

Berlin hat einfach unglaublich viel zu bieten und ist zudem unschlagbar günstig. Mich wieder umzugewöhnen wird schwierig sein. Die Flohmärkte an den Sonntagen, der Treptower Park, der Hamburger Bahnhof, der Teufelsberg, der Türkenmarkt,  das Tempelhofer Feld, die tollen Filmfestivals im Babylon-Kino und meine neuen Freundschaften haben mir die Heimreise extrem schwierig gemacht.