Erfahrungsberichte

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Wer

enzo.bertuzzi[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

12/13 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Management

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Ich kann an dieser Stelle nur einmal mehr bestätigen wie bereichernd ein Austausch generell ist. Besonders auch im Falle von China, bzw. Shanghai, da hier doch noch die Eine oder Andere Herausforderung mehr auf einen zukommt, und man dadurch noch mehr Gelegenheiten hat sich persönlich zu entwickeln, und seinen Horizont zu erweitern.

In kultureller Hinsicht würde ich es als eine äusserst interessante und augenöffnende Erfahrung bezeichnen.  Eine phantastische Gelegenheit mit der Vielfalt der Chinesischen Kultur, deren Ansichten, und deren Arbeitsweisen in Berührung zu kommen. Ein Volk, ein Land, welches dieses Jahrhundert mit Sicherheit massgeblich geprägt hat, noch weiter prägen wird, und mit dem die Meisten vergleichsweise wenig in Kontakt kommen. Zusätzlich ist es eine vermutlich einmalige Gelegenheit, eine solch rasante Entwicklung der Wirtschaft mit ihren Chancen und Herausforderungen mitzuerleben, was Einblicke gewährt die ergänzend zur Ausbildung, und nicht zuletzt in der beruflichen Zukunft mit Sicherheit sehr wertvoll sein werden.

Vorbereitung

Sprache:

Als Vorbereitung für den Austausch wäre es theoretisch natürlich enorm hilfreich etwas Chinesisch zu lernen. Wer allerdings nicht besonders sprachbegabt ist, sollte sich hier nicht zu viele Hoffnungen machen, viel mehr als einen Einstieg in die Sprache wird in diesem Programm kaum möglich sein. An der Universität geht natürlich sowieso alles über Englisch, aber im Alltag sind einige Chinesisch Brocken schon sehr hilfreich. Das allerwichtigste lernt man von alleine, für interessierte lohnt sich ein Vorbereitungskurs bereits in Zürich bestimmt, und notfalls kann man hier auch für 30RMB in der Stunde einen Privatlehrer haben. Ist aber alles nicht notwendig, ich kam mit Händen und Füssen auch ohne Chinesisch zurecht. Wichtig an dieser Stelle ist aber, dass an der Fudan keine Sprachkurse angeboten werden.

Visum:

Bezüglich Visum würde ich anraten nur das Single-Entry zu beantragen. Um Für ein Multiple-Entry finde ich den Aufwand schlicht zu gross in der Schweiz. Dazu muss man die Gesundheitstests absolvieren, die nicht von der Kasse gedeckt sind. Darüber hinaus ist das noch lange keine Garantie auch ein Multiple-Entry Visa zu bekommen, von vier Kollegen aus Zürich war ich der einzige, der dann tatsächlich auch eines bekommen hat. Am einfachsten ist es, schlicht den Service der Fudan hier zu nutzen. Gleich bei der Anmeldung an der Uni kann man sich dafür melden, es ist dann alles organisiert, und die Untersuchungen kosten ein Bruchteil.

Geld:

Bezüglich Geld lohnt sich ein Chinesischen Konto schon, man kann dann eine äusserst praktische Chinesische „EC“ Karte haben. Kosten tut das Konto de facto nichts, nur 10 RMB. Zudem ist der Umrechnungskurs beim Transfer von z.B. CHF in RMB enorm vorteilhaft, und Komissionen werden dabei keine Fällig.

Soziales:

Es hat sich offenbar so eingebürgert, dass Facebook Gruppen gegründet werden, um sich zu organisieren. Das ist eine tolle Sache, denn dadurch kann man sich bereits im Vorfeld etwas organisieren, z.B. sogar Mitbewohner suchen. Falls bis einige Wochen vor Abreise kein anderer auf die Idee kommt, zögert nicht selber eine zu starten.

VPN:

Stellt sicher, dass euer VPN richtig funktioniert. Die „Great Firewall“ ist noch immer äusserst aktiv. Nicht nur für Facebook, aber auch für Recherchen für die Uni ist er häufig unerlässlich. 

Ankunft

Ich würde empfehlen mindestens eine Woche, wenn möglich etwas früher bereits nach Shanghai zu fliegen. Dadurch hat man genügend Zeit sich etwas zu akklimatisieren und die Stadt auch bereits etwas kennenzulernen. Es ist dann auch nicht notwendig schon vor Beginn der Vorlesungen eine feste Unterkunft zu haben, aber durchaus empfehlenswert. Dies erspart einem viel Stress.

Bargeld kann man fast nicht genug bereits mitbringen, brauchen tut man es sowieso, und im Notfall kann man es auch noch zur Bank bringen.

Wichtig gleich zu Beginn ist auch eine lokale Handynummer, die braucht man spätestens wenn man dann auf Wohnungssuche ist. Für diejenigen, welche auf mobiles Internet nicht verzichten möchten ist China Unicom zu empfehlen, die haben das beste 3G Netz. Damit telefoniert man auch in ganz China zum Einheitstarif, gut für diejenigen die innerhalb des Landes noch Reisen möchten. Dazu aber besser in einen offiziellen Store von China Unicom gehen.

Alle weiteren Informationen zur Registrierung an der Fudan werden rechtzeitig zur Verfügung gestellt und sind durchaus ausreichend. 

Zimmersuche
Wohnen

Das einfachste um eine Wohnung oder auch ein Zimmer zu finden sind lokale Makler. Auf Internetseiten wie Smartshanghai.com kann man sich bereits einige Wohnungen anschauen, dann einen der Makler kontaktieren und der Rest ergibt sich dann eigentlich von selbst. Die Makler sind in der Regel der übliche Weg, sie kosten zwar, aber ohne fliessendes Chinesisch gibt es schlicht keine Alternative. Mietpreise sind relativ hoch, keine Zürcher Verhältnisse, aber für eine ansprechende Wohnung zahlt man dann doch etwa zwei Drittel von den bei uns üblichen preisen. Der erste Preis ist allerdings verhandelbar, wie auch die Konditionen generell. Üblich sind Einjahresverträge, mit einem, oder zwei Monatsmieten Depot, und zwei bis drei Monatsmieten Vorauszahlung. Sollte man den Vertrag frühzeitig beenden, verliert man aber das Depot. Eine kürzere Mietdauer resultiert wiederum in einem höheren Mietzins, daher lohnt es sich meistens dann doch das Risiko einzugehen das Depot zu verlieren. Immerhin besteht noch die Chance einen Nachmieter zu finden, in diesem Fall würde auch das Depot zurückbezahlt.

Persönlich würde ich es empfehlen möglichst in der Innenstadt zu wohnen, sprich südlich des Shanghai Creek, nördlich der Linie 9 und östlich der Huashan Road. Dies ganz einfache daher, weil sich fast alles dort abspielt und man die beste Wohnqualität hat, da alles was man braucht in kurzer Distanz ist. Nicht ohne Grund leben fast alle Ausländer dort. Nahe der Linie 10 bis zur Fudan ist natürlich auch praktisch, weil näher an der Uni, aber es kann hier etwas schwieriger werden alles um sich zu haben, was man brauch. 

Universität

Alles in allem würde ich sagen, die Uni hat zweifelsohne einen exzellenten Ruf in China und ist im Ost-Asiatischen Raum durchaus bekannt. In der Regel ist für chinesische Verhältnisse alles sehr gut organisiert und kann mit westlichen Standards mithalten.

Die Vorlesungen gleichen meistens eher unseren Seminaren, viel Interaktion, Diskussionen, und Präsentationen. Häufig sind auch kleinere Arbeiten zu schreiben. Der Unterrichtsstil variiert natürlich sehr mit der/dem ProfessorIn. Chinesische Professoren pflegen einen vergleichsweise zurückhaltenden Stil, verglichen zu Gastprofessoren aus den USA. Die im Buchungssystem (Portal) zur Verfügung gestellten Syllabi geben aber bereits einen sehr guten Eindruck was zu erwarten ist. Die Zugangsdaten zum Portal werden jeweils etwa zwei Monate vor Beginn der Vorlesungen bereitgestellt.

Viele Kurse werden im Bereich Finance, Strategie, Organisation und HRM angeboten. Das Niveau ist in der Regel vergleichbar mit Zürich, allerdings wird eine andere Perspektive geboten, was der Hauptvorteil ist. Die Betreuung wird immer durch ein Teaching Assistent gewährleistet, ein System, das sich äusserst gut bewährt. Ich habe die Kurse „Financial Institutions and Innovation“, „Investment Response to the Five Year Plan“, „Applied Macroeconomics“, „Multinational Financial Management“, und „New Venture Creation“ besucht. Letztere beiden kann ich wärmstens weiterempfehlen, ersterer ist wertvoll, da er enorm Chinaspezifisch ist, die Einblicke in den Fünfjahresplan sind sehr aufschlussreich.

Leben/Freizeit

Das Alltagsleben kann durchaus etwas herausfordernd sein, natürlich dauert in dieser grossen Stadt auch alles immer etwas länger. Im grossen und Ganzen findet man sich dann aber doch schnell zurecht. Interessant ist es, dass hier China und der Westen manchmal fusionieren, kurzum es gibt alles was man sich  wünschen könnte, von Street Food über Gourmetmarkt, von Sushi bis zum Burger-Laden - Nur finden muss man es noch, aber dazu sind die Internetseiten Timeout und Smartshanghai da.

In der modernsten und „westlichsten“ Stadt des Chinesischen Festlandes wird einem dann auch ganz bestimmt nicht langweilig. Auch der Einfluss der kulturellen Vielfalt unter den Ausländern ist nicht zu unterschätzen. Obwohl es relativ leicht ist, auch mit anderen Expats und englisch sprechenden Locals in Kontakt zu kommen, verbringen die meisten der Austauschstudierenden ihre Freizeit doch hauptsächlich zusammen. Was aber in keiner Hinsicht ein Nachteil wäre. Es ergibt sich eine tolle internationale Atmosphäre, man kann ein breites Netzwerk aufbauen, Freunde gewinnen und nicht nur mit der Chinesischen Kultur vertrauter werden.