Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

12/13 WS

Universität

CN-
Hong Kong - Chinese University of Hong Kong

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Mein Austauschsemester an der Chinese University of Hong Kong kann ich ohne zu übertreiben als Bereicherung anpreisen. Hong Kong als Tor zu/ Hafen von China und dabei besonders die CUHK mit ihrer Nähe zur chinesischen Grenze und einem College System, dass das universitäre Interesse am kulturellen Austausch zwischen den Studierenden unterstützt und fördert, bietet einmalige Gelegenheiten behutsam mehr über die chinesische Geschichte und Kultur zu lernen und dabei über die Eigene zu reflektieren.

Fachlich gesehen ist die CUHK eine der besten Universitäten Asiens. Das Lehrsystem ist einfach gesagt 'anders', organisatorische Schwächen werden stark durch die Interaktion zwischen Lehrpersonal und Studierenden ausgeglichen und Grundsätzlich bemüht sich jedes Mitglied des Universitätspersonals dem Austauschstudenten seinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.

Hong Kong ist auf jeden Fall auch ein, wenn nicht DER (Luft-)Hafen zum asiatischen Pazifik, weshalb es sich; das nötige Taschengeld vorausgesetzt; auf jeden Fall lohnt frühzeitig vor dem Antritt des Semesters Reisepläne zu schmieden. Doch auch Flugmuffel werden in und um Hong Kong genug Spannendes zum Entdecken finden.

Vorbereitung

Der Bewerbungsprozess ist generell, sowohl von Seite der UZH, als auch vom Personal der CUHK, sehr gut moderiert. Die Anforderungen sind beinahe immer eindeutig erläutert und wenn man doch mal eine Information überlesen hat, wird einem gerne weitergeholfen.

Der Notenschnitt spielt natürlich immer seine Rolle, ist aber meineserachtens kein Killerkriterium - und sicher kein Grund, den Versuch einer Bewerbung nicht zu wagen. Wichtig ist aus meiner Sicht zweierlei:

1. Nimm dir Genug Zeit für das Zusammenstellen deiner Unterlagen, manche Dinge verzögern sich gern durch unerwartete Banalitäten, die eigentlich niemandem Schaden, aber Last minute doch zu Ärgernissen führen können.

2. Sei dir bewusst WARUM du WOHIN willst. Sobald du dieses Wissen besitzt, übertrag es in dein Motivationsschreiben und versprüh auch gerne mal etwas Persönlichkeit. Sowas lässt sich gleich viel netter lesen, als die üblichen Floskeln.

Da es sich beim dem Programm mit der CUHK um ein universtitäres Abkommen handelt, kann man im Falle einer Bestätigung durch das Büro für Internationale Beziehungen zu 99% sicher sein, dass dem Austauschsemester nichts mehr im Weg steht, ausser man selbst. Beachtet die Fristen der CUHK und bombadiert sie notfalls auch mit Emails, denn auch wenn sie selbst nicht immer die Pünktlichsten sind, es wird sehr darauf geachtet, dass ihr euch an Vorgaben haltet. Danach heisst es: Viel Spaß in Hong Kong!

Wie bereits im letzten Abschnitt erwähnt, lohnt es sich frühzeitig Reisepläne zu schmieden. Für Studenten im Herbstsemester lohnt sich das Autumn Festival für eine Reise, die Preise für Tickets und Hotels/Hostels werden aber spätestens Anfang Oktober ziemlich teuer, da zu dieser Zeit so ziemlich jeder irgendwo einen Kurzurlaub macht. Für Studenten im Frühjahrssemester bietet sich das Chinese New Year an, für welches ihr gleich zu Beginn des Semesters zwei Wochen Ferien bekommt.

Für die medizinische Vorbereitung sei erwähnt, dass der Campus der CUHK sich nicht direkt in der Stadt, sondern eher in der Natur befindet. Gerade im Sommer gibt es draussen einige Mosquitos, die aber eher lästig als gefährlich sind. Je nach Reiseambitionen empfehle ich dennoch das Konsultieren eines Tropenarztes.

Ankunft

Die Anfahrt vom Flughafen zur Universität wird durch das OAL grundsätzlich sehr detailliert erklärt. Im Allgemeinen habe ich meist den Shuttlebus vom Flughafen nach Sha Tin genommen, empfehle aber für die erste Etappe das Taxi. Idealerweise hilft hier auch bereits die Facebookgruppe für dich und deine Mitstudenten, die frühzeitig durch das OAL eingerichtet wird (anmelden nicht vergessen!). 3 Personen mit entsprechendem Gepäck können sich entspannt ein Taxi teilen, was den individuellen Preis auf mindestens 7 Euro drücken sollte. Behalte aber einen Zettel mit dem kantonesischen Namen der Universität bereit oder richte es gleich so ein, dass du mit jemandem zusammen fährst, der etwaige Sprachkenntnisse besitzt.

Während der Orientierungswoche wird dann der Großteil des Organisatorischen geklärt. Solltest du keinen deiner Kurse im ersten Durchgang bekommen haben, hast du nochmals die Möglichkeit diese über das universitätseigene Onlinesystem (CUSIS, ist quasi ein OLAT-Deluxe) oder mit den jeweiligen Formen direkt bei den Lehrstühlen zu buchen. Das Personal bemüht sich nach Kräften zu helfen, du musst lediglich freundlich sein und aufpassen, dass man dich nicht vertröstet.

Optimal ist es, wenn du dich bereits am ersten Tag um deine Octopus Card kümmerst. Wenn du bereits bei deiner Ankunft mit dem OAL-Personal darüber sprichst und dich nicht auf die Deadline vertrösten lässt, kannst du dir eine zweiwöchige Wartezeit und damit die hälfte der Ticketpreise für die Bahn sparen (und während der ersten zwei Wochen nutzt man die Bahn sicher am häufigsten).

Danach heisst es dann: Neue Leute im Orientation-Hostel kennenlernen und die Stadt erkunden!

Zimmersuche
Wohnen

Grundsätzlich halte ich es für empfehlenswert On-Campus zu hausen. Für Bachelorstudenten wird ein Hostelplatz in den verschiedenen Colleges garantiert, Masterstudenten haben die Option in der Postgraduate Hall zu wohnen.

Da lediglich Studenten, die einen Master in Recht anstreben, Fächer in der Stadt und damit ausserhalb des Campus haben, sind diese wohl die Einzigen, die von einer Wohnung in der Stadt maßgeblich profitieren können. Wohnraum ist in Hong Kong das rarste Gut, die Mietpreise selbst für abgehärtete schweizer Studentenportmoinees eine Herausforderung. Auf der anderen Seite hat für mich gerade das Leben auf dem Campus eine geschätzte neue Erfahrung geboten, die ich im Studentenleben an der UZH sicher vermissen werde. Viel von dem Spirit und der Kultur der CUHK erlebt man nur dann voll, wenn man wirklich dort lebt und 400 € Miete für 4 Monate kann man fast nichtmehr als Schnäppchen bezeichnen.

Wichtig ist jedoch die Wahl des richtigen Colleges. Grundsätzlich trägt sich der Großteil der Incoming Students für die International Houses ein, hier entscheidet bei der Zuteilung dann das Los. Die International Houses bietet ein für den Campus einzigartiges Wohnkonzept, mit kleinen Wohnungen für bis zu 7 Personen, die kollektiv Küche und Bad teilen. In durchschnittlichen Hostelzimmern teilt man sich einen Raum mit 1 bis 2 Studenten (meist Chinesen) und findet Gemeinschaftsbad und -Küche in der Mitte des Stockwerks. Die Zugehörigkeit zu einem College hat zwei große Einflüsse auf dein Leben an der CUHK: Zuerst legt sie fest, zu welchem (kulturellen) Netzwerk du gehörst und ergo wo du allgemeine organisatorische Angelegenheiten klärst. Zweitens bestimmt es deinen alltäglichen Laufweg über und Ausblick auf den Campus, und das ist für die meisten Austauschstudenten wohl die signifikantere Erfahrung. Den allgemein besten Blick hat man im New Asia College, gefolgt von Shaw. Die zentralste Lage haben das S.H.HO, sowie das Morningside College, dicht gefolgt von Chung Chi. Shaw ist hier, zusammen mit den International Houses, weit abgeschlagen und für Lauf- und/oder Busmuffel nicht zu empfehlen. United schliesslich liegt direkt über dem Hauptcampus, bietet einen weniger guten Blick als New Asia, dafür eine etwas bessere Anbindung an die große Bibliothek. Ausserdem beherbergt es die einzige 'Bar' auf dem Campus (nicht empfehlenswert) und die wohl besten College Canteens. Es gibt noch 3 weitere Hostels, aber diese sind neuer und allgemein weniger Empfehlenswert.

Gerade weiblichen Studenten würde ich ausserdem empfehlen, einen Platz in einem Mixed Hostel zu wählen. Das Hostelpersonal dort ist weitaus liberaler und man hat kaum Probleme mit Besuch oder 'Ausgangssperre'. Ich selbst habe in einem Mixed Dorm gewohnt und konnte auch Nachts meist noch Besuch auf mein Zimmer nehmen, wohingegen ich meine Freundin, die in einem Females Only Dorm wohnte, unter der Woche lediglich ein paar Stunden in der Lobby besuchen konnte.

Es herrscht grundsätzliches Rauchverbot, wobei das Personal allgemein Verständnis für Bedürfnisse dieser Art aufweist und wenn man mit ihnen eine gute Beziehung pflegt, bietet sich der ein oder andere Freiraum.

Universität

Das universitäre Leben ist sehr stark durch den Campus geprägt. Für mich war dies eine komplett neue Erfahrung, die ich sehr genoss. Täglicher Umgang mit den Mitstudenten und Universitätspersonal, Sport-, Ess- und Lerngebäude nie weiter als 10 Minuten entfernt, all das steigert die Leistungsbereitschaft.

Prägend ist das College System. Innerhalb der Colleges, Hostels und schliesslich Floors, besteht gerade bei den Local Students ein hohes Zusammengehörigkeitsgefühl, was durch eine Vielzahl an Aktivitäten gefördert und gefordert wird.

Zu Anfang wirkt das Universitätsgelände überfordernd, nicht allein wegen der Größe, sondern mehr der Tatsache geschuldet, dass sie auf bzw. zwischen mehreren Hügeln gebaut ist (was für Hong Kong ja charakteristisch ist.) Sobald man sich aber die Schleichwege und Fahrstühle gemerkt hat, kommt schnell der Überblick - Treppensteigen wird aber nach wie vor zum Alltag an der CUHK gehören.

Die Organisation des Unterrichts ist leider nicht so effizient, wie man das von der UZH gewöhnt ist - ein bisschen Geduld und Flexibilität ist hier gefragt. Ausgeglichen wird dies wie eingangs beschrieben durch die hohe Hilfsbereitschaft des Personals und auch die durchschnittlich kleinere Klassengröße, die regelmässigen persönlichen Kontakt mit dem/der ProfessorIn erlauben, wenn benötigt.

Auf Bachelorstufe sind, gerade die Wirtschaftsfächer, durchaus human was ihren Leistungsanspruch angeht. Selbst in den fortgeschritteneren Kursen habe ich selten Dinge behandelt, die wir nicht an der UZH wenigstens ansatzweise besprochen haben. Der Knackpunkt ist hier vielmehr die unterschiedliche Lern- und Prüfmentalität. Erstens gibt es unter dem Semester weitaus mehr zutun: Entweder 2 Midterms, mehrere Assignments, Seminararbeiten mit Präsentation oder eine Kombination dieser Bewertunsmethoden, findet man grundsätzlich in jedem Fach. Diese bilden 30 bis 50% der Endnote. Der Rest wird über die Abschlussprüfung ermittelt.
Zweitens liegt nach meiner Erfahrung ein weit höherer Fokus auf dem Auswendiglernen der Lerninhalte, als auf der Anwendung selbiger. Was nicht heisst, dass es keine Anwendungsaufgaben gibt oder pures Auswendiglernen strikt die bessere Lernstrategie ist. In jedem Fall muss man sich aber auf eine Anpassung seiner Lerngewohnheiten einstellen, will man an der CUHK gute Noten erreichen. Ist dies einmal geschafft, steht einem guten Schnitt aber nichts mehr im Weg.

Leben/Freizeit

Hong Kong ist eine Metropole, die Gegensätze zu vereinen weiß. Nicht umsonst ist sie Asias World City und das Tor der westlichen Welt zu Mainland China.

Die ersten Stationen, die du besuchen wirst sind vermutlich folgende:

Sha Tin: Ich würde es als eine Art 'Vorort von Hong Kong City' nennen. Sha Tin befindet sich lediglich zwei MTR (Bahn) Stationen entfernt von der University Station. Der sicherlich beste Ort um einen günstigen Friseur zu finden, bietet ausserdem eine IKEA Filiale, in der man sich mit Bettwäsche und sonstigen Untensilien für die Gestaltung des neuen Zuhauses eindecken kann. Auch sonst ist Sha Tin vorallem durch eines geprägt: Ein riesiges Gewebe verschiedenster Shopping Center und 'Marktplätze'. Ausserdem bietet es günstige alternativen zum nicht ganz so abwechslungsreichen Kantinenessen.

TaiPo Market: Lediglich eine MTR Station, aber distanzmässig etwa genauso weit entfernt wie Sha Tin befindet sich TaiPo Market. Neben weiteren Shoppingoptionen bietet diese Gegend vorallem denn namensgebenden Lebensmittelmarkt, in dessen Obergeschoss man wunderbar frisches asiatisches Essen (über thai und indisch bis hin zu traditionell chinesischem Essen) im lokalen Stile geniessen kann.

Mong Kok/ Prince Edward Station: Bekannt vorallem für den Ladies- und den Flower Market. Gerade auf ersterem findet man primär touristischen Ramsch, aber mit ein bisschen Glück und dem nötigen händlerischem Geschick, offenbart sich einem mitunter eine kleine Wunderkiste. Zumeist frequentiert wird dieser Ort jedoch für einen Besuch bei Mister Wong, ein eher durchschnittliches Restaurant, das jedoch ein annehmbares AllYouCanEatAndDrink Menue für gerade mal 5 Euro bietet. Mister Wong selbst scheint weitaus mehr Wert auf den Umgang mit jungen Studentinnen, als auf ein hohes Einkommen aus diesem Geschäft zu legen. Nichtsdestotrotz eine gute Einleitung für die Partynacht.

Lan Kwai Fong (LKF): Direkt an der Central Station, nahe dem Financial District, eingerahmt in die Filialen von A&F, Dolce, etc., findet ihr Hong Kong kleine Partymeile. In Lkf fühlt man sich quasi wie in Europa oder den USA, Hong Kong Chinesen suchen diesen Ort äusserst selten auf (ausser sie waren selbst bereits im Westen auf Austausch und haben sich unserer Partykultur geöffnet). Treffpunkt für sämtliches Volk ist meist der 7/11, der günstig flüssigen Nachschub bereitstellt. Vorallem die Ladiesnight am Donnerstagabend ist immer einen Besuch wert.

Wan Chai: Hong Kongs primärer Rotlichtbezirk, der auch viele Bars und kleinere Clubs (für Hong Kong Verhältnisse, quasi eine Bar mit 5 qm Tanzfläche) bietet. In Wan Chai und LKF gilt vorallem mal den Blick zu heben und Bars/Clubs zu suchen, die unter Umständen etwas versteckt sind. Hier findet man zwischen den Touristischen Abzocken auch immer wieder kleinere Perlens des Nachtlebens.

Causeway Bay: Vorallem bekannt für die Pferderennen, die immer Mittwochs abgehalten werden. Im Oktober gibt es hier auch ein kleineres Oktoberfest. Durchaus ein interessantes Erlebnis.

Was direktes Sightseeing in Hong Kong angeht, bietet die Uni Touren für das wesentliche an. Auf den Peek sollte man auf jeden Fall gehen, alleine der Aussicht wegen. Danach ging es für uns zum Stanley Market, eine Art Shoppingmeile am südlichen Strand Hong Kongs und für einen kurzen Trip nach Aberdeen.

Auch empfehlen kann ich einen Besuch beim Big Buddha. Wenn man hier den richtigen Führer hat, gewinnt man Abseits des Tourismus interessante Einblicke in die buddhistische Kultur.

Eine Art 'Geheimtipp' ist sicher Lamma Island. Empfehlenswert ist die FÄhre von TST zum nördlichen Ende der Insel zu nehmen, bis zum Süden zu wandern (man kommt an einem Public Beach vorbei, hinter dem sich ein kleiner Teegarten eines Großstadtflüchtlings befindet, bei dem es köstlichen Tee gibt) und dort im Rainbow Restaurant zu essen, das zum einen köstliches Seafood, zum anderen eine kostenlose Rückfahrt zu jedem beliebigen Hafen der Stadt bietet.