Erfahrungsberichte

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Wer

silvia_greber[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

12/13 WS

Universität

AU-
Sydney - Macquarie University

Studienfach

Populäre Kulturen (7722)

Gesamteindruck

Mein Austauschsemester hat für mich eine prägende und interessante Zeit dargestellt. Es hat mir erlaubt, in eine andere Kultur einzutauchen, Leute aus verschiedensten Ländern kennenzulernen und hat für mich den Traum erfüllt, in Australien zu leben. Ich kann einen Austausch jedem Studierenden nur empfehlen, auch wenn es teilweise ein wenig Mut erfordert und einiges an Planung abverlangt. Vom bürokratischen Aufwand sollte man sich dabei aus meiner Sicht nicht abschrecken lassen!

Vorbereitung

Schon ganz zu Beginn meines Studiums hatte ich den Entschluss gefasst, während eines Semesters im Ausland zu studieren. In meinem Studiengang Populäre Kulturen waren die Angebote jedoch beschränkt und ich rechnete mir zuerst wenige Chancen aus, einen der wenigen Plätze in Australien zu ergattern, ich entschloss mich dann doch, es zumindest zu probieren.

Die Macquarie Univesity habe ich aufgrund der angebotenen Studiengänge ausgewählt, die gut zu meiner Fachrichtung an der UZH passen.

Zuerst galt es natürlich, meine Bewerbung zu verfassen, wobei man dabei ziemlich viel Zeit einplanen sollte. Vor allem das Motivationsschreiben habe ich mit grosser Sorgfalt verfasst und mich bereits so gut wie möglich über die Macquarie informiert. Ausserdem sollte man genug früh Dozenten für ein Motivationsschreiben anfragen. Die restlichen Dokumente die verlangt werden sind relativ schnell zusammengetragen.

Ich wusste bereits Ende Januar (also wenige Wochen nach Anmeldeschluss) dass ich von der UZH nominiert wurde, was mir Zeit gab, weitere Schritte zu unternehmen. Vor allem musste ich den TOEFL (ein Englischzertifikat) in Angriff nehmen, den ich beim Zeitpunkt der Bewerbung noch nicht hatte. Ausserdem musste ich der Macquarie einige Unterlagen zukommen lassen, wobei man sich schon für die Module entscheiden muss, die man besuchen will. Dies ist allerdings nicht in Stein gemeisselt und kann vor Ort in Australien dann noch geändert werden, ist allerdings mit ein wenig Aufwand verbunden.

Erst im Mai hatte ich dann die offizelle Bestätigung von der Macquarie in der Hand, dass ich als Austauschstudentin aufgenommen werden würde und ich konnte endlich mein Visum, Flug, Accomodation etc. planen.

Ankunft

Da ich mich für ein Zimmer in einem Studentenwohnheim entschieden hatte wurde ich glücklicherweise am Flughafen in Sydney abgeholt  und direkt zu meinem neuen Wohnort gefahren.

Ich war ungefähr eine Woche vor dem Orientierungstag, der einige Tage vor dem Semesterstart stattfindet, angereist, was ich sehr empfehlen kann, denn so hat man Zeit den Jetlag zu überstehen, eine neue Handynummer zu besorgen, ein Konto zu eröffnen etc.

Die Macquarie veranstaltet auch ein Willkommens-BBQ und es gilt natürlich möglichst früh, Kontakte mit anderen Studierenden zu knüpfen.

Da ich im australischen Winter anreiste war es im Juli ziemlich kalt (oft nur 10-15 Grad tagsüber), man sollte also nicht nur Strandbekleidung im Gepäck haben!

Zimmersuche
Wohnen

Ich entschied mich, in einem Studentenwohnheim zu wohnen, das in der Nähe der Macquarie liegt. Ich hatte mich für Parklands entschieden das ich sehr empfehlen kann. Es liegt ca. 10 Minuten zu Fuss vom Campus entfernt und es wohnen dort vor allem Austauschstudenten (viele aus den UK und US) und auch einige Australier. Dies hat den Vorteil, dass man schnell viele Leute kennenlernt und Freundschaften schliessen kann, da jeder auf der Suche nach Bekanntschaften ist, allerdings gibt man sich dann leider in der Regel eher mit anderen Austauschstudenten als mit Locals ab.

Für mein Einzelzimmer zahlte ich 200 AUD pro Woche, teilt man ein Zimmer sind es 150 AUD. Beliebt ist bei Austauschstudenten auch das University Village (vor allem bei Amerikanern), dort kostet ein Einzelzimmer jedoch 250 AUD pro Woche.

Ein wichtiger Faktor bei der Zimmersuche ist die Lage. Die Macquarie liegt im Norden des Stadtzentrums und es dauert ca. 40 Minuten,  um das Stadtzentrum per Bus oder Zug zu erreichen. Will man in der Stadt oder in der Nähe des Strandes wohnen muss man somit mit langen Pendelzeiten zur Universität rechnen. Ausserdem sind Zimmer in der Innenstadt oft noch viel teurer und schwierig zu finden.

Universität

Die Macquarie ist eine Campus Universität mit weitläufigem Park, in dem sogar ein kleiner See liegt. Der Campus ist relativ gross, man findet sich jedoch schnell zureckt. Die Macquarie ist bei asiatischen Studierenden sehr beliebt, die ihr ganzes Studium an der Macquarie absolvieren. Diese International Students machen ca. 30 Prozent der Studierenden aus. 

Als Austauschstudierender an der Macquarie muss man entweder 9 oder 12 UG Punkte absolvieren (3 UG Punkte entsprechen 7.5 ETCS Punkten). Man besucht also in der Regel 3-4 Units (Module)  à 3 UG.

Da ich in vorhergehenden Semestern viele Punkte gesammelt hatte besuchte ich nur drei Module, da ich genug Freizeit haben wollte neben der Universität. Der Aufwand dafür war dann unerwartet klein, ist aber natürlich je nach Studiengang und Modul unterschiedlich.

Meist besteht ein Unit aus einer Vorlesung, die 60 oder 120 Minuten dauert und einem Tutorat, welches 60 Minuten dauert. Deshalb hatte ich nur ca. 7 Wochenstunden! In den Tutoraten gilt Anwesenheitspflicht, in den Vorlesungen nicht. Tutorate sind mit Seminaren an der UZH vergleichbar, es wird der Stoff der Vorlesung diskutiert und teilweise müssen Referate gehalten werden.

An der philosophischen Fakultät werden oft mehrere Leistungsnachweise verlangt, zum Beispiel 1-3 Essays (die meist jedoch nur 3-6 Seiten lang sein müssen), Referate oder  auch kleine Überraschungstests in den Tutoraten. Dafür gibt es meist keine Schlussprüfung am Ende des Semesters! Grundsätzlich würde ich sagen dass der Aufwand ein wenig kleiner ist als an der UZH wobei es da natürlich auf den eigenen Einsatz und das Modul drauf an kommt.

Mein persönlicher Eindruck von den Lehrveranstaltungen und der Qualität der Lehre ist sehr positiv. Der Unterrichtsstil ist weniger theoretisch als an der UZH und es wird viel mehr mit Beispielen gearbeitet und es werden aktuelle Themen besprochen als dass man sich mit Modellen und Theoretikern befasst. Dies muss natürlich auch sein, ist jedoch nicht so im Vordergrund wie an der UZH. Dies hat mich sehr angesprochen da mir die Lehre an der UZH oft zu theoretisch ist. Somit hat mir das Studium an der Macquarie viele neue Inputs geliefert.

Auch der Umgang ist ziemlich locker. Sogar Professoren werden beim Vornamen genannt und in den Vorlesungen fallen öfters mal Fluchwörter, was einem nach einiger Zeit ganz normal erscheint.

Leben/Freizeit

Sydney ist eine unglaublich vielfältige Stadt. Es gibt verschiedenste Quartiere die es zu entdecken gibt, schöne Strände und viele weitere Freizeitangebote. Nachts gibt es eine riesige Auswahl an Clubs und Bars. Leider ist die Universität ca. 40 Minuten vom Stadtzentrum entfernt und um zum Strand zu gelangen dauert es mehr als eine Stunde. In North Ryde wo die Universität liegt, gibt es jedoch ein riesiges Shopping Centre und einen Club, der jeweils mittwochs Studentenparties (meist mit Verkleidungsmotto, was anfangs ungewohnt ist, jedoch unglaublich viel Spass macht) und am Wochenende kann man das Nachtleben in Sydney unsicher machen oder besucht eine von vielen WG-Parties.

Australien ist ein riesiges und vielfältiges Land. Glücklicherweise gibt es in der Mitte des Semester zwei Wochen Ferien, die man zum Reisen nutzen kann. Nachdem das Semester vorbei ist darf man noch ca. einen Monat in Australien bleiben bevor man ausreisen muss,  auch da empfiehlt sich, möglichst viel vom Land zu sehen.

Ein Austauschsemester kann an der Macquarie University oder auch an jeder anderen Universität kann ich also nur empfehlen und ich rate jedem zu diesem Schritt, bereuen wird ihn wohl niemand!