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Die Universitt

Valparaso

Erfahrungsberichte

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Wer

wohnung.oerl[at]gmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

12/13 WS

Universität

CL-
Santiago - Universidad Adolfo Ibáñez

Studienfach

Psychologie (7200)

Gesamteindruck

Das Auslandssemester in Vina del Mar, Chile, hat mir unglaublich gut gefallen. Auch jetzt denke ich noch sehr gerne an all die schönen Erinnerungen zurück, die ich von dort mitnehmen konnte. Sowohl akademisch aber insbesondere auch persönlich hat es mir enorm viel gebracht, ganz zu schweigen, dass es meine Spanischkenntnisse wesentlich verbessert hat. Ich würde es auf jeden Fall jedem wärmstens empfehlen hier hin zu gehen. Wenn ich die Wahl hätte würde ich Vina del Mar auf jeden Fall einem Auslandssemester in Santiago vorziehen. Es ist ein wirklich besonderes Erlebnis nahe am Meer zu wohnen und die Nähe von Valparaíso ist ein grosses plus.  Valpo ist wohl die interessanteste und originellste Stadt, die ich jemals gesehen habe. 

Vorbereitung

Als Vorbereitung muss man beachten, dass man ein Studentenvisum beim Konsulat in Bern beantragen muss. Am besten schreibt man ihnen eine email oder ruft an, welche Unterlagen benötigt werden. In meinem Fall (2012) waren es folgende Dokumente:

Die Dokumente müssen mindestens 8 Wochen vor Reiseantritt eingereicht werden, vorzugsweise per Post. Es gelten folgende Anforderungen:

- Antragsbrief mit kurzer Begründung;
- Bestätigungsschreiben der akademischen Institution, in welcher der Antragsteller studieren will;
- Fotokopie des gültigen Reisepasses;
- Fotokopie der Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz (nur bei Ausländern);
- Buchung von Hin-und Rückflug;
- Arztzeugnis nicht älter als einen Monat;
- Auszug aus dem Strafregister nicht älter als einen Monat;
- Ein farbiges Passfoto;
- Ausgefülltes und unterschriebenes Antragsformular.

 Das Formular wurde mir per Mail vom Konsulat zugestellt. Das Bestätigungsschreiben der Universität in Vina del Mar kam allerdings erst gegen Ende Mai. Trotz 5-6 Wochen vor Abflug haben sie mir aber trotzdem das Visum ausgestellt. Ebenfalls kostete das Visum 100 CHF. Das Konsulat macht einen Terminvorschlag und man kann dann vorbeigehen, das Geld bezahlen und die Unterlagen abholen (das Geld gleich mitzuschicken ist angeblich nicht ratsam, manchmal ist es wohl auch schon verloren gegangen). Die Zettel, die man zusätzlich zum Pass bekommt muss man unbedingt aufbewahren, da sie je nachdem bei der Einreise am Flughafen verlangt werden.

Impfungen brauchte ich für Chile keine. Falls man aber weiter reisen möchte z.B. Bolivien etc. würde es sich anbieten sich vorab über die empfohlenen Impfungen zu informieren und sie noch in der Schweiz machen zu lassen. 

 Zur weiteren Vorbereitung las ich die Erfahrungsberichte, traf mich mit einem Student, der den Austausch 1 Jahr vor mir machte. Schloss eine Auslandskrankenversicherung ab. Falls die normale Krankenkasse es nicht sowieso schon abdeckt muss man dies und der Universität die entsprechenden Informationen auf Anfrage übermitteln. 

Ankunft

Ich flog von Frankfurt (D) direkt nach Buenos Aires und reiste noch zwei Wochen in Argentinien bevor ich von Mendoza aus die Grenze zu Chile in der Andenüberquerung erreichte. Diese machte ich per Bus (es gibt überall grosse Landbusse, die man nehmen kann). An der Grenze zu Chile verbrachten wir 2 Stunden, da sie das Gepäck genau auf Früchte, Getreide, Pflanzen etc. durchsuchten, welche schädliche Erreger nach Chile einschleppen könnten. Wir erreichten nach 6 Stunden Busfahrt Santiago und nahmen von dort aus direkt einen weiteren Bus nach Vina del Mar (Dauer ca. 1.5-2 Std). Dort kam ich dann fürs erste in einem Hostel unter und war 2 Tage vor dem Einführungstag der Universität in Vina del Mar. Im Nachhinein würde mindestens eine Woche früher nach Vina del Mar reisen, denn die Personen, die das machten hatten schon einen guten Überblick über den Wohnungsmarkt, sich schon gut orientiert ob sie lieber in Vina del Mar oder Valparaiso wohnen möchten und konnten sich an das chilenische Spanisch gewöhnen. Ich hingegen hatte keine Vorstellung was nun der Unterschied zwischen Valparaiso und Vina del Mar sein sollte. 

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche war nicht besonders schwer. Die Chilenen sind wirklich enorm hilfsbereit und so sagte ich einfach an der Rezeption des Hostels wo ich war (Kalagen Hostal), dass ich ein Zimmer suchen würde und ob jemand etwas wüsste. Justament wusste jemand etwas und ich kam in einem wunderschönen grossen Haus mit 6 anderen chilenischen Mitbewohnern mit Meerblick in Renaca unter, einem kleineren Ort in der Nähe von Vina del Mar. Auch ein Zimmer in Valparaiso konnte ich anschauen, da die Rezeptionistin wusste, dass hier gesucht wurde. Ich entschied mich aber dann für Renaca. Viele der Austauschstudierenden kamen in den Torres del Pacifico unter, 4 gleich aussehenden Hochhäusern direkt am Strand in Vina del Mar. Passt auf mit dem Unternehmen Latinprop, die Uni sagte zwar sie wären vertrauenswürdig, aber sehr viele Studenten waren sehr unzufrieden mit ihnen, da zu teure Preise / schäbige Wohnungen etc. Leider wohnt man dort eher selten mit Chilenen zusammen und der ein oder andere ärgerte sich über Schimmel an den Wänden der Wohnung. Wenn ich etwas empfehlen kann, dann ist es unbedingt mit Chilenen oder wenigstens spanischen Muttersprachlern zusammenzuwohnen, man hat einen viel grösseren Zugang zur Kultur und ihren Traditionen, die Sprachkenntnisse verbessern sich wesentlich mehr.

Im Nachhinein würde ich vielleicht nicht mehr nach Renaca ziehen, denn es war schon ausserhalb und ich musste für alles immer einen Bus nehmen, der aber keinen Fahrplan hat und von dem man auch nicht weiss ob denn nachts überhaupt noch einer fährt, oder der manchmal so voll ist, dass sie an dir vorbeifahren, da sie niemanden mehr aufnehmen können. Es hat mich so manches Mal in meiner Flexibilität beschnitten. Wäre ich etwas früher angekommen hätte ich vielleicht auch eher den Charme Valparaisos für mich entdeckt und hätte dort etwas gesucht, es ist nämlich viel mehr los in dieser Stadt als in Vina del Mar z.B. und es ist etwas authentischer. Generell denke ich dass die Wohnungssuche in Vina del Mar/Valpo kein Problem ist, es ist relativ leicht ein Zimmer zu finden.

Universität

Die Universität ist ganz neu gebaut und vielleicht seit 2 Jahren dort in Betrieb. Sie befindet sich auf einer rechten Anhöhe/ Hügel etwas ausserhalb der Stadt. Zu diesem Zwecke gibt es von der Universität eigens organisierte Pendelbusse, die man dort hoch nehmen muss. Manchmal eine sehr nervige Angelegenheit. Doch der Blick von der Uni über die Stadt hinaus aufs Meer ist fantastisch, die Uni selbst auch angenehm in weiss und Holz. In der Mensa gibt es recht gutes Essen und es gibt einen Kraftraum und diverse Sportkurse, die man belegen kann, wie auch eine schöne Bibliothek. 

Das internationale Büro dort ist ab und zu etwas chaotisch, Effizienz ist auch nicht gerade das Stichwort Chiles, aber alles in allem sind sie sehr sehr nett, hilfsbereit und zuvorkommend. Ich hab durch und durch gute Erfahrungen mit ihnen gemacht (ausser vielleicht der völlig überteuerte Kauf eines Studentenausweises, der einem schlussendlich nicht besonders viel brachte). Es gab ebenfalls ein Empfangskommittee von Studierenden, das einige Veranstaltungen für die Austauschstudierenden organisierte, es hätte nicht besser sein können. Über eine Facebook Gruppe wurden alles Austauschstudenten vernetzt und es war so möglich viel gemeinsam zu unternehmen und wenn man etwas machen wollte fand sich eigentlich immer jemand, der/die mitkam.

 Akademisch gesehen war es für mich durchaus interessant, insbesondere die Universitäten zu vergleichen. Im Bereich der Psychologie muss ich sagen, dass insbesondere das wissenschaftliche Niveau deutlich unter dem der UZH liegt und ebenfalls Ethikfragen nicht besonders berücksichtigt werden. Personen aus allen anderen Fächern berichteten ähnliches. Das Kursprogramm wird erst ganz kurz vor Semesterbeginn aufgeschaltet, drum macht euch gar nicht erst viel Mühe es vorher auf der Homepage zu finden. Das Learning Agreement hab ich auch erst eher gegen Ende des Auslandssemesters eingereicht. Man gibt auf einem Dokument die gewünschten Kurse an, das passiert am Einführungstag und dann hat man in den ersten Wochen noch die Möglichkeit die Kurse beliebig (Je nach Platz) zu wechseln. Das hat für mich wirklich sehr gut geklappt. Zusätzlich zu meinen fachlichen Kursen habe ich ebenfalls einen fortgeschrittenen Spanischkurs belegt, der mir sehr weitergeholfen hat und in dem wir auch sehr sehr viel über Chile und seine Kultur gelernt haben, was ich sonst wohl nie herausgefunden hätte. Meine fachlichen Kurse waren für mich erfreulicherweise alle eher praktische Kurse, in einem konnte ich einen Intelligenztest mit einem Kind durchführen, in einem anderen klinische Interviews mit Mitstudenten machen, was mir sehr gefallen hat. Allerdings war die Lehre nicht immer besonders gut. Auch ist die Vorstellung von Abgabedaten und Anforderungen doch eine andere als bei uns. Teilweise war die Handhabung auch etwas chaotisch. Die Prüfungsdaten werden erst sehr spät bekannt gegeben, einige waren so spät, dass ich bereits schon nicht mehr in Chile gewesen wäre. Doch die Klassen sind klein und die Betreuung durch die Professoren ungewohnt persönlich, sodass ich entsprechende Prüfungen vorziehen oder mündlich ablegen konnte. Sie hatten sehr viel Verständnis für Austauschstudierenen. Ich denke, dass ich alles in allem gute Denkanstösse aus den Kursen mitnehmen konnte.

Leben/Freizeit

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemandem dort jemals langweilig werden könnte. Man kann bis 6 Uhr morgens ausgehen, es gibt das Meer, man ist auch relativ schnell in den Anden. Man kann das Land bereisen gehen, auch viele sehr schöne Ausflüge in die Umgebung machen, Nationalparks besuchen, Tango tanzen, Salsa tanzen, Paragliden, Fallschirmspringen, Kanu fahren, Wildwater Raften, Pferdeausritte über Dünen machen etc. etc. Und wenn das nicht reicht kann man einen Abstecher nach Santiago machen, wo es Bars & Discotheken in Hülle und Fülle gibt. Sechs Monate waren definitiv zu kurz um alles ausprobieren zu können, generell fand ich, dass ich mich erst nach 3 Monaten richtig eingewöhnt hatte und verstanden habe wie alles funktioniert und erst danach so richtig hab geniessen können, die Zeit dann allerdings unglaublich dahin raste. Aber es muss ja auch noch etwas übrig bleiben für meinen nächsten Besuch in Chile, denn darüber dass ich nochmals dorthin fahren werde bin ich mir jetzt schon sicher.