Erfahrungsberichte

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Wer

sebastian.pfaffen[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

12/13 WS

Universität

BR-
São Paulo - Universidade de Sao Paulo

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Ich habe schon einen anderen Austausch in Frankreich gemacht und im Vergleich, würde ich mich sicher noch einmal für Brasilien entscheiden. Es ist das optimale Land um ein Austauschsemester zu absolvieren. Die Leute interessieren sich sehr für Europa und man wird schnell in ein Gespräch verwickelt, zu Festen eingeladen oder sonstirgendwie eingebunden. Einen wichtigen Teil der Austauscherfahrung macht auch die Gastuni aus. Diese war sehr gut auf uns Austauschstudenten vorbereitet, inklusive Buddy-Program, und führt einen regelrecht an der Hand durch den brasilianischen Administrationsdschungel.

Mein Gesamteindruck fällt also durchwegs positiv aus und ich kann wirklich allen nur empfehlen, ein wenig in euer Portugiesisch zu investieren und euch um den Platz zu bewerben.

Vorbereitung

Sprache


Zuallererst muss man sich um sein Portugiesisch kümmern. Das romanische Seminar bietet dafür einen einjährigen Einführungskurs ins Portugiesische an, welcher im HS startet. Der Kurs legt ein ziemlich forsches Tempo vor, man sollte also mindestens 3 ECTS einplanen. Das heisst also, dass man ein Jahr vor dem tatsächlichen Austauschsemester schon beginnen sollte, sich mit der Planung zu befassen. Den Kurs sollte man erfolgreich abschliessen, um sich im Anschluss Nerven beim Bewerbungsprozess zu sparen. Obwohl die Hälfte der Austauschstudenten dann schlussendlichn ohne Kenntnisse des lusitanischen Idioms eintrafen, ist es eine absolute Grundvoraussetzung, damit man vom Austausch profitiert, mit einigen Kenntnissen der portugiesischen Sprache in Brasilien anzukommen. Dies wird durch die Brasilianer überaus geschätzt.


Impfungen


Für einen Austausch im HS sollte man sich schon im Frühling um die Impfungen kümmern, damit sich diese nicht mit den Prüfungen überschneiden. Kostenpunkt 200-300 CHF.


Visum


Ich erhielt die Bestätigung der brasilianischen Uni erst relativ spät (4 Wochen vor Abreise). Dies war ein wenig unangenehm, da ich mich mitten in der Prüfungsphase um mein Visum kümmern musste. Ansonsten ist das Prozedere nicht kompliziert und man findet alle Angaben dazu auf der Homepage des brasilianischen Konsulats. Kosten: 50 CHF.


Mitnehmen


In Ribeirao Preto ist es tendenziell eher sehr heiss als kalt. Bei Abreise im Sommer kann die Temperatur aber nachtsüber durchaus auf 6 Grad absinken was sich dann in 6 Grad Raumtemperatur übersetzt. Es empfiehlts daher, auch danach fürs Reisen, einen Schlafsack und etwas wärmeres zum Anziehen einzupacken.


Geld


Das Eröffnen eines Bankkontos ist leider nicht ganz so einfach und für das Abheben von Bargeld wird eine relativ hohe Gebühr erhoben. Ich weiss ehrlich gesagt auch nicht so recht, was der billigste Weg ist bezüglich Bargeld, sicherlich sollte man sich bei seiner Bank wegen der Gebühren erkundigen. Die Bezahlung ist fast immer elektronisch möglich und meine Maestro und Visa Karte aus der CH wurden fast immer ohne Probleme akzeptiert. Pro Monat habe ich rund 1500 Reais ausgegeben und sehr angenehm gelebt. Mit 2000 Reais pro Monat liegt man also mehr als im sicheren Bereich.

Ankunft

Höchstwahrscheinlich landet man in Sao Paulo GRU. Von da gibt es einen Bus (Airport Busservice) zum Busterminal Tietê (Rodoviario) von wo im Halbstundentakt Busse nach Ribeirao Preto verkehren. Dies alles ist sehr gut organisiert.


In Ribeirao Preto hatte ich schon ein Hotelzimmer reserviert. Später kam ich dann in einer Republica für einige Nächte unter. Da vor Semesterbeginn viele Leute ausserhalb von Ribeirao Preto sind, lohnt es sich, sich gleich zusammen mit der Zimmeranfrage zu erkundigen, ob es vielleicht möhlich sei, einige Tage während der Zimmersuche dort zu übernachten. Das klappt mit Sicherheit.
Bald darauf sollte man sich beim International Office melden, damit die ganze Administrationsarbeit erledeigt werden kann.

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche gestaltet sich mit Hilfe der erhaltenen Liste mit freien Zimmern recht einfach. Es sollte unbedingt schon vor der Abreise Kontakt aufgenommen werden, optimalerweise schon mit Besichtigungstermin, da die Suche nach einem Zugang zum Interrnet in Ribeirão Preto zeitraubend sein kann.


Die WG's nennen sich hier Républicas und sind fast ausschliesslich geschlechtergetrennt. Je grösser eine solche Républica, desto mehr wird gefeiert. Die Rolle der Republicas ist in Ribeirao Preto sehr stark ausgeprägt, was sich beispielsweise in Sportturnieren zwischen ihnen äussert. Bei der Suche sollte man sich also Gedanken zu Lärmtoleranz und Partyneigung machen. Es ist zudem nichts Ungewöhnliches, sein Zimmer zu teilen.


Im Zentrum von Ribeirao Preto ist es im schnitt 4-5 Grad heisser als auf dem Campus der USP. Bei Temperaturen bis zu 44 Grad im Sommer im Zentrum lohnt es sich, auf ein schattiges Plätzchen und einen hauseigenen Pool zu achten.

Die Zimmerpreise variieren zwischen 350 - 1000 Reais, was für Schweizerverhältnisse preiswert ist. Die Qualität der Zimmer variiert stark und es lohnt sich, einige Zimmer anzuschauen. Ich empfehle, ein Zimmer in der Nähe der Uni zu suchen. Die Unabhängigkeit vom ÖV erleichtert das Leben doch sehr.


Um von einem Ort zum anderen zu gelangen, kann man entweder ein normales Taxi nehmen, sich ein Mototaxi bestellen oder mit dem ÖV vorlieb nehmen. Die beste Kombination aus Kosten und Nutzen stellt dabei eindeutig das Mototaxi dar. Jedoch kriegt man dafür einen nicht mehr ganz taufrischen Helm auf den Kopf und die Fahrweise ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Es ist aber sicherlich nicht fahrlässig, dieses Transportmittel zu benutzen.


Hat man ein Zimmer gefunden, gibt es nichts mehr weiter zu tun, als einzuziehen. In Brasilien scheint es nicht üblich zu sein, einen Untermietvertrag zu unterschreiben. Im Zweifelsfalle kann man sich auf die Angaben auf der oben gennanten Liste berufen.

Universität

Die USP ist die grösste, beste und bekannteste Uni Brasiliens. Der Hauptcampus der Uni befindet sich in São Paulo. Daneben gibt es etwa 5 andere Campi, verteilt über den Bundesstaat São Paulo, wovon Ribeirão Preto der zweitgrösste nach São Paulo ist. Der Campus in Ribeirão Preto liegt ein wenig ausserhalb der Stadt und befindet sich in einer ehemaligen Kaffeeplantage. Dementsprechend ist die Landschaft des Campus durch viel Natur geprägt. Die FEA-RP liegt relativ schön fast mittig im Campus. Die Infrastruktur der Uni ist gut und kann, relativ zu anderen brasilianischen Unis, als ausgezeichnet bezeichent werden: alle Säle sind klimatisiert und haben einen Beamer.

Der Unialltag in Brasilien ist ein wenig anders organisiert als in der Schweiz. Es spielt sich sehr viel mehr in fixen Klassen ab und ist stärker praxisorientiert. Das Niveau variiert stark zwischen Graduation (wo man als Bachelorstudent landet) und Mestrado (wo man als Masterstudent landet).Im folgenden beziehe ich mich auf den Mestrado.


Die Graduation dauert fünf Jahre und stellt den Standardabschluss dar, ähnlich dem Master. Der Mestrado ist ein zweijähriger Kurs nach dem Master. Um einen solchen zu absolvieren ist eine eigene Aufnahmeprüfung nötig, welche ungefähr 20 % bestehen. Das Niveau ist entsprechend höher und gleicht im Kurs Volkswirtschaftslehre teilweise Doktorandenvorlesungen. Auch hier gilt, dass die Praxis nicht zu kurz kommt. Man verbringt also auch einiges an Zeit mit Statistiksoftware (Stata und EViews).


Die Auswahl an VL ist begrenzt und im HS werden fast ausschliesslich Ökonometrievorlesungen gehalten. Ich habe hier sehr viel Nützliches gelernt, dafür jedoch auch ein Viellfaches der Zeit für ein normales Semester in Zürich investiert. Leider ist die Anrechenbarkeit noch nicht wirklich geregelt und man erhält nur einen Bruchteil der ECTS Punkte. Ich hoffe, dass sich das bald ändert. Momentan ist an ein Studium in Regelzeit zusammen mit diesem Austausch nicht zu denken.
Für Masterstudierende lohnt sich deshalb der Austausch leider studiumstechnisch nur für intrinsisch motivierte Studenten die vielleicht schon ein Auge auf ein Doktorat werfen.

Die Situation für Bachelorstudierende ist eindeutig besser und es lohnt sich deshalb überaus, den Austausch schon in dieser Phase des Studiums zu machen. Die Probleme mit der Anrechnung sind zu Gunsten des Studenten gelöst und es sollte einfach möglich sein, trotz des Austauschs in 3 Jahren den Bachelor abzuschliessen.

Leben/Freizeit

Die Freizeitgestaltung ist an Brasilianischen Unis durch Sport und Feste geprägt. An der Uni findet man ein relativ breites Sportangebot, welches ich sehr empfehlen kann.
Feste an der Uni gibt es fast jede Woche, zusätzlich werden viele WG Feste organisiert und irgendwo findet an Wochenenden immer ein Churrasco (Bräteln) statt. Ribeirao Preto selbst bietet einige Orte für den Ausgang an. Leider sterben die Strassen in der Nacht aufgrund der Angst vor Überfallen fast aus. Um in der Nacht irgendwohin zu gehen, ist man also auf ein Auto oder ein Mototaxi angewiesen. Des weiteren sind die Brasilianer sehr offene Menschen und es ist nichts Ungewöhnliches, das eine oder andere Mal zu jemanden nach Hause eingeladen zu werden. Daneben gibt es noch eine im Übermass vorhandene Natur zu entdecken. Es wird also selten langweilig.