Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

12/13 WS

Universität

CA-
Kingston - Queen’s University

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Im Folgenden möchte ich euch einen stets subjektiven Eindruck meiner Erfahrungen an der Queen's School of Business (QSB) geben. Ich verzichte bewusst darauf, allzu viele Fakten und organisatorische Details zu erwähnen, da diese an anderen offiziellen Stellen bestens präsentiert sind.

Ich kann ohne Übertreibung behaupten, dass dieses Austauschsemester das interessanteste, lehrreichste und abwechslungsreichste Semester in meinem bisherigen Studium darstellt. Nach der Lektüre dieses Berichts wisst ihr hoffentlich, wieso.

Vorbereitung

Da der Arbeitsaufwand während des Semesters gross ist, würde ich längere Reisetätigkeiten vor oder nach dem Semester absolvieren.

Ansonsten findet ihr alle relevanten Informationen bei den offiziellen Stellen der Universität Zürich und der QSB.

Ankunft

Die Einreise nach Kanada verlieft unproblematisch. Die ausgedruckte Bestätigung der QSB ist euer Eintrittspass. Die grösseren Strapazen in der Form von extensiven Security Checks erwarten euch, falls ihr in den USA zwischenlandet.

Die QSB bietet Austauschstudierenden an, für drei Nächte kostenlos in der Privatunterkunft eines Staffmembers der Universität unterzukommen. Dieses Angebot stellte für mich den perfekten Einstieg in Kingston dar und bot mir die Gelegenheit, eine Base of Operation für die Wohnungssuche zu haben.

Zimmersuche
Wohnen

Kingston ist eine Studentenstadt, dementsprechend sind preisgünstige, universitätsnahe Unterkünfte begehrt. Dennoch ist der Turnover, zumindest zu Beginn des Herbstsemesters, gross; lasst euch nicht von Immobilienmaklern dazu überreden, ein ranziges Apartment zu einem überrissenen Preis zu mieten. Der Grossteilt der Angebote bewegt sich im Preissegment zwischen 450$ und 750$, je nach Grösse, Lage und Qualität der Unterkunft. Achtet darauf, dass ihr zu Fuss an die Uni gelangt. 15 Minuten Gehzeit sollte euer angestrebtes Maximum sein. Weiter solltet ihr berücksichtigen, dass es zwei grössere Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Gebrauch gibt: Downtown und das Kingston Centre. Mit der Legi fahrt ihr gratis ÖV, Buslinien werden zweimal pro Stunde abgefahren.

Universität

Nachfolgend eine Übersicht meiner Kurse, versehen mit einigen Erklärungen und Hinweisen. Die Prozentzahlen repräsentieren den jeweiligen Anteil an der Endnote. Beachtet, dass Veranstaltungen nicht jedes Semester vom selben Dozenten gehalten werden und meine Erfahrungen deshalb nicht allgemein gültig sein müssen.

COMM 343: Service Management. Diese Veranstaltung wird von Barry Cross gehalten, der den Kurs mit Beispielen aus seiner Praxiserfahrung belebt. Studierenden der Wirtschaftswissenschaften werden viele Konzepte der Veranstaltung bekannt sein. Neue Konzepte werden oberflächlich eingeführt. Wichtiger ist es, das vermittelte Big Picture des Service Managements zu begreifen. Ein individuelles Case Memo zu einem standardisierten Business Case wird mit 25% gewichtet.  Im Team Project (30%) darf man sich mit einem Unternehmen eigener Wahl auseinandersetzen. Ein Brief an ein Unternehmen eigener Wahl (10%) soll besonders guten oder schlechten Service thematisieren. Der Take-Home Case (25%) am Ende des Semesters bietet die Gelegenheit, die gelernten Konzepte anzuwenden. Die Beteiligung  ist 10% wert. Das individuelle Case Memo, das Team Project und der Take-Home Case müssen im selben Format bearbeitet werden: Eine Memo Seite fasst Problem, Alternativen, Lösung und Implementation zusammen. Diese Seite wird durch maximal sieben Seiten mit Anhängen ergänzt. Die Benotung erschien mir fair.

COMM 357: Interpersonal Skills for Managers. Kate Rowbotham versteht es, einen auf fundierte Art und Weise zur Selbstreflexion zu zwingen. Solange man Resultate liefert und einen respektvollen Umgang mit Kate pflegt, geniesst man viele Freiheiten, z.B. beim Verschieben von Deadlines. Drei Learning Logs (15%) fassen Erkenntnisse aus Kurs, Lektüre und Privatleben zusammen. Eine Computersimulation zu Change Management wird durch eine Reflexion ergänzt (10%). Das Book Review (20%), für das man das Buch selbst wählen darf, besteht aus einer zweiseitigen Zusammenfassung, einer Präsentation im kleinen Kreise und einem kurzen Gespräch mit Kate. Am Ende des Semesters steht eine zehnseitige Selbstreflexion (30%) an. Die Beteiligung (25%) vervollständigt die Endnote. Die Benotung empfand ich als sehr fair.

COMM 374: International Business Strategy. Susan Bartholomew vermittelt nützliche Frameworks für die Evaluation von internationalen Strategien: Porter werdet ihr nach dieser Veranstaltung bestens kennen. Der Arbeitsaufwand ist hoch, der Lerneffekt ebenso. Die Arbeiten bestehen fast ausschliesslich darin, Frameworks auf reale Beispiele anzuwenden. Das Semester beginnt mit einem zweiseitigen Individual Assignment (10%). Es folgt ein zweites Individual Assignment (15%) und ein Theorietest (25%). Es gibt eine Gruppenarbeit, bestehend aus einem Individual Country Report (15%), in dem ihr die Attraktivität eines Landes eigener Wahl beurteilt, und einer Präsentation (20%), in der euer Team die Eintrittsstrategie eines Unternehmens eigener Wahl in ein Land eigener Wahl vorstellt. Die Beteiligung ist 15% wert. Wenn man dem Arbeitsaufwand gewachsen ist, erzielt man auch gute Noten.

COMM 375: International Business in the Non-Market Environment. Keith Rogers ist studierter Ökonom und unterrichtet nebenbei Statistik. Dieser Hintergrund macht sich während des Kurses immer wieder bemerkbar. Es werden sehr viele verschiedene Konzepte eingeführt, die als Brillen zu verstehen sind, mit denen man die Realität analysiert. Keith springt etwas gewöhnungsbedürftig zwischen Themen umher, gestaltet den Unterricht aber unterhaltsam. Es gilt drei je zweiseitige Critical Analyses (15%) zu verfassen, in denen man Newsartikel mithilfe von Kurskonzepten analysiert. Am Ende des Kurses ist ein zehnseitiges Paper (20%) über ein Thema eigener Wahl zu verfassen. Die Beteiligung zählt 20%. Eine Prüfung am Ende ist mit 40% gewichtet. Man hat zudem die Möglichkeit, eine Präsentation oder Debatte zu halten, die 15% zur Endnote beiträgt und bei allen anderen Assignments ausser der Endprüfung 5% der Gewichtung abzieht. Die Benotung empfand ich als undurchsichtig und streng.

COMM 410: Social Enterprises. Anthony Goerzen bietet interessante Ansätze zu diesem Thema an. Der Kurs ist nicht sehr strukturiert, viel hängt von den teilnehmenden Studierenden ab. Es gibt Überraschungsprüfungen zur Lektüre (15%). Eine zehnminütige Gruppenpräsentation über einen wissenschaftlichen Artikel wird mit 10% gewichtet. Der Hauptteil dieses Kurses ist die Kooperation mit einer lokalen Not For Profit Organization (45%), wobei man die Rolle eines Consultantteams einnimmt. Die Beteiligung zählt 30%. Die Benotung war moderat.

Einige abschliessende Bemerkungen zu diesem Abschnitt: Der Arbeitsaufwand für Kurse an der QSB ist hoch. QSB-Studenten, die nach Europa in den Austausch gehen, bezeichnen diesen als Urlaub. Dementsprechend bestand in meinem Austauschsemester die Herausforderung nicht in der Komplexität des Stoffes, sondern im zu bewältigenden Arbeitspensum. Für UZH-Studierende wird eine grosse Umstellung sein, während des ganzen Semesters Assignments abgeben zu müssen, wobei weniger Gewicht auf Abschlussprüfungen gelegt wird. Ebenso gewöhnungsbedürftig ist die interaktive Gestaltung der Veranstaltungen: Es wird erwartet, dass ihr eure Fragen, Ideen und Antworten einbringt.

Leben/Freizeit

Ohne die Universitäten wäre Kingston ein ziemlich unbedeutendes Städtchen. Nichtsdestotrotz gibt es im Stadtzentrum eine hohe Dichte an Nachtclubs und Bars, die einen diese Tatsache, zumindest am Wochenende, vergessen lassen.

Austauschstudierende geniessen vor allem zu Beginn des Semesters ein grosses Angebot an Events: Von der gebühren- und anmeldepflichtigen Einführungswoche zu Parties in Hinterhöfen ist alles dabei.

Rund um Kingston gibt es einige Destinationen, die einen Abstecher wert sind. Dazu zählen sicherlich Toronto (ca. 2.5h mit dem Zug), Ottawa (2h), Montréal (3h) und Québec City (6h). Weiterhin gibt es verschiedene Nationalparks, die mit dem Auto erreichbar sind. Schweizer Versicherungen decken Kanada nicht ab, dementsprechend erhöhen sich eure Mietkosten für ein Auto auf ca. 70-90$ pro Tag.