Erfahrungsberichte

zur Übersicht

Wer

sfxisen[at]gmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

11/12 SS

Universität

CN-
Beijing - Peking University

Studienfach

Sinologie (7280)

Gesamteindruck

Mein letztes Semester im BA-Studium in China zu verbringen war in vielerlei Hinsicht eine äusserst lohnenswerte Entscheidung. Der Aufenthalt an der Peking Universität ermöglichte es mir meine Sprachkenntnisse entscheidend zu erweitern und meine akademischen Fähigkeiten zu verfeinern. Darüber hinaus bot sich mir eine einmalige Gelegenheit die Stadt Peking von neuem zu entdecken und aus studentischer Sicht kennen zu lernen.

Zu den eindrücklichsten Erfahrungen zählen letztendlich aber wohl die alltäglichen Begegnungen mit chinesischen und ausländischen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Den Austausch mit Studierenden aus unterschiedlichsten Fachrichtungen, die jedoch allesamt einen Bezug zu China aufweisen, empfand ich als unschätzbar wertvolle Bereicherung und Inspiration, sowohl für mich persönlich, als auch für mein nun anstehendes Masterstudium in Zürich.

Vorbereitung

Dank der kompetenten Unterstützung durch die Abteilung Internationale Beziehungen der UZH verlief die Vorbereitung reibungslos. Sämtliche Dokumente für die Beantragung des Visums trafen frühzeitig und vollständig ein. Da ich bereits vor meinem Austauschsemester schon einige Erfahrung mit China aufweisen konnte, bedurfte dieser Aufenthalt auch deutlich weniger Vorbereitung als meine erstmalige Chinareise. Allgemein ist es wohl hilfreich, sich bereits früh mit dem Gedanken abzufinden, dass bei weitem nicht alles schon vor der Abreise organisiert werden kann und man darauf vertraut, auch wichtige Dinge wie Unterkunft und Moduleinschreibung vor Ort geregelt zu kriegen.

Wer bei der Anreise noch keine feste Unterkunft hat, dem macht eine vorgängige Hotelreservation aus der Schweiz das Leben in den ersten Stunden und Tagen nach der Ankunft bedeutend einfacher. 

Ankunft

Wenige Tage vor Beginn des Semesters findet ein zentraler Registrierungsanlass für ausländische Studierende statt, wobei anschliessend für Programme in chinesischer Sprache auch ein Sprachtest durchgeführt wird. Die Registrierung verlief problemlos. Gleich zu Beginn erhalten alle Studierenden ein durchaus nützliches Welcome-Kit, bestehend aus einem Handbuch, der Studienbescheinigung, einer Checkliste sowie der persönlichen Campus-Card. Die Angestellten der Anlaufstelle für Incomings sind bei Fragen und Problemen in der Regel bemüht unkompliziert und freundlich zu helfen. Etwas Geduld ist dabei auf jeden Fall vonnöten, was aber wohl generell für jede Chinareise von Vorteil ist.

Es empfiehlt sich dringend, ca. eine Woche vor Vorlesungsbeginn an Ort und Stelle zu sein, besonders wenn man sich nebst den Formalitäten (z.B. Bankkonto, Mobiltelefon, Universität) auch noch um eine Unterkunft bemühen muss. Bei Aufenthalten von länger als einem Semester muss man zudem noch die Umwandlung des Visums in eine Aufenthaltsbewilligung in die Wege leiten.

Zimmersuche
Wohnen

Die relativ modern ausgestatteten Zweibettzimmer im Studentenwohnheim sind rasch ausgebucht, bzw. werden prioritär an ausländische Studierende in BA und MA-Programmen vergeben. Zudem sind sie für Nicht-Stipendiaten auch relativ teuer (ca. 120 CNY pro Nacht), weshalb sich auch die grosse Mehrheit der Austauschstudierenden ausserhalb des Campus in den Studentenvierteln Wudaokou oder Liudaokou eine Unterkunft suchen. Bei der Suche ist die Universität allerdings nicht behilflich. Zimmer in Wohngemeinschaften lassen sich für Neuankömmlinge am einfachsten über einschlägige Internetportale finden (z.B. thebeijinger.com in Englisch). Wohnungen und Einzimmerappartements vermitteln die zahlreich vertretenen Immobilienmakler vor Ort. Dabei sind allerdings Chinesischkenntnisse von Vorteil, da die Verträge i.d.R. nicht in Englisch geschlossen werden.

Persönlich habe ich mich nach dreitägiger Suche für ein kleines, einfaches Studio im Gebiet Zhonguancun, südwestlich von Wudaokou, entschieden. Im Laufe des Semesters hat sich diese Lage in unmittelbarer Nähe zur Universität sowie der U-Bahn-Linien 4 und 10 als hervorragend bewährt.

Universität

Die Peking Universität geniesst in China hohes Ansehen, ist sie doch eine der ältesten modernen Universitäten des Landes und seit ihrer Gründung im Jahre 1898 auch immer wieder in der einen oder anderen Weise in wichtige historische Ereignisse involviert. Darüber hinaus besticht sie in unmittelbarer Nähe des alten Sommerpalastes mit einem wunderschönen Zentralcampus rund um den berühmten Weiming See. Damit wird die Universität wohl oder übel auch zu einer beliebten Touristendestination, inklusiver aller dazugehörigen Souvenirläden und Heerscharen von Reisenden.

Allerdings vermag die Universität aufgrund meiner Erfahrung in diesem Semester auch in akademischer Hinsicht zu überzeugen. Die vier von mir besuchten Sprachkurse brachten meine Chinesischkenntnisse entscheidend voran. Alle Veranstaltungen waren zeitintensiv und anforderungsreich, die Betreuung durch die Lehrkräfte war in meinem Fall durchwegs ausgezeichnet. Daneben besuchte ich aus persönlichem Interesse auch noch drei weitere Vorlesungen an unterschiedlichen Fakultäten und Abteilungen. Dem zu widerstehen war aufgrund des reichhaltigen Lehrangebots ziemlich schwierig. Allerdings ist es nicht möglich, sich die in abteilungsfremden Modulen erbrachten Leistungen anrechnen zu lassen, es sei denn, man immatrikuliert sich gegen Bezahlung der Semestergebühr ein weiteres Mal. Als Auditor war ich allerdings in sämtlichen besuchten Veranstaltungen willkommen.

Zusätzlich war ein weiteres Ziel meines Aufenthalts, mich in der riesigen Zentralbibliothek zu Recht zu finden. Entsprechend verbrachte einige Zeit damit, mir einen Überblick über die gut sortierten Bestände zu machen und empfand dies ebenfalls als lohnenswerte Erfahrung.

Leben/Freizeit

Wenngleich auch die Lebenshaltungskosten in Peking spürbar ansteigen, lässt es sich als Student nach wie vor relativ günstig leben, besonders wenn man häufig in der Kantine isst und die öffentlichen Verkehrsmittel benützt, bzw. mit dem Fahrrad unterwegs ist. Viel Geld kann auch sparen, wer sich eine Wohnung mit anderen Studierenden teilt.

Was die Freizeitgestaltung anbetrifft, so besteht die Herausforderung mit Sicherheit viel mehr darin, sich aus dem umfassenden Angebot an Aktivitäten für etwas zu entscheiden, als dass man sich in der unterrichtsfreien Zeit nicht langweilt. Peking bietet einem wahrlich unzählige Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten.

Persönlich habe ich meine Herausforderung nebst den Kursen in einem bilingualen Improvisationstheater-Workshop und Stand Up Comedy-Auftritten gefunden.