Bilder zum Bericht

Die Uni hat sogar eine eigene Metrostation!

Mong Kok, eines der lebhaftesten Stadtviertel.

Blick vom Maclehose Trail Section 3 auf Sha Tin.

Blick vom hchsten Gebude Hong Kongs, dem ICC Tower, auf den Victoria Harbour.

Gruppenfoto der Austauschstudierenden an der Abschlussfeier.

Erfahrungsberichte

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Wer

timo.grossenbacher[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

11/12 SS

Universität

CN-
Hong Kong - Chinese University of Hong Kong

Studienfach

Geographie (8460)

Gesamteindruck

Das Austauschsemester in Hong Kong gehört definitiv zu den besten Erfahrungen in meinem Studium. Nach dem Bachelorstudium an der UZH wollte ich mich gewissermassen selber belohnen und habe mich für einen Austausch in einem Land ausserhalb Europas entschieden. Da ich schon mal in Hong Kong gewesen war, und generell an der chinesischen Kultur und Sprache interessiert bin, entschied ich mich für diese unglaubliche Stadt. Eins sei hier jedoch schon mal gesagt: Hong Kong ist allerhöchstens China light, wer sich die volle Dosis Reich der Mitte holen will, kommt nicht über längere Aufenthalte im Festland rum!

Vorbereitung

Die Vorbereitung gestaltete sich als ein langwieriger und zum Teil etwas mühsamer Prozess. Während der Teil an der UZH meines Erachtens noch recht effizient über die Bühne ging, und die Hilfsbereitschaft von Seiten der Abteilung für Internationale Beziehungen ziemlich lobenswert ist, sieht dies an der CUHK (Chinese Uni of HK) etwas anders aus. 

Grundsätzlich ist die Hilfsbereitschaft und Antwortzeit an der CUHK auch nicht schlecht, aber gewisse Faktoren können die Bewerbung zeitweilen etwas frustrierend machen. Mir war zum Beispiel unverständlich, wieso die definitive Bestätigung seitens der CUHK so kurzfristig ist (etwa ein Monat vor Abreise). Da ich Masterstudent bin (d.h. Postgraduate), konnte ich meine Module nicht im Vornherein buchen und war deshalb etwas unsicher, ob ich diese überhaupt buchen könnte. Nach einigen Emails klärte sich dies jedoch. Ein weiterer etwas mühsamer Part ist die Anzahlung für das Dormitorium und andere Gebühren. Diese Transaktion muss via Cheque vorgenommen werden, was mit einer Banktransaktion sicherlich einfacher wäre. Hier weiss ich jedoch nicht, ob dies alle Studierenden betrifft.

Ich wurde von der CUHK auch gefragt, ob ich nicht meinen Status in Undergraduate ändern könnte, da in meinem Dormitorium für Postgraduates ein akutes Bettenproblem herrscht. Unter der Vorahnung, dass dies die Einschreibung für meine Module wohl noch komplizieren würde, habe ich jedoch auf den Postgraduate-Status bestanden, mit Erfolg. 

 Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Bewerbungsprozedur viel Papierkram umfasst und zeitweilen etwas mühsam ist, dass sie jedoch stets in vordefinierten Bahnen abläuft und dass die involvierten Betreungspersonen sehr wohl wissen, was sie tun.Es besteht jedoch schon etwas Verbessungsbedarf.

 Bezüglich Chinavisum muss ich einigen anderen Berichtschreiber/innen widersprechen: Es ist möglich, ein Mutlientry Visum in Hong Kong zu beantragen, dafür muss man jedoch bereits einmal ein Visum (Single- oder Double) beantragt haben. Je nach Tageszeit muss man beim Konsulat in Hong Kong auch nicht viel Zeit verbringen, und die Visakosten betragen etwa einen Drittel von dem, was man in der Schweiz zahlt. 

Ankunft

Die Ankunft war etwas hektisch, aber grundsätzlich ein Klacks. Man kann sich vom Buddy (falls man denn eine/einen hat) am Flughafen abholen lassen, was sich aber für die meisten Leute als nicht nötig erwiesen hat . Da ich schon mal in Hong Kong war, war ich mit dem öffentlichen Verkehr vertraut. Man nimmt den Bus A41 nach Sha Tin und wechselt dort auf die MTR (Metro) und fährt noch zwei Stationen zur Station University. Kostet insgesamt etwa 3 Franken. Wenn man das Taxi nimmt, muss man mit etwa 30 Franken rechnen. 

 An der Uni angekommen, nahm ich mir einen Plan zur Hand und fragte mich zu meinem Dormitorium durch. Im Dormitorium musste ich zuerst mal einige Formulare ausfüllen und Passfotos für irgendeinen Zweck abgeben (Merke: es lohnt sich, 4-6 Passfotos für verschiedene Zwecke dabei zu haben). Dann wurde mir der Zimmerschlüssel gegeben, und ich verstaute mein Gepäch darin. Ich wohnte in einem Einzelzimmer, da ich Postgraduate war, soweit ich weiss, wohnen alle Undergraduates (BSc/BA) in Zweier- oder Dreierzimmer. Das Zimmer sah zuerst aus wie eine Gefängniszelle, konnte jedoch mit einem Gang zu Ikea in Sha Tin etwas heimeliger gemacht werden. 

Nach der Ankunft im Dormitorium machte ich mich auf den Weg zum Office of Academic Links (OAL), dort wurde mir mein Buddy präsentiert und verschiedene Leute gaben mir nützliche Infos. Ich musste natürlich wieder ein paar Formulare ausfüllen. (Unter den Studierenden machten sich verschiedene Witze über die Volkssport Formulare Ausfüllen breit...) Grundsätzlich verlief die Prozedur ziemlich effizient und schnell.

Ein paar Tage nach Ankunft gab es dann ein genüssliches Welcome-Dinner, gefolgt vom ersten Ausgang, und danach fühlte ich mich in Hong Kong zu Hause. 

Zimmersuche
Wohnen

Wie gesagt bekam ich nach anfänglichen Unsicherheiten ein Zimmer in der Postgraduate Hall. Grundsätzlich empfand ich den Aufenthalt dort positiv. Die Wardens waren mit wenigen Ausnahmen sehr hilfsbereit und freundlich. Natürlich ist nicht alles so annehmlich wie zu Hause, zum Beispiel waschen die Waschmaschinen nur kalt, und somit sind Flecken ziemlich schwer wegzukriegen. Grundsätzlich war ich aber zufrieden, denn die Lage meines Dorms war nahe bei der Metrostation und die Aussicht aufs Meer und die Berge war schlichtweg atemberaubend.

Dieses Frühjahr war in Hong Kong ein aussergewöhnlich kaltes. Ende Februar wurden in Sha Tin noch 8.5° C gemessen. Die Dorms haben in der Regel keine Heizungen und sind auch eher schlecht isoliert, deshalb kann es sich lohnen, bei einem der Elektronikshops in Sha Tin einen Heizofen für ein paar Dollar zu kaufen. 

 Wenn es dann heiss wird im April und im Mai, kann man die zimmerinterne Klimaanlage benutzen. Diese kosten 1 HKD pro Stunde. 

Auf meinem Stock hatte es eine kleine Küche mit den allernötigsten Utensilien wie Mikrowelle, Herd und kleinem Ofen, und ausreichend Kühlschränken. Besteck etc. kann man in der IKEA oder sonstwo kaufen. Wie ich später noch erwähnen werde, ist die kulinarische Vielfalt in Hong Kong so gross, dass ich selten bis gar nie Nutzen von der Küche machte.

Universität

Die Reaktionen auf die Lehrmethoden und den Stoff an der Uni waren sehr unterschiedlich. Gewisse Leute sagten, sie wären in der Zeit an der CUHK verdummt, weil die Vorlesungen so anspruchslos waren. Dies hat wohl eher damit zu tun, dass sie ständig in LKF rumhingen (siehe Abschnitt Freizeit/Leben). Andere Leute sagten, die Kurse seien sehr anspruchsvoll gewesen. Kurz gesagt hängt es wahrscheinlich stark von den Modulen ab, die man besucht. Ich kann mir vorstellen, dass Wirtschaftsvorlesungen sehr gut besucht und eher anspruchsvoll sind. 

Die Kurse, die ich besucht habe (1 x Geoinformatik, 1 x Umweltwissenschaften, 1 x Informatik) fanden alle im kleineren Rahmen statt, gaben recht viel zu tun, aber waren grundsätzlich von hoher Qualität und abwechslungsreich gestaltet. Was ich der Universität definitiv attestieren muss, ist ein Hang zur Veschulung. Für die Studierenden in Hong Kong scheint dies normal zu sein, aber ich werde mit z.B. 3 Kurztests und obligatorischen Zwischenprüfungen in der MItte des Semesters einfach nicht warm. 

 Abgesehen von der Stoffmenge und den Unterrichtsmethoden gibt es zum Studienbetrieb nicht viel zu sagen. Über ein Webportal vergleichbar mit dem an der UZH können Kurse gebucht und storniert werden. Da ich Postgraduate war, erwies sich dies wieder etwas komplizierter als für andere. Was ich bemängeln wurde, ist die Intransparenz der Notenvergabe. Selten wurde ich darüber informiert, wie genau meine Zwischentests und Assignments korrigiert wurden, aber zum Teil ist dies ja an der UZH auch nicht anders. 

Zusätzlich zu meinen regulären Modulen nahm ich noch einen Level 2 Mandarinkurs, den ich als Postgraduate unverständlicherweise bezahlen musste (ca. 500 Franken pro Kurs). Nichtsdestotrotz lohnte es sich, da a) die Lehrerin sich sehr für unseren Fortschritt einsetzte, und b) der Kurs so anspruchsvoll war, dass ich mich mehrere Stunden pro Woche mit Mandarin auseinandersetzen musste. In Hong Kong an sich reden die Leute ja nicht Mandarin, aber Kurztrips oder längere Aufenthalte in Mainland China machen das wett.

Schliesslich lässt sich sagen, dass man, wenn einem die Heiminstitution nicht allzu viel Auflagen macht,  das Studienprogramm recht vielfältig und mit grosser Auswahl gestalten kann. So kann man auch etwas steuern, ob man die Nächte in einem der 24-Stunden-Lehrsääle oder eher in LKF verbringen wird.

Leben/Freizeit

Zum Leben in Hong Kong könnte ich einen ganzen Roman schreiben, aber ich werde mich kurz halten. Zusammengefasst ist die Stadt voller Möglichkeiten, und es gab während den 5 Monaten keinen einzigen Tag, an dem mir langweilig war. Es ist ständig etwas los, vorausgesetzt, man setzt sich mit seinen Mitstudierenden auseinander. Ob Stadtbummel, Shopping, Pferderennen, Sightseeing, Wandern, Baden (Boot mieten!), Ausflüge nach Macau und Shen Zhen, es findet sich immer was. Hier sei auch noch gesagt dass ein Facebookaccount unabdingbar ist, da sich die gesamte Kommunikation (zum Teil auch Hinweise des OAL) über die spezielle Facebook-Page des Austauschsemesters abspielt. 

Die Uni befindet sich in Sha Tin, und man erreicht Tshim Sha Tsui oder Central in ca. 30 bis 40 Minuten. Gewisse Leute haben sich darüber beschwert, dass die Uni weit ab liege, aber ich habe die Abgeschiedenheit sehr hoch geschätzt. Der Campus ist der grösste in Hong Kong, und erstreckt sich über die Flanken mehrer Hügel, ziemlich im Grünen. Einmal sah ich sogar Affen auf den Bäumen rumturnen. Wie auch immer, mir ist so etwas lieber als inmitten von Wolkenkratzern und lärmigen Strassen zu hausen. Und 30-40 Minuten sind ja keine Weltreise. Auf dem Campus gibt es grundsätzlich alles, das man zum Überleben braucht. Genügend Kantinen, einen kleinen Supermarkt, einen Bücherladen, eine Bank, ATMs, ja sogar einen Coiffeur. Für umgerechnet 7 Franken war ich mit meinem (zugegebenermassen anspruchslosen) Schnitt ziemlich zufrieden! Auch das Sportangebot ist recht gross, hier muss man jedoch - besonders als Postgraduate Student, der nicht in eine College-Institution eingebettet ist - möglichst zu Beginn schauen, dass man in ein Team kommt oder sich für etwas einschreibt.

 Wie oben schon angetönt, ist Hong Kong eine Stadt mit westlichen Standards, und voller Annehmlichkeiten.Zu jeder Zeit findet man ein gutes und preiswertes Restaurant jeglicher Couleur, vor allem in Gebieten wie SoHo in Central kann man sehr gut speisen. Wenn man sich etwas auf seinen Buddy einlässt, wird man sicher auch einmal zu einem der lokalen Restaurants mitgenommen, wo die Speisekarten ausschliesslich auf Chinesisch sind, die Speisen aber nicht minder gut! In solchen Orten kann man sich für 4-5 Franken das Maul stopfen. Apropos Essen, auf dem Campus gibt es ungefährt 15 Kantinen, und in den meisten isst man für 2-3 Franken. Einige sind besser, andere sind schlechter, aber die persönlichen Favoriten werden sich schnell herauskristallisieren. 

 Der Ausgang kommt natürlich nicht zu kurz, und hier gibt es die beiden Hotspots Wan Chai und Lan Kwai Fong. Beide befinden sich auf der Insel und sind via MTR in 40-50 Mintuen erreichbar. Beim Heimfahren teilt man sich meistens ein Taxi (30 Minuten), ich habe nie mehr als 4-5 Franken bezahlt, was das Argument, die Uni liege zu weit ab, einmal mehr obsolet erscheinen lässt. 

 Zuletzt sei noch erwähnt, dass Hong Kong eine der besten Ausgangspunkte ist, um Asien zu bereisen. Ich unternahm Trips in die Philippinen, in verschiedene Provinzen Chinas und nach Taiwan. Ich weiss von Leuten, die zudem noch in Japan, Nordkorea (!), Indochina und Indonesien waren. Wenn man sich etwas Zeit nimmt, kann man sicher 3-4 Teile Asiens bereisen, und die Flüge von Hong Kong aus sind eher günstig (150-300 Franken). Ich möchte auch jedem ans Herz legen, etwas Mandarin zu lernen (nach einem Einsteigerkurs an der CUHK weiss man schon recht viel, um im täglichen Leben nicht unterzugehen) und dann China zu bereisen. Es ist ein wirklich spannendes Land im Umbruch. 

Fazit: Alle Strapazen haben sich voll gelohnt, mein Austausch in Hong Kong war bis jetzt das Highlight meiner doch schon längeren akademischen Karriere , und es lohnt sich allemal, etwas über den Tellerrand hinauszuschauen und Erasmus hinter sich zu lassen!