Erfahrungsberichte

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Wer

yuvvi_shaggy[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

12/13 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Publizistikwissenschaft (7251)

Gesamteindruck

Ich empfehle jedem, der die Möglichkeit hat, ein Erasmus-Austauschjahr (oder mit einem anderen Programm...) zu absolvieren. Man wächst an den vielen neuen Erfahrungen, der Horizont wird erweitert und man kommt mit neuen Perspektiven in Bezug auf jede Lebenslage zurück. Klar, es werden Schwierigkeiten auftreten aber man lernt schnell genug, diese Probleme zu lösen - es bleibt einem ja nicht viel übrig. Sei es Wohnungsnot, Sprachen-Probleme, Heimweh: man kommt in den meisten Fällen darüber hinweg. 

Vorbereitung

Die Vorbereitungen waren schon eher mühsam. Ein kleiner Papierkrieg. Andererseits ist Bürokratie selten ein Heidenspass... Zusätzlich lernt man da schon selbständig zu sein und richtig mit wichtigen Dokumenten umzugehen.

Man darf sich auch nicht über die vielen Unklarheiten, die auf einmal auftauchen all zu sehr aufregen. Die Bürokratie eines Instituts alleine muss schon komplex sein. Dies mit einem Institut in einem anderen Land zu verbinden, erfolgreich zu korrespondieren und dabei immer die exakt selben Ergebnisse bzw. Prozesse zu erzielen kann nur noch komplexer sein...

 Hauptsache ist, man behält alles schön in Ordnung, macht Kopien und fragt bei Unklarheiten persönlich bei den Koordinatoren nach (wenn's möglich ist).

Ankunft

Bei der Ankunft in Berlin hab ich mein ganzes Vorhaben zum ersten Mal richtig begriffen. Während dem Flug musste ich noch meine Trauer bekämpfen, dass ich nun meine Liebsten eine ganze Weile nicht sehen werde. Es ist hart, geht aber beim ersten Schritt in die zeitweise neue Heimat vorbei. Man ist viel zu sehr mit dem Neuen beschäftigt: neue Gerüche, Strassen, Stimmen, Leute... Allein die neuen öV die ich benutzen sollte lenkten mich vom Heimweh ab. 

Es kann anstrengend sein, sich komplett neu zu orientieren. Ganz selbstverständliche Dinge musste ich auf einmal googeln: Wo hole ich Briefmarken? Wieviel kosten die verschiedenen Tarife? Neue Handynummer? Wo kaufe ich am besten ein? Kochen?! Wo ist überhaupt was? 

Es ist aber überaus spannend sich in einer neuen Umgebung zu bewegen. Ich habe vor Allem über die Wohnungssuche zu anfangs viel von Berlin gesehen und kennengelernt.

Freunde zu finden ist nicht schwer. Spätesten am Erasmus-Infotag wird man auf viele, interessante Leute treffen mit denen man sich dann das ganze Jahr lang das Leben schön macht!

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe mir die vielen Tipps von den Erfahrenen Erasmus-Studenten/Zimmersuchern zu Herzen genommen und früh mit der Zimmersuche angefangen. Trotzdem hatte ich zuerst grosses Pech (lange Geschichte) und dann grosses Glück mit meiner WG.

Fazit: Bei der Zimmersuche läuft nicht alles wie geplant. Man muss also auf jeden Fall flexibel bleiben. Das heisst jedoch nicht, dass man sich mit jeder Absteige zufrieden geben muss oder mit jedem Horror-Mitbewohner klarkommen soll. Aber wenn man sich ab und zu auf die Angebote einlässt können die sich als wahre Goldgrube entpuppen.

13er WG: niemals? Nee kann auch ein Heidenspass und viel Leben bedeuten. 

 Ich konnte mach nach der anfänglichen Pechsträhne, wo ich drei Tage vor Ankunft mein Zimmer nicht beziehen konnte (wie geplant), mich nach einer 4 Wochen langen Suche auf ein schönes Zimmer mit super Mitbewohnern und einer perfekten Lage erfreuen!

Mein Durchhaltevermögen wurde jedenfalls hart auf die Probe gestellt. 

Universität

Ich hatte das Glück sowohl an der Humboldt Uni als auch an der Freien Uni Berlin studieren zu können. Dabei habe ich gemerkt, dass ich den gleichen Prozess wie an meinem ersten Semester an der Uni Zürich durchlaufe: zahlreiche Informationstage, Uni-Führungen, Bibliotheksführungen, neue Uni Online-Plattform beherrschen lernen etc. etc. und das alles doppelt.

Es ging aber relativ schnell bis ich mich in die Berliner-Studentenwelt eingelebt habe. Sie unterscheidet sich eigentlich nicht sonderlich von der Heimat. Die Dozenten und die Studenten wirkten wie fremde Bekannte. Klar, ich kannte sie vorher nicht, aber ihr verhalten erinnerte mich schon etwas an Zürich. Ausser dass die Studenten eine grössere Schnauze haben.

Anstrengend wurde es nur als ich mich um die Leistungsnachweise kümmern musste. Ansonsten ging es normal weiter: lesen, lernen, schreiben, bestehen.

Leben/Freizeit

Ich habe vor meinem Erasmus-Jahr noch bei meiner Mutter gelebt. Deswegen war es für mich auch sehr wichtig mal zu lernen, wie man einen Haushalt führt und zwar ohne belehrt zu werden. Kochen, einkaufen, waschen und Rechnungen zahlen (und der ewige Kampf mit den Pfandflaschen...). Ich war allerdings sehr optimistisch und freute mich beispielsweise darüber, dass ich endlich selber entscheiden kann, wann gegessen wird ohne dass meine Mutter ein Drama daraus macht. 

Meine Freizeit habe ich hauptsächlich mit den vielen Freunden, die ich in Berlin gewonnen habe, verbracht. Party, Picknicks, Shoppen, Kaffee trinken, Kino oder einfach bei mir zuhause kochen und chillen -- Für Langeweile gab es keinen Zeit. Ansonsten habe ich Tanzkurse genommen, einen Rollerdisco-Kurs durchgezogen, gelesen , Museen und Theater besucht und vieles über meine Gast-Heimat gelernt. Trotzdem blieb mir auch Zeit für mich. Ja es gab sogar Tage an denen ich nichts, wirklich nichts gemacht habe (das Bett oder Sofa, der TV oder mein Macbook sind dann meine einzige Gesellschaft). 

Ich musste mich schon eher zur Langeweile zwingen. Ich war dauernd unterwegs und habe immer neue Dinge gesehen und es aber das neu Kennengelernte zum Bekannten gemacht und bis zum letzten Tag genossen.