Erfahrungsberichte

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Wer

ninajuliazivy[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

12/13 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Politikwissenschaft (7615)

Gesamteindruck

Das Jahr in Berlin hat mir sehr gefallen, was jedoch eher an der aufregenden Stadt und tollen Bekanntschaften gelegen hat, als an der akademischen Erfahrung.

Ich habe sehr viele Erasmus-Studenten kennengelernt und bei allen (inklusive mir selbst) festgestellt, dass sie fast ausschliesslich mit anderen Austausch-Studenten verkehrten und sehr wenig deutsche Studenten kennengelernt haben. Ob das am Programm, der Sprache oder der deutschen Kultur liegt, kann ich jedoch nicht beurteilen.

Am meisten aufgeregt haben mich die strengen Anrechnungs-Vorlagen, die mir fast keinen Spielraum zur Wahl gelassen haben. Beispiel: Von der UZH wurde eine 25-seitige Arbeit verlangt, um eine Spezialisierung angerechnet zu bekommen. An der HU war die Leistungsanforderung eine 12-15-seitige Arbeit plus wöchentliche Essays von 1-2 Seiten - insgesamt also mehr als 25 Seiten. Die UZH wollte dies jedoch nicht als zusammenhängende Arbeit anerkennen und der Professor der HU weigerte sich, eine extra-lange Arbeit von mir zu korrigieren. Deshalb musste ich am Schluss ein Modul nehmen, das mich überhaupt nicht interessierte, bloss weil es das einzige war, bei dem der Professor sich bereit erklärte, eine extra Arbeit von mir zu korrigieren. (Überflüssig zu erwähnen, dass ich die Essays trotzdem alle mitschreiben musste und so etwa doppelt so viel Aufwand hatte wie der Rest der Studenten). Dies nur ein Beispiel von vielen.

Vorbereitung

Da ich keinen Sprachkurs besuchen musste/wollte, habe ich mich nicht gross vorbereitet beziehungsweise brauchte ich keine Vorbereitung. Natürlich habe ich mich bezüglich des Vorlesungsverzeichnis' etc informiert. Ausserdem habe ich viel zu früh damit begonnen, mir Sorgen um das Learning Agreement zu machen und Entwürfe hin- und herzuschicken (zur Erasmus-Koordinatorin meiner Fakultät an der UZH), obwohl dann doch alles ganz anders war und ich alle geplanten Kurse nicht besuchen konnte, weil die Leistungsanforderungen andere waren als diejenigen der UZH.

Ankunft

Ich kam schon vorher in Berlin an und verbrachte die erste Zeit damit, zwischen Bezirksamt, Krankenkassen-Dings, Einschreibung, Semestergebührenbüro etc hin- und her zu rennen. Ich möchte mich nicht über fehlende finanzielle Unterstützung vonseiten der Erasmus-Organisation beklagen, trotzdem war es eine Enttäuschung festzustellen, dass man in Deutschland keine Semestergebühren bezahlt (während wir Schweizer die 700 Franken der UZH weiterbezahlten) und wir Austauschstudenten dazu noch eine Einschreibgebühr, gerechtfertigt mit administrativem Aufwand, entrichten mussten.

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe mich selber um eine Wohnung gekümmert, via Internet. (Was soll ich dazu noch schreiben??) Mein Freund hat gleichzeitig in Berlin gearbeitet und wir haben uns eine Wohnung in Mitte geteilt, die wir zur Untermiete bekommen haben (mit sehr viel Glück).

Universität

Die Universität an sich und der Unterrichtsstil hat mir eigentlich gut gefallen, der bürokratische Aufwand, um seine ECTS Punkte von der HU angerechnet zu bekommen, ist jedoch jenseits. Die HU war genau so stur wie die UZH in Bezug auf die Leistungsanforderungen, das heisst, ich musste in fast allen Modulen doppelten Aufwand liefern, weil von der UZH z.B. eine zusammenhängende Arbeit verlangt wurde, während die HU Essays verlangte, und keine der beiden Universitäten erklärten sich bereit, auf ihre Art der Leistungsanforderung zu verzichten. Ein Modul musste also im Sinne der HU bestanden werden und gleichzeitig die Art von Leistungsnachweis ausweisen, die von der UZH verlangt wurde. 

Des weiteren erfuhren die meisten Erasmus-Studenten durch eine Email am Schluss des Semesters von irgendwelchen Scheinen, die man einzureichen hatte, und der Tag der Email fiel in etwa mit dem Abgabetermin zusammen. Das Ganze verlief äusserst chaotisch, manche Professoren schrieben, was der Student draufhaben wollte und gaben den Schein direkt ab, andere bestanden auf Abgabefristen und Vorgaben der HU, wieder andere hatten selbst noch nie etwas von diesen Scheinen gehört. Wir Austauschstudenten halfen uns gegenseitig und rannten jeweils vom Prüfungsamt zum Professor zur Erasmus-Koordinatorin usw - Ich habe mehr Zeit damit verbracht, um meine Punkte zu kämpfen, als meine akademischen Hausarbeiten zu schreiben. 

Leben/Freizeit

Berlin ist eine tolle Stadt und eigentlich perfekt für ein Austausch-Semester geeignet. Schade sind einzig die sehr unterschiedlichen Semesterdaten.