Erfahrungsberichte

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Wer

mirjgau[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

12/13 SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Musikwissenschaften (7760)

Gesamteindruck

Die Stadt, die Uni, das Leben in einer typischen Berliner Wohnung, ein kulturelles/ musikalisches Angebot, das man sich nur erträumen kann - all dies war eine super Erfahrung! Da der administrative Aufwand ziemlich gross ist, hätte es sich gelohnt, ein ganzes Jahr in Berlin zu verbringen (nicht nur deshalb... die Stadt bietet so viel, man hat auch nach einem knappen halben Jahr noch lange nicht alles entdeckt!) All in all: thumbs up! 

Vorbereitung

Sowohl der Austausch mit anderen Studierenden, die ebenfalls ein Semester in Berlin verbracht haben, als auch einige Stunden im worldwideweb dienten als optimale Vorbereitung auf das Erasmus-Semester und die Stadt Berlin im Allgemeinen. Ich war bereits dreimal in Berlin und wusste, dass ich mich in dieser Stadt wohl fühle.

Dank der Hilfsbereitschaft meiner Erasmuskoordinatoren der UZH verlor ich nicht ganz die Übersicht. Obwohl das Semester erst im April begann, musste ich schon sehr früh ein Learning Agreement erstellen und Kurse auswählen, die noch nicht mal im VLV waren. Den ganzen Papierkrieg empfand ich als ziemlich mühsam und zeitraubend, zum Glück fiel die Vorbereitung in die vorlesungsfreie Zeit.

Ankunft

Zwei Wochen vor Semesterbeginn reiste ich mit dem Zug nach Berlin, um WGs zu besichtigen, mich einzuleben und all die administrativen Dinge (sich beim Bürgeramt anmelden, Infoveranstaltung für Erasmus-Studierende etc.) zu erledigen. Ich kann dies wärmstens empfehlen. Nach 2 Wochen kennt man sich bereits mit dem öffentlichen Verkehr aus, kann die Distanzen besser einschätzen (diese Stadt ist riesig!) und womöglich schon ein Fahrrad besorgen - quasi ein must-have in Berlin.

Die Immatrikulation sowie Infoveranstaltung für Erasmus-Studierende verlief einwandfrei, man kriegt tonnenweise Material und Angebote. Für die Einsamen gibt's viel Möglichkeiten, andere Erasmus-Studis kennenzulernen. Von solchen Dingen habe ich jedoch nie Gebrauch gemacht, da ich genau dies - das Alleinsein in einer Grossstadt - total schätzte.  

Zimmersuche
Wohnen

Mit der Wohnungssuche habe ich mich eher zu früh beschäftigt (ab Februar, Ende März bin ich dann nach Berlin gegangen) - die Berliner sind ziemlich spontan und planen nicht so weit im Voraus wie wir Schweizer. Die Suche nach einer schönen Bleibe war ziemlich energie-& zeitraubend (viele Stunden auf den gängigen Websites wie wg-gesucht.de oder studenten-wg.de). 2 Wochen vor Studienbeginn siedelte ich nach Berlin über, durfte mich die erste Woche in einer WG niederlassen, um von da aus potenzielle Unterkünfte zu besichtigen. Die Suche vor Ort kann ich sehr empfehlen; via Skype oder Mail von zuhause aus ist umständlich und unpersönlich für beide Seiten. Die Wahl der Bleibe fiel mir dann ziemlich leicht; erst vor Ort konnte ich entscheiden, ob mir der Kiez, die Wohnung sowie die MitbewohnerIn sympathisch sind. Ich habe dann gleich mehrere Zusagen erhalten, eine riesige Wohnung im gemütlichen und beliebten Bezirk Friedrichshain hat das Rennen gemacht. Ich wage zu behaupten, dass die Wohnung/ die MitbewohnerIn das Wichtigste überhaupt ist - der Aufenthalt in einer fremden Stadt gestaltet sich so viel angenehmer, wenn man sich richtig wohl fühlt in den eigenen vier Wänden und auch gerne zuhause ist. Ich kann empfehlen, sich für die Wohnungssuche viel Zeit zu nehmen und auch das Bauchgefühl einzubeziehen... 

Universität

Die Uni ist ziemlich ähnlich organisiert wie die UZH (bezüglich Vorlesungsverzeichnis, OLAT - dort Agnes, usw.) Das Musikwissenschaftliche Institut, gleich bei der Museumsinsel gelegen, ist klein und schön, der Umgang sehr freundlich und offen. Das Niveau empfand ich als etwas tiefer als in der Schweiz, das Angebot an Seminaren/ Vorlesungen war nicht riesig, aber total spannend; weltoffener und moderner als an der UZH. Ich fühlte mich sehr wohl an der HU Berlin, das lockere Arbeitsklima sowie die aktive Mitarbeit der Studierenden trugen viel dazu bei.

Leben/Freizeit

Berlin ist in vielerlei Hinsicht fast zu toll, um wahr zu sein. Ich als Musikfreak (insbesondere experimentelle elektronische Musik) war öfters im 7. Himmel und habe in diesen 5 Monaten fast all meine Lieblingsmusiker live erlebt. Es gibt so viele Konzerte, Untergrund-Kultur irgendwo an der Spree, trashige Filme, spannende Orte, kulinarische Angebote... Oft musste ich mich zwingen, mal ein Wochenende zu pausieren und zu Hause zu bleiben; man könnte jeden Abend etwas unternehmen, irgendwann ist jedoch der Geist gesättigt und brauch Verschnaufpause! 

Via ronorp-Berlin, dem tip oder zitty, allg. Internet sowie Flyer/ Poster habe ich mich über das riesige Angebot informiert. Mit der Zeit lernt man, mal nein sagen zu können - eine Überdosis an Musik, Kultur, Menschen etc. ist in Berlin nicht unwahrscheinlich!

Ich empfehle nochmals, sich ein Fahrrad zu besorgen. Berlin ist total velofreundlich und man sieht die Stadt mit anderen Augen als in der S/U-Bahn. Ziellose Fahrradtouren brachten einige Entdeckungen mit sich, die man mit ÖV wohl kaum machen würde. 

Berlin ist sehr beliebt, sehr jung, gemütlich und lebendig zugleich. Ich bin ungern in die allzu saubere, ruhige und kleine Schweiz zurückgekehrt...