Erfahrungsberichte

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Wer

niklas.stauffer[at]gmx.net

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

12/13 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Humanmedizin (4000)

Gesamteindruck

Eine wunderbares Jahr in einer tollen Stadt mit super Leuten!
Ich kann jeder/jedem wärmstens empfehlen, einen Austausch nach Berlin zu machen!
Lasst Euch nicht von der Bürokratie, den aufwändigen Vorbereitungen und dem Ablegen der Prüfung zu Hause abschrecken, es lohnt sich auf jeden Fall und ist zu bewältigen.

Vorbereitung

Im Rahmen des Bewerbungsverfahrens seitens der medizinischen Fakultät der UZH macht man sich kundig, was die Charité für Kurse anbietet und stellt sich einen persönlichen Entwurf für Kurse und Famulaturen, die man während des Austauschjahres belegen möchte, zusammen. Da das Studium in Berlin in Semester eingeteilt ist, werden sämtliche Kurse im Winter- und im Sommersemester angeboten.
Falls man sich für einen zweisemestrigen Austausch entscheidet, belegt man entweder ein Semester lang Kurse und famuliert ein Semester oder man famuliert gleich zwei Semester. Ich persönlich habe es sehr geschätzt, im WiSe Kurse zu belegen, da man dann über die Kursgruppen (verschiedene Semester und verschiedene Planungsgruppen) sehr schnell viele Kontakte zu Deutschen Studenten knüpfen kann. Ausserdem hat man mehr Freizeit und Flexibilität als beim Famulieren, das ich zeitweise als sehr anstrengend erlebt habe (Mo-Fri, 7.30 - 16.30). Im SoSe habe ich dann famuliert - eine sehr lehrreiche Erfahrung! Je nach Krankenhaus hat man die gleichen Kompetenzen wie die Deutschen Studenten im PJ - ein guter Vorgeschmack aufs WSJ.

Idealerweise versucht man sich einen Mix aus den regulären Zürcher Kursen und persönlichen Interessen/Vertiefungswünschen zusammenzustellen um maximal vom Austausch zu profitieren. Das Kursangebot in Berlin ist sehr breit, bei entsprechender Planung können fast sämtliche Kurse des 4.SJ in Berlin belegt werden, es müssen dann wenig Kompensationspraktika organisiert werden.
Bei Famulaturen muss zu diesem frühen Zeitpunkt nur die gewünsche Fachrichtung und Dauer festgehalten werden, die konkrete Planung geschieht erst während des Aufenthalts durch den/die Studenten/in selber.
Nach der erfolgten Nomination durch die Medizinische Fakultät schickt man die Liste mit den Kurswünschen nach Berlin und kriegt dann im Verlauf Bescheid, welche Kurse man belegen darf.

Ankunft

Es lohnt sich, ein bisschen vor dem Semesterstart anzukommen, damit man in Ruhe alles erledigen kann. Ausserdem hat man dann Gelegenheit, Berlin im Urlaubssetting zu erleben, da noch keine Kurse und Vorlesungen stattfinden. Es sind auch schon andere Erasmus-Medizinstudierende früher da wegen der Sprachkursen, mit denen man schnell via der Facebook-Gruppe in Kontakt kommt. Ich bin erst in der zweiten Oktoberwoche angekommen und musste mir die Tage gut einteilen, um den administrativen Aufwand zeitgerecht zu bewältigen.
Als erstes kümmert man sich um die Immatrikulation, da man mit dieser das Semesterticket erhält - damit kann man in den Zonen in und um Berlin sämtliche öffentliche Verkehrsmittel benutzen, inkl. Radmitnahme. Falls man noch keine feste Wohnung hat und somit auch keine Meldebestätigung, die für die Immatrikulation zwingend notwendig ist, kann man eine provisorische Immatrikulation beantragen, die 4 Wochen lang gültig ist.
Sobald man eine Wohnung gefunden hat, kann man sich mit einer Kopie des Mietvertrags beim Bürgeramt anmelden. Es lohnt sich, einen Termin im Internet zu beantragen, da man so lange Wartezeiten vermeiden kann. Als nicht EU-Bürger bleibt einem auch der Gang zur Ausländerbehörde nicht erspart.
Bevor man UaKs (Unterricht am Krankenbett = klinische Kurse) besuchen darf, muss man beim Betriebsarzt eine Kontrolluntersuchung machen. Die Bestätigung des Untersuchs musste ich in meinem Fall dann aber schlussendlich erst bei der ersten Famulatur einreichen.

Zimmersuche
Wohnen

Ich kann nur jedem anraten, sich genug früh um ein Zimmer zu kümmern! Die Wohnungs- und Zimmersuche ist mittlerweile schwer geworden in Berlin. Ich habe mich erst im Oktober vor Ort um ein Zimmer gekümmert, was ich nicht empfehlen würde, da zu dieser Zeit sämtliche Ausstauschstudenten eine Bleibe suchen. Am besten Ihr sucht per September und schaut euch schon im Juli/August auf den einschlägigen Seiten nach Angeboten um.
Es lohnt sich, zentral nahe S- und U-Bahn zu wohnen, da man in Berlin sehr viel und lange unterwegs ist.
Die Charité hat mehrere Campi, die in der ganzen Stadt verteilt sind (Wedding, Mitte, Steglitz). Ich hatte die meisten Kurse auf dem CBF, das in Steglitz liegt. Die Wegzeit dorthin von Berlin-Mitte beträgt ca. 1h.

Universität

Die Charité gehört zur Freien Universität Berlin und zur Humboldt Universität Berlin, mit der Semesterkarte kann man also Bibliotheken beider Institutionen benützen.
Die Campi sind allesamt etwas in die Jahre gekommen, aber durchaus schön anzusehen.

Die Qualität der UaKs an den verschiedenen Lehrkrankenhäusern fand ich sehr gut. Vom Umfang her sind die Kurse meist länger als die Zürcher Pendants.
Speziell hervorheben möchte ich den Neuro und den Psychiatrie Kurs, die ich als sehr lehrreich erlebt habe.
Meistens gibt es noch kleine Abschlusstestate (eine Epikrise schreiben, mündlich einen Patienten übergeben etc.), die man aber gut bewältigen kann.

Die Medizinstudenten sind sehr engagiert an der Charité, es gibt viele Veranstaltungen und Kurse, die auf freiwilliger Basis organsiert werden. Es gibt ein Lernzentrum, dass Tutorate anbietet, zu denen man sich anmelden kann (z.B. Anamnese Kurs, Sono Kurs, Status erheben etc.).
Die OE Kabarett-Band der Charité lädt einmal pro Semester zum Mediziner Kabarett - das ist schlicht ein MUST!

Leben/Freizeit

Mit der Vielfältigkeit der Freizeitangebote in Berlin könnte man Bücher füllen.
Es ist für jeden das Maximum an Angeboten dabei - sei es kulturell: unzählige Museen, Theater, Oper, Konzerte, die Berliner Philharmonie oder zum Ausgehen: ein riesiges Angebot an Restaurants, Bars und hervorragenden Clubs, die auch mit kleinerem Budget zu finanzieren sind.
Wer trotz zahlreichen Parks in der Grossstadt die Natur vermisst, dem kann ich nur empfehlen, ins umgebende Brandeburg zu fahren - zahlreiche Seen und Wälder laden zu Spaziergängen oder Radtouren ein.