Erfahrungsberichte

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Wer

mirjam_sidler[at]bluewin.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

12/13 SS

Universität

AT-WIEN01
Wien - Universität Wien

Studienfach

Geschichte (Allgemeine) (7600)

Gesamteindruck

Es stimmt schon, wenn die ESN-Leute ständig davon reden, dass ein Austauschsemester dein Leben bereichert, eine einzigartige Erfahrung sei und dir neue Möglichkeiten und Horizonte eröffnet.

Mein Austauschsemester in Wien hat mein Leben nämlich um viele Erkenntnisse und vor allem Freunde bereichert, es war eine einzigartige Erfahrung ganz alleine in eine fremde Stadt zu reisen und es hat mir in Form eines Jobangebots in Wien definitiv neue Möglichkeiten eröffnet (wenn sich auch der Wiener Horizont nicht allzu sehr vom Zürcher unterscheidet).

Als Studentin aus Zürich nach Wien zu gehen, ist sicher Erasmus light. Du verstehst die Sprache (meistens jedenfalls), die Städte ähneln sich (wenn auch Wien doch um einiges mehr Grandezza besitzt, als das kleine beschauliche Zürich), die Unis auch, und wenn auch die allgegenwärtigen Billas nicht so gut ausgerüstet sind wie Migros&Coop (kann zum Problem werden wenn man einen Tag lang vergeblich Grillkohle und Muffinförmchen jagt) so ist es im grossen und ganzen problemlos möglich, das Zürcher Leben auf Wien anzuwenden. Aber. Aber man ist eben doch in einer fremden Stadt. Und in was für einer! Es gibt so viel zu entdecken und zu unternehmen und dann ist Wien doch tatsächlich auch noch freundlich zu seinen Besuchern und so bleibt einem viel Zeit für das, was man zuhause so selten macht: Die Stadt entdecken in der man wohnt! 

Vorbereitung

Ich bin ein eher vorsichtiger Mensch und mag keine Unsicherheiten was meine Wohnsituation angeht, weshalb es für mich das wichtigste war, im Voraus meine Unterkunft zu regeln. Wem das auch so geht, dem kann ich die OEAD-Wohnheime nur wärmstens empfehlen. Die Preise sind anständig, die meisten Häuser liegen sehr zentral (zu empfehlen sind das Pfeilheim und die Tigergasse) und du hast dein Zimmer auf sicher. Zwar ist nicht alles immer picobello sauber und die Wohnheime unterscheiden sich zum Teil sehr in der Raumaufteilung und was die Menge Menschen angeht welche die Küche benutzen (16 sind definitiv mehr als 10 zu viel!), aber eigentlich ist man eh meistens nur zum Schlafen zuhause, denn Essen kann man sich auch fast überall auswärts leisten und die Uni hat tolle Bibliotheken zum Lernen.

Was den Rest der Vorbereitungen (=Unterschriften sammeln) angeht: Es schaut zwar nach Bürokratiedschungel aus, aber wenn man schön brav den Anweisungen folgt, klappt alles erstaunlich gut. 

Ankunft

Aus Zürich lässt es sich bequem (und günstig) per Zug nach Wien reisen. Hilfreich sind Freunde, die einem Gepäck schleppen. Mitten im Schneesturm in Wien angekommen, war ich dann gleich nochmals froh um mein bereits auf mich wartendes Wohnheimzimmer.

Zimmersuche
Wohnen

Wie gesagt, siehe oben bei den Vorbereitungen.

Allerdings ist es in Wien offenbar um einiges leichter ein Zimmer in einer WG oder zur Untermiete zu finden als in Zürich. Auf der Facebookseite von ESN Wien werden übrigens immer wieder welche angeboten, es lohnt sich sicher, sich dort früh umzusehen.

Universität

Die Hauptuni Wiens ist ein wunderbar sinnloser Repräsentationsbau, unglaublich viel Platz geht für grosse Treppenaufgänge und kleine Galerien drauf und es gibt scheinbar nicht auf jedem Stockwerk eine Verbindung in den jeweils gegenüberliegenden Gebäudetrakt (nach einigem Suchen entdeckt man aber geheime Gänge und uralte Lifte, mit denen sich viel Zeit sparen lässt), dafür hat sie einen wunderschönen begrünten Innenhof, in dem sich sehr gut sitzen, lesen, lernen, plaudern, schlafen lässt. 

Die Veranstaltungen an der Uni und ihre Studierenden ähneln denen in Zürich sehr. Es herrscht die gleiche och, ich meld mich jetzt mal nicht, erst mal ein bisschen schauen, was die anderen so sagen und ach, eigentlich lässt es sich ja ganz gut anderthalb stunden stumm dasitzen-Mentalität, von der offenbar nur deutsche Studierende nicht betroffen sind. Die Seminare sind immer ausgebucht und es gibt Wartelisten (Erasmusstudierende werden bevorzugt behandelt und bekommen eigentlich immer den Platz in der Veranstaltung die sie wollen und das Buchungssystem ist auch keine Hexerei, wenn man den Buchungsgraus in Zürich bereits gemeistert hat). Die Professoren, die ich erlebt habe, gehen mit dieser Situation aber sehr entspannt um und sind generell sehr aufgeschlossen gegenüber den Studierenden. Das Angebot ist ähnlich breit wie in Zürich und wenn man als Schweizerin an einem Dialektologiesemiar teilnimmt, hat man eh schon gewonnen (und lernt lustige österreichische Dialekte und echtes Wienerisch kennen)!

Leben/Freizeit

Das gehört eigentlich auch ins Vorbereitungsfeld: Ich würde jedem empfehlen, sich für das Buddy-System von ESN WIen anzumelden. Drei ausländische Studierende werden zwei Wiener Studierenden zugeteilt, den so genannten Buddies. Ich hatte grosses Glück mit meinen, denn viele der Buddies machen das schon ewig und kennen sich untereinander und organisieren gemeinsame Events. So lernt man schnell viele Leute kennen und hat vor allem auch eine gute Chance sie wieder zu treffen, wenn man sich denn gegenseitig sympathisch war.

Die ESN Wien-Leute machen generell einen tollen Job, sind sehr hilfsbereit, gut organisiert und bieten viele Events an. Da die Wiener Innenstadt und die einstelligen Bezirke, in denen sich die meisten Clubs, Bars und Restaurants befinden gut erlauf- oder mit ÖV erfahrbar sind, kann man aber bald auch auf eigene Faust losziehen und sich eigene Lieblingslocations erobern. 

Ja und dann gibt es in Wien bekanntermassen noch Schnitzel und Heurigen und Mozartkugeln und Kaffeehäuser und Paläste und ach ja, Museen. Letztere lassen sich nicht übersehen, alles andere entdeckt man sich am besten zuerst per Reiseführer und schaut dann, wo man sich am wohlsten fühlt. Lohnen tut sich alles! Viel Spass!