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Erfahrungsberichte

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Wer

vanessa.mistric[at]googlemail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

12/13 SS

Universität

AT-WIEN01
Wien - Universität Wien

Studienfach

Politikwissenschaft (7615)

Gesamteindruck

Mein Eramus-Aufenthalt in Wien war in jeder Hinsicht eine Bereicherung. Gerade für Studierende der Politikwissenschaften kann der Aufenthalt neue Perspektiven auf europäische Politik und den deutschsprachigen Raum eröffnen. Auch Studierenden kultur- und kunstwissenschaftlicher Richtungen kann ich einen Eramus-Aufenthalt wärmstens ans Herz legen. Im Vergleich zu anderen Großstädten bietet Wien einen nicht zu überbietende Fülle an kulturellen Angeboten und Open-Air Events, die auch für Studierende bezahlbar sind. Ich habe Wien als freundliche, lebendige und gemütliche Großstadt erlebt, in der es jeden Tag etwas Neues zu entdecken gibt. Auf der anderen Seite war der organisatorische Aufwand für meinen relativ kurzen (ein Semester) Aufenthalt relativ hoch und es war bis zuletzt nicht sicher, ob mein Semesterzeugnis aus Wien rechtzeitig vorliegen würde um in Zürich für den Bachelor-Abschluss zugelassen zu werden. 

Vorbereitung

In der Vorbereitung auf meinen Eramus-Aufenthalt habe ich zunächst aus dem Angebot der Universität Wien Lehrveranstaltungen herausgesucht, die mich interessiert haben. Je nach Studienrichtung kann es durchaus eine Herausforderung sein, passende Veranstaltungen zu finden, die man sich in Zürich anrechnen lassen kann. Dies gilt insbesondere für Pflicht- und Wahlpflichfächer.

Das Kurs-Angebot wird in Wien leider erst relativ spät online zugänglich gemacht (in meinem Fall etwa einen Monat vor Semester-Beginn), wobei auch Wochen nach Semesterbeginn Veranstaltungen dazugekommen sind. Die Kurse sind in der Regel überbucht, die Angabe von Prioritäten entscheidet über die Platzvergabe. Auch wenn man sich bei einem Kurs zunächst auf der Warteliste befindet, sollte man in den ersten Wochen an dem Kurs teilnehmen. Studierende, die in den ersten beiden Lehrveranstaltungen fehlen, verlieren ihren Platz an diejenigen, die sich auf der Warteliste befinden und anwensend sind. Die meisten Professoren nehmen auch zusätzliche Teilnehmer in Ihre Kurse auf, wenn man sie darum bittet.

Während meines Aufenthaltes hat sich das Eramus-Team der Universität Wien als äußerst freundlich und hilfsbereit erwiesen.

 Die Bedeutung einer frühzeitigen und sorgfältigen Planung des Aufenthaltes, Rücksprachen mit den zuständigen Koordinatoren bei der Kurswahl und das Dranbleiben wenn es um den Erhalt des Semesterzeugnisses geht solte nicht unterschätzt werden.

Ankunft

Es empfielt sich an einer der Einführungsveranstaltungen teilzunehmen, die vom Eramus-Team der Uni Wien organisiert werden. Außerdem bietet ESN Wien (studentische Organisation für Eramus-Studierende) ein Buddy-System an, in das sich Studierende eintragen können, die eine Ansprechperson für Fragen rund um das Studium und Leben in Wien suchen. 

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche ist ohne großen Aufwand verlaufen. Ich habe auf der Seite der Österreichischen Jungarbeiterbewegung ein Formular ausgefüllt, um über freistehende Zimmer in StudentInnenwohnheimen informiert zu werden. Kurz vor meiner Abreise habe ich zwei Zimmer angeboten bekommen und mich für ein Doppelzimmer in einer 4er WG im ÖJAB-Europahaus Dr. Bruno Buchwieser entschieden. Sich ein halbes Jahr lang mit einer anderen Studentin ein zu Zimmer teilen zu müssen war die ersten Tage gewöhnungsbedürftig, aber sehr bald erstaunlich einfach. Es hat meinen Aufenthalt sogar wesentlich unterhaltsamer gemacht und mich um viele lustige Erlebnisse, interessante Gespräche und eine enge Freundschaft bereichert. Die Zeit in der WG gehört zu meinen schönsten Erinnerungen. Der größte Nachteil des ÖJAB-Europahauses ist sicherlich, dass man eine gute dreiviertel-stunde Fahrt zur Hauptuni einplanen muss. Dafür liegt das Wohnheim in einem wunderschönen Park, den ich seit meine Abreise vermisse.

Universität

Die Universität Wien verteilt sich auf mehrere Gebäude im ersten Bezirk. Der Campus der Universität Wien ist mir anfangs wie ein undurchsichtiges Labyrinth vorgekommen. Dort findet man von Restaurants, Einkaufsgelegenheiten über Buchhandlungen alles was für den studentischen Alltag wichtig ist. Der zentrale Standpunkt der Universität befindet sich fünf Gehminuten vom Campus entfernt in einem altehrwürdigen Gebäude (die Hauptuniversität ist eine der ältesten Universitäten im deutschsprachigen Raum) mit einem Innenhof mit Grünfläche, Liegen und einem Caffee. Der schönste Ort zum Lernen ist bei schlechtem Wetter sicherlich der Lesesaal der Hauptuniversität, in dem man sich ins 19. Jahrhundert versetzt fühlt, allerdings mit den Vorzügen von WLAN und Steckdosen an jedem SItzplatz.

Bei Lehrveranstaltungen an der Universität Wien besteht üblicherweise Anwesenheitspflicht, die Zeiteinteilung ist weniger flexibel als an der Universität Zürich. Aus eigener Erfahrung und aufgrund von Gesprächen mit anderen Studenten kann ich sagen, dass die Anforderungen im Allgemeinen geringer sind als in Zürich. Der Zugang ist etwas schulischer. Beeindruckend ist die Vielfalt des Angebots an Lehrveranstaltungen, aus denen ich meinen eigenen Stundenplan zusammenstellen konnte.

 a. Institut für Film-Theater- und Medienwissenschaft

Das Institut für Film-Theater- und Medienwissenschaft bietet ein breit gefächertes Angebot und ist auch für künstlerisch aktive Studierende sicher eine gute Ergänzung zum Studium an der Universität Zürich. Neben vorwiegend theoretischen Kursen gibt es auch eine ganze Reihe von praktischen Übungen (beispielsweise Audiovisuelle Gestaltung in der Praxis oder die sogenannte Freitagsrunde, in deren Rahmen jedes Semester unter Anleitung eines ORF Intendanten eigene Filmprojekte realisiert werden können). 

In Zusammenarbeit mit dem österreichischen Filmmuseum werden regelmäßig Veranstaltungen angeboten, die einen Einblick in Film-Kuratorenschaft, die Arbeit von Filmarchiven und Forschung mit ephemerem Filmmaterial bieten. Studierenden der Filmwissenschaften kann ich einen Aufenthalt in Wien, Veranstaltungen des Institut für Film-Theater- und Medienwissenschaft und ein Abo für das österreichische Filmmuseum nur wärmstens ans Herz legen! Das Instituts-Gebäude befindet sich übrigens in der Hofburg direkt beim Heldenplatz (siehe Foto).

b. Institut für Politikwissenschaft

Das Institut für Politikwissenschaft bietet jedes Semester Verstaltungen mit dem Fokus auf Osteuropa sowie Österreich und die EU an. Die Lehrveranstaltung Österreich und die EU ist relativ umfangreich und arbeitsintensiv, aber gilbt dafür einen sehr guten Überblick über österreichische und europäische Politik. Außerhalb der Lehrveranstaltungen werden viele interessante Vorlesungsreihen angeboten, insbesondere zu den Themen Migration, Identität und Asyl. Viele der Veranstaltungsreihen sind von den Studierenden selbst organisiert. 

Leben/Freizeit

Der ESN Wien bietet viele Events an, darunter günstige Städtereisen, Führungen, Parties, lustige Kennenlernevents. Rückblickend war es eine sehr gute Entscheidung, an einigen ESN Veranstaltungen teilzunehmen. Bereits in der ersten Woche meines Aufenthaltes habe ich dort viele neue Bekanntschaften gemacht, die mit der Zeit zu Freundschaften geworden sind.

Es sind viele kleine Dinge, die Wien so liebenswürdig machen: die Wiener Kaffeehäuser, Architektur im Jugendstil, Straßenmusik, die Gemütlichkeit und die alltägliche Erfahrung von Kunst, die einem an jeder Ecke begegnet.

Restkarten fürs Theater, Tanzaufführungen und die Staats- und die Volksoper sind sehr günstig vor den jeweiligen Aufführungen erhältlich. Eine Ballettaufführung des Wiener Staatsballetts zu Musik der Wiener Philharmoniker sollte man wirklich einmal erlebt haben. Für Filminteressierte bietet das Österreichische Filmmuseum eine spannende Filmauswahl und  sehr gut durchdachte und mit großem Aufwand vorbereitete Filmvorführungen. Die vielen Eindrücke und Erfahrungen, die ich in Wien gemacht habe lassen sich kaum in einige Sätze fassen. Sie haben mich geprägt und verändert.