Erfahrungsberichte

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Wer

christoph.bucher[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

12/13 SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Publizistikwissenschaft (7251)

Gesamteindruck

Der Aufenthalt mit einer Gesamtdauer von 5 Monaten war für mich definitiv eine sehr prägende und bereichernde Erfahrung. Ein Austauschsemester (oder -jahr) ist eine perfekte Möglichkeit, um einerseits vom gewohnten Alltag eine Pause zu nehmen und sich neue Eindrücke zu verschaffen, andererseits sieht man aus akademischer Sicht ebenfalls andere Herangehensweisen. Dies ist womöglich bei einem sozialwissenschaftlichen Studiengang noch extremer zu spüren.

Es ist definitiv eine Erfahrung die ich nicht missen möchte, und welche sich mit Hilfe der universitären Unterstützung auch relativ einfach verwirklichen lässt. Auch wenn Berlin nun nicht einer völlig fremden kulturellen und vor allem auch sprachlichen Basis entspringt, so haben sich sicherlich sehr viele Unterschiede aufgetan. Erstmal vorweg, ich war von der Stadt Berlin vollends begeistert und konnte so, vor allem den Sommer geniessen. Die Universität war ebenfalls sehr kooperativ und erleichterte so viele organisatorische Schritte.

Vorbereitung

Die Vorbereitung lief schlussendlich reibungslos ab, auch wenn ich mich über das Nebenfach Ethnologie für das ERASMUS Semester angemeldet habe. Nach der Anmeldung habe ich mich mit den zuständigen Personen getroffen und die Semesterplanung in Angriff genommen. Die Anrechnungsvereinbarungen wurden alle ausgefüllt und unterzeichnet und das Learning Agreement wurde ebenfalls für den Unterschriftenmarathon bereitgestellt. Die Punkte konnten zwar nicht alle 1:1 übernommen werden (ich habe meist 1-2 Punkte mehr gesammelt als ich anrechnen lassen konnte), jedoch konnte ich hauptsächlich Wahlmodule buchen, so dass die Auswahl praktisch auf alle Angebote ausgeweitet war.

Ankunft

Ich habe mich dafür entschieden, per Mitfahrgelegenheit.ch nach Berlin zu fahren. Es war billiger als mit einem Zug und im Flugzeug habe ich die 22 Kilogramm Marke locker überschritten. Zudem wurde ich zuhause abgeholt und direkt in ein Hostel gefahren. Womit ich direkt zum Abschnitt der Wohnung und Zimmersuche übergehen kann.

Zimmersuche
Wohnen

Es ist möglich, über WG-Gesucht.de viele Leute anzuschreiben, welche Wohnungen anbieten. Ich möchte aber anmerken, dass die Wohnungssuche in Berlin anscheinend immer schwerer wird und dass sehr viele Leute sich nicht die Mühe machen, einen Skypetermin zu vereinbaren oder sich mit längeren Emailverkehr aufzuhalten. Daher empfiehlt es sich bei der Bewerbung sehr ausführlich zu sein. Ich hatte mir vorgenommen, erstmal etwas kurzfristiges zu suchen und dann in Berlin verschiedene WG's bei „Castingterminen“ zu besuchen. Da ich mitten in der Nacht (um etwa 4 Uhr 30) angekommen bin, musste ich erstmal für 10 Euro in ein Hostel gehen, was aber völlig unproblematisch war. Danach war ich 2 Wochen in Friedrichshain untergebracht und habe mir dann für die restliche Zeit eine Wohnung in Schöneberg, an der Grenze zu Kreuzberg ausgesucht. Ich hatte wohl Glück, denn es war die erste von 2 Wohnungen die ich angeschaut habe, und es hat lagetechnisch optimal gepasst, da der Weg zur Uni mit einer Ubahn nur 13 Minuten (Fahrzeit) dauerte und die restlichen Verbindungen nach Kreuzberg, F'hain, Mitte oder auch Neukölln ebenfalls etwa 10-30 Minuten betrugen. Ich habe jedoch auch von vielen gehört, dass sie 30-40 WG's angeschaut haben und immer noch weiter suchen mussten. Kann ich persönlich überhaupt nicht bestätigen, jedoch empfiehlt es sich vielleicht dennoch, genügend Optionen offen zu halten.

Ich habe zwar keine WG's in den Studentenwohnheimen besucht, jedoch würde ich definitiv empfehlen, sich etwas in der Nähe des Zentrums zu suchen. Die Verbindungen sind unglaublich gut dort und auch 24/7 unterwegs. Die Studentenwohnheime sind dann halt doch meistens mindestens mindestens 30 Minuten weiter entfernt von allen sehenswürdigen und attraktiven Freizeit- und Kulturangeboten.

Die Wohnungen sind nicht alle auf dem schweizerischen gewohnten Standard, da lassen sich auch viele improvisierte Dinge vorfinden. Ich hatte bei einer Monatsmiete von 380 Euro in Schöneberg jedoch eine sehr schöne und renovierte Wohnung in einem Altbau. Das Zimmer war etwa geschätzte 4-5 Meter hoch. Es lassen sich aber auch Wohnungen im Bereich 200-300 Euro finden. Kreuzberg scheint angesagter zu werden. Die Regionen Prenzlauer Berg oder Charlottenburg sind eher ein bisschen ruhiger und abgelegener.

Universität

Die Universität ist sehr ähnlich und auch ordentlich strukturiert wie in Zürich. Auch die Abläufe der Vorlesungen oder der Seminare haben einen bolognabedingten Angleichungsprozess durchlaufen und sind überhaupt keine Umstellung zu den gewohnten Bedingungen. Die ERASMUS Studenten werden auch gut beraten und eingeführt in die FU Berlin.

Einzig die übertriebene Unterschriftensammlung die man anlegen muss, kann doch eher belastend und umständlich sein. Ich konnte mich leider nicht im Blackboard und im Campus (vergleichbar mit OLAT und dem Modulbuchungssystem) einloggen, was die ganze Sache sicherlich auch nicht weiter vereinfachte.

Die Dozenten und die Verantwortlichen für Austauschstudierende sind jedoch sehr unkompliziert und zuvorkommend.

Die Anrechnung wurde bis jetzt noch nicht durchgezogen, weshalb ich diesbezüglich noch nichts sagen kann. Dies sollte jedoch eigentlich klappen, wie es mir zurzeit bestätigt wurde.

Die Semester sind leicht zeitverschoben, was längere Winterferien und kürzere Sommerferien zur Folge hat.

Leben/Freizeit

Ich war zuvor noch nie in Berlin und wusste nur von Erzählungen, dass es wohl eine schöne und spannende Stadt ist. Dass sie historisch vor allem im letzten Jahrhundert extrem viel erlebt und durchgemacht hat, ist meines Erachtens auch in der heutigen Zeit noch zu spüren. Berlin scheint einen regelrechten Freiheitsdrang zu haben, was sich im ganzen Lebensalltag bemerkbar macht. Ich habe noch nie eine solche Stadt gesehen, welche 7 Tage die Woche und 24 Stunden am Tag so lebendig ist. Zu jederzeit ist eigentlich alles möglich, kurz gesagt. Ich war bereits in vielen Grossstädten (Paris, London, New York, Barcelona etc.) und hab dies noch nie in einer solchen Form miterleben können. Zudem ist Berlin nicht einfach eine Block an Block Grossstadt, sondern bietet auch extrem viele Naturplätze an. Pärke sind überall verstreut, Flüsse durchqueren die Stadt und Seen sind auch überall (halt leicht ausserhalb von Berlin) zu finden. Auch Sportangebote kommen nicht zu kurz. Entweder über die Universität oder in Berlin verteilt auf den Bolzplätzen. Kulturelle und andere Freizeitangebote sind masslos und jederzeit zu finden. Ich hatte das Problem, dass ich in dieser kurzen Zeit nicht mal annähernd die vielen Angebote wahrnehmen konnte. Ob sich jedoch ein ganzes Jahr (und somit auch ein ganzer Winter) lohnen, kann ich nicht beurteilen. Der Sommer ist definitiv viel ausgiebiger und lebendiger als der Winter in Berlin. Das durfte ich aufgrund des langen Winters bis anfangs Juli hautnah miterleben.

Kurz zusammengefasst, war es ein unvergessliches und enorm schönes halbes Jahr, welche viele sehr nette Bekanntschaften und neue Perspektiven mit sich gebracht haben.


Ich bin bei Fragen gerne bereit weiterzuhelfen.