Erfahrungsberichte

zur Übersicht

Wer

maarten.manders[at]econ.uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

11/12 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Management

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Das Austauschsemester in Shanghai war eine Bereicherung für mein Studium und für meine persönliche Entwicklung. Das IMBA-Programm orientiert sich viel stärker an die Wirtschaft, ausserdem sind die Studierenden hungriger, pragmatischer, motivierter und haben mehr Berufserfahrung im Vergleich zur Universität Zürich. Die Stadt Shanghai vereint westlichen Komfort mit chinesischer Kultur und ist ein idealer Ort für ein Austauschsemester. Vor allem aber ist dies der ideale Ort, den Aufbruch Chinas mit all seinen positiven und negativen Aspekten hautnah mitzuerleben. Denn was man in China sieht und erlebt überwirft auch die ausgewogenste Berichterstattung westlicher Medien und ist nur schwer in Worte zu fassen. So werde ich mit vielen interessanten neuen Kontakten und guten Erinnerungen zurückkehren.

Ich möchte der Zurich Financial Services Group danken für die finanzielle Unterstützung, ohne die ich mich als Werkstudent nicht für dieses Austauschsemester entschieden hätte.

Vorbereitung

Als Vorbereitung für den Aufenthalt würde ich im Nachhinein einen Grundkurs in Mandarin empfehlen, weil sogar in einer Weltstadt wie Shanghai nur die wenigsten Chinesen Englisch sprechen. Pinyin, Aussprache und die paar Sätze Chinesisch, die es für das tägliche Leben braucht, sind relativ schnell erlernt. Das Sprachenzentrum der Universität Zürich und der ETH Zürich bietet einen Anfängerkurs, der jedoch nur im Herbstsemester angeboten wird. Wärmstens empfehlen kann ich Privatkurse an einer der vielen Mandarin-Schulen in Shanghai. Die Stunde kostet weniger als 100 RMB und auch ohne vorherigen Kenntnisse in Mandarin findet man sich nach 30-40 Privatstunden sehr gut zurecht im täglichen Leben. 80-100 Stunden reichen gar für kleine Konversationen. Um die chinesische Schrift zu erlernen, muss man jedoch mehr Zeit investieren. Abrunden lässt sich das Sprachstudium mit einem HSK-Test als Nachweis der Sprachkenntnisse.

Weiterhin kann ich das Buch Gebrauchsanweisung für China von Kai Strittmatter wärmstens empfehlen. In diesem Buch zeigt der Autor auf unterhaltsame Weise einen Querschnitt der chinesischen Kultur, glänzt mit seinem detaillierten Wissen aus erster Hand und wahrt dennoch immer die kritische Distanz.

Das Einschreibeverfahren an der School of Management funktioniert reibungslos über ein Online-Toool. Die Angebotenen Kurse werden 2-3 Monate vor Semesterbeginn detailliert ausgeschrieben und es bestehen keine Beschränkungen bei der Zahl der Teilnehmer

Ankunft

Es empfiehlt sich, kurz vor der Ankunft Kontakte mit anderen Studierenden zu knüpfen, dann fällt es auch leichter, sich durch die administrativen Aufgaben zu Semesterbeginn zu kämpfen. Wir hatten hierzu eine IMBA-Facebook-Gruppe gegründet, über die wir uns organisiert und ausgetauscht haben.

Enschreibe-Prozedere inklusive Gesundheitscheck für das Multi-Entry-Visum nehmen etwa einen ganzen Tag in Anspruch. Für die Wohnungssuche sollte man weitere 2-3 Tage rechnen. Sobald man eine Wohnung gefunden hat, muss man sich bei der lokalen Polizeistation anmelden. Weiterhin muss man in Pudong sein Multi-Entry-Visum (auch Resident Permit genannt) beantragen, sobald man die Resultate des Gesundheitschecks hat.

Zu Beginn des Semesters veranstaltet die School of Management zwei Parties, zu denen man unbedingt gehen sollte, um alle internationalen und chinesischen Studierenden kennenzulernen.

Zimmersuche
Wohnen

Die Fudan University bietet Austauschstudierenden ein Zimmer auf dem Campus an. Diese sind jedoch sehr karg eingerichtet, weit ausserhalb des Stadtzentrums und verhältnismässig teuer. Dies hat sich herumgesprochen, deshalb wohnen praktisch alle internationalen Studierenden in Compounds im Stadtzentrum. Dies sind gesicherte Parks mit mehreren Wohnblocks à rund 20 Stockwerken. In diesen Compounds sieht keine Wohnung aus wie die andere; die schöneren Exemplare mit 3-4 Zimmern kosten rund 10‘000 RMB Miete pro Monat. Für eine schnelle Verbindung zur Uni sollte man nahe der Linie 10 bleiben. Bei den Studierenden  beliebte Compounds befinden sich nahe den Station Laoximen und Yuyuan Garden. Beliebtester Wohnort ist French Concession, besonders rund den Stationen South Shaanxi Road und Changshu Road, doch hier sind die Preise entsprechend hoch. Ich habe mich für ein Studio-Apartment in einem sogenannten „Lane House“ in French Concession entschieden. Es kostet 4‘500 RMB für ein Schlafzimmer, eine Küche und ein Badezimmer. In einem Lane-House ist man deutlich näher bei den Menschen, den Läden, Restaurants, Bars und Cafés. Leider wird es im Winter sehr kalt in diesen Häusern, da sie kaum isoliert und schlecht beheizt sind.

Universität

Fudan gehört zu den besten Universitäten der Volksrepublik und das IMBA-Programm der School of Management geniesst über die Grenzen hinaus gutes Ansehen.

Die Kurse sind nicht besonderes anspruchsvoll,  doch profitiert am meisten, wer angemessen viel Zeit in die Vorbereitung der Fallstudien steckt. Allen gemein ist eine Gruppenpräsentation, wobei auf eine gute Durchmischung von chinesischen und internationalen Studenten geachtet wird. Immer kommen noch Individual Assignments dazu. Dies können (nicht zu präsentierende) Slides sein ein oder mehrere Papers zu den Fallstudien. Eine objektive Benotung ist meist schwierig. Wer um gute Noten besorgt ist, sollte also dafür sorgen, dass der Dozent seinen/ihren Namen kennt und in guter Erinnerung behält. Präsentationen und mündliche Mitarbeit sind hierbei am wichtigsten.

Ein „going-native“ mit einheimischen Studenten fällt trotz aller guten Vorsätze schwer, weil ihre Vorstellung von Spass und Geselligkeit sehr verschieden von der Unsrigen. Hier hilft die School of Management aus und veranstaltet regelmässig Ausflüge oder Parties, an denen alle Studierenden eingeladen sind. Das weitere Leben der Austauschstudierenden spielt sich weitgehend abseits der Fudan University ab.

Leben/Freizeit

Expats leben in Shanghai meist unter sich in einer Blase. Hierfür gibt es einige Gründe: die sprachliche Barriere, die kulturellen Unterschiede, der grosse Unterschied der finanziellen Möglichkeiten und nicht zuletzt auch der starke Zusammenhalt zwischen Expats in dieser fremden Welt. Man besucht seine eigenen Restaurants, Bars und Clubs, kauft in Supermärkten für Expats ein und treibt Sport mit anderen Expats. Dabei empfiehlt es sich, diese Blase auch zu verlassen. Erlebt haben sollte man KTV, Kartenspiel und Mahjong, Chinesen im Pyjama, die lokale Küche mit ihren z.T. sehr exotischen Zutaten und die seltsamen Gepflogenheiten in chinesischen Clubs. Und natürlich sollte man das Land bereisen, das neben den beliebten Destinationen Beijing, Hong Kong und Tibet so viele verschiedene Landschaften und Kulturen zu bieten hat wie kaum ein anderes.