Erfahrungsberichte

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Wer

jan_ruffner[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

11/12 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Economics

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Das Austauschsemester in Shanghai war eine der besten Erfahrungen, die ich in meinem Leben gemacht habe. Shanghai ist eine der spannendsten und vielfältigsten Städte der Welt, welche man auf jeden Fall besucht haben sollte. Im besonderen ist China aus volkswirtschaftlicher Sicht extrem interessant, da es in naher Zukunft die Vereinigten Staaten als grösste Volkswirtschaft ablösen wird.

Shanghai ist mit Abstand die westlichste Stadt Chinas. Dies erleichtert einem einerseits das Leben extrem, da man von Lindt Schokolade bis zu Fondue alles findet; andererseits kann dies zu einem verzerrten Eindruck über China führen. Deswegen empfehle ich viel zu reisen, um China mit seiner gesamten Vielfalt kennen zu lernen. 

Vorbereitung

Falls man die Möglichkeit dazu hat, würde ich das Besuchen eines Chinesisch-Kurses dringlichst empfehlen. Nur schon ein kleiner Wortschatz erleichtert einem das tägliche Leben stark. Man kann zum Beispiel im Restaurant bestellen oder dem Taxifahrer Anweisung geben, wohin er fahren soll. Generell kann ich empfehlen, zwei Wochen vor Semesterbeginn nach Shanghai zu reisen. Dann hat man einerseits Zeit sich an zu klimatisieren und anderseits sich eine Wohnung zu suchen. Die ersten zwei Wochen an der Universität sind ein organisatorischer Marathon, wenn man dann gleichzeitig auf Wohnungssuche ist, kann das sehr stressig werden. Ansonsten sollte man das Austauschsemester auf sich zukommen lassen, da eine perfekte Planung in China ohnehin nicht möglich ist. Flexibilität ist auf jeden Fall gefragt. 

Ankunft

Die Ankunft verläuft relativ problemlos. Um vom Flughafen Pudong International Airport ins Stadtzentrum zu kommen, kann man die Maglev benützen, die Metro (Linie 2) oder das Taxi. Preislich ist die Metro am günstigsten (5 RMB), das Taxi mit viel Gepäck aber empfehlenswerter (ca. 180 RMB). Hier muss jedoch bemerkt werden, dass die Taxifahrer keine lateinischen Schriftzeichen verstehen. Folglich sollte man sich die Adresse in chinesischen Schriftzeichen ausdrucken. 

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe mich entschieden nicht auf dem Campus zu leben, sondern eine Wohnung im Stadtzentrum zu mieten. Diese Entscheidung habe ich eigentlich nie bereut, da die Universität doch 30 Minuten vom Stadtzentrum entfernt ist und die Freizeitaktivitäten (Museen/Restaurants) eher spärlich ausfallen. Auch preislich ist das Studentenwohnheim meines Erachtens mit 330 Euro zu teuer. Die Vorteile des Campus sind jedoch, dass man die wichtigen Informationen besser mitbekommt, wie zum Beispiel die Daten des Medical Checks oder Änderungen des Stundenplans. Zudem haben auch die meisten Economics Studenten auf dem Campus gelebt.

Bei meiner Entscheidung für eine Wohnung war die Nähe zur Metrostation sehr wichtig, damit man relativ schnell an die Universität kommt. Ich habe mich zum Beispiel entschieden an der Linie 10 beim Yu Garden zu wohnen, was ich sehr empfehlen kann. Um erfolgreich eine Wohnung zu finden, geht man am besten auf die Internetseite www.smartshangai.com.

Universität

Allgemein kann man sagen, dass das Niveau tiefer ist als an der Universität Zürich. Jedoch sollte man den Arbeitsaufwand nicht unterschätzen, da man viele relativ umfangreiche Papers schreiben muss.  Grundsätzlich kann man zwischen EMA und HSBC Kursen unterscheiden. EMA Kurse werden von chinesischen Professoren gehalten, deren Meinung oftmals stark durch die chinesische Politik beeinflusst wird. Dies ist einerseits sehr interessant, kann bei Diskussionen jedoch auch zu starken Meinungsverschiedenheiten führen. Auf der anderen Seite werden die HSBC Seminare von internationalen Professoren gehalten. Diese Vorlesungen sind in der Regel anspruchsvoller, aber auch lehrreicher. Besonders wenn man die Schweizer Umsetzung in ECTS Punkte berücksichtigt (2 ECTS pro HSBC Seminar), ist der Aufwand relativ gross. Generell kann ich die folgenden Kurse wirklich empfehlen:

- Macroeconomic crisis of the 1970-2010 period (HSBC Seminar)

- Industrial Policy

- Chinese Economy

Wichtig zu erwähnen ist noch, dass man sich eher für zu viele Kurse anmelden sollte. Obwohl dies bei Nichtbesuchen des jeweiligen Kurses zu einem Fehlversuch führt, hat man einen gewissen Spielraum, falls ein Kurs ausfällt oder die Professoren den Inhalt eines Kurses verändern. 

Leben/Freizeit

Generell ist es so, dass einem in Shanghai nie langweilig werden sollte. Einerseits gibt es unzählige Restaurants und Clubs, die man besuchen kann und andererseits gibt es auch viele Museen und Sportmöglichkeiten.  Besonders erwähnen möchte ich das Urban Planning Museum, welches sehr eindrücklich ist und auch einen Einblick in die zukünftigen Pläne der Shanghaier Regierung gibt. Bezüglich der Sportmöglichkeiten an der Fudan University ist folgendes zu beachten: In der zweiten Vorlesungswoche stellen sich alle Vereine auf dem Basketballplatz in der Nähe des South Gates vor. Dort kann man sich dann auch für beliebige Aktivitäten wie Tennis, Fussball oder KungFu einschreiben.

Zusätzlich habe ich mich bei der Schweizerischen Handelskammer (Swiss Chamber of Commerce) angemeldet (das kann übers Internet gemacht werden), welche regelmässig Veranstaltungen anbietet. Bei diesen Events kann man gut neue Bekanntschaften schliessen und viel über die chinesische Geschäftswelt erfahren.  

Während den Ferien oder auch am Wochenende ist es gut möglich zu reisen. Ich habe in den Semesterferien eine Reise nach Tibet zum Mount Everest gemacht. Diese Reise ist jedoch nur möglich mit einer geplanten Reisegruppe (zum Beispiel über www.tibettravel.org). Gute Ausflugsziele sind zudem Hangzhou und Suzhou. Diese Städte kann man entweder selbständig mit dem Schnellzug innerhalb von 2 Stunden erreichen, oder wenn man dies nicht möchte, kann man sich bei vielen Hotels einer Reisegruppe anschliessen. Letztere Möglichkeit ist etwas teurer, ermöglicht einem aber mehr Sehenswürdigkeiten zu besuchen, da der Tagesablauf genau durchgeplant ist und man überall hingefahren wird.