Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

11/12 WS

Universität

CN-
Beijing - Tsinghua University

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Es ist tatsächlich wahr - ein Austauschsemester ist nie verschwendete Zeit. Egal wie schwierig die Organisation, wie gross die Nervosität und wie spannend die Kurse; nie habe ich auch nur eine Person getroffen die es nicht wieder tun würde.

China ist als Zieldestination gerade für Wirtschaftsstudenten besonders spannend - keine andere Volkswirtschaft ist derzeit öfter in auf den Titelseiten der Zeitungen (mal abgesehen vom Untergang der europäischen Währung). Alleine deshalb verspricht ein Austauschsemester an der Tsinghua in Beijing spannende Monate.

 Und spannend war meine Zeit in Beijing allemal. Dabei war nicht nur die Uni selbst wichtig - es sind auch die Chinesen und ihre Kultur, die internationalen Studenten, und die 20 Millionen-Stadt mit einer breiten Angebotspalette um die freie Zeit zu füllen.

Vorbereitung

 Wohl nicht zuletzt dank dem Abkommen der Universität Zürich mit der Tsinghua Universität verlief meine Vorbereitung überraschend reibungslos. Sowohl von Seiten der internationalen Abteilung der Universität Zürich als auch vom Studentenbüro der Tsinghua wurde ich unterstützt und optimal durch die Vorbereitung geführt.

 Etwas Verwirrung kam bei der Kursauswahl auf - die Tsinghua lässt ihre Studenten über ein Onlinetool für die Kursteilnahme bieten und vergibt die Plätze in den Kursen jeweils den meistbietenden. Dies ist etwas ungewohnt und kann einem etwas die Pläne durchkreuzen - in der Regel drückt die Uni für Austauschstudenten aber ein Auge zu und versucht zusätzliche Plätze freizuschaufeln, sodass man zu seinen Credits kommt.

 Danach braucht es bloss noch den Flug und das Visum. Hainan Airlines fliegt günstig und bequem von Zürich direkt nach Beijing. Jene, die in während ihrem Austauschsemester auch aus China heraus in andere Länder wollen, sollten sich um ein X Visum (Residence Permit) bemühen, da das klassische F Visum bloss zu einer Einreise nach China befugt und jede erneute Einreise erneut bewilligt werden muss. Für das X Visum ist jedoch ein medizinischer Test nötig (teuer in der Schweiz, mühsam in China). 

Ankunft

Ein paar Tipps für die ersten Tage:

- Hab generell eine Idee was in China wie viel kostet

- Versuche einige Sätze in Chinesisch zu beherrschen - viele Chinesen sprechen kein Englisch

- Kauf dir eine SIM Card bei China Mobile oder China Unicom

- Eröffne ein Konto, z.B. bei Bank of China

- Hol dir Hilfe bei BeijingBuddy - von Übersetzungen über Hilfe bei Wohnungssuche und Tipps zum Unileben bieten sie alles an

Zimmersuche
Wohnen

Die Uni bietet den Studenten Plätze im internationalen Studentenheim an. Die Plätze da sind beliebt - die angebotenen Zimmer waren nach einer halben Stunde nach Onlineaufschaltung ausgebucht.

 Sich selber eine Wohnung zu suchen ist etwas schwieriger, zumal viele Vermieter kein Englisch sprechen und den Mietvertrag auf Chinesisch vorlegen. Hier sind die Leute von BeijingBuddy Gold wert - sie helfen auf der Suche nach Agencies und Wohnungen und übersetzen und verhandeln mir dir den Vertrag. Ein Zimmer ausserhalb der Uni kostete im Herbstsemester 2011 rund 3000 Yuan, doch die Preise steigen. Innerhalb der letzten drei, vier Jahren haben sich Immobilienpreise in China teilweise verdreifacht. Diese Zeiten scheinen jedoch schon bald vorbei, viele Chinesen rechnen mit einer Erholung bei den Immobilienpreisen in den kommenden Monaten. 

 Wer sich ausserhalb des Campus sucht kann dies entweder im Univiertel Wudaokou tun, oder sich etwas näher am Zentrum umsehen. Damit wird der Weg an die Uni zwar länger, dafür kommt man erzwungenermassen auch einmal aus dem Uniblock raus. 

Universität

Die Tsinghua Universität ist riesig und gehört zusammen mit der Beijing University zu den besten Universitäten im Land. Während die Uni ausserhalb der chinesischen Grenze niemandem etwas zu sagen scheint, ist sie für die Chinesen so was wie der akademische Olymp. Jeder der eine Chance hat will hierher.

Erstaunlich ist deshalb auch, dass die Kurse selbst weniger anspruchsvoll sind als die Kurse in Zürich. VWL-Studenten werden es zudem schwierig haben, an Kurse auf ihrem Gebiet sind schwierig zu finden; typischerweise ist das MBA Programm vor allem Finance und BWL zentriert. Die Tsinghua orientiert sich stark an amerikanischen Lehrmethoden - Abschlussprüfungen sind die Ausnahme - Vorträge, Hausarbeiten und Diskussionen dafür die Regel.

Die Klassen sind jeweils zur Hälfte mit Chinesen und zur Hälfte mit internationalen Studenten gefüllt, und viele Professoren wünschen sich dass Chinesen und Austauschstudenten zusammenarbeiten. Neben den üblichen Standardvorlesungen findet man auch einige Kurse speziell zu China im Angebot. 

Leben/Freizeit

Wer 20 Millionen Mitbewohner in der Stadt hat findet ein dementsprechend grosses kulturelles Freizeitangebot. Egal ob Karaoke, Theater, Clubs oder Massage - jeder findet etwas nach seinem Geschmack. Beijing ist auch längst nicht mehr nur Chinesisch, sondern richten sich auch nach USA und Europa.

An der Uni gibt es neben Gastvorträgen auch die Möglichkeit für Sport, wobei vielen beim immer wiederkehrenden Smog die Lust am Sport etwas vergangen ist. Trips in andere Städte, an die Grosse Mauer oder Sightseeing in der Stadt wird jeder Austauschstudent früher oder später mal machen, und viele machen das zusammen in der Gruppe.

 Zudem sind einige Kurse auch bereits vor Semesterende fertig und schaufeln Zeit frei für Trips weg aus Beijing in andere Städte, Provinzen oder Länder.