Erfahrungsberichte

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Wer

beat_brun[at]yahoo.de

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

10/11 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Management

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Shanghai eine pulsierende Metropole im Reich der Mitte. Dank der Universität Zürich und speziell auch dank dem Support von Zurich Financial Services wurde mir ermöglicht Einblicke in eine bislang verborgene Welt zu gewinnen. Die chinesische Kultur in ihrer ganzen Breite – Essen, Spache, Transport und vieles mehr. Es sind im speziellen die Gegensätze, welche die Stadt so interessant machen. Gegensätze zwischen arm und reich, zwischen Tradition und westlichen Einflüssen.

Dieser Austausch brachte mir unzählige wertvolle Erfahrungen, welche meine Persönlichkeitsentwicklung massgeblich beeinflussen. 

Vorbereitung

Der Entscheid mich für den Austausch in Shanghai zu bewerben, kam ziemlich spontan. Im Oktober hörte ich, dass ein Austauschplatz zu vergeben ist, weil sich eine Bewerberin nachträglich abgemeldet hat. Dementsprechend hatte ich kaum Zeit mich auf den Austausch vorzubereiten. Ich konnte grade noch ein Crash-Kurs in Chinesisch besuchen. Was im Nachhinein etwas schade ist, denn wenn man mit einem bereits mittleren chinesisch Niveau nach Shanghai kommt, kann viel mehr von Interaktion mit lokalen Personen profitieren.

Ankunft

Ich bin eine Woche vor Studienbeginn in Shanghai eingetroffen. Ein chinesischer Studienkollege welcher ich bereits aus Zurich kannte holte mich vom Flughafen ab, was mir die Orientierung einiges erleichtert hat. Dank vorarbeit meiner schweizer Studienkollegen konnte ich direkt in das bereits gemietet Apartment einziehen. Die sprachlichen und kulturellen Differenzen werden bereits bei der Ankunft spürbar. z.B. Metro Ticket lösen etc.

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe mich entschieden im Zentrum von Shanghai (HuangPu District) zu wohnen. Zusammen mit zwei Austauschstudenten, welche dasselbe Programm besuchen. Die zentrale Lage ist optimal, da man in alle Stadtteile relativ schnell erreichen kann. Die Universität ist etwas ausserhalb gelegen und ist in ca. 40min zu erreichen. Für die unterrichtsintensive Zeit ist die zentrale Lage etwas ungünstig, da man täglich fast 2h pendeln muss.

Finanziell ist das Wohnen in der Stadt nur unwesentlich teurer. Der Mietpreis der Wohnung und Details in der Vertragsgestaltung hängen massgeblich vom persönlichen Verhandlungsgeschick ab.  Die Wohnung entspricht europäischem Standard und ist komplett möbliert. Die Zimmer sind zwischen 10 und 16 m2, dank niedrigen Löhnen kann man sich gut eine Putzfrau leisten die einmal in der Woche für 3 Stunden sauber macht (9CHF/Woche).

Als grösster Nachteil habe ich persönlich die Lärmverschmutzung empfunden. Die Fenster isolieren nur ungenügend und so ist man praktisch 24h pro Tag dem Lärm der Strasse ausgesetzt, was über längere Zeit etwas zur Belastungsprobe werden kann. Zeitweise wurde ein Appartement über uns renoviert, da wird der unaufhörliche Lärm des Presslufthammers auch schon mal unerträglich.     

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Heizung. Die meisten Wohnungen verfügen nur über einen AC, in den Wintermonaten wird es schon mal ziemlich kalt. Heizen mit dem AC, wird dann relativ schnell ziemlich teuer. Als letzter Punkt kritischer Punkt ist das Internet zu nennen, verglichen mit dem Schweizer-Standard bewegt man sich hier im Zeitlupentempo durchs Netz. Da kann das Laden eines Youtube Videos schon mal 10-15 Minuten in Anspruch nehmen.

Universität

Die School of Management ist in einem Gebäude nahe des Hauptcampus der Fudan Universität gelegen. Die Unterrichtsräume entsprechen westlichem Standard und verfügen über WiFi Verbindung. Das Einschreibeverfahren ist mit jenem der Universität Zürich vergleichbar. Wir wurden dem internationalen MBA Programm der Fudan School of Management angehängt. Dies hatte den grossen Vorteil, dass 70% unserer Mitstudierenden Chinesen waren. Das ermöglichte uns hautnahe zu erleben, wie die chinesischen Mitstudierenden interagieren und welche Strategien sie  zur Lösung gestellter Aufgaben wählen. In verschiedenen Gruppenprojekten und Präsentationen       

Alle Kurse sind Teil des Wahlpflicht Pools. Der Fokus in diesen Kursen ist es vorhandenes Wissen anzuwenden, daher sind in fast allen Kursen Präsentationen und Gruppenarbeiten vorgesehen. Wir hatten 10 Kurse zur Auswahl von denen ich 6 zu belegen hatte. Ich wählte die Kurse

-       Leadership

-       Powern& Negotation

-       Advanced Managerial Communication

-       Investment Response to the 12th 5 Year Plan

-       Change-strategies for consulting

-       Electronic Markets

Im Folgenden werde ich auf Aufbau und Inhalt der Kurse eingehen.

Leadership – Der Dozent Professor Yuan ist eine interessante Erscheinung. Er pflegt einen eher unkonventionellen Unterrichtsstil. Mit Freude teilt er seine Erfahrungen, welche er in im Verlauf seiner Berufslaufbahn gemacht hat. Pragmatisch und Lösungsorientiertes vorgehen steht dabei im Fokus. Modelle und Theorien sind dabei weniger von Relevanz. Dies macht den Unterricht spannend aber zeitweise etwas schwer fassbar. Die Klasse wurde in fünfer Gruppen eingeteilt, abwechslungsweise wurde präsentiert während eine zweite Gruppe das Präsentationsteam im Anschluss mit Kritischen Sachfragen konfrontiert.

Power&Negotiation – Die Dozentin Professor Jin ist eine dynamische Frau anfangs 40. In perfektem Englisch vermittelte sie uns Wissen im Bereich der Verhandlungstheorie. Verschiedenen Fallstudien (Harvard Business Case) gaben uns die Möglichkeit das theoretische Wissen in einem Rollenspiel anzuwenden. Dies war äusserst spannend, da dadurch die kulturellen Differenzen zwischen chinesischen und westlichen Verhandlungsstil ans Licht gebracht wurden.

Advanced Managerial Communication – Dieser Kurs befasst sich verschieden Kommunikationsstrategien des Managements. Wie soll kommuniziert werden, damit veränderte Geschäftsstrategien von den Mitarbeitern mitgetragen werden. Auch hier wurden Gruppen gebildet, welche jeweils zu einem verwandten Themenbereich einen 30 Minütigen Vortrag zu halten hatten. Das Highlight war eine individuelle Präsentation vor einer „hostile-audience“. Dies bedeutet die Person welche Präsentiert muss sich einer fiktiven Situation stellen, in welcher Sie negative Entwicklungen betroffener Mitarbeiter übermitteln muss.

Investment Response – Dieser Kurse befasst sich mit Investment Strategien unter Berücksichtigung des  5 Jahres Plan der chinesischen Regierung. Der 5 Jahres Plan wird von der Chinesischen Regierung gemacht und enthält die strategischen Richtungen zur Entwicklung Chinas. In verschiedenen Gruppenarbeiten, werden die Inhalte des 5 Jahres Plan analysiert und Vorschläge für potentielle Investitionsmöglichkeiten erarbeitet.

Change Strategie – Der Professor ist ein langjähriger Mitarbeiter von BCG (Boston Consulting Group). Der Kurs befasst sich mit den verschiedenen Phasen eines Change Prozesses. Im Verlauf des Kurses, können die Studenten persönliche Erfahrungen, welche sie im Berufsalltag gemacht haben diskutieren und alternative Vorgehensweisen aufzeigen. Am Ende des Kurses steht ein 20 minütiges Rollenspiel, bei welchem die Studierenden einen fiktiven Change Prozess und die involvierten Problemstellungen illustrieren.

Electronic Market – Dieser Kurs hat mir persönlich am wenigsten zugesagt. Thematisiert werden aktuelle Entwicklungen im Bereich des Online Marketing. Suchmaschinen Optimierung und neue Geschäftsmodelle stehen dabei im Fokus. Als Abschluss verfassen die Studierenden in Einzelarbeit, welche Geschäftsmodel und Sektor Analyse  einer konkreten Firma beinhaltet.

Leben/Freizeit

Shanghai bietet alles Annehmlichkeiten und Restriktionen einer Metropole. Western-Lifestyle gibt es zu westlichen Preisen. Verkehrt man eher in chinesischen Kulturkreis kann vergleichsweise günstig ein angenehmes Leben führen. An drei bis vier Tagen die Woche bin ich jeweils an die Universität gefahren besuchte Vorlesungen, Gruppentreffen oder studiere in der Bibliothek. Die Mitgliedschaft in einem nahegelegen Fitnessclub sorgt für den notwendigen sportlich Ausgleich.

Mein persönliches Highlight, waren die drei Wochen zwischen dem ersten und dem zweiten Semesterteil. Zu zweit sind wir nach Yunnan gereist, eine ab gelegensten Provinzen im Südwesten des Landes. Diese Reise gab uns wertvolle Einblicke in das Leben chinesischer Landbevölkerung. Dabei wird einem klar wie gross die Gegensätze in China wirklich sind. Riesige Flächen werden von der Bevölkerung mit blosser Handarbeit bewirtschaftet. Daneben sieht man die massiven Betonpfeiler des zukünftigen Hochgeschwindigkeitszuges. Alles in allem ist China eine grossartige Erfahrung und ich empfehle jedermann einmal nach China zu reisen und zu sehen was hier passiert.