Erfahrungsberichte

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Wer

u.klauser[at]access.uzh.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

11/12 SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Geschichte (Allgemeine) (7600)

Gesamteindruck

Ein erlebnisreiches, vielfältiges, buntes, wechselvolles, inspirierendes Semester. Ich habe enorm viel erlebt und gesehen, meine Berliner Zeit kommt mir gleichzeitig sehr kurz und sehr lang vor: Kurz, weil die letzten Monate im Rückblick gesehen rasend schnell vergangen sind; lang, weil mir meine Abreise nach Berlin sehr weit zurückzuliegen scheint und sich dieses halbe Jahr gemessen an der Intensität und der Menge an Erlebtem eher wie ein Jahr anfühlt.

Meine Wünsche und Erwartungen in Bezug auf mein Austauschsemester haben sich voll und ganz erfüllt. Es war eine tolle Erfahrung, mich in einer neuen Stadt einzurichten und etwas Abstand zum hiesigen (Uni-)Alltag zu gewinnen. Mir bot das Semester Gelegenheit und Freiraum, meine Interessen zu vertiefen, Einblick in Neues zu erhalten und mir über meinen weiteren Weg Gedanken zu machen. Den Zeitpunkt des Austauschs (2. Mastersemester) empfand ich als ideal – ich konnte auf eine solide fachliche Basis aufbauen, hatte bezüglich der Kurse grosse Wahlfreiheit und ausserdem genügend Zeit, auch abseits des Pflichtprogramms Veranstaltungen zu belegen. Die Motivation, die mir in meinem letzten Zürcher Semester bisweilen gefehlt hatte, habe ich in Berlin wieder gefunden.

Vorbereitung

Die Vorbereitung empfand ich insgesamt als unkompliziert und wenig aufwändig. Einzig die Klärung einiger Detailfragen (Nebenfächer, Anrechnung) nahm verhältnismässig viel Zeit in Anspruch, da sich dafür niemand zuständig fühlte bzw. mir niemand verlässlich Auskunft geben konnte. Ansonsten empfand ich die Betreuung sowohl in Zürich als auch in Berlin als sehr gut. Bei Fragen und Unklarheiten sollte man sich nicht scheuen, direkt mit den zuständigen Personen Kontakt aufzunehmen – mir wurde meist rasch und kompetent weitergeholfen. 

Etwas mühselig ist, dass die Fristen und Termine zwischen Zürich und Berlin teilweise schlecht abgestimmt sind. So musste ich bspw. die erste Fassung des Learning Agreements in Zürich bereits mehr als vier Monate vor Beginn meines Austauschsemesters abgeben – zu einem Zeitpunkt, als das Berliner Vorlesungsverzeichnis für das betreffende Semester noch nicht vorlag und in Berlin überdies noch niemand an einem Learning Agreement interessiert war.

Ankunft

Ich bin gut einen Monat vor Semesterbeginn nach Berlin gekommen und hatte so genügend Zeit, die Behördengänge zu erledigen und mich um andere administrative Angelegenheiten zu kümmern. Da ich die Stadt bereits relativ gut kannte, konnte ich mich leicht orientieren und alles rasch erledigen.

Zimmersuche
Wohnen

Mit der Zimmersuche habe ich relativ früh von zuhause aus begonnen, hauptsächlich über die gängigen Portale im Internet, aber auch über Freunde und Bekannte. Ich habe einige Besichtigungstermine vereinbart und mir verschiedene Zimmer dann vor Ort angeschaut – dies würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen.

Ich bin nach zwei Monaten in meinem ersten Zimmer nochmals umgezogen und habe dann alleine in einer Wohnung in Kreuzberg gelebt. Einige andere ErasmusstudentInnen sind während des Semesters ebenfalls nochmals umgezogen. Hat man vorerst also nur eine befristete Unterkunft oder ist man mit seiner Wohnsituation nicht zufrieden, so würde ich mich auf jeden Fall nochmals umschauen. Ist man vor Ort, so findet man meist innert nützlicher Frist eine neue Bleibe.

Universität

Nach Berlin bin ich nicht nur der Stadt, sondern insbesondere auch der Uni wegen gegangen. Mir war es wichtig, für mein Studium noch einmal neue Anregungen zu erhalten und mein fachliches Wissen vertiefen und erweitern zu können. Meine Erwartungen erfüllten sich voll und ganz; das Studium an der Humboldt gefiel mir auf Anhieb und die Motivation, die mir im letzten Zürcher Semester oft gefehlt hatte, habe ich hier wieder gefunden. Dies lag unter anderem auch an der guten Atmosphäre am Institut: Die Studierenden empfand ich insgesamt als engagierter und diskussionsfreudiger als in Zürich und man kommt auch ausserhalb der Veranstaltungen leicht miteinander ins Gespräch. Sehr geschätzt habe ich auch den direkten Kontakt zu den ProfessorInnen; die gute Betreuung, den offenen Umgang und die Kritikkultur – davon konnte ich persönlich viel profitieren, weil mir diese konstruktive Arbeitsatmosphäre sehr entsprach: Wenn man sich engagiert und interessiert, wird man auch gefördert.

Ich habe zu Beginn des Semesters in viele Veranstaltungen hereingeschaut und meinen Stundenplan erst im Laufe der ersten Wochen definitiv zusammengestellt. Dies kann ich sehr weiterempfehlen, so sieht man am leichtesten, welche Kurse einem entsprechen. Masterstudierenden kann ich die Masterseminare sehr ans Herz legen – für mich waren dies die spannendsten und anregendsten Veranstaltungen und die Teilnehmerzahlen sind i.d.R. geringer als in anderen Kursen.

Leben/Freizeit

Das Leben in Berlin ist vielfältig und abwechslungsreich. Ich habe meine Freizeit vor allem dazu genutzt, die Stadt mit ihren verschiedenen Bezirken weiter zu entdecken, mich mit Freunden zu treffen und das immense kulturelle Angebot zu geniessen. Die Distanzen mit den öV zurückzulegen fand ich schnell einmal ermüdend, weshalb ich bald vorwiegend per Fahrrad unterwegs war. Dies ist in Berlin sehr gut möglich und hat den schönen Nebeneffekt, dass man quasi auf der Durchreise auch Ecken der Stadt kennenlernt, die man sonst nicht sehen würde.

An freien Tagen war ich oft auch nur in meinem Bezirk unterwegs, um den grossen Touristenströmen zu entgehen, die einen rund um die Uni in Mitte ständig begegnen.

Zudem habe einige Ausflüge in die Umgebung gemacht – die Ostsee beispielsweise erreicht man per Bahn rasch und leicht, nach Leipzig kommt man in 75 Minuten, viele andere sehenswerte Städte wie Dresden oder Hamburg liegen ebenfalls nicht weit.