Erfahrungsberichte

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Wer

n.bruehlmann[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

10/11 SS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Management

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Für alle die eine Goldgrube der Lebenserfahrung suchen.

Vorbereitung

Bewerbung und Enrollment

Der Bewerbungsprozess an der UZH ist zwar gut dokumentiert, jedoch ist es aber relativ aufwendig die ganzen Dokumente (Referenzschreiben, Sprachtest, Motivationsschreiben, CV, provisorische Fächerwahl usw.) zusammenzustellen. Wenn du bereits hier aufgibst, lässt du dir aber definitiv etwas entgehen.

Sofern man von der UZH nominiert wird, wartet noch etwas Papierkram auf. 2 Monate vor Beginn des Semester wird man dann von der Partneruni über den genauen Ablauf des Enrollments informiert. Der ganze Prozess braucht etwas Zeit und es kommen immer mal wieder eine neue Email reingeflattert. Insgesamt muss aber gesagt sein, dass die School of Management sehr gut und ausgiebig informiert und ansonsten auch die sehr freundlichen Ansprechpersonen der Uni immer weiterhelfen. 2-3 Monaten vor dem Semesterstart bildet sich jeweils eine Facebook Gruppe mit den 20-30 Austauschstudenten, wodurch man auch immer Leute hat, die sich die gleichen Dinge fragen. Sofern man sich dafür angemeldet hat, erhält man zu Beginn des Semesters dann auch seinen Buddy. Auch alle anderen chinesischen Studenten sind stets sehr bemüht einem weiter zu helfen und zeigen insgesamt viel Interesse an den Austauschstudenten.  

Visa

Für die Einreise nach China ist ein Visum nötig. Die Bearbeitung dauert etwa 1 Woche. In der Regel ist es aber kein Problem eines zu bekommen. Es gibt wie in jeden anderen Land auch hier verschiedene Visa-Typen. Es empfehlen sich jedoch die Visas für einmalige Einreise (F) oder mehrfache Einreise (X). Ich habe mich für eine einmalige Einreise entschieden. In China habe ich danach zum X Visum gewechselt, um mehrmals in das Land einreisen zu können (HongKong, Macau, Taiwan sind Ausreisen!). Das kostete jedoch nochmals Geld , Zeit und Nerven. Trotzdem ist es empfehlenswert, da man für das X Visum ein Gesundheitscheck benötigt. Freundlicherweise bestellt die School of Management am Anfang des Semesters jeweils den Gesundheitstestbus, in welchem man den Test durchlaufen kann. Der Check (Röntgen, EKG, AIDS-Test usw.) ist eine Farce. Da es eigentlich gar niemand interessiert geht das Ganze extrem schnell und unkompliziert, kostet jedoch ca. 70.-CHF. Tönt alles etwas unangenehm, ist aber nicht der Rede wert. Zudem lernt man gleich noch ein paar andere Austauschstudenten kennen und findet gleichzeitig heraus, dass man kein HIV hat.

Ankunft


Zimmersuche
Wohnen

Nach meiner Ankunft habe ich 4 Tage in einem Hostel im Zentrum gewohnt. In dieser Zeit tat ich mich mit 2 anderen Austaustudenten zusammen, um eine Wohnung im Zentrum zu suchen. Die Uni ist ca. 30 Minuten mit der Metro + 10 Minuten zu Fuss zu erreichen. Alle Exchange Studenten haben im Zentrum gewohnt. Es empfiehlt sich besonders Orte entlang Metro Linie 10 (besonders Laoximen und Yuyuan Garden), welche direkt an die Uni geht. Wir haben in nur 3 Tagen eine grosse, möblierte Wohnung an bester Lage gefunden. Man braucht dazu einen Agenten (dieser verlangt in der Regel 35% der ersten Monatsmiete), der einem alles zeigt und die Besichtigungen mit den Landlords organisiert. Wir haben zu dritt pro Monat 8500 RMB (ca. 1300.-) gezahlt und hatten eine wahnsinnig gute Aussicht. Zudem ist es weniger als man im Dormitorium für ein kleines Zimmer bezahlt. Hat man eine Wohnung gefunden, trifft man sich mit dem Landloard. In der Regel wird dann eine Verhandlung begonnen, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Bei uns dauerte es bis zur Unterschrift ganze 4 Stunden. Das tönt mühsam war aber wohl mit einer der interessantesten Erfahrungen die ich in Shanghai gemacht habe. In der Regel läuft das jedoch schneller ab. Auf jeden Fall solltet ihr euch vor Ort die Wohnungen anschauen und auch etwas Zeit lassen um eine gute zu finden.

Das leben im Dorm auf dem Campus tönt zwar weniger aufregend ist aber bestimmt auch eine sehr spannende Erfahrung. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Im Dorm ist man aber bestimmt näher am Studentenleben und insbesondere an den chinesischen Studenten, die alle auf dem Campus leben.

Universität

Die Fudan Universität hat etwa so viele Studenten wie die UZH, wobei der Campus aber sehr gross ist, da alle Studenten auf diesem Wohnen. Die School of Management ist etwas am Rande des sehr grosszügigen und schönen Campus.

Der Unibetrieb unterscheidet sich stark vom Schweizer System. Innerhalb des Semesters gibt es zwei Vorlesungsperioden, wobei eine Periode nur 7 Wochen dauert, danach wechseln die Kurse. Zudem finden die Vorlesungen oftmals auch am Abend statt. Für den Leistungsnachweis müssen in den meisten Kursen Assignements geschrieben oder Gruppenpräsentation abgehalten werden. Zudem sind die Kurse sehr interaktiv gestaltet, mitmachen ist definitiv gefragt. Da die Klassen jedoch nur 30-45 gross sind, kann das teilweise sehr spannend sein. Auch die Professor/Student Interaktion ist sehr viel weniger formal als man es sich gewohnt ist.

Man kann etwa aus 12 Kursen an je 4 ETCS Punkten auswählen (alle sind für die chinesischen Studenten Wahlpflichtveranstaltungen). Die Qualität der Kurse ist sehr unterschiedlich aber meistens gut. Vom besten Kurs meiner Uni-Kariere bis hin zu eher faden und unstrukturierten Vorlesungen ist alles dabei. Insgesamt war ich mit den Vorlesungen zufrieden. Der Workload liegt eher unter dem Durchschnitt an der UZH, jedoch können die Kurse sehr intensiv werden. Der Grund ist der MBA-Stil der Kurse, wobei nicht im klassischen Sinn gelernt, sondern resultatorientiert geleistet werden muss. Gute Noten werden einem nicht geschenkt, da auch die zahlreichen Austauschstudenten von renommierten westlichen Universitäten für Konkurrenz sorgen. Interessanterweise bekommen alle anderen Studenten von diesen europäischen Universitäten 25% mehr ETCS Punkte als die Studenten der UZH, für die exakt gleiche Leistung.

Die chinesischen Mittstudenten sind alle um die 30 Jahre alt und studieren im internationalen MBA Programm. Die Chinesen sind sehr offen und an den westlichen Studenten interessiert. Gleichzeitig ist es schwierig eine echte Freundschaft mit ihnen Aufzubauen. Man muss definitiv mehr Energie in die Beziehung investieren. Wer aber die chinesische Logik und Gesellschaft verstehen möchte kommt nicht darum herum. Viele der Ausstaustudenten blieben neben der Uni eher unter sich, da der kulturelle Unterschied der Chinesen und Exchange Studenten doch signifikant ist. In den Gruppenarbeiten hat man die Chance herauszufinden wie unterschiedlich die Arbeitsmethoden und Anspruchsniveaus an die Qualität der Arbeiten ist. Ich habe von ausserordentlich lehreichen bis hin zu nervenaufreibenden Situationen alles erlebt. Insgesamt sind es aber nicht die Inhalte der Kurse, sondern genau diese Zusammenarbeiten, welche diesen Austausch sehr wertvoll machten. Zudem hat man auch die Chancen in den zahlreichen Kurzreferaten seine Präsentationsskills zu verbessern. Möchte man die sehr akademischen und lernintensiven Vorlesungen mit neuen komplementär Erfahrungen ergänzen, ist dieser Austausch genau das richtige.

Leben/Freizeit

Shanghai ist eine sehr internationale, unglaublich grosse und auch vielfältige Stadt. Die Menschenmassen, der Lärm und teilweise auch die schlechte Luft machen einem von Zeit zu Zeit zu schaffen. In den Ausgang kann man in Shanghai jeden Tag und es gibt mehr gute Restaurants als man in seinem Leben besuchen könnte. Allgemein ist das kulinarische Erlebnis eines der Highlights, nicht nur für chinesisches Essen. Die ca. 25 Austauschstudenten, welche nach kürzester Zeit zu einer dynamischen Gruppe zusammen wuchsen, haben einen wichtigen Teil zum Erlebnis in Shanghai beigetragen. Zahlreiche interessante Kontakte und gute Freundschaften sind aus dieser Gruppe entsprungen. Was mir auch nach vier Monaten immer wieder imponierte, ist der für ein „kommunistisches“ Land schier unfassbare unterschied zwischen Reich und Arm, der insbesondere in Shanghai unübersehbar ist. Während der Reiche seine Luxusüberbauung durch das bewachten Eingangstors mit der Überschrift „Golden Life“ verlässt, wäscht der einfache Chinese direkt auf der anderen Strassenseite sein Geschirr in einem Plastikbecken auf dem Gehweg ab. Shanghai ist vielleicht nicht eine Stadt in der man sein gesamtes Leben verbringen möchte, aber für ein Semester einfach atemberaubend. Von spassigen über lehrreichen bis hin zu grotesken und verwirrenden Erlebnissen erlebt man alles in dieser Stadt.

Wer aber wirklich China sehen möchte muss seine Sachen packen und reisen. Speziell die Lebensumstände der ruralen Bevölkerung verändern die Sicht auf die Welt, versprochen!