Erfahrungsberichte

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Wer

betti_babic[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

11/12 WS

Universität

BE-LEUVEN01
Leuven - Katholieke Universiteit Leuven

Studienfach

Rechtswissenschaft (2000)

Gesamteindruck

Ich hatte schon immer den Wunsch mindestens ein halbes Jahr and einer anderen Universität zu studieren. Das es ausgerechnet die KU Leuven sein würde hätte ich nie gedacht. Nach kurzem Überlegen habe ich mich entschieden diesen Aufenthalt mit meiner wenig jüngeren Schwester zu verbringen. Leuven wählten wir, weil es in Europa zentral gelegen ist, die Universität einen guten Ruf hat und mit internationalen Studenten viel Erfahrung zu haben schien. 

Im grossen und ganzen betrachtet waren diese 5 Monate in Leuven eine hervorragende Erfahrung! Von der Lage Leuvens bis hin zum akademischen Angebot hält es sein Versprechen. Es ist die ideale Studenten-Stadt, in welcher man Freizeit und Bildung harmonisch kombinieren kann. Einige Vorlsungen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät werden in Dutch und andere wiederrum in Englisch gehalten. Somit ist die Beherrschung von Dutch nicht ein Muss und man kommt in ganz Leuven auch gut nur mit Englisch zurecht. Die meisten Fächer sind auf internationales / europäisches Recht ausgerichtet. 

Man findet in Leuven Studenten aus der ganzen Welt und genau das machte für mich diesen Erasmus-Aufenthalt zu etwas speziellen. Durch die Vielzahl von internationalen Studenten lenrt man auch viel über andere Kulturen und nicht nur über die belgische. Man fühlt sich durch diverse Studentenorganisationen, die speziell auf internationale Studenten ausgerichtet sind, niemals allein und findet sich dementsprechen schnell im neuen Umfeld zurecht.

Somit ist man als ein Erasmus-Student von allen Seiten gut betreut und weiss die lange Erfahrung der KU Leuven mit internationalen Studenten zu schätzen.

Vorbereitung

Ich wusste anfangs nicht recht, was ich alles im vornherein zu regeln hatte. Dadurch dass ich zusammen mit meiner Schwester nach Leuven ging, haben wir uns gegenseitig in den Vorbereitungen unterstützt. Von der Universität Zürich wurden uns die Grundinformationen gegeben und nach der Anmeldung bei der KU Leuven wurden von dieser alle nötigen Informationen per E-Mail gesendet. Bis Ende Juni war das administrative erledigt und es wird empfohlen einige Wochen vorher nach Leuven zu kommen, um sich nach einem Zimmer/Studio/Wohnung umzusehen. Als Vorbereitung sollte man sich die Infobroschüren, welche die KU Leuven nach der Anmeldung verschickt, genauer durchlesen. Die Seite der Universität http://www.kuleuven.be/kuleuven/ bietet für internationale Studenten auch zahlreiche nützliche Informationen und Kontaktadressen an, an welche man sich bei Fragen problemlos wenden kann. Dabei sind auch wieder die diversen Organistionen für internationale Studenten in Leuven hervorzuheben. So findet man diverse Gruppen in Facebook,welche vor und während  dem Erasmus-Aufenthalt eine gute Plattform sind, um sich mit anderen Studenten auszutauschen und gegenseitig Fragen zu beantworten. 

Ankunft

Wir haben uns wegen der rechtzeitigen Wohnungssuche schon Anfangs Juli auf den Weg nach Leuven gemacht. Diese paar Tage wollten wir nutzen, um uns einen ersten Eindruck von der Stadt zu machen und ein passendes Studio zu finden. Wir haben in dieser Zeit in der zentrumsnahen Jugendherberge Blauwput ein Zimmer genommen. Diese ist sehr zu empfehlen, da sie direkt beim Bahnhof liegt und nebenbei in einem sehr guten Zustand ist.

Ich hatte mir Leuven viel kleiner vorgestellt und war somit positiv überrascht, als ich eine Vielzahl von Restaurants, Barsund Shops sah. Das Zentrum der Sadt fasziniert durch alte Kirchen und die typisch belgische bauweise der Häuser, und vermittelt ein warmes und freundliches Klima. Man fühlt sich auch durch die vielen jungen Menschen sofort wohl und muss feststellen, dass man das nächste halbe Jahr in einer lebendigen Studentenstadt verbringen wird. Der Oudemarkt (auch die längste Bar der Welt genannt) lädt zu einem erfrischenden ersten Bier ein.

Nach der erfolgreichen Studio-Suche anfangs Juli sind wir erst wieder ca. zwei Wochen vor Studienbeginn im September mit dem Auto nach Leuven gereist. Wegen des vielen Gepäcks schien uns dieser Weg der beste zu sein. Diese Zeit verbrachten wir mit der Besichtigung von Leuven und unserer zukünftigen fakultären Gebäude. Wenn man in Leuven ankommt sollte man zuerst das restliche administrative erledigen, sich an der Universität registieren und sich somit auch alle weiteren Informationen für das weitere Vorgehen einholen. Neben einer Studentenkarte kriegt man ein Busbillett für ein ganzes Jahr und seine Zugangsdaten für den Internetservice der KU Leuven. Natürlich sind in Leuven zu dieser Zeit praktisch nur internationale Studenten zu finden, da die belgischen erst kurz vor Semesterbeginn nach Leuven reisen. Diese Zeit ist die beste Gelegenheit sich schon mit zukünftigen Mitstudenten anzufreunden. Durch die bereits erwähnten Facebook-Gruppen kann man so auch schon an diversen Kennenlern-Abenden vorbeischauen.

In dieser Zeit sollte man sich eine belgische Telefonkarte besorgen und nötigenfalls ein Bankkonto einrichten. Für ca. 30 Euro kann man bei den diversen Telefongesellschaften ein Handy mit Karte kaufen. Natürlich besteht hier später grosse Verwechslungsgefahr, da die meisten internationalen Studenten das gleiche Telefon haben werden.

Es ist allenfalls auch die Zeit sich um die Besorgung eines Fahrrads zu kümmern. Leuven ist zwar keine grosse Stadt, doch mit dem Fahrrad ist alles viel schneller und einfacher zu erreichen. Man wird auch sofort bemerken, dass praktisch alle mit dem Velo unterwegs sind. Dabei kann man auf drei Arten zu einem kommen:

1. Velo bietet billig die Vermietung von alten Velos für ca. 30 Euro für 5 Monate.

2. KU Leuven vermietet auch Fahrräder, schönere und neuere Exemplare, jedoch auch ein wenig teurer.

3. Man kauft eines auf dem Markt oder von anderen Studenten.

Wir haben uns eines bei Velo gemietet und es ist wirklich eine gute Investition gewesen. Wie schon gesagt sind die Fahrräder alt und gewöhnungsbedürftig, doch alle Studenten fahren dasselbe Modell.

Kurz vor dem Beginn der Lehrveranstaltungen finden die International Orientation Days statt. Diese dauern drei Tage und sind für die sicherlich tausend internationalen Studenten gedacht. Neben einer Einführung in das studentische Leben von Leuven wird auch das ganze System erklärt und eine Reise in das wunderschöne Brugge angeboten. Daneben gibt es auch eine Führung in kleineren Gruppen durch Leuven. 

Somit gestaltete sich die Ankunft in Leuven als ein guter Start in ein noch besseres Semester. 

Zimmersuche
Wohnen

Wir wollten auf sicher gehen und reisten Anfangs Juli nach Leuven um rechtzeitig ein Studio zu finden. Dabei bietet der Housingservice in Leuven entsprechende Hilfe und bietet eine Internet-Plattform mit Zimmern und Studios. Dort findet man auch PCs und Telefone um gleich einen Termin zu vereinbaren.

In der Jugendherberge Blauwput findet man für diese paar Tage eine gute und saubere Unterkunft. Da meine Schwester und ich beabsichtigten zusammen zu wohnen kam für uns eher ein Studio oder eine kleine Wohnung in Frage. Auch wollten wir Küche und Bad nicht mit anderen Studenten teilen, wie es bei Zimmern so üblich ist. Studios sind jedoch schwerer zu finden als die weitverbreiteten kleinen Studenten-Zimmer.  Deshalb mussten wir auch auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt nach einem Studio ausschau halten. Es muss auch darauf geachtet werden, dass viele Hauseigentümer ihre Studios oder Zimmer nur für ein ganzes Jahr vermieten und nicht nur für ein Semester. Ein weitere Grund wieso es zu empfehlen ist, sich für die Suche eines Studios früher nach Leuven zu begehen als es in Infobroschüren und Erfahrungsberichten empfohlen wird (2-3 Wochen). 

Am ersten Tag unserer Ankunft hatten wir somit schon mehrer Studios besichtigt und uns schlussendlich die Top 3 vermerkt. Leider mussten wir die Erfahrung machen, dass viele Vermieter ihr Wort nicht halten und sich später per E-Mail diverse Ausreden suchen um die das Studio nicht an ein-Semester-Ausland-Studenten zu vermieten.Mit Hilfe von vielen E-Mails und Telefonaten konnten wir schliesslich ein Studio mieten und haben das vertragliche auf diesem Weg erledigt. 

Unser Studio war am Rande von Leuven und nahe des Sportcenters gelegen. Die Vermieter schienen ein freundliches älteres Paar zu sein, welches sich einmal in der Woche blicken lies und das Gebäude reinigte. Ihr Englisch reichte aus um das nötige zu klären (zumindest dachten wir das).

Bei unserer Ankunft Mitte September haben sie uns den Schlüssel in einem dreckigen Studio hinterlassen. Das machte uns schon stutzig, da es hiess ein sauberes warte auf uns. Nach zwei Wochensind wir dann fast zufällig das erste mal über unseren Vermieter gestolpert. Natürlich haben wir alle unseren Fragen und Beschwerden durch E-Mais gestellt. Es wurde gesagt wir hättenim Studio den universitären Internetanschluss KotNet inbegriffen, doch dieses funktionierte anfangs nicht. Nach einer holprigen Anfangsphase haben wir versucht den Kontakt freundlich und korrekt zu halten. Schlussendlich mussten wir feststellen dass unsere Vermieter alles andere als gut auf uns zu sprechen waren, vorallem wegen der vielen Fragen und E-Mails, weil wir allgemein immer alles geregelt haben wollten und ihnen den Zutritt in unser Studio während unserer Abwesenheit (?!?) verboten hatten. Anscheinend ist das nicht der belgische Weg.

Auf jeden Fall ist gut darauf zu achten, wer der Vermiter ist, denn wir haben auch von anderen Studenten grausige Geschichten über den bösen landlord gehört. Somit eignet sich, wenn man nur ein Zimmer sucht, die universitären Residenzen als gute Unterkünfte. Preislich muss man für ein Zimmer 250-350 Euro zahlen, und für ein Studio 450 aufwärts. 

Neben den Problemen mit den Vermietern hatten wir eine gute Zeit in unserem Studio.

Universität

Die Universität von Leuven ist in der ganzen Stadt verteilt. Praktisch jedes zweite Gebäude der Stadt gehörtzur KU Leuven. Zu unterscheiden sind jedoch hauptsächlich zwei Lokationen; Zentrum Leuven und die Anlage mit dem Schloss Arenberg in Haverlee, gleich angrenzend zu Leuven. Die Fakultät der Rechtswissenschaft befand sich im Zentrum und war ein altes aber schönes Gebäude.

Vor dem Beginn des Auslandauftenhalts hat man bekanntlich schon einen Plan, welche Vorlesungen man besuchen will und somit gestaltet sich der Anfang ziemlich reibungslos. Auf der Internetseite der KU Leuven findet man alle nötigen Informationen und nach Erhalt der Zugangsdaten kann man auf Toledo (vergleichbar mit unserem Olat) vorlesungsrelevante Infos nachlesen.

Meine Wahl der Lehrveranstaltungen fiel auf 6 Fächer, welche alle Internationales Recht zum Kernthema hatten und auf Englisch gehalten wurden. Vom lebendigen  Terroris, organized and corporate crim bis hin zum teilweise öden  European Social Security Law bietet die Rechtswissenschaftliche Universität interessante Fächer mit bekannten Professoren. Viele sind nebenamtlich auch bei der EU tätig und können so aus erster Hand ihre Erfahrungen und Wissen weitergeben. 

Die Vorlesungen sind jedoch völlig anders als bei uns in Zürich gehalten. In Leuven wird der Schwerpunkt auf das Lesen und das eigenständiges Denken gelegt. Oftmals gibt es als Vorbereitung auf die Stunde mehr als 50 Seiten zu lesen. Die Professoren verlangen jedoch kein Auswendig-Lernen des Stoffs, sondern mehr die Analyse und Bewertung des Gelesenen. Man wird mehr geschult seine eigene Meinung zu entwickeln. Die Prüfungen gestalten sich somit auch in diesem Sinne.

Neben den Vorlesungen bietet die Universität auch interessante Gastvorlesungen, wei beispeilsweise die von Stephen  Hawkings. 

Die Erasmus-Studenten sind auch durch die hilfsbereite Beratungsstelle gut betreut.

Leben/Freizeit

Das universitäre Leben lässt auch genügend Zeit für eine reichhaltige Freizeitgestaltung. Dabei sind zwei Dinge besondershervorzuheben; Zum einen das grosse Sportscenter und zum anderen das Partyleben und die diversen sogenannten Fakbars der jeweiligen Fakultät. Nicht zu vergessen der Oudemarkt, welcher vorallem in den wärmeren Tagen voll von Studenten ist. 

Man muss natürlich sagen, dass das Nachtleben nicht nur auf  Weekende beschränkt ist, sondern jeden Tag der Woche sicherlich eine Party zu finden ist. Besonders zu nennen sind wieder die internationalen Studentenorganisationen, welche praktisch jede Woche mindestens eine Party veranstalten. Dazu kommen noch diverse Reisen zu einem guten Preis für internationale Studente. Somit kann man in einer grösseren Gruppe für ein paar Tage nach London, Paris, Prag, Berlin, Amsterdam, belgische Städte und viele mehr. 

Organisiert wurde auch ein Besuch bei der Stella Arois Bräuerei, welche sich nebenbei in Leuven befindet.

Allgemein muss man für diesen Erasmus-Aufenthalt das belgische Bier erwähnen. Bei der Vielzahl der Biersorten findet auch ein Nicht-Bier-Trinker sein eigenes Bier. 

Die Lage von Belgien ist perfekt für die oben beschriebenen Städtetrips. Die belgischen Städte wie Brüssel, Brugge, Antwerpen und Gent sind in maximal 45 Minuten alle leicht und günstig mit dem Zug zu erreichen. Dabei lohnt sich der sogenannte Go-Pass für 50 Euro, mit welchem man 10 beliebige Streckeninnerhalb von Belgien zurücklegen kann.

Im Grossen und Ganzen ist es praktisch wissenschaftlich bewiesen, dass man in Leuven sehr viele Studenten aus der ganzen Welt treffen, Freundschaften schliessen und eine gute und für das weitere Studium inspirierende Zeit haben wird.