Erfahrungsberichte

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Wer

dberger[at]solnet.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

11/12 WS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Philosophie (7160)

Gesamteindruck

Im grossen und ganzen hat es mir in Berlin sehr gefallen. Ich verbrachte fünf Monate hier, natürlich eine viel zu kurze Zeit, um richtig anzukommen. Dennoch fand ich es in meiner Situation aus studientechnischen Gründen angebracht, nicht länger zu bleiben, weil ich in der Endphase stehe und den Abschluss nicht hinauszögern wollte. Zudem denke ich, dass der kürzere Aufenthalt (ein Semester anstelle von zwei) mich in gewisser Hinsicht (stress)freier liess, weil der Zwang, mir einen festen Bekanntenkreis aufzubauen, weniger stark war. So konnte ich mich auf die folgenden Dinge konzentrieren: Das Besuchen von Veranstaltungen, das Schreiben meiner Lizarbeit und das Geniessen und Entdecken von Berlin. Ich kann mir vorstellen, nach dem Studium für längere Zeit in Berlin zu leben.

Vorbereitung

Die Vorbereitung nahm relativ wenig Zeit in Anspruch. Ich hatte das Glück, für die ersten zwei Monate ein Zimmer der Wohnung einer entfernten Bekannten mieten zu können. Die Wohnsituation war also geklärt. Im Sommer vor Antritt des Austauschs machte ich eine kurze Berlin-Reise, um mir von der Stadt einen Eindruck zu machen, und um meine zukünftige Vermieterin zu treffen. Vor der Abreise versuchte ich, möglichst viele der noch ausstehenden Arbeiten zu erledigen, damit ich keine Altlasten nach Berlin trage und entspannt starten kann. Ich kam zwei Wochen vor Semesterbeginn an. Ich denke, diese Frist ist ratsam, um das Bürokratische (Wohnung, ÖV, Uni, Bibliotheken, etc.) ohne viel Hektik und Ärger hinter sich zu bringen.

Ankunft

Neben den üblichen Orientierungsschwierigkeiten und Fremdheitsgefühlen gestaltete sich die Ankunft recht unproblematisch. Ich hatte den Eindruck, schnell von der Stadt aufgenommen zu werden. Das Angebot an Restaurants, Cafés, Bars etc. ist gross, die Menschen sind zumeist einladend und gesprächig. Anfangs war es wichtig, öffentliche Plätze zu finden, insbesondere einen Arbeitsplatz ausserhalb der Wohnung (die Staatsbibliothek an der Potsdamerstrasse ist dazu ideal).

Zimmersuche
Wohnen

Während der ersten zwei Monate (Oktober und November) wohnte ich bei einer Bekannten in Kreuzberg. Den Mietvertrag hatte ich schon zwei Monate vor der Ankunft (ansonsten hätte ich wohl übers Internet nach Wohnungen oder Zimmern gesucht). Anschliessend zog ich für die nächsten drei Monate nach Neukölln. Den neuen Vermieter kannte ich auch schon vorher; er lebt bereits längere Zeit in Berlin. Beide Orte sind zentral gelegen, wobei Neukölln wohl eine der zurzeit lebendigsten Gegenden in Berlin ist. Ein Glücksfall, denn gut gelegene Wohnungen in Berlin zu finden, soll nicht leicht sein.

Universität

Das Angebot in Philosophie und Literaturwissenschaft ist dadurch, dass Berlin über drei Universitäten verfügt (Humboldt, Freie Universität, Technische Universität) sehr gross. Besonders an der FU finden sich auch einige bekanntere Namen. Ich hatte den Eindruck, dass sich das spezifischere philosophische Angebot an der HU nicht sehr von demjenigen in Zürich unterscheidet (evtl. etwas weniger analytische Philosophie). Das Seminarangebot an der FU hingegen schien mir vielseitig und originell zu sein. Ich bedaure es etwas, dass ich -- infolge meines Nebenziels, dem Schreiben der Lizarbeit -- nicht mehr Kurse besuchen konnte. Die drei, die ich gemacht habe, waren jedoch überzeugend.

Leben/Freizeit

Berlin ist eine pulsierende und aufregende Stadt, wenn auch vielleicht nicht ganz so umwerfend wie ihr Ruf. Es lässt sich hier sehr angenehm leben, unabhängig vom persönlichen Geschmack. So kann man ausgezeichnet Party machen (wohl auch daher ist Berlin so beliebt). Wem das aber weniger zusagt: Berlin lebt, neben dem sehr grossen kulturellen Angebot, von seinen Restaurants und Cafés, die sich auch zum Arbeiten eignen. Die Stadt wirkt zunächst nicht besonders schön, hat aber einen eigenen Charme: farbig, heterogen und fragmentarisch. Das betrifft sowohl die einzelnen Stadtteile, die sich kaum zu einem Ganzen fügen, als auch die Menschen, die hier leben. Ich fühlte mich selten wirklich fremd, weil die Stadt selbst fremdelt (im besten Sinn). Die Unis sind wohl das am wenigsten Berlinerische an Berlin, allerdings auch ein guter Ort, um Leute kennenzulernen.