Erfahrungsberichte

zur Übersicht

Wer

salome.luetolf[at]gmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

11/12 WS + SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Psychologie (7200)

Gesamteindruck

Das Austauschjahr an der Freien Universität war bisher mein bestes Studienjahr! Die Stadt, das kulturelle Angebot, die Universität, die Mentalität und Offenheit der Menschen - es war einfach absolut genial! Berlin als Stadt hat einfach für jeden und jede viel zu bieten und ist eine absolute Wohlfühloase - sehr gerne jederzeit wieder!

Vorbereitung

Mein Austauschjahr in Berlin habe ich bereits relativ früh und gut geplant, weil ich im dritten Bachelorjahr hinfuhr und trotzdem innerhalb der Regelstudienzeit von sechs Semestern meinen Bachelor abschliessen wollte und nun auch abschliessen werde. Ich habe mich schon vor dem Aufenthalt mit den Modulen und den Veranstaltungen an der FU auseinander gesetzt, das Learning Agreement entsprechend ausgefüllt und sichergestellt, dass mit dem Abschluss alles klappt.

Die gute Planung war für mich beruhigend, es stellte sich aber auch heraus, dass Erasmus-Studierende an der FU besonders zu Beginn des Aufenthalts - aber auch während des ganzen Jahres - sehr gut unterstützt werden: es gibt allgemeine Orientierungstage für alle Erasmus-Studierenden Anfangs Oktober, wo man erste Kontakte knüpfen kann, die bei mir dann wirklich während des ganzen Jahres anhielten. Zudem veranstaltet die Fachschaft Psychologie eine ganze Orientierungswoche, wo man Erstsemestler und andere Austauschstudierende bereits näher kennenlernt, die Dozent_inn_en sich vorstellen, eine Rallye durch die FU macht, um sich im Hauptgebäude zu orientieren und auch zusammen ein erstes Bier trinken geht ;-) Absolut empfehlenswert, da teilzunehmen!

Zudem steht einem das Studienbüro Psychologie (Herr Petri) oder auch das Erasmusbüro stets mit Rat und Tat zur Verfügung. Die Sprechzeiten sind zwar sehr eingeschränkt und die Wartezeiten entsprechend eher lang, dafür kann einem bei Fragen zur Organisation des Studiums eigentlich immer weitergeholfen werden.

Ankunft

Die Ankunft verlief bei mir problemlos und ich habe mich dank des super ÖV in Berlin auch sehr schnell in dieser Stadt zurechtgefunden. Praktisch ist insbesondere das sogenannte Semesterticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel in ganz Berlin (Zonen A, B und C), das im Studentenausweis inbegriffen ist (und obligatorisch, ca. 170 € pro Semester).

Da ich ein Jahr blieb, habe ich doch einige Kleider, Unisachen und sogar Möbel transportieren lassen und bin relativ günstig weggekommen bei www.umzugsauktion.de, die einem den günstigsten Transport CH-DE heraussuchen, weil Transporte von mehreren Kunden in einer Fahrt erledigt werden. Damit habe ich super Erfahrungen gemacht!

Zimmersuche
Wohnen

Der Zimmermarkt in Berlin ist relativ schnelllebig, d.h. es gibt meistens relativ viele freie Zimmer in WGs, aber die sind auch entsprechend schnell vergeben. Es kann sich also als sehr schwierig herausstellen, aus dem Ausland ein Zimmer zu organisieren. Aber es gibt auch viele, günstige Studentenwohnheime in der Nähe der FU (z. B. am Schlachtensee). 

Generell gesehen, sind die WG-Zimmer sehr günstig (zw. 200-400€), daher lohnt es sich vielleicht auch, eine eigene Wohnung zu mieten und evt. selbst Mitbewohner zu suchen. 

Wo man in Berlin wohnen will, ist sehr davon abhängig, ob man z. B. lieber in der Nähe der Ausgehviertel wohnen möchte (Kreuzberg, Friedrichshain, Neukölln), eher hip, dafür bereits teurer (Prenzlauer Berg), in der Nähe der FU (Dahlem, Steglitz, Lichterfelde) oder ob eher der Preis wichtig ist (besonders günstig sind Neukölln, Kreuzberg und auch Wedding). Ein sehr schönes Viertel finde ich auch Schöneberg.

Universität

Die FU hat ein breites Angebot an Studienfächern und auch Veranstaltungen. Speziell für Erasmus-Studierende gibt es Berlin-bezogene Veranstaltungen, organisisert von der Deutschen und Niederländischen Philologie, in denen Themen wie Kultur, Geschichte, Literatur, Film in Berlin thematisiert werden. Besonders empfehlenswert ist die Veranstaltung Kulturelle Orientierung in Berlin bei Dr. Frank Stucke, spannend, unterhaltsam, lehrreich und mit mehreren Stadtexkursionen. Während den Orientierungstagen für Erasmus-Studierende wird auf das Programm aufmerksam gemacht.

 Mein Studienprogramm an der FU habe ich so zusammen gestellt, dass ich möglichst viele Seminar besuchen konnte, da mir das im Psychologie-Bachelor der UZH sehr stark fehlte. Mit Ausnahme eines Seminars waren alle Kurse wirklich sehr spannend, lehrreich, sehr praxisnah und anwendungsorientiert und es wurde auch viel diskutiert! Ein Blick auf die Veranstaltungen des auslaufenden Diplomstudiengangs lohnt sich auch (Seminare in Gesundheitspsychologie, praxisnahe klinische Seminare, z. T. auch Rechtspsychologie...). Sehr empfehlenswert fand ich auch die Vorlesung Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Charité (im affinen Bereich angeboten) zusammen mit Medizinstudierenden. Neben der Vorlesung kann man jeden Mittwochmorgen eine Fallkonferenz besuchen, bei der ein halbstündiges Anamnesegespräch mit einem Patienten/ einer Patientin geführt und danach der Fall diskutiert wird. Die anderen Vorlesungen, die ich besucht habe, fand ich persönlich weniger informativ als die Vorlesungen an der UZH beziehungsweise wird nicht viel mehr als das, was auf den Folien steht, besprochen.

Auch hochschulpolitisch läuft an der FU sehr viel: Sitzstreiks im Hauptgebäude, mehrere Vollversammlungen der Studierenden aufgrund der Studien- und Prüfungsrahmenordnungsänderung, Fachschaften sind stark vertreten und sichtbar etc. Die Fachschaften organisieren z. B. auch Erstsemestler-Wochenenden, um die anderen Studierenden besser kennen zu lernen.

Generell ist zu sagen, dass die Organisation und Verwaltung der FU noch nicht so gut entwickelt ist wie an der UZH (z. B. müssen alle Studierende ihren Leistungsnachweis anfordern, der wird nicht einfach Ende Semester zugestellt), aber auch, dass die FU ein sehr gutes und vielfältiges Studienangebot bietet! In diesem Jahr habe ich viel praxisorientier und anwendungsbezogener gelernt, als im bisherigen Studium an der UZH - alles in allem also sehr empfehlenswert!

Leben/Freizeit

Berlin war für mich Inspiration pur! Es gibt wirklich für jeden und jede etwas zu sehen, zu unternehmen, zu machen, unüberschaubar viele kulturelle Angebote, Museen, Ausstellungen, Ausgang und Party ohne Ende, und auch günstige, aber hochstehende klassische Musik! In Museen gibt es immer Studentenrabatt und wenn man sich für klassische Musik interessiert, ist die ClassicCard ein absolutes Muss! Die kostet 15 € pro Jahr, dafür sind alle Opern-, Ballet- und z. T. auch Konzertkarten an der Abendkasse für 10 € erhältlich. Für diesen Preis erhält man meistens die besten Plätze, weil die am wenigsten ausverkauft sind. Sagenhaft!

Man sagt, das klassische Sonntagsprogramm der Berliner sei morgens ein Brunch und danach ein Besuch auf einem der vielen Flohmärkte. Tatsächlich gibt es in den allermeisten Cafés sonntags Brunchbuffet oder zumindest ein reichhaltiges Frühstück zu den besten Preisen. Auch die diversen Flohmärkte (Mauerpark, Boxhagener Platz, Strasse des 17. Juni, der Türkenmarkt am DI und FR...) sind absolut sehenswert. Auch bei mir und meinen Freunden wurde dieses Sonntagsprogramm zum Standard :-)

Die zu Beginn des Gesprächs oft ruppigen und unhöflichen Berliner stellen sich als sehr offen und  gesprächig heraus, wenn man sich auf ein Gespräch mit ihnen einlässt. Der berühmte Berliner Charme soll einem nicht erschrecken, sondern gerade uns Schweizern die Möglichkeit geben, seine eigene Direktheit und Offenheit weiterzuentwickeln. ;-) Was ich an der Mentalität der (meisten) Berliner so liebe, ist ihre Offenheit und Toleranz den anderen Menschen gegenüber. In dieser Stadt fühlt man sich wohl, egal woher man kommt, wie man aussieht, was man gerade trägt oder wo man hin will. Und zudem ist das Leben in dieser Grossstadt überhaupt nicht so stressig wie z. B. in Paris oder London: die Stadt bietet sehr viel Platz und Grünflächen, die zur Erholung einladen. Daher ist Berlin besonders auch für einen Austausch im Frühjahrssemester empfehlenswert!

Berlin bietet tatsächlich sehr viel und einfach zu den günstigsten Preisen: auswärts essen gehen lohnt sich fast eher, als selbst zu kochen... Berlin ist eine tolle Stadt, zum leben und erleben, am besten, man geht einfach los und schaut, wo es einem gefällt. Auch nach einem Jahr in dieser Stadt hätte ich noch so viel sehen und unternehmen wollen - langweilig wird einem garantiert nie!