Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

11/12 SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Ethnologie (7721)

Gesamteindruck

Die Zeit war kurz und manchmal auch viel zu lang. Ich war ein Semester in Berlin und grundsätzlich würde ich jedem zwei Semester empfehlen, eines ist einfach zu kurz, um sich richtig einzuleben. Da ich aber einen Partner in Zürich habe, habe ich mich dazu entschieden nur ein Semester zu gehen. Es war also ein Kompromiss und ich bereue die Entscheidung auch nicht. Zu Beginn des Aufenthalts habe ich meinen Freund extrem vermisst und mich ein bisschen einsam gefühlt. Mit der Zeit konnte ich damit umgehen und Berlin geniessen. Berlin ist eine aufregende Stadt, es ist immer was los. Richtig langweilig wird einem nie.

Vorbereitung

Die Vorbereitung hat schon mehr als ein Jahr bevor ich abgereist bin, damit begonnen, dass ich mich für einen Ort entscheiden musste (Ende Feb. 2011). Danach hatte ich lange nichts zu tun und musste erst Ende November oder Oktober 2011 mein Learning Agreement abgeben, was ein bisschen ein bürokratischer Unsinn war, da das Vorlesungsverzeichnis der FU erst Anfangs April rauskommen würde. Ich musste also ein provisorisches, rein hypothetisches Learning Agreement von allen Stellen (Erasmus-Koordinatorin in Zürich und Berlin) unterschreiben lassen und am Schluss beim Büro für Internationale Beziehungen uzh einreichen. Das ganze muss dann mit dem definitiven Learning Agreement wiederholt werden. Anfang 2012 musste ich mich dann an der FU Berlin immatrikulieren. Eigentlich kriegt man immer Emails, wo drin steht, was man zu tun hat. Ist also nicht so schwierig, man muss es einfach machen. Ansonsten hatte ich nicht viel zu tun. Musste einen Untermieter für mein Zimmer in Zürich suchen und schauen, dass alles in meiner Abwesenheit geregelt ist, dass meine Post angeschaut wird, dass die Krankenkasse bezahlt wird (Dauerauftrag) usw. Wenn man sich früh genug über diese Sachen Gedanken macht, sollte nichts schief gehen. 

Ankunft

Ich bin erst zwei Tage vor Semesterbeginn in Berlin angekommen und da mein WG-Zimmer noch nicht frei war, habe ich zuerst eine Woche bei meinem Bruder, der in Berln lebt, gewohnt. Da ich bereits drei Mädels aus Zürich kannte, die auch Erasmus in Berlin machten und schon ein Semester vor mir da waren, haben die mir einiges erklärt und gezeigt. In der ersten Woche musste ich natürlich einiges an bürokratischem Zeugs erledigen. Beim Erasmus-Büro der FU wird einem aber alles gut erklärt und sie geben einem ein Handout, wo drauf steht, was man wo noch zu erledigen hat. Ist alles halb so wild.
Die Veranstaltungen, die ich besuchen wollte, habe ich mir schon in Zürich rausgesucht (allerdings muss man beachten, dass das Vorlesungsverzeichnis an der FU erst kurz vor Semesterbeginn aktuell ist) und dann gings auch schon los. 

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche war gar nicht so einfach. Auf wg-gesucht.de gibt es sehr viele Inserate, auch solche zur Zwischenmiete für eine kurze Zeit. http://www.wgcompany.de/ ist auch eine empfehlenswerte Seite und richtet sich vor allem an linke, alternative Menschen. Das Angebot auf dieser Seite ist aber wesentlich kleiner. Das Angebot für eine Zwischenmiete in Berlin ist ziemlich gross, finden wird also jedeR was. Das Problem war, dass 1000 km zwischen Zürich und Berlin liegen und ich nicht so schnell einfach mal ein WG-Zimmer anschauen konnte. Ich hab mich dann also etwas mehr als einen Monat vor meiner Abreise entschieden ein paar Tage nach Berlin zu gehen, um mir WG-Zimmer anzuschauen. Für etwa 2 Besichtigungen in diesem Zeitraum hatte ich bereits Zusagen und ich hoffte, dass noch weitere dazu kommen würden. Schliesslich konnte ich in den 5 Tagen in Berlin etwa 5 WG-Zimmer anschauen (ganz spontan hat sich leider nichts mehr ergeben), aber am Schluss hatte ich immer noch kein WG-Zimmer. Es stellte sich heraus (ich war Ende Februar in Berlin und suchte ein Zimmer ab April), dass ich zu früh da war. Da sich nichts ergeben hatte, musste ich von Zürich aus über das Internet weiter suchen und habe schliesslich auch eines über wg-gesucht.de gefunden. Der Vermieter des Zimmers (also der eigentliche Bewohner des Zimmers) fand mich wegen meines politischen Interesses und Engagements toll und hat mir nach einmal skypen dann auch zugesagt. Ich habe dann auch, ohne meinen Mitbewohner und die Wohnung gesehen zu haben, zugesagt. Es hat also alles noch geklappt. Es stellte sich heraus: Mein Mitbewohner war ganz nett, aber leider gar nicht kommunikativ, da er gerade an seiner Masterarbeit schreiben musste. Also haben wir komplett aneinander vorbeigelebt. Ich würde jedem empfehlen, eine WG zu suchen mit ein paar netten MitbewohnerInnen, die vielleicht auch mal was gemeinsam unternehmen. Denn wenn man alleine in einer fremden Stadt ist, muss man ja irgendwo Anknüpfpunkte haben, um Leute kennenzulernen. Alles in allem kann ich mich nicht beklagen!

Universität

Die FU Berlin hat mir sehr gefallen. Ich hatte gute DozentInnen und nette MitstudentInnen. Die StudentInnen der FU scheinen politischer zu sein, als in Zürich. Ständig werden irgendwelche Vollversammlungen, Workshops etc. abgehalten. Die Uni aber auch Sachen ausserhalb werden hinterfragt. Die Lehrveranstaltungen, die ich besucht habe, fand ich alle spannend. Ich hatte Glück, denn das Vorlesungsverzeichnis in Ethnologie (an der FU: Sozial- und Kulturanthropologie) ist magerer als in Zürich. Langfristig weiss ich also nicht, ob es mich zufriedenstellen würde.
Das Highlight war ein Lektüre-Seminar zu Karl Marx Das Kapital, welches von StudentInnen geleitet wurde, ein sogenanntes autonomes Seminar, bei dem man sogar Leistungsscheine erwerben konnte. Ich finde das fördert extrem die Selbständigkeit der StudentInnen und ermöglicht ihnen auch Themen zu bearbeiten, die sonst evtl. vergessen gehen. Es zeigt auch einen gewissen Respekt den StudentInnen gegenüber und dass der Lehrplan nicht nur von ökonomischen Faktoren abhängt. Sowas würde ich mir für Zürich auch wünschen!

Leben/Freizeit

Wie gesagt, Langeweile gibt es in Berlin kaum. Es ist immer was los. Ich hab mir die Zeit oftmals einfach mit Stadtwandern vertrieben.
Es gibt aber auch einige Freiluftkinos, Demonstrationen, Partys, Freiluftkonzerte, Karnevale, usw.
Ich kann aber jedem/r empfehlen, auch mal aufs Land zu gehen, man reist nicht weit und schon ist man in der Natur draussen. Mit dem Semesterticket, das man zu Beginn des Semesters erhält (kostet zusammen mit irgendwelchen Sozialabgaben 227 Euro), kommt man echt weit raus. Wunderschön da draussen! Es gibt auch viele tolle Seen. Lohnt sich also auf jeden Fall, auch mal die Stadt zu verlassen.