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Mein Mitbewohner und ich

Erfahrungsberichte

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Wer

Robert_Reinecke[at]access.uzh.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

11/12 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft (7360)

Gesamteindruck

Abgesehen von den bürokratischen Problemen, die ich anfänglich hatte, war das Erasmusjahr in jediglicher Hinsicht ein voller Erfolg. Die Universität, das Studienangebot, die Mitbewohner, die Stadt, das Essen, das Leben, das Wohnheim waren absolut fantastisch und ich würde sofort, wenn ich könnte, ein weiteres Jahr hier verbringen.

Vorbereitung

Die Vorbereitung für das Erasmusjahr gestaltete sich, vorallem was den organisatorischen Aufwand bezüglich des Learning Agreements betrifft, als relativ umfangreich. Die Abklärungen, aber vorallem die Koordination und Kommunikation zwischen der Heimat- und der Zieluniversität war um einiges komplexer und umständlicher, als zuvor erwartet. Ob dies nun auf universitätsinterne Ungereimtheiten, wie verlorengegangene Formulare, ungültige oder nicht anerkannte Unterschriften, zurückzuführen ist, oder ob die häufigen Wechsel der Koordinatoren, und die noch immer nicht an den allgemeinen Standart angeglichenen Semesterzeiten der Humboldtuniversität nun ausschlaggebend waren, vermag ich nicht zu beurteilen: ich hatte es mir aber auf jeden Fall einfacher, und unbürokratischer vorgestellt.

Ankunft

Direkt nach meiner Ankunft in Berlin musste ich einen sehr wichtigen Punkt lernen: man erwartet von einem Erasmusstudenten, dass er sich sowohl an die Studienrichtlinien der Heimatuniversität hält (da er eigentlich ja auch dort studiert) als auch die Regeln und Beschränkungen der Zieluniversität befolgt (da er ja schliesslich dort Gast ist, und sich somit auch an die Gepflogenheiten zu halten hat). Das dies mitunter schlicht nicht möglich war, wurde von keiner der beiden Seiten wirklich akzeptiert, und bis mein Stundenplan (der ja im Vorfeld schon lange Abklärungen mit sich gebracht hatte) wirklich stand, war schon die Hälfte des Semesters vorrüber. Ansonsten war ich sehr froh darüber, dass die Humboldt Universität einen sehr detaillierten Wegweiser zur Verfügung gestellt hatte (http://www.international.hu-berlin.de/an_die_hu/wegweiser) der zwar nicht durchgängig aktuell war, aber dennoch eine grosse Hilfe darstellte.

Zimmersuche
Wohnen

Sobald ich die Zusage für mein Erasmusjahr erhalten hatte, machte ich mich sofort auf die Zimmersuche. Ein weiteres Mal stolperte ich über die unterschiedlichen Semesterzeiten, die natürlich auch einen Einfluss auf den Wohnungsmarkt haben. Ich bewarb mich für ca 30 Wohnungsgemeinschaften, bekam von 7 eine Rückmeldung - und von einer eine direkte Zusage (vom Studentenwerk Berlin), die ich dann auch sofort dankend annahm. Es handelte sich dabei um ein Zimmer in einem Wohnheim in Berlin Lichtenberg, einem zwar nicht sehr schönen oder gar zentralen, dafür aber preisgünstigen Bezirk im Osten Berlins. Das Wohnheim beherbegte vorallem internationale Studenten, sodass ich die ersten 8 Monate mit einem Afgahnen zusammenleben durfte, mit dem ich mich nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr gut verstand. Ich durfte in diesem Wohnheim sehr viele neue, schöne Erfahrungen machen, und ob es jetzt um ein gemeinsames Reisessen mit meinem Mitbewohner auf dem Zimmerboden, Diskussionen über die Koranverteilungen, Salsaabende mit den spanische Nachbarn, oder  Hühnersuppenrezeptempfehlungen der chinesischen Mitbewohner ging - es war alles unglaublich spannend und von der kulturellen Mischung her absolut einmalig.

Universität

Die Humboldt Universität zu Berlin hat mich sehr freundlich und (abgesehen von der holprigen Erasmuskoordination) äusserst unkompliziert emfpangen und aufgenommen. Ich habe mich vorallem von dem sehr grossen und unglaublich reichhaltigen Studienangebot begeistern lassen, und habe, nach dem ich realisiert hatte, dass mir die meisten Kurse sowieso nicht angerechnet würden, voll und ganz nach meinen Präferenzen studiert. Mir wurden sowohl in der Germanistik (vorallem im Bereich der Psycholinguistik und des Barocks) als auch in der Philosophie (vornehmlich in der Philosophie des Geistes) enorm spannende Einblicke in die Materie, aber auch in die Forschung gewährt, was mich sehr gefreut hatte. 

Leben/Freizeit

Ich bin, nach dem ich mich im Wohnheim eingelebt hatte, bald in dessen Studentische Selbstverwaltung (kurz SSV) eingetreten, und durfte dadurch sehr spannende und engagierte Menschen kennenlernen, mit denen ich viel unternommen, organisiert und veranstaltet habe. Auch das Sportangebot der HU habe ich rege genutzt, und habe ansonsten, wann immer es ging, versucht Berlin in all seinen Facetten entdecken und kennenzulernen. Die Zeit (vorallem die freie) ging sehr schnell vorrüber, und ich hoffe, ich werde in den mir noch verbleibenden drei Wochen noch ein paar Dinge sehen können.