Erfahrungsberichte

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Wer

michaelschwarz777[at]gmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

10/11 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Economics

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Für mich war die Erfahrung ein Austauschsemester machen zu können in allen Belangen enorm wertvoll. Ich lernte dabei in einem Land mit einer völlig fremdenSprache und Kultur in einem andern politischem System zurechtzukommen. Ausserdem bringt ein Austauschsemester die lehrreiche Erfahrung, wie es ist sich innert kurzer Zeit ein ganzes Sozialnetz aufzubauen, da man bei der Ankunft noch niemand kennt und daher erst einmal völlig auf sich allein gestellt ist. Für mein Studium brachte das Austauschsemester eine willkommene Abwechslung. Eine Abwechslung deshalb, weil hier die Schwerpunkte anders gesetzt werden und mehr auf die Analyse der chinesischen Wirtschaft, als auf den Aufbau theoretischer Modelle Wert gelegt wurde.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung konnte ich hier in der Schweiz nicht allzu viel machen. Da waren lediglich: 

-Visumsbeantragung:  Sicherheitshalber 2Monate vor Abflug anfangen.

-Wohnungssuche: Aus der Schweiz praktisch nicht machbar. Ev. 1 Woche vor Abflug auf smartshanghai.com mal umschauen. (möchte man im Dormitory leben muss man sich da zu einer bestimmten Frist anmelden)

 -Studienplan: Auf dem Internet ist lediglich eine ganz grobe und unvollständige oder gar veraltete Version der angebotenen Kurse hochgeladen. Daher kann man da nicht allzu viel vorbereiten. Es lässt sich dann aber einigermassen problemlos in den ersten Wochen vor Ort einrichten.

 - Chinesisch: Es empfiehlt sich sehr sich bereits einen Basiswortschatz zu erarbeiten, da man dann vom ersten Tag an die gelernten Worte praktisch anwenden kann.  

Ankunft

Ich bin gut eine Woche vor Studiumsbeginn angekommen, um mich etwas einleben zu können und eine Wohnung zu finden. Hab mich anfangs in einer Jugendherberge ganz im Zentrum von Shanghai einquartiert, was sich lohnte, da ich dann auch gleich die Touristenattraktionen Shanghais vor der Haustür hatte. 

Die Jugendherberge hat den Vorteil, dass man da sicher andere Leute trifft. Möglicherweise genauso Studenten auf Wohnungssuche. (so fand ich dann meinen nachmaligen Mitbewohner) 

Zimmersuche
Wohnen

Dormitory vs. Wohnungsmiete

 Das Dormitory hat die Vorteile, dass man bei Ankunft schon ein Dach über dem Kopf für die ganze Zeit hat und dort auch auf viele andere Austauschstudenten trifft.  Dafür den Nachteil, dass sich Unterkünfte mit besserem Preis-/Leistungsverhältnis finden lassen, die besser gelegen sind. Bessere Lage kann heissen näher beim Stadtzentrum oder wie in meinem Fall doch nahe bei der Uni, aber in einem lebhafteren Viertel zu sein, was eine Vielfalt von Essen rund um die Uhr, aber auch sonst allerlei kleine Shops in der Nähe bringt. 

Eine eigene Wohnungssuche beginnt man am besten übers Netz (smartshanghai.com) oder über einen Wohnungsagenten vor Ort, der dann allerdings auch ein gewisses Salär bezieht (ca. 30% von der ersten Miete) 

Universität

Die Kurse die ich wählte waren Chinesische Kapitalmärkte, Chinesischer Aussenhandel, Industriepolitik in China und Basic Chinesische Sprache und Kultur sowie ein Seminar mit dem Thema hohes chinesisches Wirtschaftswachstum seit 1978 und dessen Herausforderungen. Die Kurse beinhalteten eine Analyse der chinesischen Wirtschaft. Dabei wurde, die dazu nötige ökonomische Theorie erarbeitet sowie auf die aktuelle Literatur in den jeweiligen Bereichen verwiesen. Zusammen mit den Vorlesungen der chinesischen Professoren erlaubten mir das sehr gute Einblicke in die komplexe chinesische Wirtschaft. 

Die Kursform war meist Frontalunterricht der Professoren, was mir die Möglichkeit gab, eine etwas andere Form des Lehrens zu erfahren. Zwar legen chinesische Professoren oftmals mehr Wert darauf den Stoff mittels bildlichen Anekdoten oder im Kontext mit der reichen chinesischen Geschichte darzulegen. Die Leistungsüberprüfung findet, anders als ich es gewohnt bin, nur etwa zur Hälfte über Prüfungen statt. Daneben wird die Beteiligung am Unterricht, das Halten von Präsentationen sowie die Erstellung von Arbeiten bewertet. Die Abhandlungen konnten zu einem frei gewählten Thema, das mit dem Unterrichtsstoff zusammenhängt, geschrieben werden, was mir erlaubte mich in Gebiete von besonderem Interesse weiter zu spezialisieren.

 Vom Niveau her war ich mich von der Universität Zürich ganz klar an eine stärker quantitativ orientierte Herangehensweise gewöhnt. In Fudan erlebte ich einen beinahe rein qualitativen Ansatz, was mich dann doch eher an die Bachelorstufe erinnerte. 

Leben/Freizeit

Leider wurden die Vorlesungen fast ausschliesslich von nicht chinesischen Studenten besucht. Das bot zwar die Gelegenheit sich mit allen möglichen Nationen auszutauschen oder auch einmal ein Fussballmatch zwischen zehn verschiedenen Nationen auszutragen, doch man lernte dabei nicht viel über das Land wo man eigentlich zu Gast war.

Aktiv wurde von der Universität eigentlich nichts unternommen, um die zahlreichen Austauschstudierenden zu integrieren. Falls man sich informierte, konnte man allerdings von einem reichen Angebot der zahlreichen Studentenklubs profitieren. Dort war man auch herzlich willkommen, da es die chinesischen Mitstudenten grundsätzlich sehr geniessen mit Ausländern in Kontakt zu kommen. Man sollte daher unbedingt den Aufwand betreiben und sich über die Angebote informieren.

Weiter empfehlenswert ist natürlich das Shanghai-Nachtleben. Auch Reisen in die andere Provinzen Chinas sollten unbedingt unternommen werden.