Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

10/11 WS

Universität

CL-
Santiago - Universidad Adolfo Ibáñez

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

FS 2010

Viña del Mar

Mein Gesamteindruck meines Auslandsaufenthalts ist durchweg positiv. Es waren für mich sicherlich die erfahrungsreichsten und lehrreichsten Monate meines Lebens. Ein Auslandsaufenthalt dieser Art fördert das Verständnis für andere Kulturen und andere Länder, man erweitert seinen Horizont und ich bin sehr froh über die Entscheidung, diesen Aufenthalt angetreten zu haben. Ich konnte eine zusätzliche Sprache lernen, ich habe Menschen von überall auf der Welt kennengelernt und ich hatte die Möglichkeit über mehrere Monate hinweg in einem Land auf der anderen Seite der Welt zu leben. Ich werde diesen Aufenthalt immer in sehr guter Erinnerung behalten und kann jedem nur empfehlen, sich nicht von einer fremden Sprache, Kultur oder einer grossen Distanz zum Heimatland abschrecken zu lassen.

Aus meiner Sicht ist die UAI der beste Ort auf der ganzen Welt wo man ein Auslandssemester machen kann. Ihr werdet direkt am Meer wohnen, in der Stadt könnt ihr extrem viel unternehmen, ihr habt Sonneschein das ganze Jahr (es hat 3 Mal geregnet als ich dort war) und ihr könnt viel Reisen und atemberaubende Landschaften erkunden. Zusätzlich kommt das Lernen nicht zu kurz, da ihr an einer guten Uni seid wo ihr auch wirklich etwas lernen werdet.

Bezüglich des letzten Punktes kursieren immer wieder gegenteilige Aussagen. Diese weise ich hiermit entschieden zurück.

Klar ist, wenn ihr ein Kurs nur bestehen wollt, dann werdet ihr nicht sehr viel Aufwand haben, aber das ist ja in Zürich nicht anders. Wenn ihr gute Noten haben wollt, dann wird der Aufwand mit dem aus Zürich auf jeden Fall vergleichbar sein.

Also, wenn ihr über ein Auslandssemester in Viña del Mar nachdenkt, hört auf nachzudenken und geht auf jeden Fall hin, ich garantiere, dass ihr es auf keinen Fall bereuen werdet. Nicht wenige der Studenten sagten, dass es die beste Entscheidung ihres Lebens war.

Wichtig: wählt auf jeden Fall den Standort Viña del Mar und nicht Santiago!

Vorbereitung

Da es sich um ein Austauschprogramm der Universität Zürich handelt, muss der Bewerber dem standardisierten Bewerbungsprozess folgen. Die notwenigen Schritte sind auf der Website des International Offices nachzulesen und es wäre überflüssig diese hier aufzulisten. Gerne möchte ich allerdings anmerken, dass es sich auf jeden Fall lohnen wird, etwas mehr Mühe auf sich zu nehmen. Ich merke dies deshalb an, da die Bewerbung für Erasmus-Programme möglicherweise etwas kürzer ist. Ich kann jedoch nur nochmals betonen, dass die Erfahrungen die man in einem solchen Austausch macht allemal die zusätzlichen organisatorischen Mühen wert sind.

Ankunft

Ich flog von Frankfurt nach Dallas und dann nach Santiago. Ich hatte lediglich ein One-Way-Ticket, was daran lag, dass ich zur Zeit in Beverly Hills ein Praktikum absolviere, ich bin also nicht von Chile direkt nach Europa gefolgen, sondern in die USA.

 Normale Verbindungen nach Chile gehen über Madrid. Flugkosten liegen bei etwa 1500 CHF (keine Garantie). Man sollte die Reise nach Viña del Mar gut planen, jedoch würde ich davon abraten teure Agenturen zu konsultieren oder gar ein Taxi vom Flughafen zu nehmen. Im folgenden beschreibe ich die mit Abstand günstigste Methode vom Flughafen nach  Viña del Mar:

- Ankunft Flughafen Santiago

- Ausgang: Nach der Einwanderungskontrolle gelangt ihr zum Ausgang, dort werden 10-20 Taxifahrer schreiend auf Euch warten, doch an ihnen lauft Ihr vorbei und geht direkt zum Ausgang. Dort gibt es Busse die zum Terminal Central de Santiago fahren. Das Busunternehmen heisst TurBus und der Transfer kostet 1700 Pesos, etwa 3 CHF. Dies sind Pendelbusse die alle 20 Minuten zu diesem Terminal fahren. Falls ihr es nicht findet, fragt einfach nach TurBus al Terminal de Santiago. Und bitte nochmal: nehmt auf keinen Fall ein Taxi, das ist wirklich herausgeschmissenes Geld.

- Am Terminal könnt ihr alle 5-10 Minuten nach Viña del Mar fahren. Einfach zu einem der Offices am Terminal gehen und ein Ticket kaufen. Die Tickets kosten etwa 3000 Pesos, das sind ca. 6 CHF.

- Viña del Mar ist nicht sehr gross, ihr werdet dort dann am Terminal ankommen (in Viña del Mar gibt es nur einen Terminal, also lasst euch nicht verwirren wenn der Busfahrer euch fragt al Terminal?. Einfach ja sagen.

- Je nach dem wo ihr in Viña del Mar wohnt könnt ihr dann entweder laufen oder nehmt dort ein Taxi.

Kurz ein Wort zu den Taxis: Die chilenischen Taxifahrer sind weltberühmt dafür, ausländische Touristen zu betrügen. Egal wohin ihr innerhalb der Stadt fahren wollt, zahlt bitte nie mehr als 3000 Pesos. Die Taxifahrer nützen die Situation aus, dass ihr zum ersten mal in der Stadt seid und daher nicht wisst, wieviel ihr bezahlen sollt.

Im Zweifel holt euch die Emailadresse vom IO und kontaktiert mich.

Zimmersuche
Wohnen

Persönlich war ich die ersten Tage in einem Hostal. Dies habe ich von der Schweiz aus schon gebucht, das kann ich euch auch empfehlen. Es ist allerdings nicht zwingend notwendig. Wenn ihr einen Lonely Planet habt dann könnt ihr auch sehr leicht vor Ort etwas finden. Da ich im FS 2010 in Chile war, war bei meiner Ankunft Winter, d.h. ein Ferienort wie Viña del Mar bietet reichlich Unterkunft und es sind nicht viele Touristen in der Stadt.

Ansonsten haben fast alle internationale Studenten in den so genannten Torres del Pacífico gewohnt. Dies sind die vier roten Hochhäuser im Norden der Stadt. Die Kosten für ein 3-Personen Appartment liegen bei etwa 400CHF (kann variieren).

 An der Universität gibt es eine Einführungsveranstaltung für die internationalen Studenten, dort werdet ihr reichlich Personen kennenlernen, die auch auf der Suche nach einem Zimmer sind. Mit denen könnt ihr euch dann zusammenschliessen und ein Appartment in den Torres mieten.

Die Torres liegen direkt am Strand, zusätzlich gibt es einen Pool. Einkaufsmöglichkeiten sind direkt ums Eck in der Mall, das grösste Einkaufszentrum der Stadt. Ihr habt dort also alles was ihr braucht. 

Der Weg zur Uni ist etwa 30 Minuten. Ihr werdet dort so genannte Collectivos nehmen. Dies sind Taxis die immer eine bestimmte Route abfahren (die Route ist immer gleich, es gibt aber mehrere Routen, welche Route befahren wird steht oben auf den Taxis drauf). Da die Uni in Recreo ist solltet ihr in ein Collectivo nach Recreo einsteigen.

Von der Uni zurück solltet ihr auch in ein Collectivo nach Recreo einsteigen. Für europäische Logik scheint dies nicht klar, dennoch ist es so dass das Schild des Taxis nicht wechselt, ihr müsst also wissen, woher das Collectivo kommt um dann den Richtigen weg zu finden.

Am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig für diejenigen, die das Schweizerische Transportsystem gewöhnt sind, dennoch werdet ihr das schnell in den Griff bekommen.

Eine Fahrt an die Uni kostet 550 Pesos, das ist etwa 1 CHF.

Universität

Die Universität Adolfo Ibañez ist eine der bekanntesten Business Schools in Südamerika. Ihr werdet dort oft Studenten aus anderen südamerikanischen Ländern finden, beispielsweise Bolivien. Das liegt daran, dass wohlhabende Familien aus diesen Ländern ihre Kinder nach Chile schicken, da in anderen Ländern keine vergleichbare wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung angeboten wird.

Professoren:

 Die meisten Professoren sind sehr gut.  Besonders empfehlen kann ich Professor Viktor Küllmer, wenn ihr die Möglichkeit habt bei Ihm einen Kurs zu machen, solltet ihr es tun. Er hat am Darthmouth College und in Harvard studiert. 

Ansonsten haben die Professoren ein angemessenes Niveau. Die Lehre habe ich oft als besser empfungen im Vergleich zur UZH. Mögicherweise liegt dies daran, dass an solchen Business Schools kaum geforscht wird, d.h. die Lehre ist das zentrale Anliegen der Universität, was an der UZH nicht immer so ist (keine Kritik). 

Ihr werdet dort also ein angemessenes Niveau vorfinden.

Kurse:

Die Varietät der Kurse ist angemessen, jedoch für mich als VWL Student nicht sehr breit. Dies liegt daran, dass es sich um eine klassische Business School handelt. Wenn ihr also als BWLer an diese Uni kommt, werdet ihr keine Probleme haben. Als VWLer wäre es ratsam, sich die BWL Kurse für hier aufzuheben, ebenfalls der Wahlbereich kann hier absolviert werden.

Bitte beachtet: Die Kurse, Klausuren sowie alle Materialien sind komplett auf Spanisch!! Es werden keine englischen Kurse angegeben und ihr könnt auch nicht die Klausuren auf englisch schreiben. Euer Spanisch sollte also ein angemessenes Niveau haben. Dennoch solltet ihr euch davon nicht abschrecken lassen, mein Spanisch war vorher auch eher durchschnittlich, jetzt ist es sehr gut. Je schlechter ihr es vorher könnt, desto schneller werdet ihr es verbessern ;-)

System:

Das System gleicht extrem einem Gymnasium. Ich selbst war an einem deutschen Gymnasium und kann daher nicht genau sagen, ob es auch dem eines Schweizerischen Gymnasiums gleicht, gehe aber stark davon aus.

Die Uni ist eher klein, es gibt nur ein paar tausend Studenten. In den Vorlesungssäälen seid ihr meistens mit etwa 20 Personen. Ich hatte allerdings auch einen Kurs mit nur 9 Personen. Was ebenfalls dem Gymnasium gleicht ist die Methode der Leistungsüberprüfung: In manchen Fächern habt ihr jede Woche Kurztests über Buchkapitel, stellt euch also drauf ein, dass ihr viel lesen müsst. Zusätzlich habt ihr 2 Klausuren pro Semester pro Fach. Wer also von einer Uni wie der UZH hier her kommt, fühlt sich zunächst ans Gymnasium zurückversetzt, mit dem Unterschied dass der Leistungsaufwand extrem viel höher und anspruchsvoller ist.

Anrechnung:

 Klärt die Anrechnung mit dem Dekanat ab.

Studenten:

 Neben den vielen internationalen Studenten studeren an der UAI vor allem Söhne und Töchter eher wohlhabender Familien. Dies liegt daran, dass die Studiengebühren an der UAI etwa 10000 USD im Jahr betragen. Angesichts dessen, dass Chile immernoch einer vergleichweise armes Land ist kann man sich gut vorstellen, dass dies nur der wohlhabende Teil der Bevölkerung aufbringen kann.

Leben/Freizeit

Das Leben ausserhalb der Uni hat einiges zu bieten. Ihr könnte alles machen, von Clubs, Bars über Strand und Surfen bis zu Shopping. Diesen Abschnitt kann ich kurz halten und mit einem Satz beschreiben: Das Freizeitleben in Viña del Mar ist unvergleichbar.