Erfahrungsberichte

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Wer

ebeusch[at]access.uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

10/11 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Economics

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Mein Austauschsemester in Schanghai hat mir, auch wenn das ein wenig kitschig klingen mag, in verschiedener Hinsicht etwas. Zum Einen war ich, die in Zürich jeweils von zu Hause aus an die Uni pendelt, zum ersten Mal auf mich alleine gestellt – dass ich zurück in der Schweiz nicht mehr von einer leeren Wohnung begrüsst werde, wird eine nicht immer willkommene Umstellung sein – zum Anderen konnte ich so auch die chinesische Kultur richtig, nicht nur im China Town, erleben, und auch was das Akademische anbelangt einmal Wirtschaftslehre leicht anders unterrichtet mitbekommen. Hierzu muss ich vor allem hinzufügen, dass es für mich eine wertvolle Erfahrung war, dass ich an der Fudan eine direktere Sicht auf die chinesische Wirtschaft, aus verschiedenen Blickwinkeln, erfahren konnte, etwas, was meiner Meinung nach in Zürich zu wenig der Fall ist.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung sollte man, meiner Ansicht nach, wenn möglich unbedingt einen Chinesisch Kurs besuchen. In meinem Fall ist es so, dass ich schon einen kurzen Sprachaufenthalt in Guangzhou während dem Gymnasium gemacht hatte, und deshalb der Chinesischen Sprache genug mächtig bin, um mein Überleben auf der Strasse zu sichern. Daher war dies für mich keine Sorge, aber wie ich es im Vergleich zu meinen ausländischen Kollegen hier in Schanghai gesehen habe, ist das Leben doch um Einiges einfacher, sobald man sich auch nur schon brockenhaft verständigen kann. Englisch können nämlich auch in Schanghai, welches nach Hong Kong wohl die internationalste Stadt in der Volksrepublik ist, nur sehr wenige. Leute, welche ca. nach 1980 geboren wurden, können schon eher Englisch, aber den meisten Chinesen fehlt die Praxis, und so mögen sie wohl schreiben und lesen können, aber beim Sprechen hapert’s dann leider.

Was sonst noch anfällt sind Impfungen, nach welchen man sich vorzeitig in der Schweiz erkundigen soll. Das Einschreibeverfahren für die Uni selbst ist bevor man in Schanghai eintrifft gut durch die Uni Zürich erledigt worden, und in Schanghai muss man sich einfach darauf vorbereiten am Tag selber (darüber informiert die Broschüre der Fudan gut) von einem Ort zum anderen rennen zu müssen. Informationen zur elektronischen Studentenkarte waren in unserem Fall eher mager, da wir im Chinesischen Sinne keine Vollzeitstudenten waren, aber ein Besuch beim Foreign Students Office am Nachmittag gekoppelt mit geduldiger Fragerei brachte die Information auch zu Tage.

Last but not least: Das Visum. Mit dem Einladungsschreiben der Fudan gibt es theoretisch ein X-Visum, welches in China gegen eine Aufenthaltsbewilligung eingetauscht werden muss. Der einzige Vorteil der Aufenthaltsbewilligung ist, dass man damit beliebig oft im Zeitraum, in welchem sie gültig ist, ein- und ausreisen kann, damit hat es sich aber schon. Der Nachteil ist, dass man, um das X-Visum beantragen zu können, einen Gesundheitscheck braucht, bei welchem das Chinesischen Konsulat nur einen akzeptiert, welcher von einem Spital ist. Wenn man dann also zum Unispital dafür geht, unbedingt zwei Originale verlangen (oder mit dem Konsulat darum ringen das Original behalten zu dürfen) und schauen, dass gross ein Stempel drauf ist, damit es auch offiziell ausschaut. Was dann übrig bleibt ist viel Glück in China (unbedingt rechtzeitig einen Termin für den Chinesischen Gesundheitscheck per Telefon vereinbaren) und Überzeugungskraft, dass sie auch ja die Daten aus Zürich akzeptieren, oder man macht das ganze nochmals für 580RMB. Plus, in meinem Fall endet das Semester Mitte Januar, deshalb läuft die Aufenthaltsbewilligung nur bis Ende Januar und für meine letzten Tage benötige ich wieder ein neues Visum. Falls möglich würde ich deshalb versuchen ein normales Visum für 6 Monate, allfällig mit mehrmaligen Einreisen, zu erhalten.

Ankunft

Zur Ankunft selber gibt es nicht viel zu sagen, wohl auch, weil ich schon zweimal in Schanghai war, und mich deshalb nicht zuerst an die Stadt gewöhnen musste. Ich wohnte zuerst bei meinen Chinesischen Freunden, von wo aus ich mich auf die Wohnungssuche machte. In den ersten Tagen galt es dann auch noch die letzten Formalitäten zu erledigen, d.h. den oben erwähnten Gesundheitscheck, und dann auch schon bald das Einschreiben an der Fudan.

Zimmersuche
Wohnen

Bevor ich nach Schanghai ging, hörte ich immer, dass es einfach sei eine Unterkunft zu finden… WGs sind nicht so schwer zu finden, und bewegen sich jeweils soweit ich sah um die 3000RMB pro Monat, wobei es sich dabei meistens um neue moderne Wohnungen im westlichen Stil handelt. Wenn man Glück hat, und mit weniger Komfort als zu Hause auskommt, finden sich aber auch Zimmer in älteren Chinesischen Wohnungen, welche ab ca. 1500RMB pro Monat zu haben sind. Ich selber wollte aber lieber eine Wohnung für mich alleine, welche aber im August, als die Expo noch im vollen Gange war, nur sehr schwer zu finden war. Hinzu kommt, dass Chinesische Mietsverträge meist nur ab mind. 1 Jahr zu haben sind und nicht für sechs Monate. Ich hatte aber schlussendlich Glück und fand eine Einzimmerwohnung für 2500RMB, welche innen erst frisch renoviert war. Wie ich später beim Schwatz mit einem älteren Herr im Quartier erfuhr, würde die gleiche Wohnung im älteren Zustand für ca. 1500 zu haben sein. Wohnen kann also sehr billig sein, auch wenn man eine Wohnung für sich möchte – gegeben der Standard ist Chinesisch.

Was die Umgebung anbelangte, habe ich verschiedene Supermärkte, von ganz klein bis riesig, alle im Umkreis von bis zu 1km, also alles zu Fuss erreichbar, in der Nähe, und bis zur Uni sind es mit dem Bus ohne Stau 15min, mit dann doch mal schnell 30. Trotz allem, meine Wohnung hatte ich so auch gewählt, weil meine Chinesischen Freunde in der Nähe wohnen – allen anderen würde ich aber empfehlen, in der unmittelbaren Nähe der Uni zu suchen, da das Angebot an Restaurants und Einkaufszentren dort um einiges grösser ist. Nachteil da ist, dass die Supermärkte mit z.B. Walmart zu den teuren gehören, und ich z.B. mein Gemüse auch frisch auf dem Markt kaufen konnte, das ich so gsehen nicht in einem studentischen Quartier lebte, sondern dort wo es generell eigentlich nur Familien hat.

Universität

Um es vorweg zu nehmen, meine Meinung über die Vorlesungen an der Fudan ist gemischt. Ich habe ziemlich viele Kurse besucht (Chinese Foreign Trade, Industrial Policy in China, Capital Markets and Financial System in China, Chinese Economy, und zwei HSBC Seminare) und war, was das Niveau betrifft, nur mit den HSBC Seminaren, welche auch von Chinesischen Studenten besucht werden, wirklich zufrieden. Vielleicht liegt es daran, dass der Unterrichtsstil sehr verschieden ist; während wir uns in Zürich im Master in der VWL nur noch mit mathematischen Modellen herumschlagen, war hier alles nur auf Worten basiert, aber im Durchschnitt betrachtet, würde ich doch sagen, dass das Niveau im Englischen Programm mehr oder weniger dem eines Bachelors entspricht, insbesondere dann, wenn der Professor z.B. grundlegende Ideen aus der Mikroökonomik nochmals erklären muss. Einige der Studenten aus Deutschland und Frankreich waren dann auch erst in Bachelor und hatten soweit ich weiss keine Probleme dem Stoff zu folgen. Nichts desto trotz, die Sicht die man auf die Chinesische Wirtschaft bekommt kann es für jeden dennoch interessant machen – man muss nur selber schauen, wie man das Beste daraus heraus holen kann. Studenten, welche im Herbstsemester in Schanghai sind, würde ich Chinese Foreign Trade und Industrial Policy in China am meisten empfehlen, da beide Professoren meiner Meinung nach am meisten Einsicht, auch auf die in den Medien eher verschwiegene Seiten, boten. Finance interessierten rate ich den Besuch von Capital Markets eher ab, da mehrheitlich nur die grundlegendsten Mechanismen von Kapital- und Finanzmärkten unterrichtet werden, und spezifische Aspekte des Chinesischen Systems auch in Chinese Economy zum Zuge kommen.

 Für jene welche schon mehr Chinesisch als nur ein paar Brocken können: Das Sprachkursangebot im EMA ist nur auf die Basis ausgelegt. Der Basic Chinese 1 Kurs im HS an der School of Economics bringt einem auch nicht so viel, das Lehrmittel für den Kurs im Politologen Programm scheint besser. Wenn ihr schon genug Chinesisch könnt um euch auch verständigen zu können: Geht zum ICES Department im Ostturm vom Guanghua Lou, 9. Stock, wenn ich mich recht erinnere Zimmer 907, und erkundigt euch nach Sprachkursen. Die meisten sind 4 Wochenstunden, und man bezahlt 300RMB pro Wochenstunde, also 1200RMB für das ganze Semester. Verhandeln müsst ihr dann auf Chinesisch, denn das EMA wird euch den Kurs nicht erlauben, da er mehr als 3 Credits ist und nicht auf Englisch unterrichtet wird. Bringt also das ICES dazu euch zahlen zu lassen, damit ihr den Kurs trotzdem machen könnt. Oder: Findet einen netten Lehrer, der euch einfach so im Kurs teilnehmen lässt.

Was ich vermisst habe, war ein Patenonkel/-tanten System, oder einfach auch ein wenig mehr Information und Integration auf Seiten der Uni. Für auswärtig lebende ist die Betreuung auf alle Fälle nicht das Gelbe vom Ei, zwischenzeitlich hat man sogar das Gefühl man sei dem EMA Office ziemlich egal, und man verbringt seine Zeit damit Informationen selber zusammen zu kratzen. Vielleicht ist es anders, und Informationen werden geboten wenn man im Studentenwohnheim wohnt, aber da ich ausserhalb des Campus lebte, blieben mir diese eventuellen Informationen verweigert. Grundsätzlich gilt aber: am besten ist es, wenn man Studenten in höheren Semestern anspricht und nach Informationen fragt.

Was das Angebot an Klubs betrifft, so gibt es viele (ein Verzeichnis findet sich auch auf der Webseite der Fudan) und diese stellten sich zu Beginn des Semesters auch alle vor. An dieser „Messe“ kann man sich dann auch besser über die Klubaktivitäten informieren, und das Einschreiben für die Klubs ist dann auch gleich vor Ort.

Leben/Freizeit

Das Leben in Schanghai bietet einem alles was man will – sofern man das Geld dazu hat (ein Faktor, welchen der momentan sehr tiefe Wechselkurs ein wenig erleichtert).

Für das Einkaufen von Kleidern gibt es eigentlich drei Orte: Erstens wäre da Qipulu, wo Kleider morgens en Gros verkauft werden und am Nachmittag auch einzeln zu haben sind, sofern man gut im Feilschen ist. Wenn man zu Qipulu geht, braucht man jedoch Zeit. Die Gebäude sind riesig, die Läden winzig und mehr oder weniger in einem Labyrinth. Leider hat aber die Qualität und auch der Stil der Kleidung im Vergleich zu vergangenen Jahren stark abgenommen und man muss schon fast ein wenig die Nadeln im Heuhaufen suchen. An zweiter Stelle wären da noch die kleinen Läden, welche alle unterirdisch beim People’s Square (Renmin Guangchang) gefunden werden können. Diese sind meine persönlichen Lieblinge, hinzugefügt muss aber werden, dass die Kleider in den kleinen Chinesischen Läden oft nur in einer Grösse sind, was für Frauen ab 1.70m oft zu klein sein kann. Zu guter Letzt gibt es noch den Fabric and Tailor Market in Shanghai, wo man sich die Kleider auf Mass schneidern lassen kann.

Was mit Schanghai auch in einem Atemzug genannt wird, ist das Nachtleben. Bars und Klubs gibt es viele. Wer elektronische Musik mag, sollte unbedingt in den Shelter, für ein eher Chinesisches Kluberlebnis gibt es Phebe 3-D Club, Soho’s, die Muse 1-3 Kette, etc. andere mögen eher westliche Clubs wie das Mint. Was Bars anbelangt, empfehle ich das Mural, die Openbar am Freitag (100RMB, all you can drink) ist die beste in der Stadt, gutes hört man auch von C's Bar. Generell gilt aber für das weibliche Geschlecht: An jedem Tag hat irgendjemand Lady’s Night und das ist immer von Vorteil (gut: Mittwochs im 92 Stock der Financial Tower gratis Champagner, sans Eintrittsgebühr, von 20:30-22:30, oder Phebe, mit einer Openbar).

Zu sagen gibt es eigentlich noch vieles mehr, darüber wo man von Schanghai aus hinreisen kann, etc., aber dafür ist hier zu wenig Platz. Mehr gibt's nach meinen Prüfungen hier dann auf http://justanothercity.wordpress.com/uzh-fudan/