Erfahrungsberichte

zur Übersicht

Wer

Clemens.Dittrich[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

10/11 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Management

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein gelungenes, lehrreiches und spannendes halbes Jahr in einer der dynamischsten Städte der Welt war. Ich denke, dass sich in den nächsten Jahren und Jahrzenten ein neues „Machtgefüge“ in der Welt einstellen wird – mit China als Supermacht. Diese Entwicklung, Dynamik und Aufbruchsstimmung ein halbes Jahr „live“ mitzuerleben war wirklich sehr beeindruckend.

Ansonsten kann man sagen, dass Shanghai mit seinen 20 Millionen Einwohnern alles zu bieten, was eine Großstadt braucht. Tolle Partys, viele Sehenswürdigkeiten, abstruse und schmuddelige Ecken, Essen aus alles Welt und die unterschiedlichsten Einflüsse verschiedenster Kulturen.

Vorbereitung

Es ist verpflichtend in China mit einem gütligen Visum einzureisen. Es gibt verschiedene Arten von Einreisemöglichkeiten. Von einmaliger Einreise, zu doppelter und unbegrenzter Einreise. Ich habe mich für eine einmalige Einreise entschieden und dann meinen Reispass in China umschreiben lassen. Dazu wird ein Gesundheitscheck benötigt, welcher ca. 60 CHF kostet. Netterweise wird der Gesundheitscheck von der Fudan Universität organisiert, sodass man bequem diesen Check an einem Samstag absolvieren kann - der Rest wird von der Universität erledigt. Daraufhin kann man sein Visum in ein resident permit umwandeln und somit mehr als einmal aus China ein und ausreisen.

Ankunft

International Flüge kommen allesamt in Pudong Airport an, welcher im Osten der Stadt (40km) liegt. Dort hat man die Möglichkeit mit der Magnetschwebebahn (50RMB), mit dem Taxi (ca. 150RMB) oder mit der Metro (10RMB) in die Stadt zu fahren.

Zimmersuche
Wohnen

Ich selbst habe mir bereits vor Ankunft ein Zimmer in Rainbow City Phase II reserviert, welches im am Tag der Ankunft beziehen konnte. Das ganze lief über einen Makler (bei Bedarf gebe ich die Email-Adresse gerne weiter) und war eigentlich problemlos. 

Andere Kommiltionen meines Auslandssemester hingegen sind für die ersten Tagen in ein Hostel am Bund gezogen und haben ihre Wohnungssuche aus Shanghai gestartet, was auch problemlos ist.

Oftmals variieren die Wohngegenden und Wohnungseinrichtungen stark, sodass es sich lohnen kann, vor Ort sich einige Wohnung anzuschauen. Für ein Zimmer in guter Lage sollte ca. 500 CHF eingeplant werden.

Universität

Die School of Management – Fudan Universität gehört zu den Top 3 Universitäten im Bereich Wirtschaft des Landes Chinas. Egal, ob in Shanghai oder ausserhalb der Stadt – Fudan Universität ist eine bekannter, respektierte und renommierte Universität in China.

Kritisch reflektiert muss ich jedoch sagen, dass das Niveau dieser Hochschule im Durchschnitt (noch) nicht an einen internationalen Topstandard aus Europa oder USA heranreicht. Zwar gibt es mittlerweile einige Kooperationspartner (zum Beispiel MIT oder Technion) und absolut spannende und anspruchsvolle Kurse, aber dies ist nicht durchgehend der Fall. Einige Kurse sind eigentlich einem Masterstudiengang nicht gerecht. Bevor ich ins Detail gehe, möchte ich einiges Generelles über Fudan Universität darlegen:

Die Organisation ist wirklich gut und gelungen. Das internationale MBA Office um Rebecca Lee kümmert sich rührend um jegliche Anfragen von Studenten und war immer ein verlässlicher Ansprechpartner. Auch wurden wir regelmässig über ausseruniversitäre Veranstaltungen von ihr informiert – Fachvortrage etc. Die Einschreibung erfolgte ca. 2 Monate vor Einreise nach China. Leider wurde das anfangs grosse Kursangebot von ca. 25 Kursen auf ca. 10 – 12 Kurse gekürzt, teilweise mit zeitlichen Überschneidungen.Daher lohnt es sich von Anfang verschiedene Ersatzkurse im Kopf zu haben, falls gewünschte Kurse doch nicht stattfinden.

Der Unterricht erfolgte zum Teil auf Blockbasis (eine Woche intensiv am Stück) oder wöchentlicher Basis (1x mal die Woche für 3,5h am Stück). Besonders Gruppenarbeit und Mitarbeit sind Hauptgegenstand der Kurse gewesen. Leider muss hier kritisch erwähnt werden, dass die Arbeitseinstellung besonders zwischen Chinesen und Austauschstudenten oftmals stark variiert und es somit zu ungleicher Arbeitsteilung und Arbeitsbelastung kommt. Die Art der Leistungskontrollen variierte von einer closed-book Klausur, regelmässige, wöchentlichen In-class Tests bis hin zu assignments in Gruppen oder alleine. Role play Präsentationen und Business Plan Erstellung samt Präsentation ergänzen das diversifizierte Bild der Leistungskontrolle.

An dieser Stelle möchte ich besonders den Kurs „International Entrepreneurship“ von PhD Uzi De Haan und den Kurs „Business Model Comparision“ von Mark Yuan hervorheben. Zweifellos waren diese Kurse die intensivsten und anspruchsvollsten, aber auch die interessanten und spannendsten. Beide Professoren kommen ursprünglich aus der Wirtschaft und haben daher spannende Erfahrungen besonders im chinesischen Umfeld.

Bezüglich Integration und Kontakte vor allem zu chinesischen Kommilitonen kann gesagt werden, dass die Gruppe der Austauschstudierenden eine eigene Einheit darstellt, welche wenig bis kaum Kontakt zu chinesischen Studenten hat. Zwar gibt es hin und wieder Überschneidungspunkte (z.B. durch gemeinsamt Gruppenarbeit), aber im Großen und Ganzen überschneidet sich das Interessensgebiet kaum. Bei ausseruniversitären Veranstaltung sind daher Austauschstudierende anzutreffen.

Leben/Freizeit

Um es kurz zu machen - Party machen kann man in Shanghai jeden Tag. Ob M2, Mint, Bar Rouge, Mao, The Shelter, Cotton's Bar, G+, Richbaby...die Liste von Clubs und Bars ist unzählig. Es lohnt sich daher auf jedenfall experimentierfreudig zu sein und alles einfach mal auszuprobieren.

Dies gilt auch für das Essen. Von chinesisch, über indisch,  zu europäisch, zu japanisch - In Shanghai kann man wirlich Speisen aus aller Welt genießen.

Auch lohnt es sich, nicht nur in Shanghai zu bleiben, sondern hin und wieder andere Teile Chinas zu erkunden. Kaum zwei Stunden aus Shanghai-Zentrum entfernt, ist von Aufbruchsstimmung und urbanem Leben nichts mehr zu spüren – und die krasse Armut eines Entwicklungslandes zeigt ihr Gesicht im Hinterland Chinas.