Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

09/10 SS

Universität

CN-
Beijing - Tsinghua University

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Das Ausstauschsemester an der Tsinghua University hat mir persönlich sehr gut gefallen. Der Aufenthalt in China hat mein Bild, das ich von dem Land habe stark verändert. Die gewaltige Dynamik in der chinesischen Wirtschaft hat mich ebenso beeindruckt, wie die grosse Vielfalt in Kultur und Landschaft, die ich, ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung der Zurich Financial Services während einer längeren Rundreise durch China kennenlernen und erfahren durfte. Persönlich habe ich ausserdem sehr von der grossen Vielfalt an kulturellen und beruflichen Hintergründen meiner Kommilitonen an der Tsinghua University profitieren können. Bestärkt bin ich in der Meinung, dass in Zukunft kein Weg an China vorbeiführen wird und ich kann mir sehr gut vorstellen, meine berufliche Karriere in China fortzusetzen. Auf jeden Fall hat mir das Auslandsemester erneut aufgezeigt, dass mir das Leben in einer multikulturellen Umgebung sehr zusagt und mir ein Leben als Expat gefallen würde.

Vorbereitung

Falls genügend Zeit dafür besteht sollte man einen chinesisch Kurs besuchen. Ansonsten erhält man alle Informationen per E-Mail. Es sind keine grösseren Vorbereitungen notwendig. Zu beachten ist, dass das Wetter in Peking im Winter sehr kalt und im Sommer sehr heiss ist. Unbedingt winddichte warme Kleidung für den Winter mitnehmen. Bis Mitte März war es sehr kalt und es bliess ein eisiger Wind. 

Ankunft

Die Ankuft war mit keinerlei Schwierigkeiten verbunden. Die Studenten Dormitories sind in Qinghua Daxue Dong Bei Men 清华大学 东北门 (Will heissen Universität Tsinghua Nord-Ost Tor). Es empfiehlt sich, bei Unkenntnis der chinesischen Sprache, dies auf einem Zettel zu notieren und dem Taxi-Fahrer vorzuweisen. Die Taxi-Fahrer sprechen grundsätzlich kein Englisch und wenn man Wörter auf chinesisch nicht richtig ausspricht gibt es Verständigungsprobleme.

Als nächstes geht's zur Anmeldung für die Dormitories. Sie befindet sich in Gebäude 19 im ersten Stock. Dort kann man auch das Internet-Abonnement lösen. 1 Monat kostet um die RMB 90, rund CHF 14.- (relativ teuer). 

Nach dem man sich angemeldet hat, sollte man bald bei dem FSAO (Foreign Students Affairs Office) vorbeischauen (Gebäude 22, erster Stock). Das Büro übernimmt einem die Registration bei den lokalen Behörden (Man sollte sich innerhalb von 24h nach Ankunft registrieren). Ausserdem kann man dort auch Visa-Veränderungen beantragen (Begehrt sind natürlich vor allem Double-Entry Visas). ACHTUNG: Ein 180 Tage Visum wird dadurch auf das Datum des Semesterendes reduziert. Das heisst, dass man falls man länger bleiben möchte, entweder in Hongkong ein Touristen Visum beantragen muss oder in Peking selbt eine kurzfristige Verlängerung (+ maximal 30 Tage) beantragen kann. Dazu braucht es keine Bestätigung einer Bank über einen zur Verfügung stehenden Betrag (Diese Information ist online zu finden und falsch). In meinem Falle brauchte ich aber eine Bestätigung, dass ich mein Studium abgeschlossen in Tsinghua abgeschlossen hatte.

Zimmersuche
Wohnen

Ich empfehle einen Aufenthalt in den Dormitories für die ersten zwei Monate. Man lernt so auch Studierende ausserhalb des MBA Programmes kennen und kommt mit einem Minimum an administrativem Aufwand durch. Zwei Monate entsprechen der minimalen Dauer, die man für Einzel Dormitories und AB Dormitories bezahlen muss. Danach empfiehlt es sich aufgrund des geringen Komforts in den Dormitories in eine Wohnung in Wudaokou zu wechseln. Die Dormitories haben ein relativ schlechtes Preisleistungsverhältnis für China.Ob man ein Zwei-Personen Dormitory (AB Room) oder ein Ein-Personen Dormitory nimmt spielt grundsätzlich keine Rolle. Es gibt auch Doppelzimmer. Sie haben den Vorteil, dass keine Mindestbelegdauer besteht und man jederzeit ausziehen kann. Wer also in den ersten Tagen eine Wohnung suchen will, der kann für diese Zeit ein Doppelzimmer nehmen. 

Verschiedene Kollegen haben sich zusammen eine WG gesucht, sicher auch eine gute Alternative. 

Bei den Dormitories bezahlt man zu Beginn den vollen Betrag für das ganze Semester. Beim Auszug erhält man den Restbetrag zurück. Die Rückzahlung funktioniert sehr schnell und ohne Probleme

Die Dormitories werden täglich geputzt und sind sehr sauber. Eine Putzfrau in Peking kostet allerdings auch nur zwischen RMB 12 und RMB 15  pro Stunde.

Für unsere spätere Wohnung bezahlten wir RMB 7000 pro Monat. Sie war eine grosszügige saubere 4 1/2 Zimmer Wohnung. Wenn man sich die Wohnung zu Dritt teilt, bezahlt man weniger als in den Dormitories und hat dafür natürlich wesentlich mehr Komfort. 

Im U-Center im Untergeschoss befindet sich ein guter Supermarkt mit allem, was man für's tägliche Leben benötigt. 

Was man unbedingt benötigt in Tsinghua ist ein Fahrrad. Die Fahrräder sind in der Qualität kaum vergleichbar mit denjenigen in der Schweiz. Sie sind aber auch sehr günstig. Occassion Fahrräder empfehlen sich weniger, sie gehen schnell kaputt. Ich hatte ein Fahrrad der Marke Forever - eine gute Wahl, bis es geklaut wurde (für RMB 250.-). Man sollte das Fahrrad nicht länger ausserhalb des Campus stehen lassen und es vor den Dormitories und nicht unbedingt im Fahrradkeller abstellen. 

Universität

Der Campus gefällt sehr gut. Man sollte unbedingt einige Wochen auf dem Campus leben, es war ein Erlebnis für sich. Es gibt viele Sportmöglichkeiten, inklusive Schwimmbad, Tennis-, Fussball-, und Basketballplätzen. Es empfiehlt sich allerdings ein externes Fitness-Center aufzusuchen, da sich die Fitness-Center der Universität in marodem Zustand befinden.

Die meisten Vorlesungen fanden in den ersten 8-12 Wochen des Semesters statt. Die Auswahlmöglichkeiten für Kurse in Englisch waren eingeschränkt, wenn man die in Zürich üblichen 30 Punkte pro Semester erreichen wollte. Zusätzlich erschwert wurde dieser Umstand durch die Tatsache, dass Pflichtkurse des MBA Programms nicht besucht werden konnten.
Ich habe mich für Kurse in den Bereichen Entrepreneurship, China (Sprache, Kultur und Wirtschaft) und Finanzwissenschaft (Corporate Governance, Business Analysis using Financial Statements) entschieden. Die Unterrichtsform war aufgrund der tieferen Anzahl Studierender (20-60 Studierende pro Kurs) interaktiver als in Zürich. Die Leistungsüberprüfung erfolgte mehrheitlich durch die Abgabe von Papers und Vorträge und nur vereinzelt durch zusätzliche schriftliche Prüfungen. Diese Art der Leistungsüberprüfung war mir im Voraus bekannt und ich habe in meinem Austauschsemester bewusst einen Fokus auf die Verbesserung meiner Präsentationsfähigkeiten gelegt. Obwohl die zeitliche Belastung durch die vielen Abgabetermine, Präsentationen und den Fokus auf die ersten zwölf Wochen durchwegs gross war, wurde in keinem der Kurse das technische Niveau der Vorlesungen, die ich an der Universität Zürich besucht hätte erreicht. Trotzdem halfen die Kurse bereits Erlerntes zu repetieren und die konkrete Anwendung der Theorie in Übungen fand ich inspirierend. Dadurch wurde man auf Probleme und Schwierigkeiten aufmerksam, die man beim Fokus auf den theoretischen Hintergrund weniger wahrnimmt.

Besonders interessant fand ich jeweils den Bezug zur chinesischen Wirtschaft, der Kultur und den chinesischen Unternehmen. Ich profitierte von einem umfassenden Einblick in wie man sich im geschäftlichen Umfeld Chinas zu benehmen hat und worauf man in Zusammenarbeit mit chinesischen Behörden besonders achten muss. Ausserdem hat mich die Grösse der ehemaligen SOEs und der Entwicklungsstand der Unternehmen beeindruckt. Vielleicht wider Erwarten wurde man auch auf aktuelle Probleme aufmerksam gemacht, zum Beispiel in Corporate Governance wurden die vorherrschenden Strukturen durchaus kritisch beäugt und diskutiert.

Hervorheben möchte ich hier insbesondere den Kurs „thinc lab“. Ziel des Kurses war es, ein Unternehmen näher kennenzulernen und eine Fallstudie darüber zu verfassen. In zahlreichen Meetings mit den Mitarbeitern und dem CEO der Firma durften wir das Unternehmen kennenlernen und schliesslich wurden wir vom CEO zu einem Nachtessen eingeladen. Dadurch erhielten wir einen sehr wirklichkeitsnahen Einblick in die Schwierigkeiten eines jungen Unternehmens und wie man in China geschäftet.

Netzwerk:

Weil die Kurse in unserem Studienbereich auch teilzeit MBA-Studierenden angeboten werden, fanden die meisten Kurse zwischen 18 und 22 Uhr statt. Dies verunmöglichte eine Teilnahme an lokalen studentischen Aktivitäten weitestgehendst. Das Networking mit Kommilitonen des eigenen Programmes hatte deshalb einen umso höheren Stellenwert. Durch den vielfältigen kulturellen und beruflichen Hintergrund der Kommilitonen, war der Austausch sehr fruchtbar und ein Highlight meines Aufenthaltes in China.

Leben/Freizeit

Das Leben in Peking und in Wudaokou hat mir sehr gut gefallen. Es ist geprägt von viel Dynamik, das Umfeld ist multikulturell und auch die verschiedenen Sehenswürdigkeiten lohnen einen Besuch unbedingt.

Es gibt viele gute Restaurants, Bars und Clubs. Ausserdem sind die Fitness Center günstig und bieten guten Service. 

Natürlich kann ich im Folgenden nur einige wenige herausragende Erfahrungen, die sich auf Wudaokou konzentrieren teilen:

In Wudaokou habe ich sehr viele Stunden in The Bridge verbracht. Es hat 24h geöffnet, bietet schmackhaftes westliches Essen und eine gute Athomsphäre für Gruppen- oder auch alleiniges Arbeiten. Es ist etwa 10 Meter entfernt von Propaganda (dem hippsten Studentenclub in der Stadt)

Wer's ruhiger und rauchfrei mag, dem sei Charlie Brown Cafe im U Center emfpohlen. Internet funktioniert besser als in The Bridge und es geht ruhiger zu und her. 

Ganges ist darüber hinaus ein sehr gutes indisches Restaurant in Wudaokou, zum Ishin geht's für günstige und sehr gute Sushi und im La Bamba (Selbes Gebäude wie Propaganda) gibt's vernünftiges Tex-Mex Essen. Ausserdem ist das Korean BBQ Restaurant oberhalb Tous Les Jours empfehlenswert.

Das Helen's Pub war darüber hinaus neben Pyro's Pizza unsere Lieblings-Adresse für lange Abende.

Ich denke die meisten dieser Lokale sollten auf http://www.thebeijinger.com oder http://www.cityweekend.com.cn/beijing/ zu finden sein, auch sehr emfpehlenswert ist ein Guide für Expats namens Living in Beijing. Dieser Guide bietet mehr Informationen und vor allem wertvolle Insider Tipps zu den versteckten Juwelen Pekings. 

Darüber hinaus sollte, wer in Peking studiert unbedingt länger durch China reisen. Persönlich war ich insgesamt 1.5 Monate auf Reisen durch China. Dadurch lernt man die immense Grösse, die kulturelle und landschaftliche Vielfalt und die Gastfreundschaft der Chinesen kennen. Einige Links die hilfreich sind:

http://translate.google.com (hier kann man ganze Webseiten übersetzen lassen, für diejenigen, die google translate noch nicht kennen)
http://www.agoda.com (gut für Hotels in Asien)
http://www.mdbg.net/chindict/chindict.php (Uebersetzt Pinyin/ Englisch/ Trad. Chinesisch/...)
http://www.2345.com/tools/train.htm (Züge nachschauen)
http://www.99pto.com/ (Züge nachschauen inkl. Ticket Preise und Buchung, es empfiehlt sich aber eher eines der Offices zum Beispiel in Wudaokou aufzusuchen, ist wenn man vom Main Gate von Tisnghua gerade aus in Richtung Microsoft Gebäude geht, auf der linken Strassen Seite nach dem übrigens guten Fahrradhändler)
www.qunar.cn ; http://english.ctrip.com/ ; expedia (Für Flüge in China)

Schliesslich bietet www.google.cn/music legal gratis music downloads an in China, dort findet man fast alles...