Erfahrungsberichte

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Wer

nicole.schlegel1[at]gmx.net

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

10/11 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Geschichte (Allgemeine) (7600)

Gesamteindruck

Der ERASMUS Aufenthalt in Berlin war eine absolute Bereicherung und eine super Erfahrung, die ich jedem und jeder wärmstens empfehlen kann. Anzuraten wäre es, dass man sich - wenn möglich - für ein Jahr ins Ausland begibt, da man erfahrungsgemäss einige Zeit braucht, um sich am neuen Ort zu akklimatisieren und neue Leute kennenzulernen. Eine Freundin musste bereits nach einem Semester wieder an ihre Heimuniversität zurück, gerade als sie sich so richtig eingelebt hatte. Die Stadt Berlin ist recht offen gegenüber Ausländern und Neuzuzüglern, die Menschen sind hilfsbereit und kontaktfreudig und im Allgemeinen direkter als die meisten SchweizerInnen. Die Stadt bietet eine hervorragende Auswahl an kulturellen Angeboten und Ausgangsmöglichkeiten – und alles zu einem mehr als anständigen Preis. Es ist hier nicht alles so sauber und ordentlich, die öffentlichen Verkehrsmittel haben so ihre Macken und Tücken – Schienenersatzverkehr mit Bussen, Ausfälle, Verspätungen – dafür fahren sie aber auch in kleineren Zeitabständen als in Zürich.

Vorbereitung

Dank des ERASMUS-Programms ist die Vorbereitung nicht so intensiv und anstrengend wie ein vollständig selbst organisierter Studienaufenthalt. Es gibt aber dennoch sehr viele Formulare auszufüllen und auch einige Behördengänge bleiben nicht aus. Gerade die Immatrikulation an der Partneruniversität will gut vorbereitet sein. Man muss sich bspw. bereits auf dem Bürgeramt angemeldet haben, um ein gültiges Semesterticket (Bibliothek- und Studentenausweis, ÖV-Abo) zu beantragen und um die Aufenthaltsbewilligung (Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland) bei der Ausländerbehörde ausgestellt zu kriegen.

Ausserdem sollten die von der Uni ausgeteilten Informationsbrochüren besser drei Mal gelesen werden, da sie sehr widersprüchlich und ungenau formuliert sind. Damit am Immatrikulationstag dann alles reibungslos klappt, sollte man die Behördengänge lieber vorher erledigen.

Für Studierende, die vorerst nur ein Semester Aufenthalt an der HU geplant haben: Die Verlängerung muss innerhalb einer bestimmten Frist beantragt werden. Das Semesterticket fürs nachfolgende Semester muss selbstständig einbezahlt werden, es folgt keine spezielle Aufforderung. Die Studierenden müssen sich selbstständig erkundigen, ob sich der Preis verändert hat und auf welches Konto der Betrag einbezahlt werden muss. Das hat mir grosse Scherereien verursacht, weil ich keine Rechnung bekommen und deshalb nicht fristgerecht bezahlt hatte. Ausserdem waren die Angaben bezüglich der Höhe des Betrags und der Bankdaten auf der HU-Seite falsch angegeben. So wurde mir dann zeitweise mit der Exmatrikulation gedroht, obwohl ich meinen Verlängerungsantrag fristgerecht eingereicht und unterzeichnen lassen hatte. Organisatorisch läuft an der HU noch vieles nur schleppend, dafür wird die Eigenverantwortung geschult! ;)

Ankunft

Ich bin mit zwei Koffern und meinem Fahrrad mit dem CityNightLine ab Zürich bis nach Berlin-Lichtenberg gefahren und wusste bereits da, dass mir die zwei Koffern genügen mussten. Einzelne Freunde, die ich in Berlin kennengelernt habe, meinten jedoch, sie seien gleich mit dem Auto und vielen eigenen Möbeln angereist. Natürlich ist es auch möglich, mit dem Flugzeug nach Berlin zu reisen; da ist das Mitführen von grossem Gepäck aber oft mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden.

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche in einer WG hat mir die grössten Startschwierigkeiten und Stressattacken beschert. Berlin hat ein riesiges Angebot von Wohnungen und v.a. WG-Zimmern, aber die Konkurrenz ist ebenso gross oder sogar noch grösser. Bei der ersten vor-Ort-Suche Ende Juni - ich war sehr früh dran, wenn man bedenkt, dass das Semester jeweils erst Mitte Oktober beginnt - wurde die Zusage für ein Zimmer nachträglich wieder zurückgezogen. Also musste ich Anfang August noch einmal auf die Suche gehen und habe dann relativ schnell ein WG-Zimmer im Bezirk Mitte, gleich beim Hauptbahnhof, gefunden. Nach nur einer Woche beschwerte sich meine Mitbewohnerin, ich sei ihr viel zu laut (Beispiele: mein Teekocher, mein Herumlaufen in der Wohnung), sie wolle, dass ich wieder ausziehe. Das war ein ziemlicher Schock, denn ich hatte in dieser Zeit nie auch nur Musik gehört und war auch sehr oft ausser Haus gewesen. Wir waren uns vorher schon in die Haare geraten, weil sie mir die Quadratmeterzahl meines Zimmers falsch angegeben hatte, sie ihr eigenes Zimmer und v.a. dessen Grösse nicht zeigen wollte und sich weigerte, mir die Höhe ihrer eigenen Miete zu nennen. So habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass ich mit einer Miete von 350€ für gut 12qm über den Tisch gezogen worden bin. Zum Glück habe ich dann schnell ein anderes WG-Zimmer in Berlin-Köpenick gefunden. Das war ungefähr 25qm gross und wurde mir für 300€ zur Untermiete überlassen.

Ganz generell kann man empfehlen, sich früh über Wohnungen/ WG-Zimmer zu informieren und sich wenn möglich auch alle anzuschauen. Das Kennenlernen der zukünftigen Mitbewohner bei der Besichtigung hat sich bei mir als der wichtigste Punkt überhaupt erwiesen. Für die WG-Zimmer Suche sind die folgenden Seiten zu empfehlen:

www.wg-gesucht. de (super viele Angebote)

www.zwischenmiete.de (hier kann gezielt im Voraus für den gewünschten Zeitraum gesucht werden)

 Bzgl. der Nähe zur Uni und der Attraktivität der Umgebung kann ich die folgenden Bezirke empfehlen:

-Prenzlauerberg (viele 30jährige mit Kindern, das frühere Party-Viertel, sicher)

-Friedrichshain (schön zum Wohnen, aber auch sehr viele Angebote für den Ausgang)

-Kreuzberg (In-Viertel, unzählige Ausgangsmöglichkeiten)

-Neukölln (aufkommendes Studentenviertel und Partymeile)

 Ganz generell würde ich nicht mehr als 300€ für die Warmmiete ausgeben. Es gibt sehr viele, und auch grosse Zimmer, die zu diesem Betrag oder sogar für weniger vermietet werden.

Universität

Ich habe durchs Band sehr positive Erfahrungen mit der Humboldt-Universität gemacht. Die Lehrpersonen und Professoren waren grossmehrheitlich sehr motiviert und engagiert und waren ERASMUS-Studenten gegenüber sehr aufgeschlossen. Es soll auch manchmal vorkommen, dass sie 'uns' nicht mögen, ich habe diese Erfahrung in meinen insgesamt 13 Kursen aber nie gemacht. Obwohl ich mich nur für Allgemeine Geschichte immatrikulieren konnte - Master Studenten ohne Lehramt belegen an der HU jeweils nur ein Fach - wurde mir ohne Probleme erlaubt, auch Englisch-Kurse im Rahmen der Anglistik und Amerikanistik zu besuchen, die mir von den entsprechenden ERASMUS-Prüfungsbüros dann auch bescheinigt wurden.

Die Studierenden an der HU waren grossmehrheitlich sehr kommunikativ, wenn man also selbst bereit ist, Eigeninitiative zu zeigen und nicht immer darauf wartet, angesprochen zu werden, gelingt es einem recht schnell, auch deutsche Kommilitonen/Kommilitoninnen kennenzulernen. Andere ERASMUS-Studenten lernt man natürlich noch viel schneller kennen. Ein kleines Hindernis fürs Kennenlernen von Mitstudenten sind die fehlenden Pausen. Anders als an der UZH gibt es nach 45min keine 15minütige Pause, sondern es werden die ganzen 90min durchgehend unterrichtet. Nach einer Doppelstunde gibt es zwar immer eine halbstündige Pause, aber weil die Institute oft weit auseinanderliegen, braucht man die Zeit häufig, um mit der U-Bahn zum nächsten Seminarraum zu fahren.

 Die Module an der HU sind sehr ähnlich konzipiert wie an der UZH (bzgl. Semesterwochenstunden, Anforderungen für den Kurs, Prüfungen, Anzahl der Kreditpunkte). Obwohl meine Leistungen noch nicht angerechnet wurden, erwarte - und erhoffe - ich vergleichsweise wenig Probleme.

Leben/Freizeit

Berlin ist eine relativ preiswerte Stadt, so dass man mit ungefähr 700 € monatlich oder auch weniger auskommen kann. Für den Ausgang eignen sich vor allem die Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg, aber auch das multikulti Viertel Neukölln ist mittlerweile ein grosser Studententreffpunkt. Falls man einmal aus Berlin raus möchte,würde sich die Ostsee und die Insel Rügen (zwischen 3-3.5 h mit dem Regionalzug) anbieten. Sehr zu empfehlen ist auch der Spreewald: schmale Wasserkanäle im Wald, die wunderschön mit dem Kanu-Paddelboot zu befahren sind (1-1.5h südlich von Berlin). Da Berlin selbst eine sehr grüne Stadt ist, eignet sie sich gut, um Sport zu treiben. Man kann dafür zum Beispiel in die oft riesigen Parks gehen (Tiergarten, Volkspark Friedrichshain, Treptower Park). Ich habe in Köpenick, im Südosten Berlins, gewohnt, im grössten und grünsten Bezirk der Stadt und hatte deshalb meine Joggingstrecke direkt vor der Haustür.

In Berlin gibt es viele Alternative und Individualisten, und dementsprechend sind auch die Ausgangsgebiete gehalten. Schickimicki und teure Cüplis gibt's allenfalls in Berlin-Charlottenburg oder vielleicht in gewissen Abschnitten der Friedrichstrasse, aber da kann ich nicht aus eigener Erfahrung sprechen.

Ganz allgemein sind WG-Parties und friedliches Beisammensein in der WG-Küche hier sehr beliebt, natürlich gibt es auch unzählige Clubs.