Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

10/11 SS

Universität

AT-WIEN01
Wien - Universität Wien

Studienfach

Geschichte (Allgemeine) (7600)

Gesamteindruck

Mein Auslandsemester in Wien hat mir sehr, sehr gut gefallen. Es war eine perfekte Auszeit vom gewohnten Trott in Zürich, während der ich eine ganz besondere Stadt und neue Menschen kennengelernt habe. Die Uni war nicht in allen Belangen perfekt, aber ich habe auch da profitieren können und wichtige Denkanstösse erhalten. 

Ich werde meinen Aufenthalt in Wien in sehr guter Erinnerung behalten und einiges stark vermissen. 

Vorbereitung

Die Vorbereitung meines Auslandsemesters war der anstrengendste Teil des ganzen Projekts. Das Vorlesungsverzeichnis der Uni Wien wurde erst extrem spät online publiziert und war auch dann nur mit grosser Mühe zu entziffern. Trotzdem musste ich ja schon vor der Abreise ein Learning-Agreement abschliessen, das ich dann nach einigen Wochen in Wien noch stark geändert habe.

Die verschiedenen Fächer haben unterschiedliche Anmelde-Tools und die Uni-Homepage ist extrem verwirrend. Das Fach Geschichte ist zudem auf verschiedenste Institute aufgeteilt, was die Orientierung aus der Ferne beinahe verunmöglicht.

Ankunft

Mit dem Railjet ist man in 8 Stunden vom Hauptbahnhof Zürich im Westbahnof Wien. Es gibt auch Nachtzüge, aber ich habe die Fahrt während des Tages sehr genossen. Über die Sparschiene der ÖBB gibt es extrem billige Tickets.

Weniger empfehlen kann ich die Anreise mit dem Flugzeug. Der Flughafen Wien ist nicht sehr gut angeschlossen. Auf keinen Fall würde ich mit dem CAT (City Airport Train) in die Stadt fahren. Er kostet 10 Euro. Die S-Bahn (S7) ist hingegen billig und braucht nur 15 Minuten länger.

Es empfiehlt sich sehr, den obligatorischen ÖH-Beitrag schon im Voraus übers Internet zu bezahlen. So kommt man sofort zu einem Studierenden-Ausweis, mit dem man ein verbilligtes Ticket für die Öffentlichen Verkehrsmittel erhält. Wenn man erst nach der Ankunft bezahlt, dauert das Ganze bis zu einer Woche. 

Zimmersuche
Wohnen

Die Wohnungssuche übers Internet war nicht einfach, ich hatte am Ende grosses Glück. Es gibt zwar ein grosses Angebot für Zwischenmiete, aber verständlicherweise vermieten die Leute ihr Zimmer lieber an jemanden, den sie im Voraus sehen können. Tipp: www.jobwohnen.at

Ich finde die Lage bzw. die Wahl des Bezirkes schon sehr wichtig. Es ist daher hilfreich, sich im Vorfeld schon etwas umzuhören und zu informieren. Ich habe im 16. Bezirk gewohnt und würde sofort wieder dorthin ziehen. Einfacher ist das Ganze, wenn man in ein Wohnheim für Studierende zieht. Persönlich war ich aber sehr froh, das nicht gemacht zu haben. Man ist dann stark im Erasmus-Kuchen gefangen.

Man muss sich nach der Ankunft in Wien beim Magistrat-Amt anmelden, um einen Bibliotheksausweis zu erhalten. Tipp: Nach drei Monaten kann man sich einfach wieder abmelden. Wenn man das nicht tut, muss man sich zusätzlich noch an einer anderen Stelle anmelden, wo dann Kontoauszüge und eine Zahlung fällig werden. 

Universität

Die Universität Wien unterscheidet sich in einigen Punkten stark von der Uni Zürich. Die Infrastruktur ist in Zürich sicher besser, aber das Wiener Hauptgebäude ist toll und man kann im schönen Innenhof sehr gut lesen und schwatzen. Auch der Campus im Alten AKH hat mir sehr gut gefallen. Während des Semesters waren die Bibliotheken sehr angenehm, gegen Ende gab es kaum mehr Platz und es wurde sehr heiss.

Die Qualität der von mir im Fach Geschichte besuchten Lehrveranstaltungen war sehr unterschiedlich. Einige Professorinnen oder Professoren haben stramme Ereignisgeschichte vermittelt, andere Vorlesungen waren wiederum sehr interessant und auf hohem Niveau (z.B. jene von Prof. Johanna Gehmacher). Sehr mühsam war, dass jede Vorlesung am Ende des Semesters mit einer Prüfung abgeschlossen werden muss.

Die Studierenden sind sehr viel stärker politisiert als an der Uni Zürich. Während des Semesters waren ÖH-Wahlen, d.h. die Studierendenvertretung wurde gewählt. Überall Plakate, Flyer (der Weg vom Schottentor zur Uni war sehr mühsam), aber auch Info-Veranstaltungen, Diskussionsrunden etc. Es scheint allgemein ein viel grösseres Bewusstsein für Rechtsextremismus, Gender-Fragen etc. zu geben. Das hat mich interessiert und auch beeindruckt.

Leben/Freizeit

Wien ist eine sehr lebenswerte Stadt, die wahnsinnig viel zu bieten hat. Auch nach über vier Monaten kann man immer noch neues entdecken. Es gibt viele Theater, Clubs, Museen, Cafés, Bars, Openair-Kinos, Strandbäder, etc. Ganz am Anfang habe ich an zwei kleinen Veranstaltungen von ESN (Erasmus Student Network) teilgenommen, wo ich per Zufall einige tolle Leute kennengelernt habe. Die daraus entstandenen Freundschaften waren sehr wichtig für mich und haben meinen Wien-Aufenthalt überhaupt erst so lustig und interessant gemacht. Nach der ersten Woche habe ich mich am ESN-Programm nicht mehr beteiligt. 

Viele Erasmus-Leute sind gleich nach Semesterende abgereist. Ich bin sehr froh, noch ein paar Wochen länger geblieben zu sein. Das Semesterende ist wegen der vielen Prüfungen sehr stressig und so kann man sich am Ende nochmals richtig auf die Stadt einlassen.  

Es lohnt sich auch, ab und zu aus Wien rauszukommen. Ich war je ein Wochenende am Neusiedlersee und in der Wachau Fahrradfahren.