Erfahrungsberichte

zur Übersicht

Wer

andreaportmann[at]gmx.net

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

10/11 SS

Universität

AT-WIEN01
Wien - Universität Wien

Studienfach

Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft (7360)

Gesamteindruck

Aus dem bekannten Umfeld herausspringen und sich in einer unbekannten Stadt neu zurechtfinden sehe ich als eine grosse Bereicherung und Herausforderung dieses Austauschsemesters. Das Schönste daran ist ja, dass man beginnt, eingefleischte Wahrnehmungsmuster zu hinterfragen und sich im besten Fall auch von Ungewohntem irritieren und verunsichern lässt. Dafür ist Wien eigentlich die perfekte Stadt: Sie hat ihren ganz eigenen (sehr gemütlichen) Rhythmus, ausserordentlich skurrile und absurde Seiten und eine unglaubliche kulturelle Fülle (siehe Freizeit/Leben). Man hasst Wien oder man liebt Wien oder beides ein bisschen (wie es bei mir der Fall ist). 

Vorbereitung

Grosse Vorbereitungen habe ich nicht vorgenommen, ausser mich darum gekümmert, dass ich ein Dach über dem Kopf habe. Ausserdem habe ich darauf geachtet, dass ich alle die vom Erasmus-Büro Zürich vorgegebenen administrativen Vorgaben erfüllt habe und mich im Voraus über die Lehrveranstaltungen an der Uni Wien informiert, um das entsprechende Learning-Agreement mit der Fachkoordinatorin vom Deutschen Seminar zu besprechen. 

Ankunft

Ich bin zwei Wochen vor Semesterbeginn Mitte Februar mit dem Zug in Wien eingetroffen, wo noch immer der kalte Winter herrschte und sich alle hinter den schönen Fassaden versteckt haben oder sich in den Beisln bei ein paar Gläsern Wein wärmten. Da ich diese zwei Wochen als etwas strukturlos und zermürbend erlebt habe und mich erst ab Semesterbeginn so richtig in die Stadt habe einschwingen und Kontakte knüpfen können, würde ich aus meiner persönlichen Sicht eigentlich empfehlen, nicht zu früh vor Semesterbeginn in die entsprechende Stadt zu reisen. 

Zimmersuche
Wohnen

Ich hatte Glück und mein Zimmer über eine gute Freundin, deren Freundin damals in Wien lebte, gefunden. Gewohnt habe ich in einer WG im 7. Bezirk, nahe am Westbahnhof, an extrem zentraler Lage, wo ich Alles mit dem Rad oder zu Fuss gut erreicht habe. Mit der Zimmersuche habe ich so im Oktober/November angefangen. In Wien gestaltet sich die Zimmersuche noch nicht so schwierig wie in anderen Grossstädten, doch auch hier wird es allmählich, durch die wachsende Gentrifizierung bestimmter Bezirke, mit günstigem Wohnraum knapp. Ich würde empfehlen, dass man sich im Voraus etwas über die Struktur der Stadt informiert (wo die Uni ist, wo die Museen, Lokale etc. sind, die einen interessieren) und dann gezielt auf einschlägigen Wohnungssuchehomepages nach einem Zimmer/einer Wohnung in einem entsprechenden Bezirk sucht.  

Universität

Das Studienangebot ist meines Erachtens gerade für Germanistik-Studierende, die sich für Österreichische Literatur und die Moderne interessieren, eine Fundgrube an spannenden Lehrveranstaltungen und kompetenten Fachkennerinnen. In Bezug auf die Betreuung, die Atmosphäre in den Seminarräumen und zwischen den Studierenden ist aber das Deutsche Seminar auf jeden Fall viel persönlicher und man ist in Zürich auch besser betreut - das liegt aber natürlich an den Grössenverhältnissen. 

Bei der Ankunft ist es hilfreich, gleich das Mobilitätsbüro an der Universität Wien zu besuchen, da man dort ausführlich informiert wird über sämtliche administrative Angelegenheiten rund ums Studium und ums Wohnen in Wien. 

Leben/Freizeit

Wien ist eine riesige Kulturmaschine, in der aber nicht nur die bekannten Institutionen viel zu bieten haben, sondern insbesondere auch die kulturellen Veranstaltungen in den Nischen, die dem Getriebe der Maschine etwas entschlüpfen. Ich persönlich fand die Alte Schmiede einen tollen Ort, um in die Literatur einzutauchen, ansonsten gibt es in Wien ziemlich viele sehr skurrile Museen (z.B. das Kriminalmuseum, das Bestattungsmuseum). Es lohnt sich, ohne grossen Plan durch einzelne Bezirke zu schlendern, deren Eigenheiten zu erkunden oder Einheimische nach ihren Lieblingsorten zu fragen. Die Vergangenheit hockt in Wien noch in allen Ecken und ist eigentlich am Anrührendsten da, wo sie nicht inszeniert und den Touristen verkauft wird. Unzählige Kaffeehäuser mit adrett gekleideten meist mürrischen Kellnern locken Lesende, Schreibende, Beobachtende....zum Verweilen.