Erfahrungsberichte

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Wer

etna.engeli[at]students.unibe.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

10/11 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Psychologie (7200)

Gesamteindruck

Ein Jahr lang im Ausland zu leben und an einer anderen Universität zu studieren, ist für mich eine sehr wertvolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Es ermöglichte mir Einblicke in drei zusätzliche universitäre Institute: die Humboldt Universität zu Berlin, das Max-Planck-Institut Leipzig und die Charité Berlin. Dadurch konnte ich mir eine klarere Vorstellung davon machen, wie die akademische und Forschungstätigkeit aussehen könnte. Ich konnte so ganz unterschiedliche Institutionen und somit unterschiedliche Arbeitsweisen und Berufsalltag kennenlernen. Dies ist für mich besonders wertvoll, da ich in naher Zukunft mein Studium abschliessen werde und mir überlege, wie ich gerne arbeiten würde.

Grundsätzlich würde ich empfehlen, sich weniger für sein Austauschjahr vorzunehmen als ich dies tat. Neben dem Studium an der HU in Philosophie und Psychologie habe ich auch noch zwei Leistungsnachweise an der Universität Zürich erbracht, ein klinisches Praktikum in der Neuropsychologischen Diagnostik der Charité absolviert und am MPI Leipzig meine Master-Arbeit geschrieben.

Auf alle Fälle fänd ich es eine sehr gute Entscheidung für ein ganzes Jahr nach Deutschland zu gehen, statt nur ein Semester. Denn das Ankommen, Organisieren und Einleben dauert eine Weile, so dass vier bis sechs Monate wie im Flug vergehen und wenn man sich langsam auskennt und sicher fühlt, steht schon wieder die Heimreise vor der Tür.

Vorbereitung

Am zeitintensivsten war das Auskundschaften der verschiedenen Universitäten, mit welchen meine Fakultät (Psychologie) Erasmus-Verträge hat. Da nur wenige dieser Partneruniversitäten den Schwerpunkt Neuropsychologie, den ich an der Universität Zürich belege, anbieten, habe ich viele Abklärungen machen müssen. Schlussendlich habe ich mich dafür entschieden, über mein Nebenfach (Ethik) das Erasmus-Programm zu nutzen, da diese Abkommen mit der Humboldt Univestität zu Berlin haben, welche sowohl Kurse in Ethik als auch die Vertiefungsrichtung Neuropsychologie anbieten. Nach der Anmeldung bei der Abteilung Internationale Beziehungen und beim Erasmus-Koordinator der Philosophie ging alles sehr schnell und einfach.

Ankunft

Ich reiste mit dem Zug an und hatte gerade so viel Gepäck wie ich tragen konnte: Wenige Kleider, viele Arbeitsmaterial und meine Bettdecke. Ich hatte das Glück, dass ich die ersten zwei Wochen bei einer Bekannten wohnen konnte und von da aus ein Zimmer suchen konnte. 

Zimmersuche
Wohnen

Da ich während der ersten Monaten hauptsächlich in Leipzig war, habe ich mir erst dort ein Zimmer gesucht. Da das Semester dort etwas später begann als in anderne Ländern, waren viele Studenten, die selber ein Auslandjahr machten, bereits verreist. Somit war es nicht mehr so einfach ein Zimmer zur Zwischenmiete zu finden. Aber ich hatte dann doch Glück mit einem Zimmer in einem wunderschönen grosszügigen Altbau für wenig Geld, wie es in Leipzig und Berlin viele gibt. Ich habe mit zwei Kunststudentinnen zusammen gelebt, die mich auch oft irgendwohin mitnahmen, was ich sehr schätzte. In Berlin begann ich frühzeitig nach einem Zimmer zu suchen und schaute mir einige Zimmer an. Es ist jedoch in dieser Stadt viel einfacher etwas zu finden, da ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Ich hatten dann die Wahl zwischen verschiedensten Zimmern und entschied mich für eine Wohngemeinschaft mit vier anderen Studenten in einem ehemaligen Fabrikgebäude. Da haben wir viel Platz, den die Küche ist sehr gross und wir haben einen grosszügigen Wohnraum, was in deutschen Wohngemeinschaften eher selten ist. Ich hatte auch ein riesen Glück mit meinen Mitbewohnern, die mich an tolle Orte oder Veranstaltungen mitnehmen, sich aber auch emotional um mich gekümmert.
Ich denke in grossen Städten wie Berlin ist es zudem sinnvoll, sich zu überlegen, in welchem Stadtteil man leben möchte. Ich habe dies von der Lage meines Instituts und dem Flair des Kiezes abhängig gemacht.

Universität

Die Humboldt Universität zu Berlin nimmt sehr viele ausländische Studenten auf, wodurch sie gut darauf vorbereitet sind. Es gibt eine Vereinigung (Orbis), die viele Veranstaltungen organisiert und Mentoren für die Neuankömmlinge anbietet. Letzteres habe ich genutzt, was ich auch weiter empfehlen würde. Denn so hatte ich auch eine Ansprechsperson, die ich nicht ganz so offiziell nach Informationen zum Studium und der Uni selbst fragen konnte. Zudem erhält man von den entsprechenden Verantwortlichen an der HU des öftern keine Antwort auf schriftliche Anfragen. Deshalb musste ich stattdessen einige Male persönlich in den Büros vorbeischauen, was bei einer so grossen Stadt wie Berlin mit sehr zerstreuten Instituten ein grosser Zeitaufwand bedeutet. Es gab sehr viele Situationen, wo ich über die unglaubliche Ineffizienz der Administration der HU erstaunt war. Mit etwas Humor kann man aber darüber schmunzeln, da die einzelnen Sekretärinnen und studentischen Hilfskräfte immer sehr freundlich und hilfsbereit waren.Das Niveau der Kurse, die ich in Philosophie und Psychologie besucht hatte, waren sehr hoch. Die Gruppen waren teilweise sehr klein, was ich nicht so erwartet hätte bei einer so grossen Universität. Die Betreuung durch die Dozenten empfand ich auch als überraschend persönlich.

Während das Institut der Psychologen ausserhalb der Ringbahn lag, wurden die Veranstaltungen in Ethik im Hauptgebäude gleich neben dem Brandenburger Tor angeboten. Widerum war das Insitut der Psychologen sehr modern ausgestattet und das Hauptgebäude war im Gegensatz dazu eher etwas modrig.

Leben/Freizeit

In Berlin wird es einem, wie man sich denken kann, nie langweilig. Kulturell gibt es an Austellungen, Theater, Open air Kinos und Konzerte alles was das Herz begehrt. Zudem gibt es auch sehr viele schöne Grünflächen, wo man sich von der Grossstadthektik erholen kann. Besonders empfehlenswert ist der Tempelhof, der still gelegte Fluhafen. Da es auf dieser grossen brachen Fläche immer stark windet, werden überall Drachen steigen gelassen und die interessantesten Sportarten mit dem Wind betrieben. Aber es ist auch einfach spannend mal auf einer Landebahn spazieren zu gehen oder daneben zu grillen.