Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

09/10 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Management

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Das Austausch-Semester an die Fudan Universität ist mit Bestimmtheit ein Höhepunkt meiner Studienzeit, ich würde es auf jeden Fall wiedermachen und möchte es an dieser Stelle wärmstens weiterempfehlen. Die Highlights der letzten Monate waren die Teilnahme an Vorlesungen von welchen ich mindestens zwei zu den Besten meiner Studienzeit zählen würde; das Wohnen in einer nie schlafenden Weltstadt die vor kultureller Vielfalt nur so sprüht; das Bereisen eines der geschichtlich, wirtschaftlich, landschaftlich, kulinarisch und von seiner ethnisch und religiöser Diversität wohl interessantesten Ländern der Welt; das Arbeiten mit, Kennenlernen sowie auch profitieren von chinesischen Mitstudierenden welche z.T. bereits mehrere Jahre Arbeitserfahrung haben; und wertvolle Freundschaften und Kontakte mit Studierenden aus aller Welt.

Vorbereitung

Kontakte knüpfen

Einige Monate vor Beginn des Austauschsemesters gründete eine Studentin aus Norwegen eine Facebook-Gruppe und schickte allen Leuten die dasselbe Austauschprogramm machen wollten eine Einladung. Das war ganz praktisch, denn so konnte man wichtige Informationen austauschen, sich bereits organisieren bezüglich Wohnen oder sich absprechen wo und wann man sich in Shanghai das erste Mal treffen könnte. In den Informations-Emails von der Person an der Fudan-University welche die Austauschstudierenden betreut sind jeweils alle Empfänger sichtbar. Fall Dir niemand zuvor kommt, empfehle ich die Initiative zu ergreifen eine Plattform einzurichten, wo man sich austauschen kann, sei es auf Facebook oder sonst wo. Ich fand dies auf jeden Fall eine sehr nützliche Sache.

Visa

Ich war eine der einzigen Personen welche ein X-Visum (Studenten-Visum) bekommen hat. Das chinesische Konsulat geht bezüglich der Ausstellung der verschiedenen Visum-Typen eher inkonsistent vor. Einige Leute wollten ein X-Visum und haben keines bekommen; mir haben sie jedoch aus mir nicht bekannten Gründen gar keine Wahl gelassen. Das X-Visum bedeutet viel administrativen Aufwand sobald man in China ankommt, deswegen rate ich alles zu versuchen, dieses zu vermeiden. Hinzu kommt eine teure ärztliche Untersuchung im Vorfeld, welche man in China gleich nochmals über sich ergehen lassen muss. Deshalb empfehle ich, ein normales single-entry Touristenvisum für ein halbes Jahr zu beantragen.

Wer vorhat, ausserhalb von China (Hong Kong gilt ebenfalls als ausserhalb China) reisen zu gehen, kann folgendermassen vorgehen: Sobald man an der Uni ist, kann man beim International Students Office ein Papier beantragen, welches einem erlaubt, beim Entry-Exit Bureau in Shanghai sein single-entry Visum in ein multi-entry Visum abändern zu lassen. Bevor man dann jedoch auf das Entry-Exit Bureau gehen kann, benötigt man eine ärztliche Untersuchung (ca. CHF 60). Es gibt an der Fudan Universität zwei Halbtage, an denen man diesen Untersuch machen kann; dort hat es jedoch extrem viele Leute und man verbringt fast einen ganzen Tag mit anstehen und ärztlichen Untersuchungen. Viel einfacher und bequemer ist es sich direkt beim „Shanghai Exit-Entry Inspection and Quarantine Bureau, International Travel Healthcare Center“ für einen Untersuch anzumelden (Reservation Tel: 86-21-62688851). Man bekommt dort einen Termin für die Untersuchung, welche dann ca. zwei Stunden dauert. Das Untersuchungsresultat wird per innert 5 Tagen per Post zugeschickt. Mit dem Papier vom International Student Office und dem Physical-Examination-Report kann man anschliessend beim Entry-Exit Bureau ein multi-entry Visum beantragen (7 Tage, ca. 60 CHF).

Temporäre Unterkunft

Es empfiehlt sich eine Unterkunft zu organisieren bevor man in Shanghai ankommt. Es ist von Vorteil ein Hotel oder Hostel zu buchen welches erstens nicht zu weit von der Fudan Universität und zweitens nicht zu weit von nahe bei einer Metrolinie liegt, da dies Shanghai‘s effizienteste Transportweise ist. Der Vorteil von Hostels ist das meist englischsprechende Personal. Bei vielen Low- oder Middleclass-Hotels kann man sich ohne Chinesisch-Kenntnisse nur mit Händen und Füssen verständigen. Am besten wäre wenn man sich zuvor mit einigen Leuten zusammentut, denn alle Austauschstudenten haben dieselben Probleme und können sich gegenseitig unterstützen.

Ankunft

Ich bin ca. eine Woche vor dem ersten Informationsevent der Fudan Universität in Shanghai angekommen und habe mich mit zwei Schweizer Studentinnen in einem Hotel getroffen. Wir haben anschliessend ca. 10 Tage in diesem Hotel gewohnt, von dort aus Wohnungen gesucht und gingen an die Informationsveranstaltungen der Universität. Die ersten Tage waren eine Mischung aus Stadt kennenlernen, sich mit administrativen Problemen rumschlagen, Wohnung suchen und Exchange-Leute treffen. Man sollte sich darauf einstellen, dass in diesen ersten Tagen nicht immer alles rund läuft. Ein bisschen Geduld, Flexibilität und Gelassenheit ist bestimmt das beste Rezept. Spätestens jedoch wenn man eine Wohnung bzw. Mitbewohner gefunden und die administrativen Dinge erledigt hat, beginnt man den Exchange in Shanghai in vollen Zügen zu geniessen.

Zimmersuche
Wohnen

Die Studentenwohnungen der Fudan Universität sind meiner Meinung nach überteuert, spärlich eingerichtet und von der Lage her eher uninteressant. Man kann sich für denselben Betrag (ca. 400 CHF) ein sehr schönes Wg-Zimmer im Stadtzentrum leisten. In der Umgebung der Universität ist dies für etwa die Hälfte möglich. Ich persönlich habe es vorgezogen, näher beim Stadtzentrum zu leben. Der Vorteil liegt in der Lage, der Nachteil im Weg zur Uni (vom Zentrum 45min bis 60min). Dabei gilt es zu bedenken, dass es viele Blockkurse im Angebot gibt, weswegen man nicht jeden Tag an die Uni gehen muss.

Bezüglich der Wohnungssuche kann es sich lohnen, im Voraus Studenten zu kontaktieren, die ein Semsester vor Deinem Austausch in Shanghai sind. Man kann sich durch die Übernahme einer Wohnung viel Aufwand und Mühe ersparen. Ich persönlich würde jedoch davon abraten, eine reine Schweizer WG zu Gründen. Eine zu mindestens teilweise Durchmischung mit anderen Studenten macht die Erfahrung bestimmt noch wertvoller. Es hat jedoch auch Vorteile mit der Wohnungssuche erst in Shanghai zu beginnen: man kann sich mit Leuten zusammentun die einem sympathisch sind und die Wohnung auswählen, welche den jeweiligen Bedürfnissen und Ansprüchen entspricht. Eine passende Wohnung findet sich bei intensiver Suche relativ schnell, d.h. mit ein bisschen Glück in einigen Tagen, mit weniger Glück in ein bis zwei Wochen.

Bei der Wohnungssuche ist chinesische Unterstützung sehr wertvoll. Mein Chinesisch-Lehrer John Zhang (+86 13818904997, johnchang100@gmail.com) ist nicht nur ein guter Lehrer sondern auch sehr ehrlich und hilfsbereit. Er hat sich bereit erklärt, zukünftigen Austauschstudenten behilflich zu sein.

Universität

Programme

Man kann an der Fudan Universität an zwei MBA-Programmen teilnehmen: Dem Fudan International MBA und dem BI Norwegian School of Management – Fudan University MBA.

Das IMBA-Programm besteht aus chinesischen Studierenden mit ca. 4 Jahren Berufserfahrung und mit einem Durchschnittsalter von ungefähr 27. Es gibt Teilzeit- sowie auch Vollzeitstudierende. Die IMBA-Kurse sind entweder als Blockkurse organisiert oder über ca. 6 Wochen verteilt.

Im BI-Fudan MBA haben die Studierenden eher ca. 10 Jahre Berufserfahrung und sind im Durchschnitt über 30 Jahre alt. Das kann jedoch sehr spannend sein, da viele dieser MBA’s bereits Management Positionen in z.T. internationalen Firmen innehaben. Diese Kurse werden nur als Blockkurse angeboten, da alle diese MBA‘s arbeiten.

Kurse

Alle Austauschstudierenden sind sich einig, dass die von ausländischen Professoren gehaltenen Vorlesungen in der Regel besser sind als jene der chinesischen Professoren. Es gibt jedoch ganz klar Ausnahmen. Ich möchte folgende Kurse empfehlen:

·        Innovation and Entrepreneurship von Hermann Kopp (BI-Fudan MBA): Sehr überzeugender Professor mit viel persönlicher Erfahrung im Gebiet Unternehmensgründungen. Am Schluss muss eine relativ aufwändige Arbeit abgegeben werden.

·        Management Consulting von William Reinfeld (IMBA): Professor hat langjährige Erfahrung mit Beratung allgemein und spezifisch in Asien, sehr gute Einführung in das Gebiet Consulting.

·        Valuation and Financial Statement Analysis von Haoping Xu (IMBA): Ich persönlich habe in diesem Kurs viel gelernt über die verschiedenen Methoden der Bewertung von Firmen mit Hilfe ihrer Financial Statements und in diesem Zusammenhang insbesondere über die Interpretation verschiedenster Ratios.

Die Kurse sind sehr verschieden aufgebaut. Gemeinsam ist Ihnen allen, dass in Gruppen gearbeitet wird und so Präsentationen gehalten und Arbeiten abgegeben werden müssen. Generell wird viel Wert auf Case-Bearbeitungen gelegt. In gewissen Kursen herrscht ein sehr interaktives Klima, in andere haben eher Vorlesungscharakter. Abschlussarbeiten müssen meist innerhalb von ca. 3 Wochen nach letzter Vorlesung abgegeben werden. Prüfungen sind jedoch in der Regel innerhalb einer Woche nach oder direkt am letzten Tag der Vorlesung.

Eine der Hauptherausforderungen ist die Zusammenarbeit in Gruppen mit den chinesischen Mitstudierenden. Ich persönlich empfinde dies aber gleichzeitig als eine der wichtigsten Erfahrungen dieses Austauschsemesters. Nicht nur die Kommunikation, sondern oft auch unterschiedliche Vorstellungen über spezifische Inhalte oder über den Umfang oder die Qualität von abzugebenden Arbeiten waren ein ständiges Thema. Da viele der Studierenden neben der Uni arbeiten oder z.T. bereits Familie haben, sind jedoch genau auch diese Gruppenarbeiten eine der besten Gelegenheiten sich mit chinesischen MBA’s auszutauschen, etwas über ihre Ansichten zu erfahren und von ihren Erfahrungen zu lernen.

Da mir persönlich wichtig war, China auch ausserhalb von Shanghai kennenzulernen, habe ich hauptsächlich Blockkurse gewählt. Diese erlauben einem auch mal eine oder zwei Wochen unterwegs zu sein. Auf der anderen Seite kann es relativ intensiv werden, wenn mehrere Blockkurse kurz hintereinander auf dem Plan stehen. Eine Mischung aus beidem ist hier sicher keine schlechte Wahl.

Anmeldung

Die Anmeldung erfolgt Online in einer zuvor angekündigten Zeitspanne von einigen Tagen. Es ist sehr wichtig sich dort sofort für etwa ein bis zwei Kurse mehr als man machen will anzumelden. Ein Kurs kann mit 5 ects angerechnet werden. Man sollte sich genau Gedanken machen welche Kurse man nehmen will, insbesondere bezüglich Inhalt und Professor aber auch Zeitpunkt. Es gibt im Fall-Semester z.B. Kurse die bereits vor Semesterbeginn starten (Juli) oder erst Mitte Januar enden.

Leben/Freizeit

Shanghai ist eine Stadt die nie schläft, es gibt unzählige trendige Restaurants, Bars und Clubs. Vor allem dort wird einem jedoch bewusst, wie viele Ausländer in dieser Stadt leben. Einerseits ist es interessant die verschiedensten Leute kennen zu lernen und wer Glück hat, kann gerade dort wertvolle Kontakte knüpfen. Auf der anderen Seite vergisst man schnell, dass man sich eigentlich in China befindet. Das echte China ist entgegen vielen Behauptungen auch in Shanghai zu finden – die Versuchung ist jedoch gross diesem aus Bequemlichkeit aus dem Weg zu gehen. Es gibt Leute in Shanghai, die genau das tun – Leute welche über Jahre hinweg hier Leben und weder von der Sprache noch der Kultur was mitbekommen. Wer jedoch den Mittelweg findet, der lernt zu schätzen, dass in Shanghai die westliche sowie auch chinesische Kultur auf engstem Raum nebeneinander existieren.

Wäre jedoch die ältere Geschichte Chinas, seine kulturelle bzw. religiöse Vielfalt und die unglaublich schönen Landschaften kennenlernen möchte, muss seinen Rucksack packen und sich ins Flugzeug oder in den Zug setzen. Ich persönlich habe dieses Austauschsemester verbunden mit der transsibirischen  Eisenbahn von Moskau nach Beijing, auf welcher man sich China langsam aber dafür umso eindrücklicher Annähern kann. Weiter haben mich meine Reisen in die südliche Provinz Yunnan, nach Guilin, Honk Kong, Sichuan sowie Tibet geführt. Ich gebe diesbezüglich gerne Tipps oder beantworte allfällige Fragen.