Erfahrungsberichte

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Wer

maria.kr[at]gmx.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

10/11 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Politikwissenschaft (7615)

Gesamteindruck

Das Erasmus-Jahr an der HU war über alles gesehen eine Bereicherung. Ich habe eine neue Universitätskultur und viele tolle Menschen kennengelernt. Allgemein wird man an der HU etwas weniger gut betreut als an der Uni Zürich. Es gibt kein Online-Buchungssystem und ich musste vielen Scheinen und Unterlagen mehrmals hinterher rennen. Auch haben sich trotz des Learning Agreements Probleme  mit der Anrechnung einiger Kurse ergeben. Dies besonders bei meinem Nebenfach Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. In sehr guter Erinnerung bleibt mir die Hauptbibliothekt (Grimm-Zentrum) der HU. Das ist ein wunderschönes Gebäude mit einer grossartigen Lernatmospähre.

Berlin als Stadt ist in jedem Fall zu empfehlen. Hier besteht höchstens die Gefahr, dass man sich von dem grossen Angebot an Freizeitaktivitäten zu sehr vom Studium ablenken lässt :)

Vorbereitung

Ich habe mich schon sehr früh über ein mögliches Auslandjahr informiert. Dabei war mir das International Office der uzh eine grosse Hilfe. Etwas unangenehm war, dass ich bis zum Schluss nicht wusste, wie gross meine Chancen auf einen Platz an der HU sind und ich somit lange Zeit, nichts planen konnte.

Allgemein rate ich jedem, sich die Homepages der Partnerunis gut anzuschauen. Meist findet man dort alles, was man wissen muss. Ein Learning Agreement ist zudem das non plus ultra. Macht euch darauf gefasst, um eure ECTS-Punkte kämpfen zu müssen. Ich habe das getan und es hat sich gelohnt. Sowohl die Verantwortlichen der Politikwissenschaft als auch der AVL waren entgegekommend.

Ankunft

Meine Ankunft in Berlin gestaltete sich problemlos. Ich habe bereits im Vorfeld eine nette WG im Bezirk Friedrichshain gefunden und auch die Infoveranstaltungen der HU waren hilfreich. Allgemein unterscheidet sich das Unisystem nicht gross von dem in der Schweiz, was es einem Schweizer leicht macht, sich an der HU zurecht zu finden. Dass alle hier zudem Deutsch sprechen war eine zusätzliche Erleichterung :)

Berlin ist eine Grossstadt, die sich wie viele Kleinstädte anfühlt. Jeder Bezirk hat seinen Charakter und sein eigenes Zentrum. Das macht es einem Zugezogenen leicht, sich schnell einzuleben. Wenn man dazu noch einpaar nette Mitbewohner hat, die einem zu Partys, Kunstveranstaltungen, zum Baden, Shoppen usw mitnehmen, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. 

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche in Berlin ist kein Problem. An der HU hat man die Möglichkeit, sich schon bei der Anmeldung für das Auslandjahr um ein Zimmer in einem Studentenwohnheim zu bewerben. Ich rate davon ab. Die Studentenwohnheime sind meist weit von den schönen und ´hippen´ Bezirken entfernt und überfüllt mit Ersamus-Studenten. Ich habe viele Leute kennengelernt, die in einem Studentenwohnheim wohnen und praktisch nie mit deutschen (geschweige denn Berlinern - die sind in Berlin nämlich Mangelware) in Kontakt gekommen sind.

Freie Zimmer in WGs gibt es in Berlin Tausende. Man muss ein wenig Geduld mitbringen und darf sich von 30 oder 40 Mitbewerbern nicht abschrecken lassen. So gross wie die Nachfrage ist auch das Angebot (kein Vergleich zu Zürich). ich habe meine WG innerhalb eines Tages gefunden (habe 7 Wohnungen angeschaut). Die MIeten sind für einen Schweizer sehr günstig (wie übrigens alles in Berlin). Für ein Zimmer würde ich nicht mehr als 300 Euro ausgeben.

Universität

Wie schon erwähnt, besitzt die HU kein Online-Buchungssystem für die Kurse und Module. Man muss sich alle möglichen Scheine selbst zusammen sammeln und hoffen, dass die Dozenten sie richtig ausgefüllt an die richtigen Stellen weiterleiten. Damit kann man auch den Weg, den ein Schein nimmt, nicht nachvollziehen. Trotzdem hat bei mir mit der Anrechnung alles geklappt. Das Sozialwissenschaftlche Institut (dem die Politikwissenschaft angehört) war stets sehr entgegenkommend. Etwas grössere Probleme hatte ich im Institut für Deutsche Literatur. Dort wirde ich häufig unfreundlich behandelt und erst im letzten Moment wurde mir eröffnet, dass die Anrechnung der Punkte nur mit Note möglich ist. Da an der uzh die Note aus dem Auslandsemester nicht übertragen wird, habe ich an der HU meine Kurse zum Teil ohne Note abgeschlossen (was mit einem geringeren Arbeitsaufwand einherging). Ich musste ganz schön Druck machen, damit mir die Punkte dann doch angerechnet wurden. Hier rate ich zur Vorsicht und genauen Abklärung.

Das Niveau an der HU entspricht ungefähr dem an der uzh.  Somit konnte ich von meinen Auslandaufenthalt auch akademisch profitieren. Allgemein ist die Diskussionsbereitschaft an der HU viel höher als in Zürich. Das mag im ersten Moment etwas irritieren, doch steckt das lebendige Klima in den Seminaren rasch an. Ich habe mich allgemein an der HU weniger gelangweilt als an der uzh, weil ich immer mitgedacht und mich eingebracht habe.

Leben/Freizeit

Berlin. Was soll man sagen. Jeder war schon mal hier und wenn nicht, dann plant er sicher in der nächsten Zeit herzukommen. Einer meiner Dozenten hat einmal gesagt, Berlin sei dazu verdammt, ewig zu werden und niemals zu sein. Ich finde diesen Ausspruch sehr passend. In Berlin ist immer etwas los und eigentlich könnte man ununterbrochen feiern (was nicht wenige auch machen). Man kann zu jeder Zeit alles tun. Berlin ist dreckig, an vielen Orten hässlich, es hat keine Altstadt, der Winter ist lang und hart, Menschen werden an U-Bahnhöfen ins Koma geprügelt und keinen interessierts und doch empfehel ich jedem herzukommen. Berlin ist eine der spannendsten Städte der Welt.