Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

09/10 WS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Rechtswissenschaft (2000)

Gesamteindruck

Erasmus - Wer sich bewegt, bewegt Europa! Mit diesem Slogan wurde ich an der Humboldt-Universität zu Berlin empfangen und es beschreibt ziemlich treffend den Gesamteindruck, den ich von meinem Erasmus-Aufenthalt mit nach Hause bringen werde. Eine aufregende neue Stadt, die niemals ruht. Eine Universität, an der man spannende fachliche Erkenntnisse gewinnt. Mitstudenten aus allen möglichen Ländern, welche dieselben fachlichen Interessen an Jura haben und dennoch einen teilweise sehr anderen Hintergrund mitbringen, was einem Einblick in die verschiedensten Rechtssysteme Europas gewährt. Kurz zusammengefasst: Ich kann jedem Student einen Erasmus-Aufenthalt (in Berlin) mehr als nur empfehlen!

Vorbereitung

Bei der Vorbereitung konnte ich mich weitgehendst auf meine Erasmus-Koordinatoren an der Heim- sowie an der Gastuniversität verlassen. Nicht nur das der grösste Teil an organisatorischer Arbeit von ihnen erledigt wurde, sie informierten auch über Fristen und Termine, so dass man lediglich ihren Anweisungen zu folgen brauchte. Was mir persönlich den grössten Aufwand bescherte, war zum einen die Auseinandersetzung mit dem Vorlesungsverzeichnis der Gastuniversität und die Auswahl der zu besuchenden Fächer sowie die Organisation eines Wohnplatzes. Zusammenfassend denke ich, dass sich der eigene Aufwand für die Vorbereitung verhältnismässig in Grenzen hält und ohne weitere Probleme zu bewältigen ist.

Ankunft

Meine Ankunft in Berlin hätte nicht reibungsloser vonstatten gehen können. Da ich schon von der Schweiz aus ein Zimmer organisiert hatte, das auch bereits bezugsfertig war, musste ich mich nicht (wie andere Studenten) erst in einem Hostel einquartieren. Der Empfang an der Universität ist dann wohl fakultätsabhängig. An der Juristischen Fakultät haben sie uns vor Beginn des Semesters eine Woche Einführungskurs aufgebrummt, was ich jedoch als einen Vorteil betrachte, da man nicht nur fachlich einen ersten Einblick bekommen hat, sondern vor allem auch bereits erste Mitstudenten (aus allen Herren Ländern) kennen lernen konnte.

Die Semestereinschreibung erfolgt an der Universität. Neben der Anerkennung der Krankenkassenversicherung gibt es dabei vor Ort einen Visa-Service, so dass man nicht extra von Behörde zu Behörde laufen muss für die Aufenthaltserlaubnis. Die notwendigen Informationen bekommt man dabei im Voraus des Studienaufenthaltes zugeschickt. Was jedoch nicht vergessen werden darf: Wer in Berlin ein Zimmer bezieht, muss sich innert 7 Tagen bei der Meldebehörde anmelden. Diese Anmeldung muss dann auch bei der Immatrikulation vorgewiesen werden.

Zimmersuche
Wohnen

Ich hatte ein Zimmer in der wohl zentralst gelegenen Wohnung von ganz Berlin untergemietet und kam dabei auch sehr gut mit meinen Mitbewohnern aus. Das war zu einem grossen Teil auch Glück. :)

 Im Voraus wurde mir mehr als nur einmal gesagt, dass es nichts Leichteres gebe, als ein Zimmer oder eine Wohnung zu finden. Ich würde das nach meinen Erfahrungen etwas relativieren: Es ist durchaus leicht, irgendeine Wohnung oder ein Zimmer zu finden. Hat man jedoch gewisse Ansprüche (an Lage, Mitbewohner, Preis, Grösse, etc.), empfiehlt es sich durchaus, sich bereits einige Wochen bzw. Monate vor der Anreise um ein Zimmer zu kümmern. Viele gute WGs verlangen auch, dass man sich persönlich vorstellt, was einige meiner Mitstudenten mit einer Reise nach Berlin im Vorfeld des Erasmus-Studiums verbunden haben. Nötig ist das aber nicht. Vielleicht noch zu den Studentenwohnheimen: Viele meiner Mitstudenten haben dort ein Zimmer gemietet, welche durchaus sehr sauber und gut eingerichtet sind. Der grosse Nachteil bei den Studentenwohnheimen ist, dass sie oftmals ziemlich weit ausserhalb der Stadt liegen. Preislich sollte man sich nicht über den Tisch ziehen lassen: Zwar haben einige Studenten bis zu 400.- Euro/Mt. für ihre Unterkunft bezahlt. Dies ist jedoch in der Regel zu viel für Berliner Verhätnisse und ist nur bei absoluten Topwohnungen angemessen. Ansonsten lassen sich gerade Zimmer in Studentenwohnheimen ab ca. 180.- Euro/Mt. finden.

Universität

Mir hat das Studieren an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität in Berlin sehr gut gefallen. Die Auswahl an Modulen empfand ich als sehr breit gefächert und attraktiv. Der Umgang der Professoren mit den Studenten spielt sich auf einer persönlicheren Ebene ab, als wir das in Zürich kennen. Der Student fühlt sich mehr als Person und auszubildender Jurist wahrgenommen, was zu einem sehr angenehmen Studienklima führt. Zudem ist die Humboldt-Universität (wie auch die Juristische Fakultät) sehr zentral gelegen und war selber Schauplatz von sehr vielen historischen Ereignissen, was man auch heute noch zu spüren bekommt. Organisatorische Mängel traten vor allem in der Prüfungsphase auf, da eine einheitliche Regelung für die international Studierenden zu fehlen scheint und den Professoren die Leistungsüberprüfung überlassen wird, was zu einigen Überschneidungen und Missverständnissen führte.

Leben/Freizeit

Berlin ist arm, aber sexy! Der Leitspruch schlechthin, der wie kein anderer zu dieser Stadt passt. Berlin ist der perfekte Mix aus Geschichte, Kultur und Nachtleben und es gibt kein Tag, an dem nicht irgendwo irgendetwas Sehenswertes los ist. Ich glaube, ich habe während meines ganzen Aufenthaltes in Berlin keinen einzigen Menschen getroffen (ob Berliner, Neu-Berliner, Erasmus-Student oder Tourist), dem Berlin nicht gefallen hat!

Was zwar nicht ganz überraschend ist, sich aber doch als sehr schade erwies: Ich habe während meines Aufenthaltes mehrheitlich mit ausländischen Studenten zu tun gehabt. Kontakte zu deutschen Studenten oder Berlinern ergaben sich für mich nicht in dem Mass, wie ich mir das gewünscht hätte. Ich habe mich in der Freizeit zwar in einem Sportverein engagiert, an der Universität war der Austausch mit deutschen Studenten jedoch eher schwierig zu bewerkstelligen.