Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

09/10 SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Kunstgeschichte (7640)

Gesamteindruck

Ich würde auf jeden Fall wieder ein Erasmus-Austausch Semester machen. Es war eine wahnsinnige Chance für mich, ein halbes Jahr in Berlin zu leben und ich habe in allen Bereichen sehr viel gelernt. Vielleicht würde ich mir einen Frühling mit wärmerem Wetter aussuchen..

 Berlin als Standort für Erasmus in der Kunstgeschichte ist wirklich sehr gut gewählt. Nicht nur wegen der guten Universität, sondern vor allem wegen den unzähligen Galerien, Veranstaltungen im Kunst- und Kulturbereich und der vielen kreativen Leute, die in Berlin wohnen und arbeiten. 

Aber es ist auch eine Lebensschule, wenn man aus dem kleinen und freundlichen Zürich kommt und einem dann der Wind der grossen Stadt ins Gesicht bläst. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar für diese Erfahrungen und ich habe- wie gesagt- sehr viel gelernt!

Vorbereitung

Die Vorbereitung von Seiten der Uni war ein bisschen chaotisch, weil ich mich neben dem offiziellen Antrag auch noch hätte online anmelden müssen, was ich aber nicht wusste. Zum Glück hat dann doch alles geklappt. 

Die Vorbereitung bei der Wohnungssuche war gar kein Problem. Ich habe mein  Zimmer auf students.ch ausgeschrieben und sofort einen Nachmieter für die 5 Monate gefunden. Leider habe ich den Aufwand beim Packen völlig unterschätzt und viel zu viele Sachen mitgenommen. Obwohl ich sie im Zug einigermassen habe transportieren können, musste ich extra ein Auto mieten und meine Sachen mit dem Auto zurücktransportieren.  

Auf Berlin selbst habe ich mich mit Reiseführern vorbereitet, wobei ich schlussendlich vor allem den S- U- und Metroplan gebraucht habe. Die meisten anderen Informationen hatte ich aus dem Internet oder von Informationswänden in Cafés und Restaurants. 

Ankunft

Ich bin schon mehr als einen Monat vor Studienbeginn in Berlin angekommen, sprich Anfang März. Meinen Immatrikulationstermin hatte ich aber erst Ende März. Da ich noch Fragen bezüglich den Formularen, die ich alle mitbringen sollte, hatte, ging ich bereits am ersten Tag, an dem das Immatrikulationsbüro geöffnet hatte, dahin. Dann war alles ganz unkompliziert, sie haben mich vom Fleck weg immatrikuliert und einen Visums-Antrag konnte ich auch mit der Hilfe einer sehr netten Mitarbeiterin ausfüllen, von der Krankenkasse war ich auch dank eines sehr netten Vertreters innerhalb von 30 Sekunden befreit- sehr gut organisiert! Es gab sogar Kaffee und Sandwiches! Das einzige, was ein wenig schief gelaufen ist, war, dass ich dachte, man könne sich nur mit einem Studentenausweis (also wenn man bereits immatrikuliert ist) bei der Bibliothek, dem Grimm-Zentrum, anmelden. Deswegen habe ich also 2.5 Wochen gewartet, bis ich immatrikuliert war bevor ich mich dort anmelden wollte. Das war ein grosser Fehler, denn als ausländischer Student muss man seinen Pass (!) mitbringen, den ich aber gerade beim Visa-Center für den Visums-Antrag für die nächsten 3 Wochen abgegeben hatte. Naja, dann konnte ich eben keine Bücher ausleihen! Das war aber nicht wirklich schlimm, weil das Grimm-Zentrum Mo-Fr bis Mitternacht (!!) geöffnet ist.

Die Ankunft in der Wohnung lief völlig unproblematisch. Ich habe die Wohnung von einem Bekannten gemietet, der sie nur als Ferienwohnung benutzt. Sehr schöne zwei Zimmer Wohnung, frisch renoviert, Platz für Gäste, einigermassen zentral in Schöneberg. Die Schlüssel hatte er mir einige Wochen zuvor geschickt, alles lief wie am Schnürchen. Nach zwei Monaten bin ich aber wieder weggezogen, mehr dazu unter dem Abschnitt Wohnung 

 Der Nachteil daran, alleine in eine Wohnung zu ziehen, in einer Stadt in der man niemanden kennt, ist, dass man nicht sowieso neue Leute kennenlernt. Ich denke mir, wenn man in eine WG oder in ein Studentenwohnheim zieht, dann lernt man eher Leute kennen, die auch neu in der Stadt sind oder wenigstens offen für neue Bekanntschaften. Ich hatte das Glück, dass eine Freundin von mir aus Moskau zur gleichen Zeit wie ich in Berlin ein Austauschsemester macht. Aber sonst war es relativ schwierig bis das Semester begann. Auf der anderen Seite ist es auch sehr bereichernd, einmal alles alleine zu machen- ins Kino, Theater, zum Sight-Seeing. Das werde ich aber jetzt wohl öfter machen!

Zimmersuche
Wohnen

Von Anfang März bis Ende April habe ich alleine in der 2- Zimmerwohnung eines Bekannten in Schöneberg gewohnt. Weil die Miete dafür aber zu teuer war, habe ich mir ab Anfang Mai ein neues Zimmer gesucht. Per Internet (www.wg-gesucht.de) habe ich einige Leute angeschrieben, dir für die Monate Mai bis Juli einen Zwischenmieter gesucht haben und konnte in den folgenden beiden Wochen auch einige Zimmer anschauen, wobei ich mich dann für eines im Stadtteil Friedrichshain entschieden habe. Leider war die Wohnung sehr schmutzig als ich eingezogen bin, sodass ich erst viel habe putzen müssen. In den Monaten Mai und Juni habe ich mit einer Schwedin zusammengewohnt, die ein Praktikum bei einer Landesvertretung gemacht hat. Im letzten Monat ist dann die eigentliche Hauptmieterin zurückgekommen. 

Die Wohnungssuche war zwar aufwändig, aber es ist durchaus gut möglich, ein Zimmer zu bekommen in Berlin. Die Mieten sind ziemlich günstig und wenn man etwas Glück hat, findet man auch etwas zentrales. Gut an Zwischenmieten ist, dass sich relativ wenig Leute bewerben, weil die meisten ein WG- Zimmer für längerfristig suchen.  

Universität

Von der Universität bin ich nach wie vor sehr begeistert. Neben guten Seminaren und Vorlesungen fand ich vor allem die Rundgänge und die Gastprofessur sehr gut. Mit Rundgängen meine ich Angebote von Dozenten, die mit den Studenten in Galerien und Museen die neusten Ausstellungen ansehen und sie dann diskutieren. Vor allem Berlin mit den wahnsinnig vielen Galerien bietet die ideale Plattform für so eine Übung. Und man hat einen wirklich guten Einblick in die zeitgenössische Kunst in Berlin erhalten. Die Gastprofessur wurde von Frau Esra Akcan übernommen, eine Architekturtheoretikerin und -historikerin, die ein Seminar zu critical history gegeben hat. Im ersten Teil ging es darum, die Moderne noch einmal zu lesen mit wichtigen theoretischen Texten wie Walter Benjamin oder Adorno. Im zweiten Teil haben wir verschiedene Probleme der westlichen, europäischen, kapitalistischen Geschichtsschreibung und - handhabung gelesen mit Themen wir Postmoderne, Orientalismus oder Postcolonial Studies. Der Arbeitsaufwand dafür stieg zwar ins Unermessliche, aber ich habe wohl noch nie so viel gelernt in einem Semester! 

Daneben hätte ich sogar noch Kurse an der Freien Universität besuchen können, was das Studienangebot verdoppelt hat. Leider ist die Freie Universität sehr abgelegen und die Koordination der Kurse ein bisschen schwierig. Nach drei Wochen habe ich die beiden Vorlesungen dort wieder fallengelassen, weil ich mit den Kursen an der Humboldt schon mehr als ausgelastet war.  

Leben/Freizeit

Berlin hat ein unerschöpfliches Angebot an Freizeit- Angeboten, wobei ich vor allem Galerien und Museen besucht habe und abends oft weg gegangen bin. In den ersten (kalten) Monaten war ich sehr oft im Theater (Schaubühne, Volksbühne, Maxim Gorki) und im Kino (Yorck-Kinogruppe). Als es dann Mitte Juli endlich wärmer wurde, haben wir uns sehr oft draussen in Strassenkaffees getroffen oder haben eine Bar an der Spree besucht (Club der Visionäre, Bar25). Am Wochenende waren wir oft tanzen, am liebsten im Lido an der Schlesischen Strasse oder auch im Friedrichshain (Casiopeia, Rosis, Suicide Circus). 

Der Kulturkalender in Berlin scheint unendlich zu sein, so kann man mindestens einmal die Woche an eine Ausstellungseröffnung (dann muss man keinen Eintritt bezahlen) oder Galerievernissage. Sehr zu empfehlen ist auch das Gallery Weekend im April, das sehr viele Leute anzieht.

Leider war ich nie am Wannsee, vor allem weil es erst so spät Sommer geworden ist. Einmal war ich mit einer Freundin aber im näher gelegenen Weissensee, der von der Grösse her zwar ein See ist, aber die Farbe und auch den Geruch eines Tümpels hat- nicht sehr zu empfehlen. Und wie für Berlin üblich, hatte zum Beispiel das Bad am Plötzensee gar nie die Tore geöffnet, weil die Pächter sich mit der Stadt zerstritten haben.