Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

09/10 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft (7360)

Gesamteindruck

Der Aufenthalt in Berlin hat mir viel gebracht. Es ist schon etwas wesentlich anderes, hier zu studieren als in Zürich; eine geistige Beweglichkeit, ausgezeichnete Professoren und Studenten aus allen Ländern, regen zum Nachdenken und Lernen voneinander an - wenn man sich darauf einlässt. Die Initiative, sich in den Seminaren zu beteiligen und auf die Menschen zuzugehen, muss von dir selbst aus kommen, das ist zuweilen hart.

Vorbereitung

Von dem Senden der Papiere im Januar 2009 bis zur Bestätigung von der Humboldt-Universität mit den Informationsunterlagen ist ein halbes Jahr vergangen, meiner Meinung nach zu lange, aber die Humboldt-Universität nimmt am meisten ausländische Studierenden auf als alle anderen deutschen Universitäten, und trotzdem sind die Verwaltungen nicht mit übermäßig vielen Stellen besetzt. Persönlich habe ich mich nur soweit vorbereitet, dass ich mich für einen Wohnheim-Platz anmeldete und mir von den Dozenten ein Bild machte.

Ankunft

Die ersten Wochen waren ziemlich hart. Einen Bogen Papier mit Formalien habe ich bekommen und musste mich – so war jedenfalls mein Eindruck – von einem Amt zum nächsten hangeln. Als Schweizer muss man sogar einen Visumsantrag stellen! (wobei die Universität dankenswerterweise hilft und auch die Papiere einsendet). Dazu kam, dass ich die Stadt erst kennenlernen musste und noch kaum jemanden kannte.

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe mich für einen Platz in einem Studentenwohnheim angemeldet. Das war ein kleines Zimmer etwas abgelegen, aber ruhig im Bezirk Lichtenberg.

Universität

Als Student in Berlin kann man Veranstaltungen an allen vier Universitäten besuchen - auch wenn man nur an einer eingeschrieben ist! Dieses Angebot habe ich soweit genutzt, dass ich an der HU und an der FU Kurse besucht habe, zwei Universitäten, die sich nicht nur in ihrer Geschichte und in ihrem Profil, auch in den Studenten und Gebäuden etc. sehr voneinander unterscheiden. Um es kurz zu sagen: Die HU ist die traditionswürdige Universität in Berlin Mitte, zentral gelegen neben beliebten Tourismuszielen, mit viel ausländischen Studierenden, wenig Geld, und sehr guten Professoren. Vor allem am deutschen Institut habe ich hier nur ausgezeichnete Seminare besucht (bei Vogl, Röcke, Osterkamp). Die FU liegt abseits im reichen Bezirk Dahlem, gilt im Volksmund als „Exzellenzuniversität“, und die Geschichtsseminare, die ich hier besucht habe, waren klein, jeder kennt jeden, und es ist mehr Geld vorhanden. Von den anderen beiden Universitäten (die TU, eine Art ETH, und die HdK) kenne ich nur die Volkswagen-Bibliothek am Bahnhof Zoo, die wirklich ausgezeichnet ist.

Leben/Freizeit

Von Oktober bis Mai war hier fürchterliches kaltes Wetter, wobei ich höre, dass es in der Schweiz nicht viel besser und auch hier eine Ausnahme war. Aber das schränkt die Freizeitmöglichkeiten schon ein! Von Berlin selbst brauche ich nicht viel zu sagen, ich bin zum Teil auch wegen der Stadt hierher gekommen. Vieles an Berlin ist immer noch besonders für Deutschland, das ist eine Stadt, die sich gerade durch ihre betonte Lässigkeit auszeichnen will, und sehr sehr stolz ist auf die eigene Geschichte und nicht weniger gerade auf die zelebrierte Lässigkeit und Toleranz. Allerdings, trotz vielen Brachen und Baustellen nähert sich auch diese untervölkerte Stadt allen anderen Großstädten der Welt an, wobei sie immer noch recht dezentralisiert ist – im Bezirk Mitte ist am Abend nichts los.