Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

09/10 WS + SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft (7360)

Gesamteindruck

 Es war ein grandioses Jahr! Ich verlasse Berlin nur sehr ungern..Einen Vorteil hat es jedoch: Ich kann jetzt dann bald wieder ruhig für die Uni arbeiten. In Berlin ist das vor lauter Ablenkung nämlich kaum möglich...

Hier noch einige Tipps:

Handy

  • eine Deutsche Handynummer ist Pflicht. Es ist sowieso viel günstiger, als in der Schweiz. Guter Anbieter: www.fonic.de

 Konto

  • die Berliner Sparkasse bietet sich für Studis an. Ist umsonst, sehr praktisch und es gibt in der ganzen Stadt verteilt zahlreiche Bankomaten

Versicherung

  • die Deutschen Universitäten verlangen einen Versicherungsnachweis. Am besten ist es, in der Schweiz für ein Jahr eine Zusatz-Auslandsversicherung abzuschliessen. Dann in Berlin damit zur AOK gehen und eine Versicherungsbefreiung einholen, diese in der Uni vorweisen

Aufenthaltsbewilligung/Anmeldung

  • ist für ERASMUS-Studenten aus der Schweiz nicht nötig. Nur erfährt man das erst auf dem Amt. Also: Auf dem Amt nur die Anmeldung vornehmen. Da es keinen Informationsaustausch zwischen der Schweiz und Deutschland gibt, muss man Berlin als Hauptwohnsitz angeben. In der Schweiz macht man das selbe. 

Vorbereitung

Die Vorbereitungen für mein Austauschjahr waren sehr unkompliziert. Ich musste lediglich zur Sprechstunde im Erasmusbüro meines Studienfachs vorbeigehen. Ein Bewerbungsschreiben war nicht nötig, nur ein kurzes persönliches Gespräch und das Ausfüllen des Bewerbungsformulars. Kurze Zeit später habe ich eine Mail von meiner Gastuniversität bekommen, dass ich als Austauschstudentin dort registriert sei.

Ankunft

Alles unproblematisch. Ein Umzug mit gemietetem Auto von Zürich nach Berlin ist zwar relativ mühsam, aber wenn man zu zweit hierher kommt und gerne seine sieben Sachen dabei hat, dann empfiehlt es sich sehr. 

Zimmersuche
Wohnen

In Berlin ist es nicht so schwierig, eine Wohnung zu finden. Will man in eine WG ziehen (was sich anbietet, da man so auch gleich Berliner kennenlernt), lohnt es sich, auf www.wg-gesucht.de zu suchen. Da ich bereits Freunde in Berlin hatte und zu zweit mit meinem Freund aus Zürich nach Berlin gezogen bin, haben wir keine WG, sondern eine Wohnung gesucht. Auch das ist ziemlich einfach: entweder man sucht sich im Internet direkt eine Wohung (immonet.de; immobilienscout24.de) und/oder man sucht sich eine Genossenschaft (zB. Gewobag). Am Besten man geht vorab mal einige Tage nach Berlin und schaut dann persönlich in der Genossenschaft vorbei. Dann weiss man auch, welche Wohnungen gerade freistehen. Nach der Besichtigung geht man zurück zur Genossenschaft und gibt seine Prioritäten ab. Meistens kann vor Ort noch eine Wohnung vermittelt werden.

Wichtig: In Berlin hat man grosse Angst vor Mietern, die nicht zahlen. Also am Besten gleich eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung vom Schweizer Vermieter einholen, zusätzlich auf der Gemeinde einen Betreibungsregisterauszug ausstellen lassen. Wenn man von den Eltern finanziell unterstützt wird, das aufschreiben und von den Eltern unterschreiben lassen.

Universität

Eigentlich wollte ich von Anfang an an die Humboldt Universität Berlin, wurde aus Platzgründen jedoch der Freien Universität Berlin zugeteilt. Als Austauschstudentin lässt es sich jedoch mit ein wenig organisatorischem Aufwand und viel Freundlichkeit problemlos erreichen, dass man auch in den Genuss der anderen Berliner Universitäten kommen kann. 

 Mein erstes Semester habe ich fast ausschliesslich an meiner Gastuniversität FU verbracht, da ich aber über eine Stunde Weg zur Uni hatte, war das gerade im Winter bei -20°C ziemlich unbefriedigend. Die Lehrveranstaltungen sind aber ausserordentlich gut und die Betreuung der Austauschstudenten ist an der FU deutlich besser als an der HU! Die FU liegt ziemlich ausserhalb, was für solche, die eine ruhige Lernatmosphäre brauchen, sicher von Vorteil ist.

 Mir persönlich hat die Humboldt Universität besser gefallen.Sie liegt an der Friedrichstrasse und somit im Herzen der Stadt. Die Stärke der HU ist, dass die Geisteswissenschaften sehr interdisziplinär sind - man erwirbt einen Grundstock an geisteswissenschaftlichem Wissen und kann sich somit auch mit Studenten der anderen Studienrichtungen (Geschichte, Sozialwissenschaften, Philosophie etc.) spannende thematische Unterhaltungen führen. Auch hatte ich den Eindruck, dass man an der HU leichter Leute kennenlernt und wiedertrifft - der Campus ist ziemlich konzentriert und so läuft man sich oft über den Weg. 

Leben/Freizeit

Gerade als AustauschstudentIn aus dem deutschen Sprachraum fällt einem die Integration ins Berliner Leben leichter als anderen Erasmus-Studenten. Trotzdem finde ich, sollte man sich aktiv bemühen, dass man seine Zeit nicht nur mit Austauschstudenten zubringt, sondern vor allem mit Berliner Studenten. Das garantiert ein authentisches Berliner Freizeitleben.  

In Berlin gibt es endlos viele kulturelle Angebote. Absolut zu empfehlen sind die Theater, wovon es auch wirklich genug gibt: das Deutsche Theater, das Berliner Ensemble, die Schaubühne, das Maxim Gorki... bei Studentenpreisen von 8 Euro sollte man das Angebot voll ausschöpfen...

Was das Studentenleben betrifft, so sollte man sich die Berliner Homeparties nicht entgehen lassen. Die sind meist hoffnungslos überlaufen und die meisten Leute kennen nicht mal den Gastgeber. Morgens um 3 kommt dann meistens die Polizei mit der ersten Verwarnung, aber das hält die Gäste meist nicht auf. Auf die Idee zu fragen, ob man jemanden an die Party mitnehmen darf, kommt in Berlin niemand.

Die meisten Berliner kommen radikal zu spät. Das sollte man als SchweizerIn nicht persönlich nehmen, sondern sich den kulturellen Gegebenheiten anpassen. Auch ist man hier nicht so verbindlich, dafür sehr spontan und sehr herzlich und gar nicht nachtragend. Den Tag vor 10 Uhr zu beginnen, ist eher ungewöhnlich. Dafür verschiebt sich der ganze Tagesrhythmus und man erreicht die meisten Leute auch nach Mitternacht noch problemlos.