Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

09/10 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Musikwissenschaften (7760)

Gesamteindruck

Der Gesamteindruck meines Erasmus-Jahres in Berlin ist nur positiv und ich würde jedem Studenten empfehlen, ein solches Jahr zu machen!

 Erstens war es für mich fachlich sehr bereichernd. Da das musikwissenschafltiche Institut in Zürich mit zwei Lehrstühlen relativ klein ist, konnte ich vor allem in der Musikwissenschaft sehr profitieren, da in Berlin auch je ein Lehrstuhl zu Populäre Musik und Musiksoziologie besetzt sind. So bekam ich einen völlig neuen Blick auf mein Studienfach und lernte neue Herangehensweisen kennen. Das Lehrangebot des germanistischen Institutes unterscheidet sich nicht gross von demjenigen in Zürich, deshalb habe ich nur drei Seminare besucht. Die waren allerdings alle sehr interessant und die Dozenten sehr gut.

Zweitens hat es mir gefallen, mal in einer richtigen Grossstadt zu leben und dazu noch in Berlin. In Berlin ist immer viel los, egal ob man sich für Kunst interessiert oder einfach nur richtig feiern will, Berlin bietet für jeden etwas. Jedes Quartier ist auf seine Art vielfältig und unvergleichlich. Ich selbst habe im Prenzlauerberg gewohnt, aber nahe an der Grenze zu Friedrichshain. Diese Lage war optimal für mich, da sowohl die Uni und Mitte, wie auch die Ausgehviertel Kreuzberg und Freidrichshain gut zu erreichen waren. Der einzige Nachteil war für mich, dass ich keine neue Sprache lernen konnte. Dies hat die Stadt allerdings zehnmal wieder wett gemacht. Ausserdem konnte ich mich so besser auf das Studienfach konzentrieren.

Drittens finde ich, dass ein Jahr im Ausland einen auch persönlich weiterbringt. Man lernt viele neue Leute und dabei auch sich selbst kennen. Ich denke, dass ich in diesem Jahr selbstständiger und offener geworden bin.

 Das einzige negative Erlebnis war, dass das International Office in Berlin mit meiner Anmeldung einen Fehler gemacht hat. So habe ich erst Anfangs September die definitive Zusage bekommen und nur dank dem grossen Einsatz meiner Fachkoordinatorin und den Leuten des International Office in Zürich. Die zuständige Person in Berlin war weder telefonisch noch per Mail zu erreichen, was sehr mühsam war.

Vorbereitung

Ich habe in der Schweiz nicht viele Vorbereitungen getroffen. Ich bin vorher zweimal nach Berlin gefahren, um eine WG zu suchen und mich an der Universität einzuschreiben (das muss man persönlich machen). Da ich wegen eine Fehlers des International Office in Berlin erst Anfangs September die definitive Zusage erhielt, hatte ich ziemlichen Stress, vor allem mit der WG-Suche, doch hat dies mit viel Glück dann doch noch geklappt. Weitere Vorbereitungen habe ich nicht getroffen.

Ankunft

Die Ankunft in Berlin ist bei mir problemlos verlaufen. Ich bin das Wochenende vor Studienbeginn mit dem Auto nach Berlin gefahren und konnte in mein Zimmer einziehen. An der Uni musste ich einiges Organisatorisches wie Learning Agreement erledigen, konnte mich dann aber bald auf die Vorlesungen und Seminare konzentrieren.

Zimmersuche
Wohnen

Bei der Zimmersuche in Berlin hatte ich keine Schwierigkeiten, dazu muss man aber auch sagen, dass ich grosses Glück hatte. Ich ging erst Ende September nach Berlin, um mich nach einer Wohnung oder einem Zimmer umzusehen und bis Ende September musste ich mich auch immatrikulieren und dazu benötigte man eine Wohnsitzbestätigung. Deshalb würde ich den Erasmus-Studenten empfehlen, sich spätestens Ende August mal umzusehen. Doch zum Glück wurde ich bei der ersten WG, die ich besichtigte, auch gleich genommen. Ende September ist halt auch kurz vor Studienbeginn und deshalb sind viele Leute auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Das Leben in der WG, meine Mitbewohner und die Wohnung selbst haben mir auch sehr gut gefallen. Die Wohnung selbst war billig, ich hatte ein wunderschönes grosses Zimmer und dazu noch in Uni-Nähe. Meine Mitbewohner waren beide Deutsche, allerdings keine Berliner (die findet man ohnehin nur selten). Doch der eine wohnte schon seit 8 Jahren in dieser Wohnung und konnte mir am Anfang deshalb auch bei vielen Fragen weiterhelfen.

Die WGs, die ein freies Zimmer anzubieten haben, findet man einfach und schnell im Internet. Einfach WG Zimmer Berlin bei Google eingeben und schon hat man etliche Seiten mit Angeboten.

Universität

Die Universität in Berlin hat mir im Allgemeinen gut gefallen. Ich habe nur an der Humboldt-Uni Kurse belegt und zwar am musikwissenschaftlichen und germanistischen Institut. Die sind beide gut gelegen und in der Nähe des Hauptgebäudes. Die Seminarräume waren schön und (fast) nie zu voll. Am Hauptgebäude Unter den Linden habe ich mich fast nie aufgehalten und in der Mensa habe ich selten gegessen. Das Essen ist zwar billig, aber nicht besonders gut und anders als in Zürich kann man in Berlin auch in Cafés und Restaurants ganz billig essen.

Das System der Uni fand ich allerdings sehr mühsam, da nichts elektronisch gemacht wird. Am Schluss des Semesters muss man von den Dozenten Scheine unterschreiben lassen, die dann im Sekretariat abstempeln lassen und dann alles zum Erasmus-Koordinator bringen. Dies fand ich sehr gewöhnugsbedürftig und aufwändig. Das elektronische System der Uni Zürich finde ich da wesentlich besser.

Bei den Dozenten gibt es wie überall bessere und schlechtere, doch im Allgemeinen war ich zufrieden. Alle sind auch flexibel damit umgegangen, dass ich für die Heimuniversität oft einen anderen Leistungsnachweis brauchte, als für das Seminar vorgesehen war. So konnte ich problemlos Seminararbeiten schreiben, wo eigentlich Prüfungen vorgesehen waren. Diese Flexibilität habe ich sehr geschätzt.

Leben/Freizeit

Wie bereits im Gesamteindruck erwähnt ist das Leben in Berlin fantastisch. Auch jetzt, nachdem ich 10 Monate hier verbracht habe, gäbe es noch so viel zu sehen!

Besonders gefallen haben mir die vielen Theater und Konzerte, die es hier gibt. Von der grossen Berliner Schaubühne bis zum kleinen Theater unter dem Dach gleich bei mir um die Ecke, von der grossen Philharmonie bis zum kleinen Madame Claude's in Kreuzberg, wo auch Open Mics veranstaltet werden, ist das Angebot einfach umwerfend und besonders für angehende Künstler sehr inspirierend.

Der Winter war sehr hart in Berlin, kalt und mit Unmengen Schnee, die nicht von den Gehsteigen weggeräumt werden. Doch gibt es da zum Glück viele kleine gemütliche Cafés und Bars, wo man sich wieder aufwärmen kann. Und dafür ist der Sommer umso toller! Es gibt viele Parks (Treptower Park, Görlitzer Park, Friedrichshainer Volkspark) zum chillen, Sport treiben, etc. Es gibt das Badeschiff und Seen zum baden, Märkte am Sonntag (vor allem der Mauerpark mit Karaoke ist einen Besuch wert) und vieles mehr.

Und dann sind natürlich noch die Clubs. Einmal ins Berghain ist ein Muss, und wenn man nicht zu spät da ist, muss man auch nicht so lange anstehen. Empfehlenswert ist zum Beispiel aber auch die Russendisko im Kaffee Burger oder das Watergate mit Blick auf die Spree.