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Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

08/09 SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Publizistikwissenschaft (7251)

Gesamteindruck

Berlin ist  in jeder Hinsicht ein Hammer. Im Sommersemester von April bis Juli spürt man den kreativen »Power« der Metropole ganz besonders. Der Frühling ist gemäss den Stadtbewohnern die schönste Jahreszeit in Berlin. Alle drängt es nach draussen. Die Strassencafés und Parkanlagen füllen sich. Wenn der Jasmin durftet, die Akazienbäume blühen, später dann das zartsüsse Parfum von blühenden Linden die Luft schwängert, kann man die Seele ruhig ein bisschen baumeln lassen, bei einer ausgiebigen Bootsrundfahrt auf der Spree, einem Spaziergang durch den Tiergarten und vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz.
Ich bin mit dem Nachtzug gereist mit meinem Velo im Gepäckabteil, das sich auf dem Hinweg zur interessantesten deutschen Stadt in ein Fahrrad verwandelte. Berlin sollte man unbedingt mit dem Fahrrad entdecken und erleben, am besten mit dem eigenen. Radelnderweise erreicht man bequem viele Ziele; Sehenswürdigkeiten, Museen, Galerien, Kinos und Theater. Von der Stadtmitte gelangt man in etwas mehr als einer halben Stunde problemlos zum Hauptgebäude der Freien Universität Berlin und den Instituten und Bibliotheken in Dalem, einem Villenquartier im südwestlichen Teil der Stadt. Den oft gehörten Slogan vom Berliner Rundfunk,  91.4  «Meine Musik, meine Stadt, mein Sender» kann ohne weiteres mit «Meine FU» ergänzt werden.

Vorbereitung

Um es vorwegzunehmen. Der leichte Wechsel von Uni zu Uni durch die so genannte »Vereinfachung« mit dem ECTS Punktesystem, wie es von der Bologna-Reform vorgesehen war, ist ganz so leicht dann doch nicht zu realisieren (hier ist wohl noch Handlungsbedarf angesagt, Stand Sommer 2009). Der Wurm steckt, wie so oft, im Detail. Die Verantwortlichen der Institute denken nicht in erster Linie in Punkten. Nach so genannten Wahlpflichtvorlesungen (4 Punkte), die es am IPMZ zu belegen gilt, sucht man an der FU vergebens, ebenso nach Veranstaltungen, die gemäss dem Zürcher Modell den drei Studienschwerpunkten entsprächen (18, 13 und 10 ECTS Punkte). Ich habe das »Problem« für mich so gelöst, dass ich die ersten 5 Semester im BA Modus an der Uni Zürich geschuftet habe wie eine Berserkerin und alle Pflichtteile (die drei Studienschwerpunkte inklusive) erfüllte. An der FU musste ich dann lediglich Leistungen  für die Anrechnung an das Studium generale (9 Punkte) erbringen. Diese können gemäss dem Zürcher Modell nach freier Wahl belegt werden. Den BA-Abschluss erreichte ich auch mit oder trotz des Erasmus-Aufenthalts  in 6 Semestern.

Ankunft

In einem Grossraumtaxi vom Hauptbahnhof nach Schöneberg hatte es neben den Koffern auch genügend Platz für das mitgebrachte Fahrrad. Als zweitbeste Lösung hätte ich dieses mit einer verschliessbaren Kette irgendwo an einem Pfosten befestigt, um es später, ohne Koffer, abzuholen.
   Hochbetrieb herrschte im Erasmusbüro an der Brümmerstrasse 52. Was das Administrative anbelangt, so ist der Aufwand schon sehr beachtlich, insbesondere wenn man schon beim Stichwort «Formular» eine kleine Krise hat, erscheint die bürokratisch korrekte Ordentlichkeit mehr als Dschungel. Doch die Belohnung in Form eines Semestertickets sowie zweier Benutzernamen und Passwörter für den ZEDAT-Account und die Anmeldung an den Computern der FU lässt nicht auf sich warten.

Zimmersuche
Wohnen

Im Januar habe ich mit den ersten Internet-Recherchen begonnen und insgesamt fünf Homepages gefunden, die möblierte Wohnungen für temporäre Nutzung anbieten.
Im Verlauf der Wochen sah ich mir im Internet unzählige Fotos von möblierten Wohnungen an und entwickelte dadurch ein sicheres Gespür für das Verhältnis von Preis und Leistung. Im April kurz vor der Abreise fand ich eine sehr schöne, möblierte Wohnung in Schöneberg, einem Quartier mit besonders reizendem Kiez. Über den Preis kann man übrigens verhandeln, insbesondere anfangs des Monats, wenn die Besitzer vor der Entscheidung stehen, ihre Wohnung vielleicht gar nicht vermieten zu können.

Universität

An der Habelschwerdter Allee 45 befindet sich das Hauptgebäude mit der Rost- und Silberlaube und der Bibliothek, einem architektonischen Wunderwerk. Das Institut für Publizistik an der Garystrass 55 erreicht man mit dem Fahrrad in fünf Minuten. Entsprechend der Grösse der FU ist auch die Auswahl von Modulen sehr vielfältig. So viele spannende Veranstaltungen machen die Wahl durchaus zur Qual. Ich habe einige sehr interessante, lehrreiche Module besucht und bin insgesamt ausgesprochen zufrieden mit dem Erkenntnisgewinn und der universitären Horizonterweiterung.
Innerhalb der FU gibt es übrigens mehrere Cafés und kleine Imbissstätten, die von den Studierenden selbst geführt werden: eine reizende Tradition. Das Ambiente  der Verpflegungsorte ist sehr gemütlich, die Preise für Kaffee, Kuchen und Sandwiches sind entsprechend günstig.

Leben/Freizeit

Zwei Zeitschriften »zitty« und »tip«, die alle vierzehn Tage alternierend herauskommen, geben einen guten Überblick zu den vielen interessanten kulturellen Veranstaltungen. Das Angebot — man denke bloss an die 150 Museen — bedarf einer geschickten Selektion. Pro Wochenende sollte man mindestens eine Veranstaltung besuchen. Es gibt beispielsweise hervorragende Theaterinszenierungen, welche die Theater seit Jahren im Repertoire führen. Unzählige Festivals und Veranstaltungszyklen bringen die besten Beiträge nach Berlin. Hat die Seele lange genug gebaumelt, beispielsweise am Ufer der Spree, kann sie sich durchaus noch erquicken an dem vielen Schönen, Spannenden und Inspirierenden, das Menschen gestaltet und  hervorgebracht haben.