Bilder zum Bericht

Mittagspause an der HU Berlin

Oranienstrasse, Kreuzberg

Jazz-Fest im November

Unter den Linden in der Adventszeit

Auf dem gefrorenen Mggelsee

Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

08/09 WS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Geschichte (Allgemeine) (7600)

Gesamteindruck

Ich habe hier in Berlin ein Semester mit unglaublich vielen Eindrücken verbracht, der Austausch hat sich auf jeden Fall gelohnt!
Man lernt zwar keine Fremdsprache (wobei es durchaus sinnvoll ist, etwas am eigenen Hochdeutsch zu arbeiten...), dafür kann dem Unterricht ohne Probleme gefolgt werden und man darf eine einmalige Stadt erwarten. Ich konnte zudem in fachlicher Hinsicht sehr profitieren, was ich so nicht erwartet hatte.

Vorbereitung

Die Formalitäten im Vorfeld des Aufenthalts sind gut zu bewältigen, wenn man das Infomaterial der Uni Zürich und der HU Berlin zu Rate zieht. Die HU hat auf ihrer Homepage eine sehr hilfreiche Wegleitung für internationale Studis, ausserdem bekommt man mit der Bestätigung diverse Checklisten u.ä. geschickt - wenn man sich daran orientiert, gehen auch keine Formulare, Kopien und Bestätigungen vergessen.

In Zürich wurde mir auch immer rasch persönlich von den KoordinatorInnen geholfen; in Berlin kann das unter Umständen etwas schwieriger werden: Die internationale Abteilung scheint mir aufgrund der vielen Austauschstudierenden bisweilen überlastet... In meinem Fall hat alles gut geklappt, ich weiss aus meinem nahen Umfeld aber auch von unzähligen Mails und Telefonaten nach Berlin, bis alles definitiv war. In einem solchen Fall sollte man sich einfach nicht entmutigen lassen und nachfragen.

Es empfiehlt sich ausserdem sehr, bereits einige Wochen bis Monate vor der definitiven Anreise für ein paar Tage nach Berlin zu reisen. So kann man sich ein WG-Zimmer suchen (siehe weiter unten), die Uni anschauen und die Stadt bereits etwas kennenlernen.

Ankunft

Ich bin mit dem Zug angereist - man kann so viel Gepäck mitnehmen, wie man tragen kann (für ein halbes Jahr war das kein Problem) und muss nicht zusätzlich zahlen wie per Flugzeug, man hat genügend Platz und wählt erst noch das ökologischste der möglichen Transportmittel ;-) Bucht man bei der Deutschen Bahn genügend früh online, sind die Tickets zudem sehr günstig.

Da ich mein WG-Zimmer bereits auf sicher hatte und ich von einer meiner Mitbewohnerinnen sogar abgeholt wurde, verlief die Ankunft sehr entspannt. In den folgenden Tagen hatte ich genügend Zeit, meinen Kiez kennen zu lernen sowie mir ein Prepaid-Handy und ein Bankkonto (lohnt sich aufgrund der sonst horrenden Gebühren sehr!) zu organisieren. Ausserdem ist es wichtig, sich auf dem Bürgeramt anzumelden sowie (das auch etwas später) eine Freizügigkeitsbescheinigung für SchweizerInnen auf dem Ausländeramt zu beantragen. Letzteres ist eher mühsam, vor allem wenn eigentlich gestreikt wird und die diensthabenden Beamten nervlich am Ende sind...

Die Immatrikulation an der HU verlief ziemlich problemlos, auch wenn hier nochmals einige Formulare auszufüllen sind.
Ich war etwa einen Monat vor Beginn der Lehrveranstaltungen in Berlin, was sich in meinen Augen sehr gelohnt hat. So konnte ich alle Formalitäten erledigen und kannte die Stadt bereits etwas, als dann die Uni startete.

Zimmersuche
Wohnen

Im Internet (bsp. http://www.wg-gesucht.de) lassen sich WG-Zimmer nach Stadtteilen, Einrichtung, Grösse, Preis etc. sehr komfortabel suchen. Ausserdem kann man auch selbst ein Gesuch online stellen - so habe ich mein Zimmer gefunden!
Ist der erste Kontakt hergestellt, wird man oft zu Besichtigungen eingeladen. Ich bin deshalb etwa einen Monat vor meiner Anreise nach Berlin gefahren (etwas früher wäre evtl. besser) und habe mir verschiedenste WGs angekuckt. Das ist zum einen eine spannende Tour durch Berliner Wohnzimmer, zum anderen lernt man die vielleicht zukünftigen MitbewohnerInnen und das erhoffte Zimmer bereits mal kennen. 

Der Wohnungsmarkt ist in Berlin viel lebendiger als in Zürich, die Chancen stehen dementsprechend ziemlich gut, etwas zu finden (allerdings abhängig von Ansprüchen und Jahreszeit). Ich habe mir 4 WGs angeschaut und die Suche dann abgebrochen, als ich die Zusage erhielt, hätte aber noch 4-5 weitere Zimmer auf meiner Besichtigungsliste gehabt.
Schliesslich würde ich sehr empfehlen, nicht nur auf  harte Fakten (wie Lage, Preis, Ausstattung) zu vertrauen, sondern besonders darauf, ob man sich mit den zukünftigen MitbewohnerInnen gut versteht. Das war für mich ein wichtiges Kriterium, ich habe es glücklicherweise dann auch gut getroffen und hatte so bereits die ersten Kontakte in der noch etwas fremden Stadt.

Von Zimmern in den Studentenheimen würde ich eher abraten, da fast alle sehr, sehr abgelegen sind und das Preis-Leistungsverhältnis eher schlecht ist. Für den gleichen oder gar tieferen Preis kriegt man ein gemütliches WG-Zimmer in den viel lebendigeren Stadtteilen Friedrichshain, Kreuzberg, Prenzlauer Berg oder Mitte. Da hat man dann an die Uni auch nur eine knappe halbe Stunde und ist mitten in Berlin.

Universität

Das Hauptgebäude der HU ist eine Touristenattraktion - hinter der wunderbaren Fassade und etwas weg von der prächtigen Eingangshalle bröckelt aber der Putz... Die Vorlesungssäle sind teilweise in ziemlich schlechtem Zustand (uralte und unbequeme Bänke, kaum technische Infrastruktur etc.), dennoch oder gerade deswegen hat es irgendwie Flair. In viel besserem Zustand sind das renovierte Gebäude der Sozialwissenschaften oder das Gebäude am Hegelplatz (gleich hinter dem Hauptgebäude), wo auch viele Geschichtsseminare stattfinden. Viele Naturwissenschaften (bsp. mein Nebenfach Geografie) sind in Adlershof untergebracht; ein ganz neuer, moderner Campus - allerdings ziemlich abseits im Südosten der Stadt und noch (?) ohne Mensa.

Ich hatte keinerlei Probleme, mich im Uni-Betrieb zurecht zu finden. Die Veranstaltungen (Seminare, Übungen, Vorlesungen) sind sehr ähnlich aufgebaut wie in Zürich. Zurzeit ist auch Berlin im Übergangsprozess zu Bologna, was besonders zu Beginn des Semesters zu lustigen Diskussionen über Module und Anrechnung zwischen Studis und Profs geführt hatte, wobei niemand wirklich wusste, was möglich, notwendig oder nicht praktikabel ist. Mit Erasmus-Studierenden haben die Dozierenden an der HU aber sehr viel Erfahrung und sie legen einem da keine Steine in den Weg . Als Liz-Studi hatte ich es zudem wohl noch etwas einfacher.
Das Vorlesungsverzeichnis war zumindest in diesem Semester sehr ansprechend und ich konnte viele äusserst interessante Veranstaltungen besuchen - besonders was die Geschichte des 20. Jahrhunderts angeht.

Die Bibliotheken an der Uni selbst sind oft Präsenzbibliotheken mit teilweise etwas seltsamen Öffnungszeiten (bsp. freitags ab 16h bis montags 10h geschlossen, wobei meist eine Kurzausleihe über das Wochenende möglich ist.). Empfehlenswert ist ausserdem die Hauptbibliothek der HU Berlin, gut mit Tram oder U-Bahn zu erreichen.

Die Mensa im Hauptgebäude unter den Linden ist zwar sehr günstig, vollbringt aber nicht wirklich kulinarische Höchstleistungen. Die Cafeteria im anderen Flügel ist oke, besser ist aber das etwas teurere Café im Gebäude am Hegelplatz. Hat man über Mittag etwas mehr Zeit, sollte man der neuen Mensa neben der Hauptbibliothek einen Besuch abstatten: Sehr grosse Auswahl, verschiedene Aktionen und Buffets, das Essen kann man sich modular zusammenstellen und ausserdem ists erst noch ziemlich gut!

Leben/Freizeit

Zu Beginn begibt man sich natürlich erstmal zu den obligaten Touriattraktionen. Berlin hat im Weiteren eine wirklich beeindruckende Museumswelt (Museumsinsel, Jüdisches Museum, Historisches Museum, Naturkundemuseum bsp. sind sehr empfehlenswert). Für HistorikerInnen ist Berlin natürlich sowieso eine unglaublich spannende Stadt, praktisch jeder Stein, über den man stolpert, hat etwas zu erzählen... gerade zur jüngeren Geschichte gibt es unzählige Gedenkstätten und informative Ausstellungen (NS-Zeit: Holocaust-Mahnmal mit Ort der Information, Topographie des Terrors, ehem. KZ Sachsenhausen u.a.; DDR: Gedenkstätte Berliner Mauer, ehem. Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen, spielerisches DDR-Museum; nicht empfehlenswert finde ich in diesem Zusammenhang den Touri-Hype rund um den Checkpoint Charlie).

Der Internationale Club Orbis der HU bietet verschiedenste Freizeitangebote an - habe es zwar nicht ausprobiert, aber nur Gutes darüber gehört. Empfehlen kann ich dafür das breite Angebot des Uni-Sports der HU: Ich habe mich für Beach Sport inkl. Sauna entschieden  - gerade im Winter genial und ganz nebenbei lernt man so nette Leute kennen.

Das kulturelle Angebot ist sehr breit: Theater- (besonders angetan hat es mir hier das Berliner Ensemble), Konzert- und Operntickets sind für Studis äusserst günstig, lohnt sich also sehr, da zu zuschlagen! Über zitty.de findet man ausserdem manchmal ganz unverhofft tolle Veranstaltungen in kleineren oder weniger bekannten Einrichtungen.
Wen es eher in Clubs zieht, kommt ebenfalls voll auf seine Kosten (auch hier helfen Online-Portale weiter). Für meinen Geschmack ist die Berliner Clubszene allerdings etwas gar Electro-lastig.
Fast vergessen hätte ich die vielen Kinos: Natürlich gibts auch Multiplexkinos (noch ganz nett dasjenige in der Kulturbrauerei, Prenzlauer Berg), cool sind aber v.a. die Arthouse-Kinos in der ganzen Stadt (bsp. in den Hackeschen Höfe oder das Sputnik-Kino am Südstern).

Auswärts essen ist - verglichen mit Schweizer Verhältnissen - sehr erschwinglich. Gerade in den Stadtteilen Kreuzberg und Friedrichshain finden sich einige empfehlenswerte Restaurants (Prenzlauer Berg ist eher etwas teuer, aber immer noch i.O.). Über www.qype.de lassen sich hilfreiche Kommentare von BesucherInnen lesen - so findet man sich gut in der unübersichtlichen Restaurantszene zurecht. Nach einem guten Abendessen lohnt sich der Besuch in der einen oder anderen gemütlichen Bar...
Meine Favoriten: Lemongrass (Thai, Friedrichshain), Feuer und Flamme (Fonduerestaurant bei Heimweh ;-), Friedrichshain), manngo (Vietnamesisch, Mitte), Dachkammer (Bar im Obergeschoss, Friedrichshain), kptn (Bar/Café mit Tatort am So-Abend, Friedrichshain), Yesterday (Bar mit einmaliger Einrichtung, Prenzlauer Berg), Schwarze Pumpe (Bar, Mitte), Taqueria Florian (Bar, Kreuzberg), Café Luzia (Bar, Kreuzberg)... und noch so einige mehr. In vielen kann man übrigens auch toll frühstücken.

Wem es in Berlin doch mal zu eng wird: Mit der Bahn (bsp. Schönes-Wochenende-Ticket) kommt man ziemlich billig in (Ost-)Deutschland herum. So war ich bsp. in Görlitz und Dresden sowie auf der Insel Rügen - waren zwei wunderbare Wochenenden!

Übrigens: Berlin ist auch im Winter toll! Manchmal etwas grau, doch das ist es in Zürich mindestens so oft. In solch kalten Wintern, wie der vergangene einer war, lohnt sich allerdings eine Zentralheizung (und nicht ein Kohleofen, wie ich ihn hatte)...