Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

08/09 WS + SS

Universität

BE-LIEGE01
Liège - Université de Liège

Studienfach

Rechtswissenschaft (2000)

Gesamteindruck

Von meinem Aufenthalt in Liège (Lüttich) konnte ich sowohl in persönlicher als auch in fachlicher Hinsicht extrem viel profitieren.

Liège, eine Studentenstadt, ist sehr lebendig und für einen Erasmusaufenthalt gut geeignet. Die Universität ist ziemlich anspruchsvoll, doch haben sich sowohl die einheimischen Mitstudenten als auch die Professoren und deren Assistenten oft als äusserst hilfsbereit erwiesen.

Ich durfte viele nette Leute aus der ganzen Welt kennen lernen und konnte ausserdem meine Französischkenntnisse extrem verbessern.

Anfügen möchte ich noch, dass ich sehr froh bin, ein ganzes Jahr ins Ausland gegangen zu sein. Viele haben es bereut, sich nur für ein Semester eingeschrieben zu haben. Im September beginnt das erste Semester und im Dezember ist es schon wieder fertig (abgesehen von den Prüfungen im Januar). Bleibt man nur ein Semester, so muss man schon wieder nach Hause, nachdem man sich soeben eingelebt hat. Auch in sprachlicher Hinsicht ist ein ganzes Jahr natürlich viel nützlicher.

Vorbereitung

Die Universität Liège verfügt über eine sehr übersichtliche Homepage. Darauf habe ich mich sowohl über die Vorlesungen als auch über Wohnmöglichkeiten informiert. 

Da das Learning-Agreement mit der Erasmuskoordinatorin der RWF schon vor der Abreise vereinbart wurde, ergaben sich im Ausland keinerlei Probleme mehr und der Papierkram der Gastuni hat sich dann auch einigermassen in Grenzen gehalten.

Das Studentenheim, wo ich während dem ersten Semester gewohnt habe, liess sich sehr einfach über das Internet reservieren. Eine Reservierung ca. 4 Monate im Voraus ist empfehlenswert, da das Studentenheim äusserst begehrt ist. 

Ankunft

Nach Liège bin ich mit dem Zug gereist. Dies war keine sehr gute Idee, da ich extrem viel Gepäck bei mir hatte und ca. 3 x umsteigen musste. Eine bessere und auch preislich günstigere Reisemöglichkeit wird von der Busgesellschaft Eurolines angeboten. Ca. 3x pro Woche fährt ein Bus von Zürich direkt nach Liège und umgekehrt. Das Umsteigen kann man sich somit ersparen. 

Ich bin ca. 2 1/2 Wochen vor Semesterbeginn nach Liège gereist, um die Stadt bereits etwas kennenzulernen aber auch um den französischen Intensivkurs  zu besuchen, der 2 Wochen dauerte. Dies war eine super Idee, denn dort habe ich viele andere Erasmusstudenten kennengelernt, die in der gleichen Situation waren wie ich. Persönliche Kontakte liessen sich dort extrem schnell knüpfen. Zudem hat mir dieser Kurs geholfen, meine Sprachkenntnisse sehr schnell und einfach wieder etwas aufzufrischen. 

Zimmersuche
Wohnen

Wie bereits oben erwähnt, habe ich während meinem ersten Semester im Studentenheim neben der Uni gewohnt. Dieses lässt sich rasch und unkompliziert übers Internet buchen. Der Link dazu lässt sich auf der Homepage der Universität (http://www.ulg.ac.be/cms/c_5000/accueil) finden.

Mein Zimmer im Studentenheim habe ich ca. 4 Monate im Voraus gebucht. Es ist auch möglich, ein Zimmer im Studentenheim nur für die ersten paar Wochen oder Tage zu buchen und sich während dieser Zeit eine WG für den Rest des Aufenthalts zu suchen.

Meine zweite Semesterhälfe habe ich in einer WG in der Stadt verbracht (20-30 Minuten von der Uni entfernt). Die WG war einerseits sehr viel billiger als das Studentenheim und hat mir ausserdem die Möglichkeit eingeräumt, mit 2 französischsprachigen Studentinnen zusammen zu wohnen. Das Studentenheim bietet hingegen den Vorteil, dass man immer extrem viele Leute um sich herum hat und dass es sich nur 2 Minuten zu Fuss von der Rechtsfakultät befindet. Ein grosser Nachteil des Studentenheims besteht darin, dass die nächst gelegene Einkaufsmöglichkeit (abgesehen von der Tankstelle...) 20-30 Minuten (mit dem Bus) entfernt liegt. Dies habe ich mit der Zeit als sehr mühsam empfunden. Zudem ist man ständig auf Taxis angewiesen, wenn man in den Ausgang will, da der letzte Bus schon vor Mitternacht zurückfährt...

Was die Sprache angeht, so habe ich in der WG sicher mehr Fortschritte gemacht als im Studentenheim, denn im Heim gesellt man sich automatisch mehrheitlich zu den anderen Erasmusstudenten, die oftmals auch nicht perfekt französisch sprechen. Eine WG mit französischsprechenden Mitbewohnern zu suchen, fand ich daher eine gute Idee.

Die erste Semesterhälfte im Studentenheim zu wohnen, war aber eine super Möglichkeit, um erste soziale Kontakte zu knüpfen.

Universität

Die Universität ist sehr schön und ruhig gelegen, nämlich mitten im Grünen. Es handelt sich um ein riesen Gelände, das sich dem Wald entlang zieht. Sie ist mit dem Bus innert 20-30 Minuten von der Stadt aus erreichbar.

 Die Universität war mehr oder weniger gut organisiert. Die Erasmusstelle hat sich extrem engagiert und sehr viele Treffen und Ausflüge (auf dem Velo, in Museen, Grillabende, Mittagessen etc.) organisiert. 2 Tage vor Semesterstart gabe es einen Informationstag, wo man über die Uni im Allgemeinen, über Sportmöglichkeiten, Verkehrsmittel etc. informiert wurde.

Die Vorlesungen waren herausfordernd. Oftmals werden sie von keinen Skripten begleitet, was zu Beginn das Verständnis extrem erschwert. Ich habe allerdings in jeder Vorlesung jemanden mit einem Laptop um Notizen gebeten. Einmal wurden sie mir sogar ohne zu fragen angeboten. Die Studenten waren allgemein sehr hilfsbereit und haben allfällige Fragen während dem Lernen auch gerne zum Beispiel per Email beantwortet. Natürlich muss man sich bemühen, auf die Studenten zugehen und das Gespräch suchen. Mit zwei Studentinnen hatte ich dann jeweils auch ausserhalb des Hörsaals ziemlich viel Kontakt.

Bei Prüfungen wurde oftmals überhaupt keine Rücksicht auf Erasmusstudenten genommen. Bei schriftlichen Prüfungen hatte man jeweils genau gleich viel Zeit zur Verfügung wie alle anderen Studenten. Im Europarecht wurden an der Prüfung sogar gewisse Grundkenntnisse des belgischen Rechts vorausgesetzt. Sprachliche Schwierigkeiten wurden aber selbstverständlich berücksichtigt.

Teilweise waren die Professoren aber auch entgegenkommend. Der Rechtsgeschichtsprofessor beispielsweise hat sich als äusserst flexibel erklärt und die Prüfungen (damit mir Rechtsgeschichte in Zürich angerechnet wird, musste ich in Liège 2 Prüfungen ablegen) für mich jeweils extra so gestaltet, damit sie mir in Zürich angerechnet werden können (Textinterpretation).

 Die Uni Liège verlangt von allen Erasmusstudenten der iuristischen Fakultät, dass sie sowohl Grundzüge des belgischen öffentlichen Rechts als auch die Grundlagen des belgischen Privatrechts studieren. Beide Fächer werden Ende des ersten Semesters mündlich geprüft und die Note wird auf dem Transcript of Records vermerkt. Auf die anrechenbaren Leistungen habn diese zwei Noten aber keinen Einfluss. Die Vorlesungsdauer für jedes dieser beiden Fächer betrug 3 Stunden pro Woche, wobei sich die Vorlesungen aber nicht über das ganze Semester erstreckten. Der Lernaufwand hielt sich denn auch in Grenzen. Diese Einführungen in das belgische Recht habe ich grundsätzlich spannend gefunden, unterscheidet sich letzteres doch v.a. im öffentlichen Bereich (König, Sprachregionen, Communautés etc.) extrem vom schweizerischen System. Ich habe es als einmalige Möglichkeit gesehen, dieses nicht ganz unkomplizierte Rechtssystem kennenzulernen.

 Die Universität hat zudem Abendkurse (Französischkurse) angeboten. Diese fanden 2mal pro Woche statt und waren teilweise mit recht viel Aufwand verbunden, der sich aber gelohnt hat. Der Französischkurs war ausserdem jeweils der Treffpunkt der Erasmusstudenten, um danach gemeinsam ins Ausgangsviertel weiterzuziehen.

Leben/Freizeit

Feste kommen in Liège nie zu kurz. Im Studentenausgangsviertel (Carré) ist jeder Abend etwas los. Aber auch ansonsten wimmelt es von Anlässen in der Stadt. Für jeden möglichen Grund gibt es ein Fest. Für Erasmusstudenten gibt es ausserdem praktisch jede Woche irgendwelche organisierte Treffen und Parties. 

Die Universität verfügt über ein breites Angebot an Sportaktivitäten. Diese sind allerdings in der Semestergebühr nicht einbegriffen und sind je nach Sportart nicht ganz billig. Der Eintritt ins Schwimmbad beträgt aber für ein Jahr nur 25 Euros. Dessen Einrichtung (v.a. die Tiefe!) und dessen Zustand lassen allerdings zu wünschen übrig. Viele Studenten entscheiden sich daher auch dafür, ab und zu im Wald joggen zu gehen.

 Liège ist sehr zentral gelegen. Es ist ein Verkehrsknotenpunkt und liegt nahe bei Deutschland (Aachen), Holland (Maastricht : 20 Minuten mit dem Zug) und Frankreich. Paris ist ein Katzensprung. Aber auch das Land selber bietet einiges. Unter 25jährige können für 50 Euros einen Go Pass erwerben, eine 10-Fahrtenkarte. Die Destination kann man dann selber bestimmen. Im Sommer sollte man sich einen Ausflug ans belgische Meer auf keinen Fall entgehen lassen.