Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

08/09 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Humanmedizin (4000)

Gesamteindruck

Dass Berlin eine in jeder Hinsicht mitreissende und vibrierende Stadt ist, muss an dieser Stelle wohl nicht weiter ausgeführt werden. Dass Berlin für einen Austauschstudenten jedoch auch in fachlicher Hinsicht viel zu bieten hat, durfte ich glücklicherweise nach einigen Stolpersteinen ebenfalls erfahren.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen der Kursen erfordeten eine grosse Menge Geduld. Von Seiten der Charité wird man leider nicht aktiv bei der Studienplanung unterstützt, was nach geraumer Zeit auf ein Hin und Her von Telefonaten und e-Mails hinaus läuft. Auf www.charite.de/lehre sind zwar alle angebotenen Kurse aufgeliste, viele sind jedoch nur im Packet mit anderen Kursen aus einer Gruppe buchbar oder überschneiden sich zeitlich mit anderen Kursen. Es lohnt sich also sehr möglichst früh mit dem Erasmus-Team der Charité (erasmus@charite.de), das aus Medizinstudenten aus unterschiedlichen Semestern besteht, in Kontakt zu treten. Das Erasmus-Team ist übrigens eine grosse Hilfe auch bezüglich der Organisation von Famulaturen. 

Ankunft

Die Ankunft war ein wahrer Kraftakt, da ich mit dem Zug nach Berlin gefahren bin um drei dicke Koffer mitnehmen zu können. Ich habe einen ganzen haufen Bücher mitgezügelt, was sich im Nachhinein als unnötig heraus gestellt hat, da Berlins Bibliotheken jedes Buch so ungefähr in 30-facher Ausgabe haben und für bis zu einem halben Jahr verleihen!

Zimmersuche
Wohnen

Die Wohnungssuche war ein tolles Unterfangen. Ich war kurz vor Beginn des Erasmus-Aufenthalts für eine Woche in Berlin um mir so viele Wohungen wie möglich anzuschauen. Die Eindrücke die man dabei gewinnt sind unbezahlbar. Ein sehr gelungener Einblick in das wirre und verrückte Stadtleben Berlins. Gewohnt habe ich schliesslich in einer WG in Kreuzberg. Dies ist zwar nicht unmittelbar bei der Uni, was ich jedoch nur als Vorteil empfand. Für ein ca. 28qm Zimmer mit Balkon habe ich 315 Euro bezahlt. Das ist für berliner Verhältnisse sehr viel, aber die Wohnung war es wert. Es ist von Vorteil, wenn man sich auch die Heizmöglichkeiten genauer unter die Lupe nimmt. Ich musst mit Holz und Kohle heizen, was hier gar nicht so selten ist. Im Winter bedeutet die zwar ein tolles Kaminfeuer jeden Abend, aber auch gefrorene Orangen in der Küche und jeden Morgen ein Aufwachen  mit eiskalter Nase..

Da Berlin eine absolute Fahrradstadt ist, sollte man sich übrigens so schnell wie möglich ein Fahrrad zulegen, auf dem Flohmarkt oder z.B. über berlin.de.craigslist.org. Mit dem Semesterausweis, der auch als Fahrkarte fungiert, kann man sein Fahrrad übrigens kostenlos in S- und U-Bahn mitführen.

Universität

Nachdem das erste Wintersemester einen etwas schalen Nachgeschmack hinterliess – die Kurse waren mit wenigen Ausnahmen (Neurologie und Psychiatrie) leider als eher mangelhaft einzustufen, die Vorlesungen ebenso (von den o.g. Ausnahmen abgesehen) kaum einen Besuch wert (was auch sich auch in der spärlichen Präsenz der berliner Studenten im Vorlesungssaal widerspiegelt) – liess mich das Sommersemester diesen eher entmutigenden Start beinahe über Nacht vergessen.
Statt an den Kursen und Vorlesungen der Charité teilzunehmen, habe ich im Sommersemester nur noch famuliert. Eine Famulatur entspricht einem Praktikum in unserem Wahlstudienjahr. Zurück von den Prüfungen in Zürich (die einem das Studium in Berlin etwas zu einem Fernstudium mutieren liessen), begann ich also mit einer einmonatigen Famulatur auf der Notfallstation Innere Medizin, anschliessend famulierte ich in der ORL, Dermatologie, Ophthalmologie, Hämatologie und Onkologie. Diese Famulaturen konnte ich alle frei wählen, d.h. sowohl bezüglich Ort als auch Zeitpunkt und Dauer der Famulatur. Auf www.famulaturranking.de und www.pj-ranking.de kann man sich über einige Stellen im Vorfeld informieren.
Das Sommersemester war nun eine grosse Bereicherung. So unmittelbar direkt wie man die Berliner kennt, so fand man sich auch in diesen Famulaturen in media res. Bereits am zweiten Arbeitstag konnte ich Patienten auf der Notaufnahme selbstständig im Untersuchungsraum sehen. Bei sich wohl eher früher als später unvermeidbar aufdrängenden Fragen und Unsicherheiten standen einem sowohl PJ-ler (Praktikanten im deutschen Wahlstudienjahr = praktisches Jahr PJ) als auch eine Menge sehr sympathischer Assistenzärzte und Oberärzte zur Seite. Da eine Entlöhnung entfällt, ist man auch nicht an fixe Zeiten gebunden, d.h. falls nachmittags nichts mehr los sein sollte, darf man auch mal getrost vorzeitig gehen.
Die Krankenhäuser bieten auch zweimal wöchentlich absolut sehenswerte Vorlesungsreihen an, die speziell für praktizierende Studenten konzipiert sind. Jeweils mittwochs (Differentialdiagnose-Vorlesung) und donnerstags (EKG-Vorlesung) Abend in der Charité Benjamin Franklin (Plakate hängen jeweils vor der Bibliothek aus) ca. um 19 Uhr.

Leben/Freizeit

Unschlagbar!

Am Wochenende unbedingt in einem der zahlreichen Seen um Berlin baden gehen, Flohmärkte besuchen (z.B. Mauerpark), Frühstücken in der Oranienstrasse.

Für den Abend empfehle ich den Club der Visionäre und gleich gegenüber den Freischwimmer, das Berghain, den Monarchen, das Hotel, Electro-Parties im Görlitzerpark, Maria am Ostbahnhof und unbedingt einmal ins Golden Gate.

Für Studenten lohnt es sich auch gleich zu Beginn die Classic Card für 30 Euro zu kaufen, damit kann man eine Stunde vor Vorstellungsbeginn für nur 10 Euro in die Oper, ins Theater (besonders gut: Berliner Ensemble) und die Philharmonie (ohne Classiccard ist die Abendkasse erst später geöffnet).

Als allgemeiner Anhaltspunkt empfiehlt sich: berlin.unlike.net.

Aussergewöhnlich ist in Berlin das private Engagement zahlreicher WGs, die wöchtentliche Konzerte und Filmreihen bei sich zu hause veranstalten.