Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

08/09 SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft (7360)

Gesamteindruck

 Verliebt in Berlin

Auch wenn meine Zeit in Berlin noch nicht ganz um ist: Berlin ist einfach geil! Wenn du kannst, geh hin und freu dich an einer einmaligen Stadt. Aber wenn du nur ein Semester gehst, dann musst du unbedingt darauf acht geben, dass du im Sommersemester hier bist, weil Berlin im Winter echt deprimierend sein kann. Im Sommer aber strotzt es nur so vor Leben.

Mit meinem Aufenthalt bin ich rundum zufrieden. Ich habe hier tolle Leute kennengelernt, super WG-Mitbewohnerinnen und wohne an bester Lage. Dass alles so gut läuft, braucht bestimmt auch ein bisschen Glück, aber du kannst auch viel zu deinem eigenen Glück hier beitragen, indem du einige Punkte beachtest.

Und noch eins ist für uns Schweizer genial: Berlin ist echt billig. Einen Döner kriegst du für 2.50, die Pizza für 3 Euro. Die besten Plätze in den Theatern sind für Studenten zwischen 7-10 Euro, der Eintritt in den Club kostet - wenn überhaupt - 3-5 Euro. Und wenn du am richtigen Ort aus bist, kriegst du dein Bier für 1.50 und den Cocktail für 3.50. Ach ja, nur die Mensa ist echt teuer: das Menü kostet 1.30.

Vorbereitung

Eigentlich kein Problem

Ich weiss nicht mehr genau, wie das mit der Vorbereitung war. Aber die HU wird dir auf jeden Fall eine Checkliste schicken, die du dann kontinuierlich abhaken kannst. Dann sollte eigentlich nichts schiefgehen. 

Was noch praktisch ist, wenn man sich ein deutsches Bankkonto zutut. Die DKB  (eine Onlinebank) bietet eine kostenloses Konto inklusive Kredit- und EC-Karte, mit denen du an allen Automaten umsonst Geld beziehen kannst. Normalerweise sind hier die Gebühren für Bezüge an Fremdbanken horrend hoch (so ca. 7-10 Euro pro Bezug). Die Kontoeröffnung würde ich dann gleich nach Ankunft in Angriff nehmen, dann wirst du ca. 14 Tage später dein Konto nutzen können.

Ankunft

 Viel Papier

Die Ankunft hat sich eher ein bisschen hektisch gestaltet. Mir war nicht klar, dass ich bei der Immatrikulation schon meine Wohnsitzbescheinigung mitzubringen habe. Eher durch Zufall habe ich mich am Morgen des Immatrikulationstages beim Bürgeramt angemeldet. Wenn Du alle nötigen Dokumente dann zur Immatrikulation mitbringst, übernimmt an der HU der Visa-Service deinen Gang zu den Meldebehörden (wenn du an der FU studierst, muss du dies selbst tun). Einige Tage später kannst du dann den Pass und deine Aufenthaltsbewilligung dort wieder abholen.

Ich bin nur erst ein Tag vor der Immatrikulation angekommen. Es würde sich wohl lohnen, schon einige Tage vorher dazusein, um in aller Ruhe all die administrativen Aufgaben vor der Immatrikulation zu erledigen.

Kleiner Tipp: Um beim Bürgeramt nicht lange anzustehen, schau genügend früh online nach und vereinbare einen persönlichen Termin.  Je nach Stadtteil kannst du dich online oder per Telefon anmelden. Infos zu den einzelnen Bürgerämtern findet ihr hier:  http://www.buergeramt.info/berlin.htm. Damit erspart ihr euch das mühsame Warten in den übervollen Warteräumen.

Einige Bürgerämter verlangen den Mietvertrag als Nachweis für die Wohnsitzbestätigung. Bei mir in F'hain wars allerdings nicht nötig.

Zimmersuche
Wohnen

Stadt der WGs

Der bequemste Weg von zuhause aus nach einer Wohnung zu sehen sind die beiden Onlinewohnbörsen studenten-wg.de und wg-gesucht.de. Zu früh da rein zu schauen lohnt sich nicht unbedingt, weil die Angebote oft erst kurz vorher ins Netz gestellt werden.

Was sich auf jeden Fall lohnt, ist ein Besuch vor Ort. Ich bin (ca. 3 Wochen vor meiner Ankunft) dafür für zwei Tage nach Berlin gereist und habe mir 11 WGs angeschaut. Vor Ort kann man sich zudem die Wohnungsinserate in den Zeitungen ansehen. Das kann auch nützlich sein, da es oft andere Angebote sind als diejenigen online.

Zieh undbedingt in eine WG hier, wenn dir das nicht gänzlich widerstrebt. In einer WG hast du  -meines Erachtens - nur Vorteile. So kannst du dir dein neues Wohnumgebung selbst auswählen und auch in ganz lebendige Gegenden ziehen, während die Wohnheime oft ein bisschen ausserhalb sind. Ich habe in Friedrichshain gewohnt. Der Bezirk (insbesondere rund um den Boxhagenerplatz im Simon-Dach-Kiez oder in der Nähe der Samariterstrasse oder des Ostbahnhofs) ist einfach super.

Er bietet gute Einkaufsmögichkeiten und viele Bars und Clubs sind nicht weit. Verkehrstechnisch ist das Gebiet durch die U5 (direkt zum Alex) oder die S-Bahnen ab Ostkreuz oder S-Bhf. Warschauer-Strasse und der M10 (Tram mit 24-h Betrieb) in der Nähe super erschlossen.

Ich würde es nicht missen wollen, hier in eine WG gezogen zu sein. Vielleicht gibt das ein bisschen mehr Aufwand als ein Zimmer im Wohnheim, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Meistens sind es deine MitbewohnerInnen, die dich mit Berlin und neuen netten Leuten von hier bekannt machen. 

Universität

 Die HU ist die enzig wahre!

 Ich wusste schon von Beginn weg, dass ich an die HU möchte. Und zwar nicht nur, weil sie mitten in der Stadt liegt unweit von allen wichtigen Sehenswürdigkeiten und historischen Gebäuden, Museen, Theater etc., sondern vor allem weil es die ehrwürdigste und geschichtsrächtigste der Berliner Unis ist. Klar, sie ist infrastrukturell in einem maroden Zustand und bei den aktuellen Uni-Rankings in Deutschland grassiert sich nicht mehr an aller vorderster Front (auch wenn sie sich 2009 sehr gut geschlagen und unter die Top-Unis eingereiht hat). Mit 40 Kommilitonen bei 30 Grad in einem Raum zu sitzen (bzw. sogar ausserhalb des Raumes) der etwa 20 Quadratmeter gross ist, nenn auch ich keinen Spass und wenn die Holztischchen der Bänke so steil sind, dass jeder Block Papier und jeder Stift runterfallen muss, wenn in jeder zweiten Vorlesung der Beamer (wenn denn einer da ist) nicht funktioniert, dann unterstütze auch ich die Forderung des diesjährigen Bildungsstreiks nach mehr Geld für die deutschen Unis

Aber das ist alles kein Hinderungsgrund. Es ist nämlich einfach einmalig mitten in Berlin studieren zu können, nicht weit zur Uni fahren zu müssen (an die FU  hat man alleine vom Alex mit der U-Bahn ca. 50min) und nach der Uni schnell zu hause oder in der nächsten Bar zu sitzen. Da lohnt es sich auch schon mal nur für zwei Lektionen zur Uni zu fahren.

Da ich bezüglich der Qualität der Lehre mit sehr geringen Erwartungen nach Berlin kam,  war ich sehr positiv überrascht von der Lehre. Die Seminare sind zwar sehr voll, aber ich konnte überall teilnehmen, wo ich wollte, und die Dozenten sind im Grossen und Ganzen sehr gut. Für die Neue deutsche Literatur ist Prof. Osterkamp und für die Neuste Geschichte Prof. Wildt sehr zu empfehlen. Das Lehrangebot fand ich in diesem Semester insbesondere in Geschichte wirklich vielfältig und spannend.

Falls du Lust auf Unisport hast, solltest du dich früh genug darum kümmern, da die Plätze sehr beschränkt sind. 

Leben/Freizeit

Reizüberflutung

Da lässt sich nicht viel sagen, ausser das Berlin eine einmalig lebendige Grosstadt ist, in der du sowohl kulturell, wie auch partymässig oder historisch auf deine Rechnung kommen wirst. Kulturell gibt es von den grossen Theatern, Opern, Museen bis zu vielen Minitheatern und absurdesten Performances alles, was das Herz begehrt.

Was Parties und Konzerte anbetrifft, hast du die Wahl zwischen riesigen Hallen und kleinen Räuberhöhlen, in denen du von afrikanischer Bongomusik bis zum Berliner Punk alles hören und zu allem tanzen kannst. Ausgegangen wird grundsätzlich nicht vor 1 Uhr, aber dann dafür bis spät morgens.

Wer sich für Geschichte interessiert, der ist sowieso überfordert in diesem Schmelztiegel der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Vom Stasihauptquartier mit James-Bond-Utensilien über eine Führung durch einen Nazi-Bunker bis hin zum Trabi im DDR-Museum gibt es hier eine Vielzahl an weniger bekannten Sehenswürdigkeiten.

Und noch eins: Geht im Sommersemester! Unbedingt! Im Frühling taut nämlich Berlin erst aus dem Dornröschenschlaf auf und zeigt seine Schönheit. Im Winter sind alle mies drauf, das Wetter ist beschissen kalt, es ist windig und die Leute verkriechen sich in ihren Rattenlöchern. Kurz, es herrscht kollektive Depression. Im Sommer ist Berlin jedoch das pure Gegenteil, die Menschen sind draussen in den Parks, grillen, sonnen sich an der Spree und sind einfach gut und locker drauf. Erst seit ich hier bin verstehe ich die Zeilen von Seeed über das dicke B:  im Sommer tust du gut und im Winter tut's weh.