Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

07/08 SS

Universität

BE-BRUXEL04
Bruxelles - Université Libre de Bruxelles

Studienfach

Ethnologie (7721)

Gesamteindruck

Das ERASMUS-Austausch-Semester war für mich eine sehr bereichernde Erfahrung. Sowohl für mein Studium, als auch persönlich. Ich lernte andere Arten von Unterricht kennen und damit auch vieles an der Uni Zürich zu schätzen=) Ich denke es ist wichtig, verschiedene Unterrichtsstile und auch Schulen der Ethnologie kennen zu lernen, um die eigene nicht als selbstverständlich und alleinig zu verstehen.

Auch kommt man mit vielen Leuten aus der ganzen Welt in Kontakt, was extrem bereichernd, und auch aus ethnologischer Sicht sehr interessant ist. 

Vorbereitung

Da ich kurz vor meiner Abreise nach Belgien noch eine Prüfung hatte, hatte ich nicht allzu viel Zeit mich auf mein Austauschsemester vorzubereiten. Da ich das learning Agreement jedoch schon mal provisorisch ausfüllen musste, lernte ich die Homepage der ULB schon ein wenig kennen. Dies war sicher gut, jedoch war mein Vorlesungsprogramm schlussendlich ein komplett anderes. Dies weil mir noch nicht klar war welche Kurse nur im 1. bzw. 2. Semester angeboten werden, und welche überhaupt für Erasmus-Studenten offen sind etc. Da wir aber in Brüssel drei Wochen Zeit bekamen um unsere Kurse zusammen zu stellen, war dies kein Problem.

Allgemein wird man von Seiten der ULB im Voraus sehr gut informiert über die Stadt und allgemeine administrative Dinge die zu erledigen sind. 

Ankunft

Ich kam einen Tag vor der offiziellen Einführung an der ULB in Brüssel an. Da war ich zuerst noch in einer Jugendherberge (Jaucques Brel -> zu empfehlen) bevor ich mein Appartement, welches zu diesem Zeitpunkt noch in Renovation war, beziehen konnte. Da Brüssel nicht allzu gross ist, fanden wir uns bald zurecht und es war auch kein Problem die Universität zu finden. Gut ist es sicher, sich bald mal um ein Bus/Tram-Abonnement zu kümmern. Falls man jeweils ein Monats-Abonnement lösen möchte, sollte man dies am Anfang des Monats tun, da es nicht für 30 Tage, sondern für den aktuellen Monat gültig ist. 

Zimmersuche
Wohnen

Da ich vor meinem Aufenthalt in Brüssel sehr beschäftigt war und mich nicht lange mit Wohnungssuche beschäftigen wollte, meldete ich mich pünktlich für ein Zimmer in einem Studentenwohnheim an. Ich bekam auch bald die Zusage für ein solches Zimmer. Ende Dezember jedoch (Abreise war im Januar), bekam ich die Nachricht, dass ein Fehler unterlaufen sei und ich trotzdem selbst nach einer Wohngelegenheit suchen müsse. Das Sekretariat der ULB in Brüssel half mir aber extrem dabei. Ich bekam sehr viele Inserate von Wohnungen und fand nach einem Adressaustausch mit andern die sich in der selben Situation befanden wie ich, nach einigem suchen eine super Wohnung mit 4 weiteren Studentinnen.

Auch falls man im Voraus noch keine Wohnung finden kann, sollte man sich nicht beunruhigen. Es gab sehr viele, die in den ersten Tagen in einer Jugendherberge wohnten und von dort aus ein Zimmer fanden. Klar ist es besser wenn man schon vor der Ankunft ein Zimmer hat, da es sehr mühsam ist und man unter einem grossen Druck steht, wenn man die ersten Tage mit Wohnungssuche verbringen muss. Dafür kann man die Zimmer aber besichtigen und schliesst nicht einen Vertrag ab für ein Zimmer, dass einem schlussendlich nicht gefällt. 

Universität

Das erste was mir an der ULB auffiel ist, dass sie sich sehr persönlich und gut um die Austauschstudenten kümmern. Bald wusste die ERASMUS-Koordinatorin unsere Namen auswendig und von vielen auch die Wohnsituation etc. Sie sind sich auch sehr gewohnt an Austauschstudenten, da ca 1/3 aller Studierenden nicht Belgier sind. Dies gibt eine sehr internationale Atmosphäre.

Die Universität hat aber auch einige Kritikpunkte. Beispielsweise war die Vorlesungswahl für mich nicht sehr einfach. Einige Kurse die ich besuchen wollte begannen erst nach der dritten Woche, das heisst, nachdem man sich schon definitiv für die Vorlesungen eingeschrieben haben muss. So war ich für 2 Vorlesungen eingeschrieben die ich schlussendlich doch nicht machen konnte, da der eine inoffiziell doch zwei-semestrig war, und der andere für mich auf Französisch ein zu hohes Niveau hatte. 

Oft waren die ProfessorInnen zu spät, was mir jedoch zu Gute kam, da auch ich nicht Pünktlichkeit in Person bin. Nun das Niveau der Vorlesungen hängt extrem von dem Professor ab. Einige verlangen sehr viel, auch was den Leistungsnachweis betrifft, andere viel weniger. Man kann hier sehr wenig generelles dazu sagen, da die jeweiligen Professoren ziemlich freie Hand haben in dem was sie tun. Überrascht hat mich auch, dass in einem Kurs über Anthropologie amazonienne immer wieder von den Stämmen im Amazonas Gebiet gesprochen wurde, ohne genau die Unterschiede zwischen der verschiedenen Gruppen mit einzubeziehen oder auf den Einfluss der Zivilisation einzugehen. Der Unterrichtsstil war immer in Form von Vorlesungen, wobei man selten dazu kommt, etwas öffentlich kritisch zu hinterfragen.

Mit dem Französisch war es Anfangs für mich noch recht schwierig. Gleichzeitig zuzuhören und Notizen zu machen bereitete mir Mühe. Durch den Sprach-Kurs und das alltägliche Leben verbesserte sich aber mein Französisch bald und damit auch meine Lernfähigkeit in den Vorlesungen.

Was mir sehr gefiel ist, dass ich auch Vorlesungen von anderen Studienrichtungen besuchen konnte. So machte ich einige Vorlesungen der Politikwissenschaft, die mir zwar nicht angerechnet werden können (da ich zu spät realisierte dass evt. auch für das Nebenfach einige Kurse belegt werden könnten), aber trotzdem sehr bereichernd waren. 

Leben/Freizeit

Die Freizeit ist natürlich eine wichtige Komponente des Erasmus-Lebens. Es gab von der Universität aus eine studentische Organisation, EXPRESS, die in den ersten Wochen immer wieder verschiedene Aktivitäten organisierte. Dies erleichterte das kennen Lernen mit den andern Austauschstudenten. Da die meisten keine fixen Termine haben wie Sport oder sonstige Vereine, hat man auch Zeit, sich wirklich auf die andern einzulassen und Dinge zu unternehmen. Ohne dies wäre Erasmus nicht das selbe. Diese Kontakte sind natürlich auch sehr wichtig für die Sprache welche ja in den meisten Fällen verbessert werden will. Hier achtete ich ein wenig darauf, dass ich nicht die meiste Zeit mit Eidgenossen verbrachte, was aber für die Schweizer nicht sehr schwer ist, da es sehr wenige hatte! Weiter gibt es von der Uni aus ein breites Angebot an Sport, welches ich vor Allem in den ersten Monaten rege nutzte.

Brüssel ist eine ideale Stadt für ERASMUS. Es ist nicht zu gross, alle wohnen mehr oder weniger in der gleichen Umgebung und es hat viele Ausgangsmöglichkeiten. Die Stadt allgemein gefiel mir sehr gut und auch hat es ausserhalb von Brüssel viele schöne und sehenswerte Dörfer die gut zu erreichen sind. Praktisch zu wissen ist, dass es den go-pass gibt, den es erlaubt im ganzen Land für 4.5 Euro den Zug zu nehmen (beim Grare Central nachfragen).