Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

07/08 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Philosophie (7160)

Gesamteindruck

Das Jahr an einer anderen Universität hilft:

-um Abstand zum gewohnten Umfeld zu gewinnen,

-wieder schätzen zu lernen, was dieses Umfeld ausmacht

-sich selbst in neuen Situationen erleben und

-durch Konfrontation zu wachsen oder sich selbst Grenzen einzugestehen.

Mein Jahr in Berlin war ein schönes Jahr, auch wenn, oder gerade weil es nicht ohne Hindernisse von statten ging.

Vorbereitung

Ich habe mich relativ früh entschieden, ein Jahr im Ausland zu verbringen. In meiner Entscheidung für die Uni hat auch ein Geldfaktor mitgespielt. Ich habe mich nach den Mieten in den Städten erkundigt, die in Frage kamen. Berlin ist sehr preiswert, aber man kann durchaus auch die Preise bezahlen, die man aus der Schweiz gewohnt ist. Die Frage ist nur, welchen Anspruch man stellt.

Ankunft

Ich bin einen Monat vor Semesterbeginn angereist. Ich hatte über Internet ein Zimmer in einer Wg für 10 Tage zur Zwischenmiete gefunden, um vor Ort zu suchen. Das hat dann auch relativ schnell geklappt. Wir haben dann erstmal angefangen zu renovieren, was für die Wohngemeinschaft - 5 Leute - ein sehr guter Anfang war.

Die ganzen bürokratischen Angelegenheiten sind anstrengender. Lange Wartezeiten, unklare Anforderungen etc. Über die Homepage der HU findet man einen Wegweiser für ausländische Studierende, der zwar nicht umfassend alle Informationen liefert, aber die richtigen Fragen aufwirft, indem er die Themen anspricht.

Zimmersuche
Wohnen

Die wichtigste Homepage ist wohl www.wg-gesucht.de

Ich habe da alle Wohnungen gefunden, die ich mir angeschaut habe (übrigens ein lustiges Unternehmen, man sieht in viele Studentenwohnungen und kann sich so auch ein Bild darüber machen, wie man wohnen möchte) und da auch den Zwischenmieter gefunden, der mein Zimmer bewohnt hat, als ich nicht in der Stadt war. Ich denke, es lohnt sich, doch ein wenig mehr Zeit für die Zimmersuche aufzuwenden, da man eine Weile da wohnen wird und es - meines Erachtens - wichtig ist,  gerade in einer so grossen Stadt, einen Fixpunkt in der Wohnung selbst und in den Mitbewohnern zu haben. Der Vorteil von 4 Mitbewohnern - neben den Nachteilen von riesigen Geschirrbergen und besetzten Waschmaschinen - ist, dass man fast nie allein ist und zudem über eine reiche Quelle an Informationen über die Stadt verfügt.

Universität

Ich habe im Wintersemester Kurse an der TU und der FU besucht, was zwar bedeutet, dass man viel Zeit in den U-Bahnen verbringt, aber die Stadt ist im Winter so dunkel, da merkt man das gar nicht. Zudem erweitert es das Angebot um ein 3-faches. Ich habe gute Erfahrungen mit den Kursen, v.a. an der TU gemacht. Ich habe mich dann auch um Nebenhörerscheine bemüht, was wiederum ein Behördenlauf ist. Ich bin aber nicht ganz sicher, ob ich die überhaupt gebraucht hätte (das stellt sich dann bei der Anerkennung in Zürich heraus). Wobei ich bei meinem Kritikpunkt angelangt bin. Die ganze Frage um die Anerkennung meiner Leistungen ist eine reine Zitterpartie. Das hat mehrere Gründe: Ich habe kurz vor Umstellung auf Bologna angefangen zu studieren, habe meinen Austausch zu der Zeit der Umstellung auf Herbst- und Frühlingssemester gemacht, so dass mein Semester gut eineinhalb Monate später endet als in Zürich, Berlin auch in dieser Umstellungsphase auf Bologna steckt, und alle mit den unterschiedlichen Bestimmungen zu kämpfen haben. Ebenso bestehen Unklarheiten mit den Bezeichnungen der zu erbringenden Leistungen und welche Entsprechungen diese dann in Zürich haben. Die Anerkennung läuft über die einzelnen Institute, d.h. alle haben andere Anforderungen, und das gleiche natürlich aus an der Gastuni.  Bei der Immatrikulation wurde ich mal so 2 Semester zurückgestuft, weil das mit der Umstellung nicht vereinbar ist. Ich konnte nur mein Haupt- und 1. Nebenfach studieren, ich weiss aber ehrlich gesagt auch nicht so genau weshalb.  

Obwohl ich schon zig Mails an alle möglichen Stellen geschrieben habe, ist mir noch immer unklar, ob das, was ich mache richtig ist und auch anerkannt wird. Ich fühle mich an dieser Stelle ein wenig allein gelassen und  von Verantwortlichem zu Verantwortlichem weitergereicht. Ich hätte mir - gerade in dem so wichtigen und ausschlaggebenden Bereich des Ablaufs und den Bestimmungen der Anerkennung - mehr Transparenz gewünscht.

Leben/Freizeit

Berlin ist für mich die Stadt der Cafés und Resaturants. Die Preise sind erschwinglich und man kann sich von einem Ende der Welt zur anderen durchessen. Gute Anhaltspunkte geben auch die Restaurantführer der Stadtmagazine zitty und tip. Bei Kaffe lohnt es sich einen Blick auf die Kaffemaschinen zu werfen, da Filterkaffe noch ein weit verbreitetes Phänomen zu sein scheint.

Ich habe mich meistens an Leute gehalten, die sich in Berlin bereits auskennen, wenn ich abends weggegangen bin. Das Überangebot lässt keinen Wunsch offen, nur jede Menge Möglichkeiten. Die Stadt ist zu gross, um alles zu kennen oder kennen zu wollen. Was aber auch schön ist, denn so entdeckt jeder seine eigene Stadt mit seinen eigenen Ecken.